{"id":7025,"date":"2011-04-27T19:54:16","date_gmt":"2011-04-27T22:54:16","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=7025"},"modified":"2011-05-01T13:09:08","modified_gmt":"2011-05-01T16:09:08","slug":"deutschland-auf-der-buchmesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/04\/27\/deutschland-auf-der-buchmesse\/","title":{"rendered":"Deutschland auf der Buchmesse"},"content":{"rendered":"<p><strong>Diedrich Diederichsen war beim &#8220;D\u00eda de Alemania&#8221; Gast<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/diedrich11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/diedrich11.jpg\" alt=\"\" title=\"diedrich11\" width=\"250\" height=\"372\" class=\"alignleft size-full wp-image-6941\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/diedrich11.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/diedrich11-201x300.jpg 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Bewusstseinserweiterung beim &#8220;Deutschen Tag&#8221;: Auf der diesj\u00e4hrigen <a href=\"http:\/\/www.el-libro.org.ar\/\">37. Internationalen Buchmesse von Buenos Aires<\/a> (20. April bis 9. Mai) stellte am Sonntag auf Einladung des Goethe-Instituts Buenos Aires, der Frankfurter Buchmesse und der Deutschen Botschaft der deutsche Musik- und Kunstkritiker Diedrich Diederichsen unter dem Thema &#8220;Gegenkulturen und Utopien in Kunst und Musik&#8221; sein j\u00fcngstes in Argentinien ver\u00f6ffentlichtes Buch, den Essayband &#8220;Psicodelia y ready-made&#8221; (Adriana Hidalgo-Verlag) vor. Durch die Veranstaltung f\u00fchrte der argentinische Musikkritiker Pablo Schanton, mit auf dem Podium sa\u00df auch Cecilia Pav\u00f3n, Diederichsens argentinische Lektorin und \u00dcbersetzerin.<\/p>\n<p>Der in Hamburg geborene 53-j\u00e4hrige Kulturwissenschaftler und Journalist ist laut einer kurzen biografischen Einf\u00fchrung von Schanton &#8220;\u00e0 la Wikipedia&#8221; zur Zeit als Uniprofessor t\u00e4tig. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Pop-Theoretiker.<\/p>\n<p>&#8220;Unter LSD k\u00f6nnen wir alle Duchamp sein&#8221;, so begann der ganz im Sinne des neuen Diederichsen-Bandes sehr essay-haft gehaltene 1 \u00bd-st\u00fcndige Trip: Diederichsen grenzte Duchamps Ready-made und die von Duchamp angesto\u00dfene Konzeptkunst als &#8220;intellektuellen Prozess&#8221; von der psychedelischen Erfahrung als &#8220;Sinneserfahrung&#8221; ab. W\u00e4hrend in der Konzeptkunst ein Alltagsgegenstand aus dem Kontext genommen und zum Kunstwerk erkl\u00e4rt werde, w\u00fcrden im Rahmen der psychedelischen Erfahrung Alltagsgegenst\u00e4nde an-ders wahrgenommen. &#8220;Wir sehen die Absurdit\u00e4t der Ware, deshalb lachen wir&#8221;, beschreibt Diederichsen die psychedelische Erfahrung. Im Grunde handele es sich um eine Warenkritik, und deshalb habe die Gegenkultur der 60er Jahre bis in die heutige Zeit auch so viel Erfolg, sagt Diederichsen.<!--more--><\/p>\n<p>Dieser Punkt ist dem Kritiker wichtig, er kommt auch sp\u00e4ter darauf zur\u00fcck, dass der Zusammenhang zwischen Warenkritik und LSD nie thematisiert worden sei: &#8220;Heute ist nur von der politischen Seite der 60er oder von den Hippies die Rede, deshalb erscheint es mir bedeutsam, auf den Zusammenhang hinzuweisen.&#8221;<\/p>\n<p>Nach einem Ausflug in die Protokolle gemeinsamer Drogenversuche von Walter Benjamin und Ernst Bloch, die Diederichsen als kritische Deutung der Welt und der Waren bezeichnet, und den Texten, die Ernst J\u00fcnger unter Drogen schrieb (die laut Diederichsen eine konservative Deutung der Welt darstellen) regte Pablo Schanton  eine Diskussion dar\u00fcber an, warum Rock und Pop wahre &#8220;Ready-made-Maschinen&#8221; (gewesen) seien. &#8220;Rock und Pop bringen die Begeisterung dar\u00fcber zum Ausdruck, dass die Kultur schon zur Verf\u00fcgung steht &#8211; und zugleich die Melancholie angesichts genau dieses Umstands&#8221;, bemerkt Diederichsen dazu. So habe z.B. Bob Dylan nostalgisch getextet, alle guten B\u00fccher seien bereits geschrieben worden, und dann habe er sich gleichzeitig durch die Nennung der Namen ber\u00fchmter Schriftsteller bei der bereits vorhandenen Kultur bedient.