{"id":3547,"date":"2010-10-02T13:15:32","date_gmt":"2010-10-02T16:15:32","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3547"},"modified":"2010-10-02T20:27:36","modified_gmt":"2010-10-02T23:27:36","slug":"ein-chronist-unserer-zeit-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/10\/02\/ein-chronist-unserer-zeit-2\/","title":{"rendered":"Ein Chronist unserer Zeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/10\/02\/un-cronista-de-nuestro-tiempo\/\">Click aqu\u00ed pra leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Der US-Fotograf Steve McCurry stellt im Centro Cultural Borges aus<\/p>\n<p><em>Von Valerie Thurner<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image2208\" alt=Pescadores11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Pescadores11.jpg\" \/><\/div>\n<p>Im Centro Cultural Borges wird die Einzelausstellung eines der besten zeitgen\u00f6ssischen Reportagefotografen erneut gezeigt. Die von der US-Botschaft unterst\u00fctzte Schau zeigt eine Auswahl von 150 Fotografien des nordamerikanischen Fotografen Steve McCurry aus dem Zeitraum 1980 bis zur Gegenwart.<\/p>\n<p>McCurry hat bisher \u00fcber 75 Reisen nach Indien, Nepal, Tibet, Afghanistan, Kambodscha, die Philippinen oder Sri Lanka unternommen, wo er sich, der dokumentarischen Tradition verpflichtet, unerm\u00fcdlich auf die Suche nach unvergesslichen Eindr\u00fccken von Kulturen und spannenden Schaupl\u00e4tzen macht. Verg\u00e4ngliche Augenblicke und fl\u00fcchtige Impressionen von Realit\u00e4ten f\u00e4ngt er fotografisch so gekonnt ein, dass er mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Robert Capa-Preis (1986) f\u00fcr seine Aufnahmen aus dem kriegsverw\u00fcsteten Afghanistan Anfang der 80er Jahre. Seine Bilder sind Zeitzeugen von Alltagsszenen, Stra\u00dfenaufnahmen oder Aufnahmen von Menschen in Momenten der selbstvergessenen Freude oder Verzweiflung an Kriegsschaupl\u00e4tzen in aller Welt. Eine magnetische Anziehung haben auch seine eindrucksvollen Portr\u00e4ts.<!--more--><\/p>\n<p>Assoziative Begleittexte erg\u00e4nzen die gro\u00dfformatigen Fotografien von intensiver Farbigkeit und kompositorischer Feinheit. Es sind Aufnahmen eines Reisenden, eines Flaneurs; die Kuratorin Virginia Fabri bezieht sich auf diese literarische Figur, die Walter Benjamin oder Charles Baudelaire im Paris der Jahrhundertwende (19.\/20. Jh.) gepr\u00e4gt hatten. Wie der intellektuelle Gro\u00dfstadtbummler, der sich sein Wissen durch Alltagsbeobachtungen erarbeitet, reist der Fotograf McCurry um den Globus, dank seinem au\u00dferordentlichen Auge f\u00fcr die narrative und visuelle Dichte und Dramatik einer Szenerie, die sich vor seinen Augen abspielt, und der Mu\u00dfe, den richtigen Moment abzuwarten, gelingen ihm immer wieder beeindruckende Bilder, die einen im Zeitalter von Photoshop sogar fast an deren \u201cEchtheit\u201d zweifeln lassen. Dieser perfekte Moment kann Verschiedenstes bedeuten: Es kann die beste Lichtsituation sein oder der pr\u00e4zise Augenblick einer Bewegung, eine Kombination von all diesen Faktoren, die sich zuf\u00e4llig ergeben, wie die der Fischer in Sri Lanka. Profane Alltagsarbeiten erhalten durch den Blick des Fotografen eine unbezahlbare Erhabenheit.<\/p>\n<p><strong>Gesichter<\/strong><\/p>\n<p>Meist sind es keine unbek\u00fcmmerten Augen, die das Interesse des K\u00fcnstlers auf seinen Reisen auf sich lenken. Der afghanische Minenarbeiter, aus dessen zerfurchtem, von Ru\u00df bedecktem Gesicht Augen voller Schwere in die Kamera blicken, oder die trotzige Miene eines Kleinkindes, immer schauen die Menschen in einer Nat\u00fcrlichkeit ohne zu posieren den Betrachter an.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2209\" alt=mccurry22.