{"id":7403,"date":"2011-05-28T12:44:06","date_gmt":"2011-05-28T15:44:06","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=7403"},"modified":"2011-05-30T14:19:50","modified_gmt":"2011-05-30T17:19:50","slug":"kunst-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/05\/28\/kunst-2-0\/","title":{"rendered":"Kunst 2.0"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Projekte von \u201cTec en Arte III\u201d im Espacio Fundaci\u00f3n Telef\u00f3nica<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/tranqui.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/tranqui.jpg\" alt=\"\" title=\"tranqui\" width=\"250\" height=\"140\" class=\"alignleft size-full wp-image-7405\" \/><\/a>Technologie in der Kunst, das klingt k\u00fchl und durchdacht, schematisch und kopflastig. Passen die beiden Bereiche eigentlich \u00fcberhaupt zusammen? Und ob! Das beweist die Ausstellung der Projekte des diesj\u00e4hrigen \u201cTec en Arte\u201d-Programms, das die K\u00fcnstlerin und Kulturmanagerin Patricia Hakim seit drei Jahren im Espacio Fundaci\u00f3n Telef\u00f3nica durchf\u00fchrt. Bis zum 11. Juni kann die Schau im EFT (Arenales 1540) besucht werden, und es lohnt sich, denn sie steckt voller \u00dcberraschungen.<\/p>\n<p>Bevor man das Geb\u00e4ude betritt, begegnet man schon dem ersten Werk, es ist ein Kirmesstand aus schrill-bunt bemalter Pappe, kaum zu \u00fcbersehen. Der US-amerikanische K\u00fcnstler Nick Mahshie alias \u201cTranqui Yanqui\u201d, der hinter diesem Projekt steckt, ist in bunte Klamotten gekleidet und mit einer schrillen Pappbrille im Gesicht auf einem Video zu sehen, er preist in \u201cInfomercial\u201d-Art seine Artefakte an, bunte Papp-Nachbauten von elektronischen Ger\u00e4ten, wie zum Beispiel Papp-Handys.<!--more--><\/p>\n<p>Liebevoll \u00fcbt der Mann mit dem Zylinder Kritik an Marketingstrategien und nimmt Themen wie die Abh\u00e4ngigkeit von der digitalisierten Welt aufs Korn. An Mahshies Stand bleiben viele Leute stehen, die nie eine Kunstgalerie betreten w\u00fcrden, sein tiefsinnig-spa\u00dfiges Werk ist auf vielerlei Ebenen angstfrei erlebbare Kunst.<\/p>\n<p>Im Erdgeschoss st\u00f6\u00dft man auf Iv\u00e1n Kozenitzkys Werk \u201cCall Center Experience\u201d. Der K\u00fcnstler will die Angestellten von Call Centern rund um den Globus, die st\u00e4ndig Beschwerden entgegennehmen, aus der Anonymit\u00e4t holen und ihnen ein menschliches Antlitz verleihen. Der \u201cBetrachter\u201d des Werkes ist aufgerufen, selbst anzurufen, sich als Teilnehmer an einer Kunstaktion \u201causzuweisen\u201d und einen dieser Angestellten dazu zu bringen, seinen Namen und Standort preiszugeben. Gelingt das, bekommt man einen Button (damit verweist der K\u00fcnstler darauf, dass Call Center nach dem Belohnungsprinzip arbeiten).<\/p>\n<p>Kozenitzkys Idee, seine Absicht, und die \u00e4sthetische Umsetzung des Projekts sind gut, doch hat er nicht daran gedacht, dass Leute, die unter derartigen Bedingungen arbeiten, oft keine andere Wahl haben, dass sie durch die Anrufe kompromittiert weden und den Job verlieren k\u00f6nnen, wenn sie ihre pers\u00f6nlichen Daten verraten.