{"id":3622,"date":"2010-09-23T22:13:35","date_gmt":"2010-09-24T01:13:35","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3622"},"modified":"2010-11-01T17:29:24","modified_gmt":"2010-11-01T20:29:24","slug":"menschlicher-film-in-komodienverpackung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/09\/23\/menschlicher-film-in-komodienverpackung\/","title":{"rendered":"&#8220;Menschlicher Film in Kom\u00f6dienverpackung&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/09\/23\/una-pelicula-humana-en-envase-de-comedia\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Ralf H\u00fcttner spricht \u00fcber sein Roadmovie &#8220;Vincent will Meer&#8221;<\/p>\n<p><em>Von Flora Roenneberg<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Huettner11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Huettner11-200x300.jpg\" alt=\"\" title=\"Regisseur Ralf Huettner Vinent will Meer Sonderscreening  M\u00c3\u00bcnche\" width=\"200\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3651\" \/><\/a>Eigentlich wollte der deutsche Regisseur Ralf H\u00fcttner Bildhauer werden, dann kamen ihm jedoch ein Maulwurf, ein Zirkushase und ein Friseurtermin dazwischen. Als H\u00fcttner w\u00e4hrend seiner Bildhauerausbildung in M\u00fcnchen als Schauspieler jobbte und sich zuf\u00e4llig in einer WG die Haare schneiden lie\u00df, kam alles anders. Dort begegnete er einem Abg\u00e4nger der Filmhochschule, den er mit seiner Idee f\u00fcr ein Kinderbuch \u00fcber die Freundschaft eines Maulwurfs und eines Hasen begeistern konnte. Mit bunten Zeichnungen und dem Glauben an sein Bilderbuch verkaufte H\u00fcttner seine erste Idee. Nun zeigt der erfolgreiche Regisseur seinen j\u00fcngsten Film &#8220;Vincent will Meer&#8221; beim <a href=\"http:\/\/www.cinealeman.com.ar\/festival10\/intro10.html\">10. Deutschen Kinofestival in Buenos Aires<\/a>.<\/p>\n<p>FR: Was bedeutet es f\u00fcr Sie, an diesem Festival teilzunehmen?<\/p>\n<p>H\u00fcttner: Ich freue mich, dass der Film internationale Annerkennung gewonnen hat und im Ausland gut verstanden wird. Es ist selten, dass deutsche Filme, wenn sie nicht \u00fcber Nazis oder die DDR gehen, im Ausland ein derartiges Interesse wecken. Allerdings geht es in dem Film um internationale Themen wie Au\u00dfenseiter, Krankheiten und pers\u00f6nliche Probleme &#8211; und irgendwie kennen wir das ja alle.<\/p>\n<p>FR: Sie gelten als \u00fcberaus vielseitiger Regisseur, bekannt durch sowohl Politsatiren, Beziehungskom\u00f6dien und Thriller &#8211; und nun &#8220;Vincent will Meer&#8221;. Was bewegte Sie dazu, diesen Film zu drehen?<\/p>\n<p>H\u00fcttner: Vielseitig stimmt, jedoch geht es mir eigentlich immer nur um Menschen, egal ob sie in Thrillern oder bei &#8220;Vincent will Meer&#8221; mitspielen. Insofern ist dieser Film kein Ausrei\u00dfer, sondern einfach nur ein sehr menschlicher Film in einer Kom\u00f6die verpackt. Er zeigt die Vers\u00f6hnung und Entwicklung von drei Au\u00dfenseitern mit Handicaps. Diese werden in meinem Film nicht geheilt, sondern lernen sich anders zu ihren Krankheiten zu stellen. Das ist es, was mich an dem Film gereizt und begeistert hat. Ich wollte genau diese kleine Entwicklung der Charaktere zeigen, da ich glaube, dass jeder von uns sich irgendwo behindert f\u00fchlt, und seine Probleme mit sich tr\u00e4gt. So stellt dieser Film f\u00fcr mich den Umgang jedes einzelnen Charakters mit sich selbst dar. Demnach finden alle Figuren ein bisschen mehr zu sich und gehen gleichzeitig auf ihre Mitmenschen zu. Diese Entwicklung von Beziehungen und Selbstreflektion ber\u00fchrten mich und genau das fand ich filmisch sehr interessant darzustellen.<!--more--><\/p>\n<p>FR: Die Doppeldeutigkeit des Titels findet sich auch im Spanischen &#8220;Vincent quiere a mar&#8221; &#8211; Vincent will lieben, wieder. Trifft diese Doppeldeutigkeit des spanischen Titels auf den Film zu?<\/p>\n<p>H\u00fcttner: Ja, auf jeden Fall! Der spanische Titel ist sogar viel sch\u00f6ner als der deutsche. Im deutschen Titel versucht die Doppeldeutigkeit eigentlich genau dies auszusagen: Vincent will &#8220;mehr&#8221; &#8211; er will mehr Liebe!