{"id":657,"date":"2006-08-26T08:51:26","date_gmt":"2006-08-26T11:51:26","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/26\/blicke-fur-die-wirklichkeit\/"},"modified":"2006-09-06T11:13:23","modified_gmt":"2006-09-06T14:13:23","slug":"blicke-fur-die-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/26\/blicke-fur-die-wirklichkeit\/","title":{"rendered":"Blicke f\u00fcr die Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tomasz Gudzowaty und Evgen Bavcar in der FotoGaler\u00eda des San Mart\u00edn-Theaters<\/p>\n<p><em>Von Susen Hermann<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image667\" alt=tomasz2.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/08\/tomasz2.jpg\" \/><br \/>\n<em>Die Werke des polnischen Fotografen Tomasz Gudzowaty zeigen ein hohes Ma\u00df an Feinf\u00fchligkeit.<\/em><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick sind es Bilder der Folter. Drei kahlrasierte M\u00e4nner lehnen an einer Mauer \u2013 verkehrt herum. Nur ihre K\u00f6pfe ber\u00fchren den Boden und st\u00fctzen den gesamten K\u00f6rper. Ihre Arme sind eng an den Oberk\u00f6rper gepresst, ihre Beine lehnen himmelw\u00e4rts an der Wand. Das n\u00e4chste Foto zeigt einen ebenfalls glattrasierten Mann, der seinen K\u00f6rper auf f\u00fcnf Pfeilspitzen bettet. Die Enden bohren sich leicht ins Fleisch seiner Beine und Brust.<\/p>\n<p>Die Schwarzwei\u00dfbilder sind Teil einer Fotoserie von Tomasz Gudzowaty und zeigen nicht etwa die Misshandlung von Menschen &#8211; wie es im ersten Moment scheint -, sondern die Riten und Gebr\u00e4uche buddhistischer M\u00f6nche. Bei l\u00e4ngerer Betrachtung erst entdeckt man die konzentrierten Gesichter der M\u00e4nner, die im Laufe ihrer Meditation zu solch spektakul\u00e4ren k\u00f6rperlichen \u00dcbungen f\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>Das Theater San Mart\u00edn stellt im Rahmen des diesj\u00e4hrigen &#8220;Festival de la Luz&#8221; (Festival des Lichts) zwei der bekanntesten Arbeiten des polnischen Fotografen aus. Neben &#8220;Templo Shaolin&#8221;, der Fotoserie, die Gudzowaty 2002 in China geschossen hat, ist eine Serie \u00fcber Hafenarbeiter in Shittagong zu sehen.<!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Shipwreckers&#8221; ist die traurige Dokumentation \u00fcber die harte und unmenschliche Arbeit, der die Arbeiter in der zweitwichtigsten Importstadt in Bangladesch ausgesetzt sind. Die Gesichter der M\u00e4nner sind gezeichnet von der t\u00e4glichen, harten Arbeit. Neben den riesigen Schiffsk\u00f6rpern wirken sie wie Ameisen, die versuchen, auf dem schlammigen, \u00f6ligen Boden ihrer Arbeit nachzugehen.<\/p>\n<p>Beide Ausstellungsarbeiten des 35-j\u00e4hrigen Sportjournalisten zeigen ein hohes Ma\u00df an Feinf\u00fchligkeit. Die Aufnahmen sind nicht inszeniert und dennoch so gestochen scharf und so ausgeglichen in ihrer Komposition, dass dies vielleicht der Grund ist, warum seine Bilder so lebendig und erz\u00e4hlend wirken.<\/p>\n<p>Im Kontrast zu den scharfen, dokumentarischen Fotos des Polen steht die zweite Ausstellung des K\u00fcnstlers Evgen Bavcar. Die Bilder des Slowenen sind nicht nur einfach Fotografie. Sie sind zugleich Beweis f\u00fcr die St\u00e4rke des K\u00fcnstlers. Denn Bavcar ist blind &#8211; das h\u00e4lt ihn jedoch nicht davon ab, zu fotografieren. Dieses Jahr sind die Fotos des Slowenen erstmals in Argentinien zu sehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image571\" alt=LUZ1.JPG src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/LUZ1.JPG\" \/><br \/>\n<em>Der blinde Fotograf Evgen Bavcar liebt das Spiel mit dem Licht.<\/em><\/p>\n<p>Seine Bilderreihe &#8220;El deseo de la imagen&#8221; (Die Sehnsucht des Bildes) tr\u00e4gt vor allem das in sich, was dem K\u00fcnstler mit 12 Jahren verlorenging &#8211; das Licht. Bavcar spielt mit d\u00fcrftigen Beleuchtungen, Langzeitbelichtungen oder Bild\u00fcberlagerungen. Dass dieser Mann blind ist, ist seinen Schwarzwei\u00dfarbeiten nicht anzumerken. Die langen Belichtungszeiten f\u00fchren manchmal zu unscharfen oder verwackelten Bildern und die \u00dcberlagerungen von verschiedenen Fotos zu verwirrenden und dunklen Fotografien. Ein wenig kommt beim Betrachten von Bavcars Bildern das Gef\u00fchl auf: So k\u00f6nnten die Bilder aussehen, in einem Moment, in dem man selbst das Augenlicht verliert.<\/p>\n<p>Die Bilder von Evgen Bavcar sind noch bis zum 3. September; die des polnischen Fotografen Tomasz Gudzowaty bis zum 1. Oktober zu sehen. Beide Ausstellungen sind jeweils ab 11 Uhr (samstags und sonntags ab 12 Uhr) bis Vorstellungsende ge\u00f6ffnet. Das Theater San Mart\u00edn befindet sich in der Avenida Corrientes 1530. Der Eintritt ist frei.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 26.08.06 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tomasz Gudzowaty und Evgen Bavcar in der FotoGaler\u00eda des San Mart\u00edn-Theaters Von Susen Hermann Die Werke des polnischen Fotografen Tomasz Gudzowaty zeigen ein hohes Ma\u00df an Feinf\u00fchligkeit. Auf den ersten Blick sind es Bilder der Folter. 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