<\/p>\n<p>Beim Hochsteigen der Treppe wird der Besucher von der Intervention \u201cEn vivo\u201d von Melisa Bay \u201cregistriert\u201d: Er wird gefilmt und sein kurzer Auftritt flimmert dann &#8211; zeitversetzt &#8211; \u00fcber den Bildschirm. Mit einfachen Mitteln schafft die K\u00fcnstlerin eine starke Aussage: Sie verwandelt Realit\u00e4t in Fiktion, Gegenwart in Vergangenheit, die konkrete Person in ein geisterhaftes Wesen. <\/p>\n<p>In der Bibliothek im ersten Stock finden sich die restlichen Projekte. Sehr attraktiv ist die Intervention des B\u00fccherregals des K\u00fcnstlerkollektivs \u201crot(a)metaphorarq\u201d: Die B\u00fccher sind nicht nur in verschiedenfarbige H\u00fcllen \u201cgekleidet\u201d, sondern erzeugen auch beim Herausnehmen unterschiedliche Klangmuster.<\/p>\n<p>Die Laptops auf den Tischen, die sonst als Gratis-Internetcaf\u00e9 f\u00fcr die EFT-Besucher dienen, sind alle bis auf einen mit den anderen Kunstprojekten \u201cbelegt\u201d. Joaqu\u00edn Fargas hat ein Videogame zu \u00f6kologischen Themen programmiert, Christian D\u00edaz stellte ein wundersch\u00f6nes audiovisuelles Archiv seines Viertels \u201cVilla Mitre\u201d in Bah\u00eda Blanca zusammen. Neben nicht so leicht zu erschlie\u00dfenden Werken von Natalia Rizzo und Daniel Fischer ist Lorena Kaethners Werk ein Leckerbissen: Als ihr laszives Alter Ego Marlok lie\u00df sie sich am Abend der Ausstellungser\u00f6ffnung Ende April bei einer Elektromassage filmen; mit dieser und anderen Live-Aktionen, an denen der EFT-Besucher samstags um 18 Uhr via Skype teilnehmen kann, will sich \u201cMarlok\u201d einen ersehnten TV-Auftritt erarbeiten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/lazoe11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/lazoe11.jpg\" alt=\"\" title=\"lazoe11\" width=\"250\" height=\"166\" class=\"alignleft size-full wp-image-7442\" \/><\/a>\u201cWir sehen hier Werke von Individuen, aber die Ausstellung, die extra f\u00fcr diesen Raum geschaffen wurde, ist zu einem Kollektiverlebnis geworden\u201d, sagt die Koordinatorin und Kuratorin Patricia Hakim. Besonders komme das in dem letzten Werk zum Ausdruck, Dar\u00edo Saccos \u201cLazo de consecuencias\u201d. Das Werk besteht aus roten Kabelstr\u00e4ngen, die alle Tec-en-Arte-Projekte miteinander verbinden und die in einem Kasten gegen\u00fcber der Bibliothek zusammenlaufen. Dar\u00fcber hinaus werden Eigen- und Fremdger\u00e4usche aller Werke aufgenommen und in ein Klangerlebnis verwandelt.<\/p>\n<p>\u201cTec en Arte III\u201d verbindet Kunst und Technologie, Kreativit\u00e4t und Elektronik, Individuum und Kollektiv. Gemeinsamer Nenner ist laut Hakim \u201cdie Unvorhersehbarkeit der entstehenden Vernetzungen\u201d. Kunst 2.0 eben.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Un derrotero de conjeturas&#8221;, Expo der Projekte von &#8220;Tec en Arte III&#8221;.<\/li>\n<li>Werke von Melisa Bay, Iv\u00e1n Kozenitzky, Mar\u00eda Lorena Kaethner, Nick Mahshie, Colectivo metaphorarq &#8211; Bruno Rota, Christian D\u00edaz, Joaqu\u00edn Fargas, Daniel Fischer, Natalia Rizzo und Dar\u00edo Sacco.<\/li>\n<li>Koordinatorin\/Kuratorin: Patricia Hakim.<\/li>\n<li>Espacio Fundaci\u00f3n Telef\u00f3nica, Arenales 1540.<\/li>\n<li>Di-Sa 14-20 Uhr.<\/li>\n<li>19.4.-11.6.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>\u201cTranqui Yanqui\u201d Nick Mahshie mit Papptelefon.<\/p>\n<p>Verbindendes Element: Dar\u00edo Saccos Werk \u201cLazo de consecuencias\u201d.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Projekte von \u201cTec en Arte III\u201d im Espacio Fundaci\u00f3n Telef\u00f3nica Von Susanne Franz Technologie in der Kunst, das klingt k\u00fchl und durchdacht, schematisch und kopflastig. 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