{"id":543,"date":"2006-07-25T07:21:20","date_gmt":"2006-07-25T10:21:20","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/07\/25\/schweizer-prasenz-auf-porteno-buhnen\/"},"modified":"2010-09-14T17:53:28","modified_gmt":"2010-09-14T20:53:28","slug":"schweizer-prasenz-auf-porteno-buhnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/07\/25\/schweizer-prasenz-auf-porteno-buhnen\/","title":{"rendered":"Schweizer Pr\u00e4senz auf Porte\u00f1o-B\u00fchnen (2003)"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;Top Dogs&#8221; von Urs Widmer und &#8220;Sent\u00e1te!&#8221; von Stefan Kaegi<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<table align=right>\n<tr>\n<td align=center>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image544\" alt=kaegi.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/kaegi.jpg\" \/><br \/>\n<em>Szene aus &#8220;Sent\u00e1te!&#8221;<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Der &#8220;Complejo Teatral de Buenos Aires&#8221; hat das Theaterjahr 2003 mit zwei Werken von Schweizer Theaterm\u00e4nnern begonnen: Im Cunill Cabanellas-Saal des San Mart\u00edn-Theaters l\u00e4uft &#8220;Top Dogs&#8221; des Dramaturgen Urs Widmer (1938); im Teatro Sarmiento das vom Mittzwanziger Stefan Kaegi entwickelte und vor Ort inszenierte Ready Made &#8220;Sent\u00e1te!&#8221; (&#8220;Sitz!&#8221;). Beide St\u00fccke wurden in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut auf die B\u00fchne gebracht.<\/p>\n<p>&#8220;Top Dogs&#8221;, von der Programmchefin des Goethe-Instituts Silvia Fehrmann hervorragend ins Spanische \u00fcbertragen, ist ein bitter sarkastisches und k\u00fchl durchdachtes, perfekt konstruiertes Widmer-Werk, das der junge Regisseur Cristian Drut diszipliniert und intelligent inszeniert hat und das durch hervorragende Schauspielleistungen, ein futuristisches B\u00fchnenbild sowie exzellente Licht- und Spoundeffekte getragen wird &#8211; ein perfekter Theatergenuss.<!--more--><\/p>\n<p>Die Akteure, die in der Fiktion die eigenen Namen tragen, verlassen nie die Welt, in der sie sich innerhalb des St\u00fccks bewegen, und alle Komponenten werden eingesetzt, um die K\u00fcnstlichkeit dieser Welt zu betonen und ihre Fragilit\u00e4t f\u00fcr den Zuschauer gerade noch durchscheinen zu lassen. Es geht um Top Manager, die von ihrer Firma entlassen wurden und nun im Rahmen einer Art Psychodrama-Session, in der das angeschlagene Ego wieder aufgebaut werden soll, in einer &#8220;Outplacement&#8221;-Firma darauf vorbereitet werden, einen neuen Job anzutreten. Keinen sympathischen Zeitgenossen begegnet man hier, sie sind absto\u00dfend, mitleiderregend und hoffnungslos ichbezogen. Bis in jede Einzelheit werden die verletzten Seelen offengelegt, das Ausma\u00df ihrer Arroganz verschafft dem Zuschauer die n\u00f6tige Distanz, um sich am bissigen Humor Widmers dennoch zu erfreuen.<\/p>\n<p>&#8220;Sent\u00e1te!&#8221; ist ein Theatererlebnis der ganz anderen Art. Nach 1 1\/2 Stunden und mehr als 20 Szenen, in denen man sich totgelacht oder gelangweilt hat, von der Poesie der Situation \u00fcberw\u00e4ltigt war, belustigt oder befremdet, ger\u00fchrt oder gar peinlich ber\u00fchrt war, geht man mit einem Mix aus Emotionen nach Hause, der diesen Theaterabend mit keinem anderen vergleichbar macht. Noch Tage danach erz\u00e4hlt man Freunden von den Schauspielern in den Tierkost\u00fcmen, die wie riesige King Kong-Monster \u00fcber die B\u00fchne torkeln und Topfpflanzen ausrei\u00dfen, den Namen der zahlreichen, die B\u00fchne bev\u00f6lkernden Kaninchen (Che Guevara, Borges, Duhalde&#8230;), dem Rennen zwischen Schildkr\u00f6te, Iguana und einem der hoppelnden Artgenossen, dem Affentanz ums Feuer oder den Schildkr\u00f6ten, die den Traum ihres Herrchens erf\u00fcllen und einmal als Piloten durch die Luft fliegen oder die sich, in einer anderen Szene, als Romeo und Julia ihre Liebe gestehen.<\/p>\n<p>Stefan Kaegi hat sich bei der Entwicklung des St\u00fccks, das innerhalb des von Vivi Tellas geleiteten &#8220;Biodrama&#8221;-Zyklus aufgef\u00fchrt wird, in dem erforscht werden soll, inwieweit das Dokumentarische im Theater funktioniert, von der Umgebung des Theaters, dem Zoo, leiten lassen. Seine drei Akteure, alle Laienschauspieler, wurden nach ihrer Beziehung zu ihren Haustieren ausgew\u00e4hlt. Die verschiedenen Szenen besch\u00e4ftigen sich mit der Hierarchie Herrchen-Haustier, mit dem Thema Ersatz und vielen anderen Gedanken, von h\u00f6chst philosophischen bis hin zu \u00e4u\u00dferst profanen.<\/p>\n<p>Die auf der B\u00fchne anwesenden Tiere machen den Theaterabend und den Ablauf des St\u00fccks zudem uneinsch\u00e4tzbar, so dass man unm\u00f6glich voraussehen kann, wie sich ein Abend entwickelt &#8211; und wie sich das Werk im Lauf der Zeit ver\u00e4ndern wird. Egal wie, es handelt sich um ein verr\u00fccktes, mutiges und einzigartiges Experiment, ein Risiko, das der Regisseur bewusst eingeht, und auf das sich auch der Zuschauer einlassen muss.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 19.04.2003 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Top Dogs&#8221; von Urs Widmer und &#8220;Sent\u00e1te!&#8221; von Stefan Kaegi Von Susanne Franz Szene aus &#8220;Sent\u00e1te!&#8221; Der &#8220;Complejo Teatral de Buenos Aires&#8221; hat das Theaterjahr 2003 mit zwei Werken von Schweizer Theaterm\u00e4nnern begonnen: Im Cunill Cabanellas-Saal des San Mart\u00edn-Theaters l\u00e4uft &#8220;Top Dogs&#8221; des Dramaturgen Urs Widmer (1938); im Teatro Sarmiento das vom Mittzwanziger Stefan Kaegi [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,17],"tags":[],"class_list":["post-543","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-zeitmaschine-la-maquina-del-tiempo","category-theater-teatro"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/543","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=543"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/543\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3408,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/543\/revisions\/3408"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=543"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=543"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=543"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}