{"id":622,"date":"2006-08-16T07:54:52","date_gmt":"2006-08-16T10:54:52","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/16\/es-gibt-eigentlich-nur-sechs-deutsche-kunstler-1999\/"},"modified":"2006-08-15T22:01:58","modified_gmt":"2006-08-16T01:01:58","slug":"es-gibt-eigentlich-nur-sechs-deutsche-kunstler-1999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/16\/es-gibt-eigentlich-nur-sechs-deutsche-kunstler-1999\/","title":{"rendered":"\u201eEs gibt eigentlich nur sechs deutsche K\u00fcnstler&#8221; (1999)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der argentinische K\u00fcnstler Marcelo de la Fuente \u00fcber seine drei Jahre in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<table align=left>\n<tr>\n<td align=center>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image623\" alt=fuente2.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/08\/fuente2.jpg\" \/><br \/>\n<em>Marcelo de la Fuente<br \/>\n(Foto aus <a href=\"http:\/\/www.espacioft.org.ar\/boladenieve\/infoartista.asp?artista=21\">&#8220;Bola de Nieve&#8221;<\/a>).<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Ein Besuch in der Heimat ist f\u00fcr viele, die im (wenn auch selbstgew\u00e4hlten) Exil leben, reichlich anstrengend, denn sie wird einem immer fremder, w\u00e4hrend man sich in seiner neuen Umgebung vielleicht noch nicht komplett zu Hause f\u00fchlt. Man muss Pflichten nachgehen, Familie und Freunde besuchen, Verpasstes nachholen, immer wieder das Gleiche erz\u00e4hlen. Und, je nachdem, versuchen, nicht ganz den Anschluss zu verpassen, besonders, wenn man Freiberufler ist, oder &#8211; schlimmer noch! &#8211; ein K\u00fcnstler. Bei seinem gerade zur\u00fcckliegenden Besuch in Argentinien hat sich der junge K\u00fcnstler Marcelo de la Fuente (Jahrgang 1962), der seit drei Jahren in Deutschland lebt, um neue Kontakte bem\u00fcht und in der Kunstszene herumgeschnuppert. Aber in den Sommermonaten tut sich auf diesem Gebiet wenig.<\/p>\n<p>Kurz bevor Marcelo 1996 Argentinien verlie\u00df, war eines seiner Werke f\u00fcr die \u201eColecci\u00f3n Telef\u00f3nica de Pintura J\u00f3ven&#8221; ausgew\u00e4hlt worden; diese Sammlung von Gem\u00e4lden von 26 jungen argentinischen K\u00fcnstlern geht seit drei Jahren als Wanderausstellung durch ganz Argentinien und soll als kr\u00f6nender Abschluss im \u201eMuseo Nacional de Bellas Artes&#8221; auch in der Hauptstadt gezeigt werden. Vielen K\u00fcnstlern aus der hervorragenden Auswahl hat dieser Erfolg als Sprungbrett f\u00fcr ihre Karriere gedient: Die vielbeachtete Graciela Hasper ist bei der Galerie Benzacar untergekommen, ebenso Marcelo Pombo, den Ruth Benzacar in diesen Tagen auf der ARCO in Madrid vorstellt. Mariano Sapia &#8211; bei Praxis &#8211; konnte bereits beachtliche internationale Erfolge verbuchen, um nur einige zu nennen.<\/p>\n<p>Obwohl er diese Chance verpasst hat, bereut Marcelo de la Fuente es nicht, nach Deutschland gegangen zu sein, wo er zun\u00e4chst als Stipendiat des Ludwig-Forums in Aachen war und momentan in W\u00fcrzburg lebt. Obwohl es f\u00fcr K\u00fcnstler auch dort nicht leichter ist, wie der studierte Kunstgeschichtler bemerkt. Eigentlich gebe es \u00fcberhaupt nur sechs erfolgreiche deutsche K\u00fcnstler, lacht er, und z\u00e4hlt Sigmar Polke, Gerhard Richter, Georg Baselitz, Markus L\u00fcpertz, Anselm Kiefer und J\u00f6rg Immendorf auf. Die restlichen paar hunderttausend h\u00e4tten es ganz sch\u00f6n schwer,<!--more--> da Galerien kaum noch Risiken eingingen und nur hochdotierte K\u00fcnstler ausstellten, und man in den letzten Jahren die Auswirkungen der K\u00fcrzungen von Geldern f\u00fcr den Kulturbereich in Deutschland schmerzlich gesp\u00fcrt habe. Sehr positiv beurteilt Marcelo die Presse in Deutschland, die ihm zahlreiche und treffende R\u00fcckmeldungen und Kritiken seiner Ausstellungen in Deutschland gab.<\/p>\n<p>Gerade in Deutschland ist das Thema, mit dem sich Marcelo de la Fuente seit einigen Jahren auseinandersetzt, brisant &#8211; er besch\u00e4ftigt sich mit der \u00c4sthetisierung des Krieges. Als 19-j\u00e4hriger Soldat musste er den Malwinenkonflikt miterleben, bei dem 800 argentinische und 250 britische Soldaten starben &#8211; dies hat ihn gepr\u00e4gt. Er ist der Meinung, dass keine Darstellung des Krieges die Realit\u00e4t von Tod und Grauen wirklich zu erfassen vermag, daf\u00fcr seien unter anderem die Fernsehbilder vom Golfkrieg, die, vollkommen entmenschlicht, nur noch die \u201eErrungenschaften&#8221; der Technik feierten, ein Beispiel.<\/p>\n<p>Marcelo de la Fuente greift den Widerspruch \u201e\u00c4sthetisierung\/Realit\u00e4t&#8221; auf und entwirft n\u00fcchterne, eindrucksvolle Bilder, die auf Strategiepl\u00e4nen wirklich geschlagener Schlachten basieren. Sie zeigen Truppenbewegungen, Sieg und Niederlage in bunten Farben und beliebigen Kombinationen, Nachhilfe f\u00fcr M\u00f6chtegern-Bonapartes. Vielfach montiert Marcelo die Acrylgem\u00e4lde auf Tarnstoff, er treibt ein ironisches Doppel-Spiel, das seiner Erfahrung nach in Deutschland nicht immer gleich verstanden wird, das aber immer zu Auseinandersetzungen provoziert.<\/p>\n<p>Auf einer \u00fcbergeordneten Ebene entz\u00fcndet sich Marcelo de la Fuentes sozialkritischer Ansatz an der immer verschwommener werdenden Grenze zwischen virtueller und wirklicher Welt. Virtuelle Realit\u00e4t, keimfrei, risikolos, bei Bedarf wiederholbar, um Fehler auszub\u00fcgeln &#8211; wieso soll man sich da noch echten Erfahrungen aussetzen? \u00c4sthetisierung des Krieges und \u00c4sthetisierung der Realit\u00e4t sind die Grundthemen des talentierten K\u00fcnstlers zwischen zwei Welten, und sie sind in Deutschland ebenso aktuell wie in Argentinien.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 13.02.1999 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der argentinische K\u00fcnstler Marcelo de la Fuente \u00fcber seine drei Jahre in Deutschland Von Susanne Franz Marcelo de la Fuente (Foto aus &#8220;Bola de Nieve&#8221;). 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