{"id":3486,"date":"2010-09-25T12:20:46","date_gmt":"2010-09-25T15:20:46","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3486"},"modified":"2010-09-25T12:20:46","modified_gmt":"2010-09-25T15:20:46","slug":"fruhlingsmorgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/09\/25\/fruhlingsmorgen\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchlingsmorgen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein paar Augenblicke im Paradies<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Manchmal bringt der Fr\u00fchling einen dieser Morgen, die an ein Paradies ohne Schlange erinnern.<\/p>\n<p>Auf meiner nach Osten ausgerichteten Terrasse verbietet mir die verhei\u00dfungsvoll blendende Sonne, unerquickliche Neuigkeiten aus der Zeitung zur Kenntnis zu nehmen. Sie erw\u00e4rmt die ihre Bl\u00e4tter ausbr\u00fctende Linde von der mir abgewandten Seite. Aus meiner Sicht schneiden die tiefschwarzen Linden\u00e4ste den noch zartblauen Himmel in Tausende unendlicheckige Mosaiksteine, die in wiegende Bewegung geraten, wenn eine noch schl\u00e4frige Perlhalstaube oder ein vom fr\u00fchen Singen schon m\u00fcder Zorzal sich auf einem Zweig niederl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die nach Beschreibung eines hohen Bogens sich auf die Erde zuneigenden, trotz scharfer Z\u00e4hne seidigen Bl\u00e4tter des Pampagrases gl\u00e4nzen im Gegenlicht wie Lametta. Gesch\u00e4ftig l\u00e4dt sich ein Hornerop\u00e4rchen neben der \u00fcbergelaufenen Vogelbadewanne Schlamm auf, um sein Ofennest auszubauen oder auszubessern. Der Zaunk\u00f6nig, ebenfalls ein Fr\u00fchaufsteher, wuselt zwischen Veilchenbl\u00e4ttern, die versprechen, bald hellblau durchpunktet zu sein.<!--more--><\/p>\n<p>Bereits so dicht mit kardinalshutfarbigen Bl\u00fcten besetzt, dass man ihre Bl\u00e4tter kaum noch erkennen kann, ist die robuste Tigre-Azalee, w\u00e4hrend ihre wei\u00dfrosa Nachbarin \u2013 gewiss ein Zuchtgew\u00e4chs \u2013 noch M\u00fche hat, die Pracht vom Boden her aufzubauen.<\/p>\n<p>Ein gr\u00fcner Kolibri erscheint erstmalig. W\u00e4hrend sein bronzener Vetter auch im Winter zu sehen ist, scheint dieser die blumenarme Zeit im warmen Norden verbracht zu haben. Jetzt gibt es aber wieder allerlei zu nippen: die Sonne streicht gerade \u00fcber die erste sich \u00f6ffnende Akelei; eine Reihe gelb-orange protzender Clivien liegt noch im Schatten.<\/p>\n<p>Unergiebig f\u00fcr den Kolibri sind die G\u00e4nsebl\u00fcmchen. Ich habe ihre Vorfahren in der Aktentasche aus Deutschland mitgebracht und Jahre gebraucht, den richtigen halbschattigen Platz f\u00fcr sie zu finden. Jetzt bl\u00fchen sie aber einen Fu\u00df hoch und so dicht, dass ihre Fleckchen zwei frischgewaschenen Kissen gleichen, welche Frau Holle unter der Zeder vergessen hat. In wenigen Wochen wird die immer noch ungewohnte Sonnenflut sie auf Zwergenma\u00df stutzen.<\/p>\n<p>Dann werden aber unsere Schildkr\u00f6ten gesch\u00e4ftig sein. Das Weibchen \u2013 es hei\u00dft nat\u00fcrlich &#8220;Manuelita&#8221; &#8211; wird sich vielleicht schon heute Nachmittag ans Licht trauen. Ihr Mann &#8211; &#8220;Kraut&#8221; &#8211; ist verfrorener; mit ihm ist fr\u00fchestens in einem Monat zu rechnen.<\/p>\n<p>Nun steht die Sonne hoch genug, um mich nicht mehr zu blenden. Ich lasse das Paradies und st\u00fcrze mich in die raue Nachrichtenwirklichkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein paar Augenblicke im Paradies Von Friedbert W. B\u00f6hm Manchmal bringt der Fr\u00fchling einen dieser Morgen, die an ein Paradies ohne Schlange erinnern. Auf meiner nach Osten ausgerichteten Terrasse verbietet mir die verhei\u00dfungsvoll blendende Sonne, unerquickliche Neuigkeiten aus der Zeitung zur Kenntnis zu nehmen. Sie erw\u00e4rmt die ihre Bl\u00e4tter ausbr\u00fctende Linde von der mir abgewandten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3486","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3486","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3486"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3486\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3488,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3486\/revisions\/3488"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3486"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}