{"id":3895,"date":"2010-10-18T10:13:38","date_gmt":"2010-10-18T13:13:38","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3895"},"modified":"2010-10-31T09:36:26","modified_gmt":"2010-10-31T12:36:26","slug":"von-auschwitz-zu-den-madres-de-plaza-de-mayo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/10\/18\/von-auschwitz-zu-den-madres-de-plaza-de-mayo\/","title":{"rendered":"Ein deutsch-argentinisches Schicksal"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/10\/18\/un-destino-germano-argentino\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Eva Eisenstaedt pr\u00e4sentierte auf der Frankfurter Buchmesse ihr Buch &#8220;Zweimal \u00dcberleben. Von Auschwitz zu den M\u00fcttern der Plaza de Mayo. Die Geschichte der Sara Rus&#8221;<\/p>\n<p><em>Von Nils Witte<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/eva11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/eva11.jpg\" alt=\"\" title=\"eva11\" width=\"250\" height=\"187\" class=\"alignleft size-full wp-image-3896\" \/><\/a>&#8220;Am 5. Mai 1945 vor dem Kavanagh-Geb\u00e4ude in Buenos Aires.&#8221; So hatte Sara Rus es mit ihrem Geliebten verabredet, als sich ihre Wege im Ghetto von Lodz trennten. Und wirklich, beide \u00fcberlebten die Vernichtungsmaschinerie der Nazis und beide gingen nach Buenos Aires. F\u00fcr Sara Rus verbinden sich hier Gl\u00fcck und Trauer. In Villa Lynch in der Vorstadt von Buenos Aires ging ihr Traum eines Lebens in Wohlstand und Freiheit in Erf\u00fcllung. Hier bekam sie 1950 ihren ersten Sohn und hier verlor sie ihn. Am 15. Juli 1977 hat sie ihn zum letzten Mal gesehen. &#8220;Daniel contin\u00faa desaparecido&#8221; &#8211; steht auf einer Gedenktafel, die sein ehemaliger Arbeitgeber, die Argentinische Atomenergiekommission CNEA, Jahre sp\u00e4ter zu seinem Gedenken aufh\u00e4ngen lie\u00df.<\/p>\n<p>Die Porte\u00f1a Eva Eisenstaedt hat die Geschichte ihrer Freundin Sara Rus aufgeschrieben. Auf der Frankfurter Buchmesse pr\u00e4sentierte sie jetzt die deutsche \u00dcbersetzung mit dem Titel &#8220;Zweimal \u00dcberleben&#8221;. &#8220;Ein Mensch hat dieses doppelte Schicksal. Aber sie ist hoffnungsvoll und optimistisch&#8221;, erkl\u00e4rt sie ihre Bewunderung f\u00fcr Sara Rus. Abwechselnd erz\u00e4hlt das Buch von der Verfolgung durch die Nazidiktatur und die Suche nach dem verschwundenen Sohn in Argentinien.<!--more--><\/p>\n<p>Als das KZ Mauthausen am 5. Mai 1945 von den Amerikanern befreit wird, endet f\u00fcr Sara Rus eine Irrfahrt durch die Arbeits- und Vernichtungslager der Nazis. In der von Eva Eisenstaedt erz\u00e4hlten Geschichte klingen die unsagbaren Grausamkeiten, das Leiden und die allt\u00e4gliche Pr\u00e4senz des Todes in den Kriegsjahren an. Im Mittelpunkt steht jedoch der Lebensmut dieser Frau, die im Alter von zw\u00f6lf Jahren nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dabei von ihrem Vater f\u00fcr immer getrennt wurde. Sie erz\u00e4hlt von den Lichtblicken, die es im Konzentrationslager gab. Sie erz\u00e4hlt vom Zusammenhalt der H\u00e4ftlinge, davon, wie das willensstarke M\u00e4dchen Sara ihrer Mutter den Teekessel tr\u00e4gt, weil jene entkr\u00e4ftet ist. Wie ihre Mutter ihr Eisbeutel zukommen l\u00e4sst, als sie bei der Arbeit st\u00fcrzt und beinahe umkommt. Wie sie von einem Deutschen heimlich Brot zugesteckt bekommt und es mit ihrer Mutter teilt. Vom unendlichen Gl\u00fcck, das sie empfindet, weil sie mit ihrer Mutter gemeinsam alles \u00fcberlebt hat. Am Ende des Krieges findet sie sogar ihren Geliebten Bernardo wieder. Alle gemeinsam reisen schlie\u00dflich \u00fcber Paraguay illegal nach Argentinien ein, wo sie sich erst durch ein schriftliches Ersuchen an Eva Per\u00f3n vor der Zwangsabschiebung retten.