{"id":660,"date":"2006-08-28T07:19:26","date_gmt":"2006-08-28T10:19:26","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/28\/okwui-enwezor-kam-sah-und-schwieg-2002\/"},"modified":"2006-08-26T16:39:16","modified_gmt":"2006-08-26T19:39:16","slug":"okwui-enwezor-kam-sah-und-schwieg-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/28\/okwui-enwezor-kam-sah-und-schwieg-2002\/","title":{"rendered":"Okwui Enwezor kam, sah und schwieg (2002)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dokumenta-Chef in Buenos Aires<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image662\" alt=OKWUI1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/08\/OKWUI1.jpg\" align=right hspace=5 \/>Mit der gro\u00dfz\u00fcgigen Hilfe der deutschen Botschaft kam vergangene Woche der Leiter der vor kurzem zu Ende gegangenen dokumenta 11, der in den USA ans\u00e4ssige Nigerianer Okwui Enwezor, nach Buenos Aires, um an einem Seminar teilzunehmen und mit Argentinien und seiner Kunstszene erste Kontakte anzukn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Die Idee, hochkar\u00e4tige ausl\u00e4ndische Kuratoren nach Buenos Aires einzuladen, stammt von Teresa de Anchorena, der Leiterin der Kulturabteilung des argentinischen Au\u00dfenministeriums, der \u201eDirecci\u00f3n Nacional de Pol\u00edtica Cultural y Cooperaci\u00f3n Internacional&#8221;. Die Kultur sei die Hoffnung in der Krise, in der Argentinien sich befinde, sagte Anchorena in ihren Begr\u00fc\u00dfungsworten und verdeutlichte ihre Motivation: \u201eUnsere Institution m\u00f6chte der Welt diesen Reichtum zeigen.&#8221;<\/p>\n<p>Das dreit\u00e4gige Seminar in der Nationalbibliothek, an dem auch Iwona Blazwick, die Leiterin des renommierten Londoner Kulturzentrums Whitechapel, und der in den USA lebende unabh\u00e4ngige Kurator, der Argentinier Carlos Basualdo, teilnahmen, soll das erste in einer Reihe sein, die voraussichtlich im M\u00e4rz fortgesetzt wird, m\u00f6glicherweise mit dem Leiter der Biennale von Venedig und einem der wichtigsten Kuratoren dieses bedeutenden internationalen Kunstereignisses.<\/p>\n<p>Carlos Basualdo \u00fcbernahm die Regie und erl\u00e4uterte das Thema der jeweils drei Stunden dauernden Seminartage, \u201eHacia otra geograf\u00eda de la cultura&#8221; (etwa: \u201eZubewegen auf eine neue Geographie der Kultur&#8221;). Er hatte Enwezor und Blazwick gebeten, ihre Gedanken schriftlich niederzulegen, da ihre Beitr\u00e4ge zu dem Seminar sp\u00e4ter in Buchform erscheinen sollen.<\/p>\n<p>Okwui Enwezors \u00e4u\u00dferst komplexer, vielschichtiger Beitrag besch\u00e4ftigte sich mit der neuen Rolle des Kurators &#8211; desjenigen, der die Inhalte einer Ausstellung oder einer Biennale oder von Sammlungen in Museen etc. bestimmt &#8211; in der globalisierten Welt. Um zu diesem Thema zu gelangen, nahm Enwezor zun\u00e4chst eine ausf\u00fchrliche Standortbestimmung der zeitgen\u00f6ssischen Kunst in der post-kolonialen Welt vor. Er beleuchtete au\u00dferdem die zur Zeit herrschenden Bedingungen, unter denen Kunst entsteht (und konsumiert wird) und betonte, dass es f\u00fcr ein Verst\u00e4ndnis der Machtverteilung und Prozesse in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst n\u00f6tig sei, sie in den Kontext eines geopolitischen Rasters zu stellen, immer in einer Spannung zwischen Lokalem und Globalem, Zentrum und Rand, Nation\/Staat und Individuum, \u00fcbernationalen Gemeinschaften und Diaspora.<!