<\/p>\n<p>Diederichsen weiter: &#8220;Ende der 60er, Anfang der 70er wurde jedoch deutlich, dass die Verf\u00fcgung \u00fcber die bereits vorhandenen Dinge nicht zu einer wahren Ver\u00e4nderung f\u00fchrte.&#8221; Also habe es Versuche gegeben, die Kunst durch performatische Aspekte wieder zu dramatisieren. &#8220;So kam langweilige, alte Avantgarde wieder auf&#8221;, f\u00e4hrt Diederichsen fort. Erst der Punk habe dies ge\u00e4ndert durch die Erkenntnis, dass man sich in das Problem, dass alles schon fertig vorhanden ist, &#8220;hineinbohren&#8221; m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Nach einem Exkurs in die Antipsychiatrie kam Cecilia Pav\u00f3n auf die sozialen Utopien des Internets zu sprechen. Laut Diederichsen haben diese mit den Werten und Erfolgen der 60er Jahre zu tun, die Akzeptanz dieser Werte sei durch das Web breiter geworden und erreiche immer mehr Leute. Das Problem seien jedoch die &#8220;Verwertung von Lebendigkeit&#8221; und das Fehlen von Warenkritik im Netz, was von den Utopisten immer \u00fcbersehen werde. Das Erbe der 60er existiere nur zur H\u00e4lfte, die andere H\u00e4lfte sei verschwunden.<\/p>\n<p>Das Thema Internet interessierte vor allem auch die jungen Fans im Publikum, die Diederichsen im Anschluss noch ein paar Fragen stellen durften. Was kommt an Neuem, wie ver\u00e4ndert sich die Gesellschaft?, wollten die jungen Leute wissen. &#8220;Die gro\u00dfe Ausweitung gegenkultureller Ideen durch das Internet hat dazu gef\u00fchrt, dass der Erfolg dieser Ideen selbst waren-artige Z\u00fcge annimmt&#8221;, fasste Diederichsen zusammen. Die Frage sei jetzt: &#8220;Welche Vermarktung dieser Art von Lebendigkeit wird es geben?&#8221; Heute gebe es immer mehr Subjekte, die, mit sich alleine, in st\u00e4ndigem Kontakt zu anderen st\u00fcnden, die &#8220;nicht ko-pr\u00e4sent&#8221; seien. Diederichsen sieht die Zukunft so, dass &#8220;Ko-Pr\u00e4senz immer st\u00e4rker \u00fcber das Internet gesteuert werden wird&#8221; (durch Verabredungen zu Performances, spontane Partys etc.). &#8220;Welches Format, welchen Standard wird die Kulturindustrie darum herum bauen?&#8221; Und: &#8220;Wie reagiert man darauf?&#8221; Das seien die Fragen der Zukunft, so Diederichsen. Ob die Jugend dann noch &#8220;weed, whites and wine&#8221; brauchen wird, um darauf vorbereitet zu sein, lie\u00df der Kritiker offen.<\/p>\n<p><strong>Der Deutsche Stand<\/strong><\/p>\n<p>Wer am Deutschen Stand mit der Nummer 1923 im Gelben Pavillon (12. Stra\u00dfe Ecke 31.) zur Weiterbildung eines der B\u00fccher von Diedrich Diederichsen oder das hoch gelobte &#8220;Rabenliebe&#8221; von Peter Wawerzinek oder vielleicht zur Belustigung &#8220;Hummeldumm&#8221; von Tommy Jaud kaufen m\u00f6chte, wird entt\u00e4uscht: Die B\u00fccher am Stand sind nur zum Anschauen da. Man kann sie lediglich online bestellen (wobei dann die Versandkosten noch hinzukommen). So bleibt es nach dem Durchbl\u00e4ttern einiger Comics und dem Bewundern der als &#8220;Sch\u00f6nste B\u00fccher Deutschlands&#8221; ausgezeichneten Buchcover bei einer kurzen Visite.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diedrich Diederichsen war beim &#8220;D\u00eda de Alemania&#8221; Gast Von Susanne Franz Bewusstseinserweiterung beim &#8220;Deutschen Tag&#8221;: Auf der diesj\u00e4hrigen 37. Internationalen Buchmesse von Buenos Aires (20. April bis 9. 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