{"id":529,"date":"2010-08-17T07:17:59","date_gmt":"2010-08-17T10:17:59","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/07\/22\/eine-vergessene-heldin-zum-leben-erweckt\/"},"modified":"2010-11-20T15:16:51","modified_gmt":"2010-11-20T18:16:51","slug":"eine-vergessene-heldin-zum-leben-erweckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/17\/eine-vergessene-heldin-zum-leben-erweckt\/","title":{"rendered":"Eine vergessene Heldin, zum Leben erweckt (2002)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/17\/una-heroina-olvidada-vuelve-a-la-vida-2002\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Ausstellung \u00fcber Emilie Schindler im Klub &#8220;Gimnasia y Esgrima&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image530\" alt=emilie.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/emilie.jpg\" align=right hspace=5\/>Warum sie eine Ausstellung \u00fcber Emilie Schindler im Sportklub &#8220;Gimnasia y Esgrima&#8221; organisiert hat, erkl\u00e4rt ihre Biographin Erika Rosenberg, die sich, fast ein Jahr nach dem Tod Emilie Schindlers am 5. Oktober 2001 in Deutschland, als ihr Sprachrohr versteht, so: Der Klub sei der einzige gewesen, der Emilie Schindler zu ihren Lebzeiten eingeladen habe. So geb\u00fchre ihm nun die Ehre, die \u00fcber 100 Dokumente aus ihrem Nachlass zu zeigen, die Erika Rosenberg in Eigenregie liebevoll zusammengestellt hat. Fotokopien und Repros, auf Karton aufgeklebt, mit einem Erkl\u00e4rungstext auf Spanisch versehen, sind die zahlreichen Briefe, offiziellen Papiere &#8211; und nicht zuletzt einige Seiten der ber\u00fchmten &#8220;Liste Schindlers&#8221; mit den Namen der \u00fcber 1200 von Oskar und Emilie Schindler geretteten Juden -, auch f\u00fcr diejenigen verst\u00e4ndlich, die kein oder wenig Deutsch beherrschen.<\/p>\n<p>Erika Rosenberg gelingt es, mit den in Glasvitrinen h\u00e4ngenden stummen, aber beredten Zeugen eines bemerkenswerten Lebens ein lebendiges Bild von Emilie Schindler zu schaffen.<!--more--> Sie will unter anderem auch Missverst\u00e4ndnisse aus dem Weg r\u00e4umen: So die Annahme, dass Oskar Schindlers Witwe eine reiche Frau gewesen sei. Im Gegenteil, sie besa\u00df ihr ganzes Leben nicht viel, was sie ihr eigen nennen konnte. Ein Brief von den Universal Studios in Hollywood rechnet Frau Schindler vor, wie viele Millionen Dollar Verlust der Film &#8220;Schindlers Liste&#8221; eingespielt habe. Also sei hier kein Anspruch anzumelden.<!--more--><\/p>\n<p>Der Regisseur Stephen Spielberg scheint bis zum Ende der Dreharbeiten nicht verstanden zu haben, mit wem er es zu tun hatte: Er lud Emilie Schindler nach Jerusalem ein, um in der Abschlussszene mitzuwirken, in der die &#8220;echten&#8221; Geretteten auftreten &#8211; und er sprach sie nicht nur als eine der Geretteten an, sondern lud sie auch noch mit ihrem Mann ein (!), dem l\u00e4ngst verstorbenen Oskar Schindler, Protagonist seines eigenen Films. Jeder Bewunderer von Stephen Spielbergs Werk wird sein Bild von ihm stark abschw\u00e4chen, wenn er den Brief an Emilie gelesen hat.