{"id":669,"date":"2006-08-30T07:43:22","date_gmt":"2006-08-30T10:43:22","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/30\/kluges-doppelspiel-im-virtuellen-raum-1999\/"},"modified":"2010-11-27T11:42:01","modified_gmt":"2010-11-27T14:42:01","slug":"kluges-doppelspiel-im-virtuellen-raum-1999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/30\/kluges-doppelspiel-im-virtuellen-raum-1999\/","title":{"rendered":"Kluges Doppelspiel im virtuellen Raum (1999)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/08\/30\/un-inteligente-doble-juego-en-el-espacio-virtual-1999\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Portr\u00e4t der K\u00fcnstlerin Mirta Narosky<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image672\" alt=mirta3.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/08\/mirta3.jpg\" align=right hspace=5 \/>Ein Universum befindet sich in dem Kasten, der aus Holzleisten zusammengezimmert scheint. Die W\u00e4nde, transparent wie in einem Aquarium, sind an manchen Stellen durchl\u00e4ssig, Figuren und Dinge treten in osmotischen Kontakt mit der Au\u00dfenwelt. T\u00fccher fallen aus der Kiste zu Boden, Menschen klettern, winden sich an den Eckpfeilern entlang. Wollen sie hinein, hinaus?<\/p>\n<p>F\u00fcr das Erschaffen der so plastisch wirkenden surrealistischen Welt, mit der die K\u00fcnstlerin Mirta Narosky das Auge des Betrachters vergn\u00fcgt, betr\u00fcgt, verl\u00e4\u00dft sie niemals die \u201eNormalit\u00e4t&#8221;, die Fl\u00e4che, die Leinwand. Die Rahmen s\u00e4gt sie selbst zurecht (\u201eeine Heidenarbeit!&#8221;, st\u00f6hnt die K\u00fcnstlerin), der Rest ist Zauberei. In einer unglaublich reichen, mit gesichtslosen Menschenk\u00f6rpern, Fratzen und allerlei r\u00e4tselhaften Symbolen bev\u00f6lkerten Szenerie, die Naroskys Meisterschaft als Zeichnerin verr\u00e4t, schafft sie seltsam anmutende neue Perspektiven, spielt mit projizierten Schatten, kreiert Volumen und neue R\u00e4ume, die tief ins Bild hinein in andere Galaxien zu reichen scheinen.<!--more--><\/p>\n<p>Raffinierter Doppelbetrug, das \u201eAufmalen&#8221; einer virtuellen Welt, mit der Mirta Narosky einen Horizont er\u00f6ffnen, den kritischen Blick des Betrachters sch\u00e4rfen m\u00f6chte. \u201eNicht alles, was man sieht, ist auch tats\u00e4chlich da&#8221;, ist die Botschaft dieser klugen, aber keineswegs schadenfrohen Meisterin, die mit ihren Bildern viele Mi\u00dfst\u00e4nde aufs Korn nimmt und dem Betrachter M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet, ihn mit einbezieht, ihm ihre Sichtweise anbietet. Tiefe Motivation ist ihre nie versiegende, \u00fcbersprudelnde Lebensfreude und Schaffenskraft, ihr Wunsch, weiterzugeben von dem, was sie im \u00dcberflu\u00df bekommen hat &#8211; Gef\u00fchl, Verstand, Liebe, Sch\u00f6nheitssinn.<\/p>\n<p><strong>Zeitzeuge Kunst<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image671\" alt=mirta2.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/08\/mirta2.jpg\" align=right hspace=5 \/>Egal, in welche Kategorien wir die Kunst pressen, welche Namen wir ihr geben &#8211; sie ist immer treue Abbildnerin ihrer Zeit. Dies dahingestellt, m\u00fcssen wir uns mit der Frage konfrontieren, ob die Kunst in unserer Zeit der Massenmedien, des Konsums, der verlorengegangenen Werte, eben auch Massenkunst, &#8220;Light&#8221;-Kunst ohne Anspruch sein mu\u00df, um wahrhaft Zeugnis f\u00fcr dieses zu Ende gehende Jahrtausend abzugeben?