{"id":6170,"date":"2011-01-13T13:08:45","date_gmt":"2011-01-13T16:08:45","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=6170"},"modified":"2011-01-15T13:09:53","modified_gmt":"2011-01-15T16:09:53","slug":"trauer-um-maria-elena-walsh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/01\/13\/trauer-um-maria-elena-walsh\/","title":{"rendered":"Trauer um Mar\u00eda Elena Walsh"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Schriftstellerin und Verfasserin und S\u00e4ngerin unvergesslicher Kinderlieder starb am Montag<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/mew11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/mew11.jpg\" alt=\"\" title=\"mew11\" width=\"250\" height=\"169\" class=\"alignleft size-full wp-image-6171\" \/><\/a>Es gibt wohl keinen Argentinier, der nicht Mar\u00eda Elena Walshs ber\u00fchmtestes Lied &#8220;Manuelita&#8221; \u00fcber eine Schildkr\u00f6te kennt, die eines Tages einfach aus dem Ort Pehuaj\u00f3 verschwindet und nach Paris geht. In Manuelitas &#8220;Heimatort&#8221; in der Provinz Buenos Aires steht ein Manuelita-Denkmal, und im Jahr 2000 wurde ein Animationsfilm rund um die ber\u00fchmteste argentinische Schildkr\u00f6te gedreht. Walshs Roman &#8220;Dailan Kifki&#8221; \u00fcber einen Elefanten, der eines Tages mit einem Zettel vor der T\u00fcr der Protagonistin (deren Namen man nie erf\u00e4hrt) steht, hat die Phantasie von Millionen (nicht nur) argentinischer Kinder befl\u00fcgelt. Das Werk von 1966 kann durchaus auf einer Stufe mit Alice im Wunderland von Lewis Carroll gestellt werden.<\/p>\n<p>Sie war Schriftstellerin, Dichterin, S\u00e4ngerin, Komponistin, Drehbuchschreiberin f\u00fcr Kino, Fernsehen und Theater, Intellektuelle und politische Aktivistin, aber unvergesslich wird sie als Kinderbuchautorin und Verfasserin und S\u00e4ngerin wunderbar phantasievoller Kinderlieder bleiben: Am Montag ist in Buenos Aires Mar\u00eda Elena Walsh gestorben. Sie wurde 80 Jahre alt und hatte fast 30 Jahre lang an Knochenkrebs gelitten, die letzten Lebensjahre war sie an den Rollstuhl gefesselt.<!--more--><\/p>\n<p>Bis Montagnacht war Walsh im Geb\u00e4ude des argentinischen Schriftstellerverbandes Sadaic aufgebahrt, wo viele Pers\u00f6nlichkeiten aus Kultur und Politik, aber auch Gro\u00dfeltern mit ihren Enkeln Abschied von der viel geliebten K\u00fcnstlerin nahmen. Auch Pr\u00e4sidentin Cristina Fern\u00e1ndez de Kirchner kam am sp\u00e4ten Abend pers\u00f6nlich, um Mar\u00eda Elena die letzte Ehre zu erweisen. Am Dienstagvormittag wurden Walshs Reste auf dem Friedhof Chacarita einge\u00e4schert. In den Print- und Onlinemedien und im Fernsehen war Walshs Tod eine der wichtigsten Meldungen des Wochenbeginns, und in Buenos Aires herrschte eine sp\u00fcrbare Trauer. F\u00fcr viele Eltern war es eine schwere Aufgabe, ihren Kindern den Tod Mar\u00eda Elena Walshs begreiflich zu machen.<\/p>\n<p>&#8220;Mar\u00eda Elena hat die Kinderliteratur ganz Lateinamerikas revolutioniert&#8221;, sagte ihre Verlegerin Mar\u00eda Fernanda Maquieira in der spanischen Tageszeitung &#8220;El Pa\u00eds&#8221; vom Dienstag. &#8220;Sie hat die Kindheit aus einer neuen Perspektive betrachtet, nicht herablassend, sondern auf respektvolle und intelligente Weise.&#8221; Maquieira hat bei Alfaguara Walshs Gesamtwerk herausgegeben, sowohl die Kinderliteratur als auch ihre Werke f\u00fcr Erwachsene. &#8220;Walshs Kinderb\u00fccher haben eine herausragende literarische Qualit\u00e4t&#8221;, urteilt die Expertin weiter. &#8220;Wie kaum eine andere war sie in der Lage, klassische und volkst\u00fcmliche Literatur miteinander zu kombinieren.