<\/p>\n<p>Weitere Zeugnisse von Emilies eher \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen: Seiten aus einem Notizblock, auf denen sie zusammenrechnet, was sie f\u00fcr Grundnahrungsmittel ausgeben kann, der Zahlungsbefehl eines deutschen Gerichts \u00fcber mehr als 3000 DM, nachdem Emilie sich umsonst bem\u00fcht hatte, den Koffer Oskar Schindlers zu bekommen, und sie das Gerichtsverfahren verloren hatte. Ein paar Schecks von Geretteten, \u00fcber Pfennigbetr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Aber das hei\u00dft nicht, dass Emilie Schindler eine vom Schicksal gebeutelte Frau war, die zum Klagen neigte. Die Natur- und Tierfreundin hatte einen starken Charakter und wusste sehr genau, was sie wollte. Ein Waffenschein zeigt, dass sie eine Pistole besa\u00df: Wenn einer sie in ihrem Haus \u00fcberfallen w\u00fcrde, den w\u00fcrde sie erschie\u00dfen. Als sie auf ihren ausdr\u00fccklichen Wunsch im Jahr 2001 nach Deutschland zur\u00fcckkehrte, &#8220;flirtete&#8221; die 93-J\u00e4hrige am Flughafen mit zwei recht beleibten Polizeibeamten: &#8220;Warum sind Sie so dick?&#8221; Die beiden erkl\u00e4rten das mit zuviel B\u00fcroarbeit &#8211; auch diese Anekdote ist mit einem Foto dokumentiert.<\/p>\n<p>Ein Teil der Ausstellung beleuchtet die zwiesp\u00e4ltige Beziehung zu Oskar Schindler: Die Geschichte einer turbulenten Ehe mit dem untreuen Charmeur, den sie zu sehr liebte, um ihn zu verlassen. Die Fabrik, die Rettung der Juden unter Einsatz des eigenen Lebens. Emigration nach Argentinien, das Spanischbuch, mit dem die beiden die neue Sprache studierten. Die Passagierliste des Schiffs, mit dem Oskar Schindler mit Ehefrau &#8211; aber auch seiner Geliebten &#8211; nach Argentinien reiste. Fehlgeschlagene Versuche, eine neue Existenz aufzubauen, Oskars Reise nach Deutschland, von wo er nie wieder zur\u00fcckkehrte. Briefe und Postkarten an Emilie, und schlie\u00dflich sein Tod, von dem Emilie aus einem Artikel in der &#8220;Naci\u00f3n&#8221; erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Dokumentiert sind auch die Artikel \u00fcber &#8220;Mutter Courage&#8221; vom ehemaligen Chefredakteur des Argentinischen Tageblatts, Peter Gorlinsky, dem es zu verdanken ist, dass sich \u00fcberhaupt noch jemand an Emilie Schindler erinnerte.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist der letzte: Hier befinden sich Zeugnisse von Ehrungen f\u00fcr Emilie Schindler, z.B. das Bundesverdienstkreuz Zweiter Klasse (w\u00e4hrend Stephen Spielberg das Erster Klasse erhalten hat!), die Ehrenb\u00fcrgerurkunde der argentinischen Nation, etc. Diese Auszeichnungen bedeuteten Emilie Schindler sehr viel, und es ist sehr zu bedauern, dass sie bei der Er\u00f6ffnung der permanenten Ausstellung ihres Nachlasses im Bonner &#8220;Haus der Geschichte&#8221; (dem sie ihren gesamten Besitz vermacht hat; die Schenkungsurkunde ist ebenfalls in der Exposition zu sehen) nicht mehr dabei sein konnte, weil sie schon zu krank war. Bundeskanzler Schr\u00f6der war pers\u00f6nlich anwesend, was ebenfalls auf Fotos dokumentiert ist.<\/p>\n<p>Die sehr sehenswerte Ausstellung &#8220;Emilie Schindler &#8211; una heroina olvidada&#8221; (Emilie Schindler &#8211; eine vergessene Heldin) wird im Oktober auch in Deutschland auf der Frankfurter Buchmesse gezeigt und von dort voraussichtlich nach Budapest und Berlin weiterwandern. Eine weitere Exposition bereitet Erika Rosenberg f\u00fcr Melbourne, Australien, Paris und Washington vor. Ihrem Versprechen an ihre Freundin Emilie Schindler, ihre Geschichte nicht in der Vergessenheit versinken zu lassen, wird sie mehr als gerecht.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 14.09.2002 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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