<\/p>\n<p>FR: Florian David Fitz, im Film als Hauptrolle Vincent zu sehen, hat das Drehbuch selbst verfasst. Was k\u00f6nnen Sie \u00fcber die Hintergr\u00fcnde des Buches erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p>H\u00fcttner: Florian hatte einen Schauspiellehrer in New York, der selbst Tourette hatte. Demnach behandelte er das Thema mit einem sehr pers\u00f6nlichen Bezug. Wir hatten dabei das Gl\u00fcck, einen Schauspieler zu gewinnen, der sich sehr lange und intensiv mit seiner Rolle auseinandergesetzt hat und diese folglich sehr \u00fcberzeugend darstellen konnte.<\/p>\n<p>FR: Der Film befasst sich mit schweren Themen wie Tourette, Magersucht und Zwangsneurotik. Wie stehen Sie zu diesen Themen und warum war es Ihnen wichtig, diese auf so eine komische Art und Weise zu zeigen?<\/p>\n<p>H\u00fcttner: Ich fand es wichtig, gerade solche schwierigen Themen leicht darzustellen. H\u00e4tte ich den Film schwer machen wollen &#8211; und die meisten deutschen Filme sind ja schwer oder tun sich schwer -, so h\u00e4tte ich den Film nicht mit Schauspielern machen d\u00fcrfen. Man h\u00e4tte viel ehrlicher sein und das Thema dokumentarisch anpacken m\u00fcssen. Das wollten wir nicht, weil ich glaube, dass man dadurch nicht so viele Leute erreichen kann. Dies ist ein Kinofilm, er muss was einspielen, er muss unterhalten. In Deutschland wird immer zwischen Unterhaltung und Ernst unterschieden, aber ich glaube, man kann auch schwere Themen leicht pr\u00e4sentieren. Schlie\u00dflich liegen Kom\u00f6die und Trag\u00f6die ja auch irgendwo ganz nah beieinander.<\/p>\n<p>FR: Wie haben Sie sich auf den Film vorbereitet?<\/p>\n<p>H\u00fcttner: Indem ich die ganzen Krankheiten sehr ernst genommen habe. Die Hauptarbeit an diesem Film war es eben, diese Krankheiten in ihrer Ernsthaftigkeit richtig dazustellen und dann damit lustig umzugehen. Wir recherchierten also sehr lange \u00fcber die einzelnen Erkrankungen und ver\u00e4nderten viel am Drehbuch. Ein Beispiel ist, dass im urspr\u00fcnglichen Drehbuch der Zwangskranke gegen seinen Willen zu der Reise im Film gezwungen wird. Psychologen bekr\u00e4ftigten jedoch, dass kein Zwangskranker freiwillig irgendeinen Raum, den er kennt, verl\u00e4sst. Also musste man eine L\u00f6sung finden, den Kranken mit auf die Reise zu kriegen, ohne dabei sein Krankheitsbild falsch zu pr\u00e4sentieren. Denn um ernsthaft lustig zu sein, m\u00fcssen die Figuren stimmen. Ich glaube, dass das Publikum sp\u00fcrt, dass die Leute echt sich und die Figuren somit ernst nimmt.<\/p>\n<p>FR: Welche Szenen haben Sie in dem Film am meisten bewegt?<\/p>\n<p>H\u00fcttner: Rein optisch gibt es ein Bild, als die drei Au\u00dfenseiter an ein altes Stauwerk gelangen. \u00dcber dem Werk sieht man die Berge und die Sonne bricht gerade durch die Wolken. Das fand ich als Aufbruchsbild sehr stark. Vom inhaltlichen ist die Szene, in der Vincent die Hand des Zwangskranken nimmt, als Geste sehr beeindruckend. Florian hat jedoch mehrere sch\u00f6ne &#8220;Big Points&#8221; geschaffen, die dramaturgisch richtig glatt durchziehen. Der Film springt dabei vom Witzigen ins Tiefe.<\/p>\n<p>FR: Wie w\u00fcrden Sie die Dreharbeiten beschreiben?<\/p>\n<p>H\u00fcttner: Bei so einem Roadmovie denkt man immer, man hat viel Spa\u00df &#8211; f\u00e4hrt irgendwo hin und es ist alles einfach. Das ist \u00fcberhaupt nicht so. Wir brauchten immer das gleiche Wetter, wir hatten die Schauspieler nicht immer da und mussten oft tricksen. Wenn schlechtes Wetter ist, dann ist eben einfach schlechtes Wetter, man kann nicht umdisponieren, in den Bergen ist man eben in den Bergen!<\/p>\n<p>FR: Was begeistert Sie am meisten an Ihrem Beruf?<\/p>\n<p>H\u00fcttner: Das Sch\u00f6nste ist eigentlich, wenn man einen Film fertig hat und man die Reaktion des Publikums im Kino erlebt. Das ist ein unglaubliches Gef\u00fchl. Abgesehen davon gibt es viele verschiedene Aspekte in diesem Beruf, die faszinieren. F\u00fcr mich, glaube ich, sind es die Geschichten und die Menschen. Ich will Geschichten erz\u00e4hlen und die Bilder und Emotionen, die Menschen durchmachen, zeigen. Das begeistert mich, und das ist, warum ich Regie f\u00fchre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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