&#8221;<\/p>\n<p>Mar\u00eda Elena Walsh wurde am 1. Februar 1930 in Ramos Mej\u00eda in der Provinz Buenos Aires als Tochter eines irischen Bahnarbeiters und einer Argentinierin mit andalusischen Wurzeln geboren. In einer an ihre jungen Leser gerichteten Autobiografie beschreibt sie ihre Kindheit als idyllisch, sie wuchs in einer gebildeten Familie umgeben von B\u00fcchern und Musik auf. Schon mit 17 ver\u00f6ffentlichte sie ihren ersten Gedichtband, &#8220;Oto\u00f1o imperdonable&#8221;, der von bedeutenden Dichtern wie Juan Ram\u00f3n Jim\u00e9nez und Jorge Luis Borges gelobt wurde. Sie studierte Kunst, Gesang und Theater und gr\u00fcndete Anfang der 50er Jahre mit Leda Valladares das Folklore-Duo Leda y Mar\u00eda. Beide K\u00fcnstlerinnen lebte einige Jahre in Paris und kehrten 1956 nach Argentinien zur\u00fcck, wo Walsh noch bis in die 60er Jahre mit Valladares zusammenarbeitete. 1962 ver\u00f6ffentlichte das Duo &#8220;Canciones para Mirar&#8221; und 1963 brachten Leda y Mar\u00eda vor ihrer Aufl\u00f6sung noch &#8220;Do\u00f1a Disparate&#8221; und &#8220;Bambuco&#8221; auf die B\u00fchne. Walshs gesamte Produktion f\u00fcr Kinder (B\u00fccher, Theaterst\u00fccke, Lieder) entstand in den 60er Jahren, darunter ihre Klassiker &#8220;Zoo Loco&#8221; (1964), &#8220;El reino del rev\u00e9s&#8221; (1965), &#8220;Dailan Kifki&#8221; (1966), &#8220;Cuentopos de Gulub\u00fa&#8221; (1966) und &#8220;Versos tradicionales para cebollitas&#8221; (1967).<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter widmete sich die Autorin wieder Werken f\u00fcr Erwachsene. Im Jahr 2008 ver\u00f6ffentlichte sie den autobiographischen Roman &#8220;Fantasmas en el parque&#8221;, in dem sie erstmals auf ihre Homosexualit\u00e4t zu sprechen kam. Walsh lebte die letzten 30 Jahre mit der argentinischen Fotografin Sara Facio zusammen. Politisch \u00e4u\u00dferte sie sich als kritische Stimme gegen die Zensur der Per\u00f3n-Zeit in den 50er Jahren und der Milit\u00e4rdiktatur in den 70er Jahren; unter Pr\u00e4sident Ra\u00fal Alfons\u00edn war sie von 1985 bis 1989 im Beirat zur Wiederherstellung der Demokratie t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Mar\u00eda Elena Walsh war Ehrenb\u00fcrgerin der Stadt Buenos Aires (1985), die Universit\u00e4t C\u00f3rdoba verlieh ihr 1990 die Ehrendoktorw\u00fcrde. 1991 kam sie auf die Liste der &#8220;Highly Commended&#8221; des Hans Christian Andersen-Literaturpreises &#8211; das bedeutet, dass sie nach f\u00fcnf Jahren noch einmal h\u00e4tte nominiert werden k\u00f6nnen, was aber nicht geschah. Mar\u00eda Elena Walsh h\u00e4tte den vom IBBY (International Board on Books for Young People) vergebenen &#8220;Nobelpreis der Literatur f\u00fcr Kleine&#8221; sicher verdient gehabt, der jedoch nur an lebende Autoren verliehen wird. Ihre Werke sind ins Englische, Franz\u00f6sische, Italienische, Schwedische, Hebr\u00e4ische, D\u00e4nische und Guaran\u00ed \u00fcbersetzt worden.<\/p>\n<p>Vergangenes Jahr war Mar\u00eda Elena Walsh die zweite herausragende Pers\u00f6nlichkeit Argentiniens, die mit einer der 200 Bicentenario-Medaillen geehrt wurden, die die Stadt Buenos Aires anl\u00e4sslich der 200-Jahrfeiern des Landes verlieh. Im Februar 2010 wurde sie in Spanien mit der &#8220;Medalla de Oro al M\u00e9rito en las Bellas Artes&#8221; (Goldmedaille f\u00fcr die Verdienste im Bereich der Sch\u00f6nen K\u00fcnste) des spanischen Ministerrates ausgezeichnet und mit einer Hommage im Rahmen des I. Iberoamerikanischen Kinder- und Jugendliteraturkongresses in Chile geehrt.<\/p>\n<p>Umfangreiche Informationen \u00fcber Mar\u00eda Elena Walshs Leben und Werk finden Sie in der Online-Zeitschrift f\u00fcr Kinder und Jugendbuchliteratur <a href=\"http:\/\/www.imaginaria.com.ar\/\">Imaginaria<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schriftstellerin und Verfasserin und S\u00e4ngerin unvergesslicher Kinderlieder starb am Montag Von Susanne Franz Es gibt wohl keinen Argentinier, der nicht Mar\u00eda Elena Walshs ber\u00fchmtestes Lied &#8220;Manuelita&#8221; \u00fcber eine Schildkr\u00f6te kennt, die eines Tages einfach aus dem Ort Pehuaj\u00f3 verschwindet und nach Paris geht. 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