{"id":681,"date":"2006-09-13T19:33:29","date_gmt":"2006-09-13T22:33:29","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/09\/13\/sag-mir-wo-die-blumen-sind\/"},"modified":"2006-09-23T23:21:40","modified_gmt":"2006-09-24T02:21:40","slug":"sag-mir-wo-die-blumen-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/09\/13\/sag-mir-wo-die-blumen-sind\/","title":{"rendered":"Sag mir, wo die Blumen sind"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/09\/13\/la-fragilidad-de-la-memoria\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>&#8220;Siempreviva&#8221; &#8211; Berliner Installation von Silvina Der-Meguerditchian und Marula Di Como zum Gedenken an die Opfer der Milit\u00e4rdiktatur<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image692\" alt=silvi3.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/silvi3.jpg\" \/><\/p>\n<p>&#8220;Was hast Du eigentlich mit der Milit\u00e4rdiktatur zu tun?&#8221;, fragte ein Besucher die argentinische K\u00fcnstlerin Silvina Der-Meguerditchian, als sie am 1. September gemeinsam mit ihrer Kollegin, der Argentinierin Marula Di Como, die ebenfalls in Berlin lebt, die Installation &#8220;Siempreviva&#8221; zum Gedenken an die Opfer der Milit\u00e4rdiktatur in Argentinien in der &#8220;Klosterruine&#8221; er\u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich ist es in Deutschland, wo der Zweite Weltkrieg und der Holocaust nach \u00fcber 60 Jahren noch offene Wunden sind, einfach nicht vorstellbar, wie kurz diese Diktatur im s\u00fcdlichsten Land Lateinamerikas erst zur\u00fcckliegt, wie wenig sie aufgearbeitet wurde und wie stark die Gesellschaft noch von dem Trauma bestimmt ist.<\/p>\n<p>Silvina, die seit 18 Jahren in Berlin lebt, wurde 1967 geboren. Sie war neun Jahre alt, als in ihrem Heimatland die Diktatur begann, Menschen um sie herum zu verschwinden begannen. Wenn man sich das vorstellt, ist &#8220;Was hast Du mit der Diktatur zu tun?&#8221; eine recht naive Frage.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image693\" alt=silvi1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/09\/silvi1.jpg\" align=left hspace=5 \/>&#8220;Siempreviva&#8221; &#8211; &#8220;immer lebendig&#8221; &#8211; ist der spanische Name f\u00fcr die Strohblume. Marula Di Como und Silvina Der-Meguerditchian haben Tausende dieser Blumen so auf eine frei stehende Wand montiert, dass die bunten K\u00f6pfe an der einen Seite ein Bl\u00fctenmeer bilden und an der anderen Seite nur die Stiele hervorschauen. An diese Speeren \u00e4hnelnden, bedrohlich wirkenden Spitzen haben sie transparente Schildchen geh\u00e4ngt, auf denen die Namen von Verschwundenen der Milit\u00e4rdiktatur stehen. M\u00e4nner, Frauen, Kinder, Ungeborene. Tausende Namen, Altersangaben und Zeitpunkte des Verschwindens eines Menschen, den seine Angeh\u00f6rigen und Freunde nie wiedergesehen haben. Wie Tr\u00e4nen wirken diese zarten Erinnerungs-Schriften, zerbrechlich und doch eindringlich.<\/p>\n<p>&#8220;Es war nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch psychologisch eine sehr schwierige Arbeit&#8221;, erz\u00e4hlt Silvina am Telefon. Aber sowohl sie als auch Marula Di Como seien sehr froh, dass sie sich die M\u00fche gemacht h\u00e4tten. &#8220;Sonst denken nur wenige in Deutschland an den 30. Jahrestag des Putsches und die vielen Opfer der Diktatur&#8221;, sagt Silvina. Bei den zahlreichen anderen politischen Brennpunkten wie dem Nahen Osten oder wirtschaftlich attraktiveren Partnern wie den asiatischen L\u00e4ndern sei in Deutschland das Interesse an Lateinamerika so gut wie erloschen.<\/p>\n<p>Der Ausstellungsort, die &#8220;Klosterruine&#8221; in Berlin, ist nicht \u00fcberdacht &#8211; die Installation ist somit Wind und Wetter ausgesetzt und wird bis zum 15. Oktober, wenn sie abgebaut werden soll, Ver\u00e4nderungen durchmachen. \u00dcber diesen besonderen Ort schreibt die in Berlin lebende argentinische Soziologin Dr. Estela Schindel:<\/p>\n<p>&#8220;Die Klosterruine bietet f\u00fcr die ephemere Installation &#8220;Siempreviva&#8221; einen besonders geeigneten Rahmen: Sie zeugt vom Fortbestand, aber auch von der Fragilit\u00e4t der Erinnerung. Die Installation ist den Naturgewalten ausgesetzt. Wie andere Arbeiten, die sich mit dem verg\u00e4nglichen Stoff der Erinnerung besch\u00e4ftigen, stellen diese Blumen uns vor eine ethische Forderung: das Gedenken fortzuf\u00fchren, wenn die Arbeit selber vergangen ist.&#8221; (\u00dcbersetzung von Silvia Fehrmann; kompletter Text im <a href=\"http:\/\/siempreviva2006.blogspot.com\/\">Blog der K\u00fcnstlerinnen.<\/a>)<\/p>\n<p><em>&#8220;Siempreviva&#8221;, Installation zum Gedenken an die Opfer der Milit\u00e4rdiktatur in Argentinien, von Marula Di Como und Silvina Der-Meguerditchian. Vom 1. September bis zum 15. Oktober 2006. Klosterruine, Klosterstrasse 73a, Berlin-Mitte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. &#8220;Siempreviva&#8221; &#8211; Berliner Installation von Silvina Der-Meguerditchian und Marula Di Como zum Gedenken an die Opfer der Milit\u00e4rdiktatur Von Susanne Franz &#8220;Was hast Du eigentlich mit der Milit\u00e4rdiktatur zu tun?&#8221;, fragte ein Besucher die argentinische K\u00fcnstlerin Silvina Der-Meguerditchian, als sie am 1. September gemeinsam mit ihrer Kollegin, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-681","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/681","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=681"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/681\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}