--more--><\/p>\n<p>Der Kurator habe sich, so Enwezor, zu einem kulturellen Protagonisten entwickelt, der unerm\u00fcdlich daran arbeite, die soziale Funktion der Kunst im demokratischen und \u00f6ffentlichen Raum zu bestimmen, was zu neuen Paradigmen f\u00fcr Ausstellungen gef\u00fchrt habe, die neuartige Formen des Wissens \u00fcber Kunst, K\u00fcnstler und ihre Geschichte erzeugen wollten. Diese Arbeit werde jedoch auch vehement kritisiert, sowohl von denjenigen, die Kunst und Kunstveranstaltungen haupts\u00e4chlich als Entertainment betrachteten, als auch von den Nostalgikern, die die Kunst aus ihrem sozialen Kontext herausl\u00f6sen wollten.<\/p>\n<p>Enwezor nahm auch eine Standortbestimmung des Kurators in Basualdos \u201eneuer Geographie der Kultur&#8221; vor, die er als im Entstehen begriffene Netzwerke von Wissen und Aktivit\u00e4ten, die an den Schnittstellen von Disziplinen und Publikum entstehen, versteht &#8211; mehr als mobile Diskussionsforen denn neue Territorien. Wie agiert ein Kurator in einem Prozess der st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderung, in dem sich die moderne Kunst heute befindet? Wie kann er gleichzeitig innerhalb eines Kanons und gegen ihn handeln, wenn er neue Tendenzen aufsp\u00fcren will, die sich erst allm\u00e4hlich in der Kultur niederschlagen, ehe sie institutionalisiert werden?<\/p>\n<p>Enwezor erkl\u00e4rte, er habe keine Antwort auf diese Fragen, aber eine Vorstellung davon, wie er sie angehen k\u00f6nne. Und dann kam er doch noch auf die dokumenta 11 zu sprechen, die in gewisser Weise eine Reaktion auf die \u201eKrise des Zeitgen\u00f6ssischen&#8221; gewesen sei. Die dokumenta 11 habe sich als extraterritorial verstanden, au\u00dferhalb der \u00fcblichen Ausstellungs- und Museologiesysteme. Das Modell habe jedoch keinen komplett herausgebildeten \u00f6ffentlichen Raum beansprucht, sondern es habe sich &#8211; durch die verschiedenen Plattformen des Projekts &#8211; die M\u00f6glichkeit ergeben, die Rezeption von Ideen und Disziplinen auf Prozesse und Netzwerke zu lenken. \u00dcber den reinen Ausstellungsraum hinaus sollte so Diskussion und Austausch erm\u00f6glicht werden.<\/p>\n<p>Enwezor betonte, dass mit der dokumenta 11 eine neue \u00c4ra in der Geschichte der renommierten Kasseler Ausstellung eingesetzt habe. In der Diskussion, die seinem einst\u00fcndigen Vortrag folgte, wurde aber auch Kritik am Konzept der von Enwezor geleiteten dokumenta laut.<\/p>\n<p>Im Rahmen seines sechst\u00e4gigen Aufenthalts in Argentinien hat Okwui Enwezor Museen und Privatsammlungen besucht, um sich ein Bild von der argentinischen Kunst zu machen, wobei ihn, wie aus seinem Umkreis zu erfahren war, das Konzept der II. Internationalen Biennale im Museo Nacional de Bellas Artes nicht \u00fcberzeugt habe. Ansonsten war der 39-j\u00e4hrige Schriftsteller, Poet, Herausgeber einer Zeitschrift \u00fcber zeitgen\u00f6ssische afrikanische Kunst, Kurator und renommierte Kritiker mit seiner Meinung eher zur\u00fcckhaltend.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 30.11.2002 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dokumenta-Chef in Buenos Aires Von Susanne Franz Mit der gro\u00dfz\u00fcgigen Hilfe der deutschen Botschaft kam vergangene Woche der Leiter der vor kurzem zu Ende gegangenen dokumenta 11, der in den USA ans\u00e4ssige Nigerianer Okwui Enwezor, nach Buenos Aires, um an einem Seminar teilzunehmen und mit Argentinien und seiner Kunstszene erste Kontakte anzukn\u00fcpfen. 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