{"id":6258,"date":"2011-01-20T14:39:30","date_gmt":"2011-01-20T17:39:30","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=6258"},"modified":"2011-01-29T16:52:55","modified_gmt":"2011-01-29T19:52:55","slug":"vegetarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/01\/20\/vegetarismus\/","title":{"rendered":"Vegetarismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sollten wir alle aufs Steak verzichten?<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/gemuese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/gemuese.jpg\" alt=\"\" title=\"gemuese\" width=\"250\" height=\"250\" class=\"alignleft size-full wp-image-6260\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/gemuese.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/gemuese-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>In einer Talkshow war unl\u00e4ngst wieder zu sehen, wie sich Vegetarier und Fleischproduzenten bek\u00e4mpften \u2013 wenn sie eines gehabt h\u00e4tten, bis aufs Messer. Obwohl ich auch gern mal ein Steak esse, bin ich keiner von denen, die kilometerweit laufen w\u00fcrden, um eine &#8220;Parrilla&#8221; zu finden. Mich vegetarisch zu ern\u00e4hren, w\u00fcrde mir vermutlich leichter fallen als auf Alkohol und Tabak zu verzichten. Insofern betrachte ich mich als einen in dieser Angelegenheit recht objektiven Beobachter, der versucht, sein Urteil nach sachlichen Gesichtspunkten zu treffen. Und nach der, wie ich glaube, bisher un\u00fcbertroffenen Kantschen Maxime &#8220;tue nie etwas, was nicht Sinn g\u00e4be, wenn es alle Menschen t\u00e4ten&#8221; (frei ins Umgangsdeutsch \u00fcbersetzt). Sollten wir also alle Vegetarier werden?<\/p>\n<p>Es g\u00e4be gewichtige moralische Gr\u00fcnde, Tiere nicht zu t\u00f6ten. Wir wissen zweifelsfrei, dass Wirbeltiere Schmerz empfinden, Angst und Stress erleiden. Die Gef\u00fchlswelt der Primaten etwa, mit Abstrichen gewiss auch unserer Haustiere, d\u00fcrfte kaum dumpfer sein als unsere eigene. Es gibt Philosophen, welche die Ausdehnung der Menschenrechte auf Menschenaffen f\u00fcr angebracht halten. Warum dann nicht auch auf Rinder, Pferde, Schweine und Kaninchen? In Indien gibt es Leute, die das Leben einer M\u00fccke f\u00fcr genauso wertvoll halten wie das eines Menschen.<\/p>\n<p>Entwicklungstheoretische oder gesundheitliche Gr\u00fcnde stehen dem Vegetarismus nicht entgegen. Wir sind keine Fleisch-, sondern Allesfresser. Dass man ohne tierische Proteine gesund und leistungsf\u00e4hig sein kann, scheint nicht nur eine mehrheitliche medizinische Meinung zu sein; zahlreiche vegetarische Sportler beweisen es. Kein Fleisch mehr also!<!--more--><\/p>\n<p>Was aber w\u00fcrde mit unseren Haustieren passieren, wenn wir pl\u00f6tzlich eine universelle T\u00f6tungshemmung entwickelten?<\/p>\n<p>F\u00fcr Hunde und Katzen w\u00e4re das fatal. Noch weniger als zu unserer eigenen Ern\u00e4hrung d\u00fcrften wir f\u00fcr deren Fressnapf t\u00f6ten. Da sie wohl kaum auch zu Vegetariern umerzogen werden k\u00f6nnten, m\u00fcssten sie mit dem Fleisch an Altersschw\u00e4che verendeter Rinder oder Schweine gef\u00fcttert werden. Das k\u00f6nnte zwar ein neues Gesch\u00e4ftsfeld f\u00fcr Kadaververwertungsanstalten werden, gewiss aber kein einfach zu organisierendes noch sehr hygienisches.