{"id":616,"date":"2006-08-13T11:48:32","date_gmt":"2006-08-13T14:48:32","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/13\/neurosen-und-sehnsuchte\/"},"modified":"2006-08-14T07:53:44","modified_gmt":"2006-08-14T10:53:44","slug":"neurosen-und-sehnsuchte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/13\/neurosen-und-sehnsuchte\/","title":{"rendered":"Neurosen und Sehns\u00fcchte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Argentinische Regisseure inszenieren Texte deutschsprachiger Dramatiker<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Julia Roth<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image617\" alt=Reto.JPG src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/08\/Reto.JPG\" \/><br \/>\n<em>Der geb\u00fcrtige Berner Autor Reto Finger kommt nach Buenos Aires.<\/em><\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr ein menschliches Wesen ist wie ein Hund zu schwimmen nicht die sicherste, effektivste oder \u00e4sthetischste Art\u201c, erkl\u00e4rt die Regisseurin Andrea Garrote den Titel des von ihr gew\u00e4hlten Textes, \u201eNadar perrito\u201c (\u201eSchwimmen wie Hunde\u201c). \u201eMan tut es, wenn man entweder keinen anderen Stil gelernt hat oder einfach nicht mehr kann.\u201c Der Protagonist, der Mittdrei\u00dfiger Robert, kommt nicht damit klar, dass seine Ex-Freundin Charlotte ihm den Laufpass gegeben hat. Er nistet sich in ihrem Keller ein. Der geb\u00fcrtige Berner Autor Reto Finger (1972) schrieb \u201eSchwimmen wie Hunde\u201c (Fischer Verlag) f\u00fcr den Wettbewerb \u201cDramenprozessor\u201d 2003\/04.<\/p>\n<p>Andrea Garrote bearbeitet Reto Fingers St\u00fcck im Rahmen des \u201cCiclo de Nueva Dramaturgia\u201d (Zyklus Neuer Dramaturgie), den das Goethe-Institut Buenos Aires in Zusammenarbeit mit der \u00f6sterreichischen und der Schweizer Botschaft und mit Unterst\u00fctzung von Pro Helvetia organisiert. Der Zyklus ist als Fortsetzung der Reihe szenischer Lesungen \u201c4 x 4\u201d gedacht, die in den vergangenen Jahren auf gro\u00dfe Resonanz stie\u00df. In Form szenischer Lesungen bearbeiten f\u00fcnf junge argentinische Regisseure jeweils einen Text eines zeitgen\u00f6ssischen Dramatikers in deutscher Sprache. Dabei steht weniger im Mittelpunkt, eine perfekt ausgearbeitete Inszenierung zu pr\u00e4sentieren, sondern ebenso geht es um die individuelle Entdeckung und Interpretation der Texte durch die argentinischen Regisseure.<\/p>\n<p>Luciano C\u00e1ceres zum Beispiel wagt sich an die schwierige Aufgabe einer freien Adaption von Ren\u00e9 Polleschs St\u00fcck \u201eSEX\u201c (Rowohlt) heran. <!--more-->\u201eRen\u00e9 Pollesch zufolge ist SEX kein Theaterst\u00fcck. Es ist ein Text, der als Instrument benutzt werden muss\u201c, betont der junge argentinische Regisseur. Pollesch (1962) gilt als einer der innovativsten zeitgen\u00f6ssischen deutschsprachigen Theaterregisseure. Er gestaltet das Programm des Praters der Volksb\u00fchne am Rosa-Luxemburgplatz in Berlin. 2001 und 2006 wurde er mit dem M\u00fclheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Mariana Chaud hat sich entschieden, \u201eTiempo para amar tiempo para morir\u201c (\u201ezeit zu lieben zeit zu sterben\u201c) von Armin Petras (alias Fritz Kater) zu inszenieren. \u201eIch denke, der Text beruht auf einer sehr pers\u00f6nlichen Dramaturgie, die gleichzeitig traurig und witzig ist. Die Begegnung mit dem St\u00fcck ruft bei mir Verwirrung und Vergn\u00fcgen zugleich hervor\u201c, gesteht sie angesichts dieser grotesken und dialektischen Geschichte, die auf ein Thema zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, das bei Autor Petras (1964) stets eine Rolle spielt: die deutsche Teilung. \u201ezeit zu lieben zeit zu sterben\u201c erz\u00e4hlt vom Erwachsenwerden in der DDR, von einer Generation zwischen Stillstand und Aufbruch, von Umbr\u00fcchen, Sehns\u00fcchten und einer Liebe. Armin Petras studierte Regie an der Hochschule f\u00fcr Schauspielkunst Ernst Busch und siedelte 1988 nach Westberlin \u00fcber. 2003 wurde er f\u00fcr \u201ezeit zu lieben zeit zu sterben\u201c (Henschel Theater Verlag) mit dem M\u00fclheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet.<\/p>\n<p>\u201e\u2019Die sexuellen Neurosen unserer Eltern\u2019 entfaltet ausgehend von einer tragischen Situation eine Kette von Missbrauch und Gewohnheiten, die allen Bereichen von Beziehungen und Verwandtschaft innewohnen\u201c, beschreibt Fernando Rubio den Text, den er inszenieren wird. Das St\u00fcck des Schweizer Autors Lukas B\u00e4rfuss handelt von den &#8211; insbesondere sexuellen &#8211; Erfahrungen des M\u00e4dchens Dora, das jahrelang von seinen Eltern durch Psychopharmaka ruhiggestellt worden war. Lukas B\u00e4rfuss (1971) wurde 2001 mit \u201eDie sexuellen Neurosen unserer Eltern\u201c (Wallstein Verlag) zu den M\u00fclheimer Theatertagen eingeladen.<\/p>\n<p>\u201eDie Klarheit und Einfachheit der Erz\u00e4hlung steht in Franzobels St\u00fcck neben der grotesken und barocken Sprache der Dialoge. Es war diese Kombination, die mich am meisten interessiert hat, als ich das St\u00fcck ausgew\u00e4hlt habe\u201c, begr\u00fcndet Mat\u00edas Feldman seine Wahl des im Passagen-Verlag erschienenen St\u00fccks \u201eQueremos al mes\u00edas ya, o la familia acelerada\u201c (\u201eWir wollen den Messias jetzt oder die beschleunigte Familie\u201c) des \u00f6sterreichischen Autors Franzobel. In \u201eWir wollen den Messias jetzt\u201c findet sich ein moderner Jesus im heutigen Wien wieder. Dort ist er mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sich nach metaphysischer Erl\u00f6sung sehnt. Franzobel (1967) wurde u.a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis, dem Wiener-Werkstatt-Preis (1995), dem Kasseler Literaturpreis f\u00fcr grotesken Humor (1998), der Brecht-Medaille (2000) und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis (2005) ausgezeichnet und 2002 zu den M\u00fclheimer Theatertagen eingeladen. \u201eAm Anfang schien uns der \u201aMessias\u2019 f\u00fcr die gro\u00dfen europ\u00e4ischen Theater mit enormen Etats gemacht zu sein\u201c, erz\u00e4hlt Mat\u00edas Feldman. \u201eAber im Laufe der Proben entdecken wir nach und nach die M\u00f6glichkeiten des St\u00fccks. Wir haben uns entschieden, die Einfachheit der Erz\u00e4hlung herauszuarbeiten: frontal, lesbar, aber gleichzeitig d\u00fcster und brutal.\u201c<\/p>\n<p>Die szenischen Lesungen im Rahmen des \u201cCiclo de Nueva Dramaturgia\u201d sind vom 28. August bis 3. Oktober jeweils montags und dienstags um 20 Uhr im Goethe-Institut, Av. Corrientes 319, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Bis zu zwei Karten pro Person k\u00f6nnen bis eine Stunde vor Vorstellungsbeginn abgeholt werden.<\/p>\n<p>Am 28. und 29. August wird Reto Finger der Inszenierung seines St\u00fcckes \u201eNadar perrito\u201c (\u201eSchwimmen wie Hunde\u201c) beiwohnen und mit dem Publikum diskutieren.<\/p>\n<p><strong>Programm:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>\u201eNadar perrito\u201c (\u201eSchwimmen wie Hunde\u201c) von Reto Finger, Inszenierung: Andrea Garrote. Montag, 28. und Dienstag, 29. August.<\/li>\n<li>\u201eSEX\u201c von Ren\u00e9 Pollesch, Inszenierung: Luciano C\u00e1ceres. Montag, 4. und Dienstag, 5. September.<\/li>\n<li>\u201eTiempo para amar. Tiempo para morir\u201c (\u201czeit zu lieben zeit zu sterben\u201d) von Fritz Kater, Inszenierung: Mariana Chaud. Montag, 18. und Dienstag, 19. September.<\/li>\n<li>\u201eQueremos al mes\u00edas ya, o la familia acelerada\u201c (\u201eWir wollen den Messias jetzt oder die beschleunigte Familie\u201c) von Franzobel, Inszenierung: Mat\u00edas Feldman. Montag, 25. und Dienstag, 26. September.<\/li>\n<li>\u201eLas neurosis sexuales de nuestros padres\u201c (\u201eDie sexuellen Neurosen unserer Eltern\u201c) von Lukas B\u00e4rfuss, Regie: Fernando Rubio. Montag, 2. und Dienstag, 3. Oktober.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 12.08.06 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Argentinische Regisseure inszenieren Texte deutschsprachiger Dramatiker Von Julia Roth Der geb\u00fcrtige Berner Autor Reto Finger kommt nach Buenos Aires. \u201eF\u00fcr ein menschliches Wesen ist wie ein Hund zu schwimmen nicht die sicherste, effektivste oder \u00e4sthetischste Art\u201c, erkl\u00e4rt die Regisseurin Andrea Garrote den Titel des von ihr gew\u00e4hlten Textes, \u201eNadar perrito\u201c (\u201eSchwimmen wie Hunde\u201c). \u201eMan tut [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-616","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-off-topic"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/616","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=616"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/616\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}