{"id":562,"date":"2006-08-02T08:46:40","date_gmt":"2006-08-02T11:46:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/02\/sicht-weisen\/"},"modified":"2006-08-05T14:59:47","modified_gmt":"2006-08-05T17:59:47","slug":"sicht-weisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/02\/sicht-weisen\/","title":{"rendered":"Sicht-Weisen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zeitgen\u00f6ssische Foto-Kunst aus Deutschland im Rahmen des &#8220;Festival de la Luz&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Julia Roth<\/strong><\/em><\/p>\n<table align=left>\n<tr>\n<td align=center>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image568\" alt=Fkunst32.JPG src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/Fkunst32.JPG\" \/><br \/>\n<em>Anna und Bernhard Blume,<br \/>\n\u201eIm Wald\u201c (Detail).<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Vor signalrotem Hintergrund verschwindet ein menschlicher K\u00f6rperteil in einer Haut\u00f6ffnung. Sogleich dr\u00e4ngen sich pornographische Assoziationen auf. Man ist im Begriff, zu err\u00f6ten, und geneigt, sich versch\u00e4mt den Blick senkend abzuwenden. Doch halt! Ist das doch kein m\u00e4nnlicher Phallus? Sondern vielleicht &#8211; der Rumpf eines Armes? Bei genauerem Hinsehen sieht man am rechten Rande feine blonde H\u00e4rchen gl\u00e4nzen&#8230; Doch wo, bitte, soll am menschlichen K\u00f6rper eine derartige Hautfalte sein wie die, in der der vermeintliche Arm auf diesem Foto verschwindet? Die Fotoarbeiten von Thomas Florschuetz geben keine Antworten. Der in Zwickau geborene und in Berlin lebende K\u00fcnstler stellt in seinen Selbstportr\u00e4ts und K\u00f6rperbildern K\u00f6rperteile, Gesicht und Glieder in immer neue, befremdliche Zusammenh\u00e4nge. Die Betrachter bleiben auf ihre individuellen Assoziationen angewiesen und werden so zum aktiven Teil der Kunstwerke.<\/p>\n<p>Auf ganz andere Weise macht sich die K\u00f6lner K\u00fcnstlerin Astrid Klein die M\u00f6glichkeiten der Fotografie zunutze. Doch setzt auch sie auf die \u00e4sthetische Erfahrung der Betrachter. Sie reproduziert Bilder aus den Massenmedien, um aktuelle politische Erfahrungen darzustellen. Die gro\u00dfformatige Fotoarbeit \u201eDenkgrenzen\u201c (1984) zeigt die grobk\u00f6rnig projizierten Schatten zweier miteinander k\u00e4mpfender Menschen vor anonymer Architektur. Durch Positiv-Negativ-Umkehrung provoziert das Bild Assoziationen einer bedrohlichen Gro\u00dfstadtstimmung: anonyme Massensiedlungen, Raub\u00fcberf\u00e4lle und \u00dcberwachungsstaat.<\/p>\n<p>Die beiden Fotok\u00fcnstler stehen beispielhaft f\u00fcr die Vielfalt zeitgen\u00f6ssischer Fotokunst aus Deutschland, die im Mittelpunkt der Ausstellung \u201cFotoKunst &#8211; FotoArte\u201d des Instituts f\u00fcr Auslandsbeziehungen (Deutschland) stehen, die das Goethe-Institut Buenos Aires im Rahmen des \u201cFestival de la Luz\u201d im Centro Cultural Recoleta pr\u00e4sentiert. Zu sehen sind neben Thomas Florschuetz und Astrid Klein Werke von Dieter Appelt, Anna und Bernhard Blume, J\u00fcrgen Klauke, Sigmar Polke, Klaus Rinke und Katharina Sieverding.<!--more--> Die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler stammen aus verschiedenen Regionen Deutschlands und geh\u00f6ren unterschiedlichen Generationen an. Sie bedienen sich vielf\u00e4ltiger Formate und Techniken. Einige von ihnen bearbeiten das Bild komplex im Fotoprozess, andere kommen aus der Performance.<\/p>\n<p>Der Rheinl\u00e4nder Sigmar Polke nutzt und kombiniert seit Beginn seiner Laufbahn verschiedene Medien: Malerei, Zeichnung und Graphik, Fotografie und Film. So schafft der Mitbegr\u00fcnder des in den 1960er Jahren einflussreichen \u201eKapitalistischen Realismus\u201c eine experimentelle und phantasievolle Verbindung surrealistischer, dadaistischer und pop-kultureller Elemente. Die Fotoarbeit \u201eSchr\u00e4nke\u201c beleuchtet eine aus Latten und anderen banalen Materialien zusammengesetzte Zufallsskulptur aus unterschiedlichen photographischen Perspektiven.<\/p>\n<p>Die in Prag geborene ehemalige Beuys-Meistersch\u00fclerin Katharina Sieverding behandelt h\u00e4ufig Themen wie Sexismus und Rassismus. Wie Astrid Klein eignet sie sich Elemente der Werbung an, um zu Menschlichkeit und Solidarit\u00e4t aufzurufen. Ihr Selbstportr\u00e4t \u201eDeutschland wird deutscher\u201c (1992) l\u00f6ste heftige Kontroversen aus.<\/p>\n<p>Anna und Bernhard Blume spielen mit Arbeiten wie \u201eIm Wald\u201c ironisch auf \u201etypisch deutsche\u201c Befindlichkeiten wie die \u00fcbertriebene Romantisierung des Waldes an. Eine fr\u00fche Foto-Textcollage des Hamburger K\u00fcnstlerpaars, \u201eMagischer Realismus\u201c, nimmt den europ\u00e4ischen Anspruch der Fotografie auf die Schippe, Realit\u00e4t objektiv-dokumentarisch abbilden zu k\u00f6nnen. Denn wie schon die eingangs beschriebenen K\u00f6rperbilder von Thomas Florschuetz verdeutlichten, liegt die Wahrheit schlie\u00dflich immer auch im Auge des Betrachters.<\/p>\n<p><em>(\u201cFotoKunst &#8211; FotoArte\u201d. 3.8.-27.8. im Centro Cultural Recoleta, Jun\u00edn 1930.)<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 29.7.06 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeitgen\u00f6ssische Foto-Kunst aus Deutschland im Rahmen des &#8220;Festival de la Luz&#8221; Von Julia Roth Anna und Bernhard Blume, \u201eIm Wald\u201c (Detail). Vor signalrotem Hintergrund verschwindet ein menschlicher K\u00f6rperteil in einer Haut\u00f6ffnung. Sogleich dr\u00e4ngen sich pornographische Assoziationen auf. Man ist im Begriff, zu err\u00f6ten, und geneigt, sich versch\u00e4mt den Blick senkend abzuwenden. Doch halt! 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