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/mccurry22.jpg\" align=left hspace=5 \/>Der Star der Ausstellung ist die Aufnahme des afghanischen M\u00e4dchens Sharbat Gula, die im Fl\u00fcchtlingslager Nasir Bagh in Pakistan 1984 aufgenommen wurde. Es handelt sich um ein geradezu perfektes Portr\u00e4t in seiner Farbigkeit und seinem Ausdruck. Der eindringliche, verst\u00f6rte Blick dieses M\u00e4dchen war im Juni 1985 die Titelseite des National Geographic und ist eine Ikone der zeitgen\u00f6ssischen Reportagefotografie geworden. Die Aufnahme hat auch eine Nachgeschichte. McCurry hatte 17 Jahre nach diesem unbekannten M\u00e4dchen gesucht, war in Begleitung des pakistanischen Journalisten Rahimullah ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zur\u00fcckgekehrt und suchte die Frau. Aber alle Spuren verloren sich in Ger\u00fcchten und Fehlaussagen, so dass erst die Hilfe des FBI 17 Jahre danach das unbekannte Gesicht als Sharbat Gula identifizieren konnte.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t des Fotografen ist seine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die richtige Distanz, die den Menschen sowohl in Freuden wie in Verzweiflung ihre W\u00fcrde belassen. Die sehr best\u00fcrzende Aufnahme eines weinenden, schmutzigen Jungen, der sich eine Pistole an die Schl\u00e4fe h\u00e4lt, ist die einzige Aufnahme aus dem lateinamerikanischen Raum. Ob es sich um eine echte Handfeuerwaffe oder ein Spielzeug handelt, ist hinf\u00e4llig, das Schockierende liegt in der Geste jenseits von kindlicher Unschuld. Und der Titel sowie eine weitere Komponente machen diese Aufnahme zu einer stummen Anklage an die USA: Auf dem T-Shirt des hispanischen Kindes sind noch die Reste des Aufdrucks von Spiderman zu erkennen. Das Bild hei\u00dft Lateinamerika.<\/p>\n<p>Doch McCurry sucht nicht ausschlie\u00dflich Tragik, so ist das Portr\u00e4t eines \u00e4lteren Inders, der aus unerfindlichen Gr\u00fcnden in kinnhohem Wasser watend, grinsend eine ausgediente von Algen \u00fcberwachsene N\u00e4hmaschine neben sich hertr\u00e4gt, genauso stark. Vergleichbar mit einem Chirurgen, der um das \u00dcberleben seiner Patienten k\u00e4mpft, ist eine Aufgabe des Reportagefotografen, das \u00dcberleben von solch unvergleichlichen Momenten f\u00fcr die Nachwelt zu garantieren.<\/p>\n<p>Die Ausstellung \u201cCulturas &#8211; Steve McCurry\u201d l\u00e4uft nur noch bis zum 17. Oktober 2010 im Centro Cultural Borges, Viamonte\/San Mart\u00edn, Mo-Sa 10-21, So 12-21 Uhr.<\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p><em>Fischer, Weligama, S\u00fcdk\u00fcste Sri Lanka, 1995.<\/p>\n<p>Das afghanische M\u00e4dchen, Fl\u00fcchtlingslager Nasir Bagh, 1984.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed pra leer la versi\u00f3n en castellano. Der US-Fotograf Steve McCurry stellt im Centro Cultural Borges aus Von Valerie Thurner Im Centro Cultural Borges wird die Einzelausstellung eines der besten zeitgen\u00f6ssischen Reportagefotografen erneut gezeigt. Die von der US-Botschaft unterst\u00fctzte Schau zeigt eine Auswahl von 150 Fotografien des nordamerikanischen Fotografen Steve McCurry aus dem Zeitraum [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,4],"tags":[],"class_list":["post-3547","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunstler-artistas","category-tipp-der-woche-recomendacion-de-la-semana"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3547","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3547"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3547\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18939,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3547\/revisions\/18939"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3547"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3547"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3547"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}