<\/p>\n<p>Unerm\u00fcdlich setzt sich die K\u00fcnstlerin Mirta Narosky mit diesem und anderen Themen auseinander. Essays wie &#8220;Cultura light&#8221; oder &#8220;Pintores del alma&#8221; geben Zeugnis von ihrem st\u00e4ndigen Kampf um eine Standortbestimmung. Dies ist wohl das am schwersten zu erreichende selbstgesteckte Ziel, denn den Schaffensproze\u00df im Entstehensmoment zu beschreiben, so viel Abstand ist fast unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Kunst soll ihre Zeit abbilden, sagt Mirta Narosky, und hier gelingt ihr das Abstandnehmen ohne Probleme. Wenn man sich viele ihrer beeindruckenden Bilder anschaut, wird man zutiefst ergriffen vom Mitleiden, das sich in ihnen auszudr\u00fccken scheint. Ein schreiender, von der Menschheit bis zum Gehtnichtmehr ausgebeuteter Planet Erde, soziales Unrecht, Gewalt &#8211; haben wir es hier mit einer traumatisierten K\u00fcnstlerin zu tun? Mitnichten, Narosky hat vielmehr einen scharfen, intelligenten und fast n\u00fcchternen Blick, eine F\u00e4higkeit zur Abstraktion und eine ans Unheimliche grenzende Phantasiewelt, die, gepaart mit dem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Talent dieser Meisterin der Zeichnung und Malerei, es ihr erm\u00f6glicht, dichteste Metaphern in Bildform zu schaffen.<\/p>\n<p>Narosky, die als jugendliche Dichterin vielfach f\u00fcr ihr Schreibtalent ausgezeichnet worden ist und die sich nicht nur schriftlich gewandt und \u00fcberzeugend auszudr\u00fccken versteht, hat dennoch die Malerei als Medium des Ausdrucks gew\u00e4hlt: Hier hat sie &#8220;ihre&#8221; Form der Poetik gefunden, sie vermag mit ihren Bildern Dinge zu erfassen, f\u00fcr die Worte nicht ausreichen.<\/p>\n<p>Dennoch besch\u00e4ftigt sich die vor Energie \u00fcbersprudelnde Malerin sehr ausgiebig mit der Metaebene ihrer eigenen k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit. Als &#8220;Licenciada&#8221; schlo\u00df sie ihr Kunststudium ab und hat seit 14 Jahren den Lehrstuhl f\u00fcr Malerei an der<br \/>\nUni Lan\u00fas inne. Sie gibt Kurse in Kreativit\u00e4t im In- und Ausland, wird von Universit\u00e4ten und Kunstschulen eingeladen. Rundtischgespr\u00e4che zum Thema &#8220;Die Frau in der Kunst&#8221;, &#8220;Figurativismus&#8221;, &#8220;Die Fehler der Postmoderne&#8221; etc. stehen auf ihrem Plan. Auch in zahlreichen Zeitschriften- und Zeitungsartikeln tr\u00e4gt dieses au\u00dfergew\u00f6hnliche Multitalent fruchtbar zur intellektuellen Diskussion um Kultur und Gesellschaft heute bei.<\/p>\n<p>Mirta Narosky nimmt klar Stellung gegen die Verf\u00fcgbarkeit einiger K\u00fcnstler, die ein Rezept gefunden haben, um den Publikumsgeschmack kurzfristig zu befriedigen; gegen den Kunstmarkt, der auf die Verk\u00e4uflichkeit und nicht den wahren Wert eines Werkes schaut. W\u00e4hrend sich all dies abspielt, findet die wahre Kunst statt, ist sie \u00fcberzeugt. Der wirkliche K\u00fcnstler darf sich nicht entmutigen lassen, auch wenn er wenig oder gar keinen kommerziellen Erfolg hat. Er mu\u00df sich seine Freiheit immer bewahren, das zum Ausdruck bringen, was in ihm ist, es in die von ihm gew\u00e4hlte Form bringen.<\/p>\n<p>In ihrem Artikel &#8220;Pintores del alma&#8221; beschreibt sie den wahren K\u00fcnstler und gleichzeitig sich selbst: &#8220;Seelenk\u00fcnstler (Pintores del alma) nenne ich diejenigen, die nachdenken, die Konzepte entwickeln, die Spontanen, die Ernsten, die Konsequenten und Qu\u00e4lgeister, die Freien, Lebendigen und Wachen, die K\u00e4mpfer und Verletzlichen &#8230; die, die eine universelle Energie durch sich str\u00f6men f\u00fchlen und sich gedr\u00e4ngt sehen, diese in ihrer individuellen Art und Weise aufs Papier zu bringen.&#8221;<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 16.01.1999 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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