{"id":6840,"date":"2011-03-27T09:58:17","date_gmt":"2011-03-27T12:58:17","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=6840"},"modified":"2011-04-14T10:06:10","modified_gmt":"2011-04-14T13:06:10","slug":"theatralisch-und-von-stille-keine-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/03\/27\/theatralisch-und-von-stille-keine-spur\/","title":{"rendered":"Von Stille keine Spur"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;La ni\u00f1a del enfermero&#8221; &#8211; Eine choreographische Erz\u00e4hlung von Carlos Trunsky zu John Cages &#8220;Four Walls&#8221; er\u00f6ffnet die neue Spielzeit im Centro de Experimentaci\u00f3n (CETC) des Teatro Col\u00f3n<\/p>\n<p><em>Von Karlotta Bahnsen<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Four-Walls.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Four-Walls.jpg\" alt=\"\" title=\"Four Walls\" width=\"250\" height=\"303\" class=\"alignleft size-full wp-image-6846\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Four-Walls.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Four-Walls-247x300.jpg 247w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Und wenn die Natur nur eine Erfindung ist? Der Untertitel auf dem Programmheft weist bereits darauf hin, dass dieses St\u00fcck Fragen aufwirft. Essentielle Fragen, so hei\u00dft es weiter, die, eingeschlossen zwischen vier W\u00e4nden, eine m\u00e4chtige und expansive Kraft entwickeln sollen. In Carlos Trunskys Tanztheaterst\u00fcck geht es offensichtlich um Homosexualit\u00e4t, Inzest, Krankheit, Liebe, Geburt und Tod. Alles in einem St\u00fcck und das zu einer Komposition John Cages, die sich der Reduktion verschreibt, in der sich der Komponist selbst auf die Nutzung der wei\u00dfen Tasten des Klaviers beschr\u00e4nkte.<\/p>\n<p>Die Themen von Cages Musik, die in einer der ersten Zusammenarbeiten mit dem Choreographen Merce Cunningham entstand, sind Stille, Wiederholung und Gradlinigkeit. In dem Versuch, Cages St\u00fcck f\u00fcr Tanztheater szenisch umzusetzen, wird allerdings den Parametern, welche die Musik ausmachen, wenig Beachtung geschenkt. Zwar l\u00e4sst auch Trunsky Teile der Choreographie wiederholen, von Stille oder formaler Abstraktion jedoch keine Spur. Zu \u00fcberdeutlich ist das theatralische Leiden des Kranken und seines Pflegers, der durch die plumpe Aufforderung &#8220;Fuck me!&#8221; gleich zu Beginn direkt auf seine bisher versteckte Homosexualit\u00e4t hingewiesen wird und diese nach kurzer Tanzeinlage auch sofort mit seinem Patienten auslebt. Auch die kindliche Aufgewecktheit und das &#8220;Babygebrabbel&#8221; der pl\u00f6tzlich geborenen Tochter wirken \u00fcbertrieben und sind bei der Leichtigkeit, mit der Mar\u00eda Kuhmichel jegliche Hebefigur und das Vater-Tochter Pas de Deux meistert v\u00f6llig unn\u00f6tig.<!--more--><\/p>\n<p>Die theatralische Falle der Repr\u00e4sentation steht beim Tanztheater stets offen und birgt die Gefahr, dem Tanz oder der Musik als dramaturgische Mittel nicht genug Raum zu lassen, sie als Zeichen nicht ernst genug zu nehmen. Es scheint, als w\u00fcrde der Versuch einer choreographischen Geschichte an der selbst auferlegten Aufgabe scheitern. H\u00f6hepunkte dieses Scheitern sind der geleuchtete Heiligenschein im Moment des Todes des Patienten (Gabo Ferro) und dessen Verstauung in einer Schublade wie im Leichenschauhaus unter der B\u00fchne samt Zettel am gro\u00dfen Zeh. Die Musical-haften Z\u00fcge, die das St\u00fcck durch das konkrete Schauspiel annimmt, stehen Cages musikalischem Konzept doch ein wenig zu kontrastierend gegen\u00fcber und werden seiner Komplexit\u00e4t nicht gerecht.<\/p>\n<p>Trunskys Choreographenm\u00e4rchen wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem vom Clar\u00edn als Tanztheaterst\u00fcck des Jahres 2009, und bietet dem CETC als Auftakt der neuen Spielzeit allein durch sein Staraufgebot einen sicheren Erfolg. Neben Hayd\u00e9e Schvartz am Klavier stehen Leandro Tolosa, Maria Kuhmichel und Gabo Ferro auf der B\u00fchne. Das K\u00f6nnen der einzelnen K\u00fcnstler ist offensichtlich und macht &#8220;Four Walls &#8211; La ni\u00f1a del enfermero&#8221; sehenswert. Die Stimme Gabo Ferros erklingt in f\u00fcr einen Mann ungew\u00f6hnlich klaren H\u00f6hen, Mar\u00eda Kuhmichel tanzt mit technischer Perfektion und kindlicher Flexibilit\u00e4t, und auch Hayd\u00e9e Schvartz ist mit Cages Klavierst\u00fccken ganz in ihrem Element.<\/p>\n<p>Die essentiellen Fragen, die das St\u00fcck aufwerfen will, werden allerdings auf der B\u00fchne schon beantwortet. Offen bleibt die Frage nach dem Warum. Warum die Verbindung von Cages Musik und Trunskys choreographischer Erz\u00e4hlung? Fruchtbar ist die Fusion f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Einordnung, Musik von John Cage einzusetzen scheint immer noch zu reichen, ein St\u00fcck besonders ausgefallen erscheinen zu lassen.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Four Walls &#8211; La ni\u00f1a del enfermero&#8221;<\/li>\n<li>CETC<\/li>\n<li>Weitere Vorstellungen: 27.3., 17 Uhr, 31.3. und 1.4., 20.30 Uhr, 3.4., 17 Uhr<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;La ni\u00f1a del enfermero&#8221; &#8211; Eine choreographische Erz\u00e4hlung von Carlos Trunsky zu John Cages &#8220;Four Walls&#8221; er\u00f6ffnet die neue Spielzeit im Centro de Experimentaci\u00f3n (CETC) des Teatro Col\u00f3n Von Karlotta Bahnsen Und wenn die Natur nur eine Erfindung ist? Der Untertitel auf dem Programmheft weist bereits darauf hin, dass dieses St\u00fcck Fragen aufwirft. 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