<\/p>\n<p>Welche Zukunft h\u00e4tten nun unsere Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, von denen es sogar in dicht besiedelten Regionen erheblich mehr gibt als Menschen? Da wir sie ja nicht t\u00f6ten und ordentlich beisetzen d\u00fcrften, m\u00fcssten sie wohl weiterhin gehalten werden, denn verhungern lassen ist schlimmer als t\u00f6ten. Wir k\u00e4men wohl nicht darum herum, die Weiden mit ihren Z\u00e4unen und Tr\u00e4nken sowie, wo erforderlich, die St\u00e4lle zu unterhalten wie bisher. Das m\u00fcsste mit aller Sicherheit der Staat machen, denn Private interessieren sich nicht f\u00fcr Gesch\u00e4fte, die nur Arbeit und Aufwand, aber keinen Ertrag bedeuten. Allerdings w\u00fcrden die bestehenden Fl\u00e4chen und Einrichtungen sehr bald unzureichend sein, denn es w\u00e4ren ja Haustiernachkommen zu betreuen. So eine Sau wirft schon mal ein Dutzend Ferkel, von Kaninchen gar nicht zu reden. Dann m\u00fcsste zugef\u00fcttert werden, aus unseren Gem\u00fcseg\u00e4rten, Obstplantagen und Getreidefeldern. Wie lange w\u00fcrden diese ausreichen? W\u00e4ren wir bereit, unseren Pflanzenkonsum einzuschr\u00e4nken, um immer mehr Tiere zu ern\u00e4hren?<\/p>\n<p>Eine Alternative w\u00e4re nat\u00fcrlich, die St\u00e4lle und Weidez\u00e4une einzurei\u00dfen, die Landschaft also zu renaturalisieren und die Tiere sich selbst zu \u00fcberlassen. Dies w\u00fcrde es erforderlich machen, etwa in Eurasien Luchse, W\u00f6lfe, Vielfra\u00dfe und B\u00e4ren auszusetzen, als nat\u00fcrliche Bremse gegen die ungehemmte Vermehrung unserer ehemaligen Haustiere. Die Felder, auf denen unser Getreide w\u00e4chst, und die Gem\u00fcseg\u00e4rten und Obstplantagen w\u00e4ren dann jedoch vor Fremdfra\u00df zu sch\u00fctzen, so wie es die Afrikaner am Rande ihrer Naturreservate zu tun gezwungen sind.<\/p>\n<p>Irgendwann w\u00e4re der ausufernden Wildnis nicht mehr mit vertretbarem Aufwand beizukommen. Denn das sprichw\u00f6rtliche &#8220;Gleichgewicht der Natur&#8221; ist ein mittlerer, auf l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume bezogener Wert. Auf k\u00fcrzere Sicht herrscht immer ein \u00dcberma\u00df. Entweder von Pflanzenfressern, welche unsere \u00c4cker und Plantagen verw\u00fcsten, oder, nach durch leichte Beute verursachter \u00fcberproportionaler Vermehrung, von Raubtieren, die, angesichts nun selten werdender Pflanzenfresser, ihre Nahrung in unseren Vorg\u00e4rten und Schulh\u00f6fen suchen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dann w\u00e4ren wir wie in der Steinzeit in einer Notwehrsituation und w\u00fcrden es f\u00fcr gerechtfertigt erachten, die Schie\u00dfpr\u00fcgel aus dem Schrank zu holen.<\/p>\n<p>Lassen wir es also doch besser dabei, ab und zu ein gutes St\u00fcck Fleisch zu essen! Eines von m\u00f6glichst artgerecht gehaltenen, m\u00f6glichst schmerzlos get\u00f6teten Haustieren, von denen die Allermeisten in der Wildnis gar nicht erst geboren worden oder kaum ein halbes Jahr alt geworden w\u00e4ren, ihr Leben lang unter Hunger, Krankheiten und der Angst vor Fressfeinden gelitten h\u00e4tten und ihren Tod als bei lebendigem Leibe Zerrissene h\u00e4tten erleiden m\u00fcssen!<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nFlickr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollten wir alle aufs Steak verzichten? Von Friedbert W. B\u00f6hm In einer Talkshow war unl\u00e4ngst wieder zu sehen, wie sich Vegetarier und Fleischproduzenten bek\u00e4mpften \u2013 wenn sie eines gehabt h\u00e4tten, bis aufs Messer. Obwohl ich auch gern mal ein Steak esse, bin ich keiner von denen, die kilometerweit laufen w\u00fcrden, um eine &#8220;Parrilla&#8221; zu finden. 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