{"id":7078,"date":"2011-05-09T14:57:59","date_gmt":"2011-05-09T17:57:59","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=7078"},"modified":"2011-05-09T14:58:47","modified_gmt":"2011-05-09T17:58:47","slug":"alles-nur-ein-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/05\/09\/alles-nur-ein-spiel\/","title":{"rendered":"Alles nur ein Spiel"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;El gato desaparece&#8221; von Carlos Sor\u00edn<\/p>\n<p><em>Von Anna Weber<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/gato.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/gato.jpg\" alt=\"\" title=\"gato\" width=\"250\" height=\"146\" class=\"alignleft size-full wp-image-7080\" \/><\/a>Eigentlich wollte er einen Film \u00fcber den Wahnsinn drehen. Doch dann stie\u00df Carlos Sor\u00edn (&#8220;Historias m\u00ednimas&#8221;, 2002) auf die Aussage Alfred Hitchcocks, mit &#8220;Psycho&#8221; sei kein Film \u00fcber den Wahnsinn, sondern ein Film \u00fcber das Kino selbst entstanden. Und so lie\u00df Sor\u00edn in seinem neuen Film &#8220;El gato desaparece&#8221; den Wahnsinn beiseite und setzte sich stattdessen das Ziel, mit allen filmischen Mitteln eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Spannung im Zuschauer zu erzeugen.<\/p>\n<p>Es beginnt harmlos: Eine Gruppe von gelangweilten \u00c4rzten ber\u00e4t den Fall des Universit\u00e4tsprofessors Luis (Luis Luque), der w\u00e4hrend eines Nervenzusammenbruchs einen Arbeitskollegen angegriffen hatte und daraufhin interniert worden war. Man beschlie\u00dft, Luis wieder in den Alltag zu entlassen, jedoch nicht, ohne dass einer der \u00c4rzte, in einem Anflug von Zweifel, die zentrale Frage des Films stellt: &#8220;Ist er denn schon gesund?&#8221;<!--more--><\/p>\n<p>Zweifel an Luis&#8217; Genesung hegt auch dessen Ehefrau Beatriz (Beatriz Spelzini), die \u00fcberall Anzeichen f\u00fcr einen m\u00f6glichen R\u00fcckfall ihres Mannes zu sehen beginnt. Sogar der Kater Donatello scheint Luis zu misstrauen und verschwindet spurlos.<\/p>\n<p>Der Betrachter, der Luis\u2019 Verhalten aus der Perspektive von Beatriz wahrnimmt, wird nach und nach in dieses Spiel des Zweifels verwickelt. Er teilt Beatriz\u2019 Anspannung, wenn Luis mit dem K\u00fcchenmesser schwungvoll rohen Fisch filetiert, und zuckt zusammen, wenn Luis\u2019 Hand pl\u00f6tzlich aus dem Nichts auftaucht, um Beatriz zu ber\u00fchren. Kaum schafft die Kamera jedoch Distanz, so fragt man sich, ob nicht vielleicht Beatriz selbst wahnsinnig geworden und alles nur Einbildung ist.<\/p>\n<p>Nicht nur Beatriz&#8217; Realit\u00e4t scheint ihr langsam zu entgleiten, auch dem Betrachter wird jeglicher Halt entzogen, da selbst vertraute Gegenst\u00e4nde und Ger\u00e4usche nicht mehr sind, was sie einmal schienen. Mit Hilfe von Detailaufnahmen l\u00e4sst Sor\u00edn Allt\u00e4glichkeiten anschwellen und verleiht einer Gabel, die mit grauenhafter Pr\u00e4zision ein Salatblatt faltet, eine ungeahnte Bedrohlichkeit.<\/p>\n<p>Anstelle von Musik setzt Sor\u00edn oft verst\u00e4rkte Alltagsger\u00e4usche ein, und so erh\u00e4lt das Knacken des Salatblattes eine g\u00e4nzlich unerwartete Brutalit\u00e4t. Es ist, als w\u00fcrde der Regisseur in diesen Details beil\u00e4ufig eine Wahrheit aufblitzen lassen, die f\u00fcr den Betrachter nie ganz fassbar wird, die jedoch eine st\u00e4ndige Bedrohung darstellt. <\/p>\n<p>Dieselbe Bedrohung schimmert im Gewitterlicht auf modisch roten Badezimmerfliesen, huscht \u00fcber schattenzerschnittene Gesichter und dr\u00e4ngt sich zwischen Luis und Beatriz, so dass deren Gesten und Worte stets ein klein wenig verschoben wirken. Es entsteht eine gespenstische Einsamkeit, die sogleich wieder durch Humor aufgebrochen wird, der dem Betrachter immer wieder eine kurze Pause g\u00f6nnt. Erst ganz zum Schluss wird das R\u00e4tsel um Luis\u2019 Genesung endlich aufgel\u00f6st \u2013 begleitet von wahnsinnigem Gel\u00e4chter.<\/p>\n<p>Es ist ein wohldosiertes Schaudern, das Carlos Sor\u00edn dem Betrachter verabreicht, und hier scheint auch das Geheimnis der Spannung zu liegen: Sie entsteht nicht aus dem Spiel mit den filmischen Mitteln, sondern aus dem Spiel mit dem Betrachter.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;El gato desaparece&#8221; &#8211; Argentinien\/Spanien 2011<\/li>\n<li>90 Min.<\/li>\n<li>Ab 13.<\/li>\n<li>Buch und Regie: Carlos Sor\u00edn.<\/li>\n<li>Fotografie: Juli\u00e1n Apeztegu\u00eda.<\/li>\n<li>Schnitt: Mohamed Rajad.<\/li>\n<li>Musik: Nicol\u00e1s Sor\u00edn.<\/li>\n<li>Sound: Jos\u00e9 Luis D\u00edaz.<\/li>\n<li>Mit Luis Luque, Beatriz Spelzini, Mar\u00eda Abadi, Norma Argentina, Hugo Sigman.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;El gato desaparece&#8221; von Carlos Sor\u00edn Von Anna Weber Eigentlich wollte er einen Film \u00fcber den Wahnsinn drehen. 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