{"id":3906,"date":"2010-10-18T11:42:24","date_gmt":"2010-10-18T14:42:24","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3906"},"modified":"2010-10-31T11:32:15","modified_gmt":"2010-10-31T14:32:15","slug":"kunstjagdfieber-in-entre-rios","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/10\/18\/kunstjagdfieber-in-entre-rios\/","title":{"rendered":"Kunstjagdfieber in Entre R\u00edos"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/10\/18\/una-caceria-de-arte-en-la-febril-entre-rios\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Der Roman &#8220;Salvatierra&#8221; des argentinischen Schriftstellers Pedro Mairal<\/p>\n<p><em>Von Nils Witte<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Mairal11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Mairal11.jpg\" alt=\"\" title=\"Mairal11\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignleft size-full wp-image-3907\" \/><\/a>Was w\u00e4re, wenn man statt eines Tagebuchs ein Tagebild f\u00fchren w\u00fcrde? Juan Salvatierra hat es getan. Die Hauptfigur in Pedro Mairals Roman &#8220;Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra&#8221;, jetzt in deutscher \u00dcbersetzung erschienen, ist durch einen Reitunfall im Alter von neun Jahren verstummt. Seit seinem zwanzigsten Lebensjahr hat er jeden Tag seines Lebens an ein und demselben Gem\u00e4lde gearbeitet. Als er stirbt, hinterl\u00e4sst er eine Leinwand von 4000 Metern L\u00e4nge. Viertausend Meter, auf dem er sein Leben teils dokumentiert, teils fantasierend neu erfindet.<\/p>\n<p>Sein Sohn Miguel, Ich-Erz\u00e4hler des Romans, f\u00e4hrt in das Heimatdorf Salvatierras am Grenzfluss zwischen Argentinien und Uruguay und macht sich daran, das Kunstwerk f\u00fcr die Nachwelt zu retten. Bei seiner Dokumentationsarbeit st\u00f6\u00dft er auf eine L\u00fccke: Die Rolle aus dem Jahr 1961 fehlt. Miguel begibt sich auf die Suche nach Salvatierras Freunden von damals, die von dem Bild wissen k\u00f6nnten. Die sind jedoch tot, altersdement oder an den Ufern des Flusses verschollen.<!--more--><\/p>\n<p>Je schwieriger die Fahndung nach der fehlenden Leinwand wird, desto wichtiger erscheint sie Miguel, denn das \u0152uvre seines Vaters ist keine blo\u00dfe Aneinanderreihung von Bildern, sondern ein kontinuierlicher Fluss von Bildern gleich einem japanischen Emakimono. &#8220;Vom Ganzen her gesehen war das fehlende Teil geringf\u00fcgig, ich wollte es aber finden, die L\u00fccke, der Sprung in einem derart kontinuierlichen Werk beunruhigte mich.&#8221; Der Ich-Erz\u00e4hler lernt seinen Vater bei der Auseinandersetzung mit dessen Lebenswerk neu kennen, wodurch das Bild des harmlosen stummen Postbeamten, der Salvatierra scheinbar war, sich zunehmend als oberfl\u00e4chlich und falsch herausstellt.<\/p>\n<p>&#8220;Ich mag diese Idee: Das ganze Leben. Die Idee, dass das Ganze etwas bedeutet, das sein Sch\u00f6pfer nicht mitgedacht hat&#8221;, erkl\u00e4rt Autor Pedro Mairal seine Faszination f\u00fcr die Figur Salvatierra und verweist auf eine Geschichte aus Borges\u2019 &#8220;El haceador&#8221; (dt. &#8220;Borges und ich&#8221;): &#8220;Darin malt ein Gefangener die Welt und bemerkt kurz vor seinem Tod, dass die Linien seines Bildes sich in den Falten seines Gesichts wiederfinden.&#8221;<\/p>\n<p>Durch einen Bericht \u00fcber den K\u00fcnstler Jackson Pollock kam dem 1998 mit dem Premio Clar\u00edn ausgezeichneten Schriftsteller die Romanidee: &#8220;Pollock konnte eines Tages nicht mehr malen, Salvatierra ist das Gegenteil, er kennt keine Blockade.&#8221; Auch Salvatierras Malstil unterscheidet sich deutlich von Pollocks. Sein Gem\u00e4lde schafft ein neues Genre zwischen Naiver Kunst und Art Brut und gleicht darin der Figur ihres Sch\u00f6pfers, die sich nicht so recht einordnen l\u00e4sst zwischen &#8220;schlichter Dorfmensch&#8221; und &#8220;genialer K\u00fcnstler&#8221;.<\/p>\n<p>Das herauszufinden, folgt man als Leser mit Spannung der detektivischen Suche des Erz\u00e4hlers Miguel. Mairal gelingt es dabei hervorragend, die fiebrige Atmosph\u00e4re im Sommer von Entre R\u00edos zu vermitteln. In der Geschichte schimmert eine Mischung aus Kommissar Maigrets Ermittlungen und Tom Sawyers Abenteuern am Mississippi.<\/p>\n<p>Man m\u00f6chte beinahe bedauern, dass Pedro Mairal dem Leser so viel Raum f\u00fcr das eigenst\u00e4ndige Fortentwickeln der Tiefen des Romans l\u00e4sst. Der Autor meint dazu: &#8220;Ich mag kurze B\u00fccher. B\u00fccher die in der Phantasie des Lesers weiterwachsen.&#8221;<\/p>\n<ul>\n<li>Pedro Mairal: &#8220;Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra&#8221;. Roman. Aus dem Spanischen \u00fcbersetzt von Dagmar Ploetz. Carl Hanser Verlag, M\u00fcnchen 2010. 144 S., geb., 14,90 \u20ac. Originaltitel: &#8220;Salavatierra&#8221;.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Foto oben:<\/strong><\/p>\n<p>Pedro Mairal.<br \/>\n(Foto: Clara Muschietti)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. Der Roman &#8220;Salvatierra&#8221; des argentinischen Schriftstellers Pedro Mairal Von Nils Witte Was w\u00e4re, wenn man statt eines Tagebuchs ein Tagebild f\u00fchren w\u00fcrde? Juan Salvatierra hat es getan. 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