<\/p>\n<p>Die zweite Geschichte nimmt ihren Ausgang im Argentinien der letzten Milit\u00e4rdiktatur. Sara Rus\u2019 Sohn Daniel promoviert gerade in Atomphysik, als er 1977 im Alter von 27 Jahren verschwindet. Eva Eisenstaedt erz\u00e4hlt von der Suche der Eltern nach ihrem Sohn, vom Engagement der Mutter bei den Madres de Plaza de Mayo und den Hilfsgesuchen bei der Katholischen Kirche, bei den Vereinten Nationen und vielen anderen argentinischen und internationalen Beh\u00f6rden. Aber alles Nachforschen blieb und bleibt erfolglos. Einige der Antwortschreiben sind in dem Buch abgedruckt, darunter auch ein Brief des deutschen Au\u00dfenministers Genscher. Beide Eltern widmeten ihr Leben der Suche. &#8220;Eines Nachts stieg ich auf die Dachterrasse und schrie. Ich schrie. Ich schrie seinen Namen. Ich dachte mir, vielleicht h\u00f6rt er mich ja irgendwo.&#8221;<\/p>\n<p>Die Autorin fand \u00fcber die Geschichte der Sara Rus auch zu ihrer eigenen. Ihre Eltern flohen schon 1933 \u00fcber Amsterdam aus Deutschland. &#8220;Meine Mutter gab Anne Frank Turnunterricht&#8221;, erz\u00e4hlt Eva Eisenstaedt mit verhaltenem Stolz, &#8220;und jetzt fahre ich nach Amsterdam, um im Archiv einen Briefwechsel der beiden einzusehen.&#8221; Sie w\u00fcnscht sich, dass mehr \u00fcber die Vergangenheit gesprochen wird und ist froh, dass die T\u00e4ter der Milit\u00e4rdiktatur nun endlich gerichtlich verfolgt werden.<\/p>\n<p>Das Erscheinen des Buches, das auf der Buchmesse zu Recht gro\u00dfe Aufmerksamkeit fand, wurde erm\u00f6glicht durch die Unterst\u00fctzung des Nationalfonds der Republik \u00d6sterreich f\u00fcr die Opfer des Nationalsozialismus, dessen Vorsitzende Hanna Lessing ein Vorwort beisteuerte. &#8220;Zweimal \u00dcberleben&#8221;, von Regina Schmiedeberg hervorragend \u00fcbersetzt, ist nicht nur spannende Lekt\u00fcre, sondern auch ein informatives und wertvolles Zeugnis deutscher und argentinischer Geschichte. F\u00fcr Eva Eisenstaedt ist es aber vor allem eine Liebeserkl\u00e4rung an eine Frau, die sie sehr bewundert: &#8220;Diese Person hat mich fasziniert, deshalb wollte ich das Buch schreiben.&#8221;<\/p>\n<ul>\n<li>Eva Eisenstaedt: &#8220;Zweimal \u00dcberleben. Von Auschwitz zu den M\u00fcttern der Plaza de Mayo. Die Geschichte der Sara Rus&#8221;. Aus dem Spanischen \u00fcbersetzt von Regina Malke Schmiedeberg. Mandelbaum Verlag, Wien 2010. 152 S., brosch., 15 \u20ac. Originaltitel: &#8220;Sobrevivir dos veces&#8221;.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Foto oben:<\/strong><\/p>\n<p>Eva Eisenstaedt auf der Frankfurter Buchmesse.<br \/>\n(Foto: Nils Witte)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. Eva Eisenstaedt pr\u00e4sentierte auf der Frankfurter Buchmesse ihr Buch &#8220;Zweimal \u00dcberleben. Von Auschwitz zu den M\u00fcttern der Plaza de Mayo. Die Geschichte der Sara Rus&#8221; Von Nils Witte &#8220;Am 5. 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