{"id":545,"date":"2006-07-18T07:45:27","date_gmt":"2006-07-18T10:45:27","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/07\/26\/ess-storungen-in-einer-gestorten-welt\/"},"modified":"2006-08-12T22:35:29","modified_gmt":"2006-08-13T01:35:29","slug":"ess-storungen-in-einer-gestorten-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/07\/18\/ess-storungen-in-einer-gestorten-welt\/","title":{"rendered":"Ess-St\u00f6rungen in einer gest\u00f6rten Welt (2003)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Installation von Robin Lasser und Kathryn Sylva (USA) im Centro Cultural Recoleta<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image546\" alt=diet.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/diet.jpg\" align=left hspace=5\/>Essen bedeutet \u00dcberleben, kann Gesundheit bis ins Alter gew\u00e4hrleisten, Wohlbefinden, Ausgeglichenheit und Lustgef\u00fchl vermitteln. Wer aufh\u00f6rt zu essen, zerst\u00f6rt sich selbst. Hungerstreiks als politisches Druckmittel kommen immer wieder vor, aber viel h\u00e4ufiger sind Lebensstreiks junger Menschen, die kein &#8220;normales&#8221; Bild mehr von ihrem eigenen K\u00f6rper haben. D\u00fcrr und ausgemergelt, stehen sie vor dem Spiegel und finden sich dick und h\u00e4sslich. Sie verabscheuen sich und verneinen die nat\u00fcrlichen Funktionen ihres K\u00f6rpers.<\/p>\n<p>Wen wollen sie unter Druck setzen? An wen richten sich ihre Hilfeschreie? Die Konsumgesellschaft, die am Sch\u00f6nheitswahn viel zu gut verdient, h\u00f6rt jedenfalls nicht hin. Politiker greifen nicht ein. Angeh\u00f6rige sind oft diejenigen, die am wenigsten helfen k\u00f6nnen. Und psychologische Hilfe kommt oft zu sp\u00e4t. 20 % der Magers\u00fcchtigen sterben.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Mega-Ausstellung &#8220;Arte al plato!&#8221; im Centro Cultural Recoleta, die unter verschiedensten Aspekten das Essen in der Kunst betrachtet, stellen die beiden US-K\u00fcnstlerinnen Robin Lasser und Kathryn Sylva mit ihrer Installation &#8220;Ess-St\u00f6rungen in einer gest\u00f6rten Welt&#8221; die Probleme bulimischer und anorexischer (nicht nur) jugendlicher Menschen in den Mittelpunkt ihrer k\u00fcnstlerischen Arbeit.<!--more--> Beide K\u00fcnstlerinnen lehren an Universit\u00e4ten in den USA und sind mit dem Problem der Ess-St\u00f6rungen t\u00e4glich durch ihre Studenten konfrontiert. Robin Lasser war als Jugendliche selbst magers\u00fcchtig. Sie wei\u00df, wovon sie spricht.<\/p>\n<p>Seit sieben Jahren arbeiten die beiden Amerikanerinnen an dem Projekt, das sie jetzt erstmals in S\u00fcdamerika vorstellen.<br \/>\nDie K\u00fcnstlerinnen wollen mit ihrer Arbeit erreichen, dass die Gesellschaft st\u00e4rker auf die Gefahren von Magersucht und Bulimie aufmerksam wird und eine Diskussion \u00fcber das Tabuthema entsteht. Das gelingt ihnen, indem sie &#8211; mit gro\u00dfer \u00e4sthetischer Perfektion &#8211; jene Mittel der Massenkommunikation anwenden, die die t\u00f6dliche Kehrseite des Konsums sonst verschweigen und vorspiegeln, dass beispielsweise ein schlanker, durchtrainierter K\u00f6rper, bestimmte Kleidungsmarken, Kosmetikprodukte und andere Konsumg\u00fcter Gl\u00fcck und Zufriedenheit garantieren.<\/p>\n<p>So entwerfen sie etwa ein (Werbe-)Poster, das sagt: &#8220;Manche M\u00e4nner hungern sich nicht nur schlank &#8211; sie hungern sich tot&#8221;, oder versehen anonyme Fotos von essenden Personen mit einer Unterzeile, die den Grund f\u00fcr ihre jeweilige Ess-St\u00f6rung nennt, wie etwa: &#8220;Ich esse, damit mein Magen wehtut, und nicht mein Herz&#8221;. In einem Video thematisiert Robin Lasser das Essen und dessen Verweigerung in einer Wegwerfgesellschaft. Auf einer CD-Aufnahme kann man Aussagen Betroffener anh\u00f6ren. Ein Teil der Installation erinnert an diejenigen, die an Magersucht gestorben sind: Als erste nennen Sylva und Lasser Katharina von Siena, die sich im Jahre 1380 zu Tode gehungert hat.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 09.08.2003 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Installation von Robin Lasser und Kathryn Sylva (USA) im Centro Cultural Recoleta Von Susanne Franz Essen bedeutet \u00dcberleben, kann Gesundheit bis ins Alter gew\u00e4hrleisten, Wohlbefinden, Ausgeglichenheit und Lustgef\u00fchl vermitteln. Wer aufh\u00f6rt zu essen, zerst\u00f6rt sich selbst. 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