{"id":7533,"date":"2011-06-11T13:12:38","date_gmt":"2011-06-11T16:12:38","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=7533"},"modified":"2011-06-18T12:56:31","modified_gmt":"2011-06-18T15:56:31","slug":"verzauberte-augenblicke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/06\/11\/verzauberte-augenblicke\/","title":{"rendered":"Verzauberte Augenblicke"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ulrike Ottingers Fotos in der FotoGaler\u00eda des San Mart\u00edn-Theaters<\/p>\n<p><em>Von Charlotte D\u00f6tig<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Ottinger_freak_city11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Ottinger_freak_city11.jpg\" alt=\"\" title=\"Ottinger_freak_city11\" width=\"250\" height=\"165\" class=\"alignright size-full wp-image-7452\" \/><\/a>Leise wurde der Kaffee ausgetragen und ged\u00e4mpftes Gemurmel erf\u00fcllte den Raum, als um 19 Uhr am Dienstagabend eine der wohl beeindruckensten deutschen Fotografinnen, die Er\u00f6ffnung ihrer ersten Ausstellung in Buenos Aires feiern durfte. Seitdem ziehen auf der Empore, die die gro\u00dfe Eingangshalle des Theaters San Mart\u00edn umgibt, eindrucksvolle Fotografien die Betrachter in ihren Bann. Jedes einzelne Bild Ulrike Ottingers erz\u00e4hlt eine Geschichte. Doch ist es nicht das perfekt gestellte Szenario, das durch gezielte Position der Figuren eine bestimmte Reaktion im Beobachter hervorruft, und auch nicht die im richtigen Moment geschossene, eingefrorene Alltagsszene. Vielmehr ist es der Widerspruch der simplen Realit\u00e4t, die durch den pr\u00e4zise gew\u00e4hlten Bildausschnitt absolut surreal aussieht, und die Darstellung des vollkommen Surrealen, das in seiner Abstraktion verbl\u00fcffend real wirkt, was jeden Vor\u00fcbergehenden fesselt.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Ottinger_Taiga_ringer11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Ottinger_Taiga_ringer11.jpg\" alt=\"\" title=\"Ottinger_Taiga_ringer11\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignright size-full wp-image-7535\" \/><\/a>So wurde zum Beispiel eine Gruppe Ringer auf dem Fest des Hammelbrustknochens (\u00d6wtsch\u00fc\u00fcnij-Naadam) 1992 vor der unglaublichen Weite des Landes von ihr abgelichtet. Man k\u00f6nnte es als Dokumentation eines Ritus einer anderen Kultur bezeichnen, und doch ist es vielmehr die Verbildlichung der Fantasie eines Abenteuerromanes, zumindest f\u00fcr jemanden, der noch nie einen Fu\u00df in die Weite der Taiga gesetzt hat.<\/p>\n<p>Man darf jedoch nicht vergessen, dass Ulrike Ottinger auch als Filmemacherin arbeitet. Teilweise sind einzelne Fotografien aus ihren Werken herausgegriffen. Als Betrachter liegt man so mit der Vermutung, dass das Bild in einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang geh\u00f6rt, und dem Gef\u00fchl, dass man nur ein Schlaglicht einer komplexen Erz\u00e4hlung vor Augen hat, gar nicht falsch. Oft sind es Portr\u00e4ts, mit denen die K\u00fcnstlerin einen Moment einf\u00e4ngt und den Facettenreichtum einer einzigen Geste oder eines Gesichtsausdrucks deutlich macht.<\/p>\n<p>Eine ihrer wohl ber\u00fchmtesten Fotografien ist die Darstellung aus dem Film \u201cBildnis einer Trinkerin\u201d. Zu sehen ist Tabea Blumenschein, eingeh\u00fcllt in einen roten Mantel, mit hochgeschlagenem Kragen und der dazu passenden Kopfbedeckung, ihre wei\u00df beschuhte Hand dr\u00fcckt sie gegen eine nasse Scheibe, als wolle sie auf diese Weise auf das Leben jenseits des Glases Einfluss oder einfach nur Abschied nehmen. Verzaubert von dem Blick dieser Frau, der direkt am Betrachter vorbei f\u00fchrt, wird man unmittelbar in eine andere Realit\u00e4t geleitet.<\/p>\n<p>Ist man am Dienstagabend aus dieser Welt wieder aufgetaucht, war es merkw\u00fcrdig zu sehen, wie die Fotografien Ulrike Ottingers, laut und ausdrucksstark, beim Auftakt der Ausstellung in einem so gegens\u00e4tzlichen Kontext &#8211; auff\u00e4llig leise und fast unbedeutend &#8211; zwischen dezentem Alltagsgeplauder und dem Tageswerk einiger Journalisten, die auf Bl\u00f6cke kritzelten, vorzufinden waren.<\/p>\n<p><strong>Foto-Ausstellung<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ulrike Ottinger, \u201cUna retrospectiva\u201d. FotoGaler\u00eda des San Mart\u00edn-Theaters, 1. Stock der Eingangshalle Carlos Morel, Av. Corrientes 1530. Mo-Fr ab 12, Sa und So ab 14 Uhr, bis zum Ende der Aktivit\u00e4ten des Tages im Theater. 7.6.-3.7.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><br \/>\nFilmreihe im Leopoldo Lugones-Saal: weiteres Programm<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Samstag, 11.6.: Kurzfilme: \u201cSuperbia &#8211; Der Stolz\u201d. 1986 (15 Min.; DVD); \u201cUsinimage\u201d. 1987 (10 Min.; DVD); \u201c El esp\u00e9cimen &#8211; Das Exemplar\u201d. 2002 (19 Min.; DVD); \u201cEster\u201d. 2002 (32 Min.; DVD). 14.30 Uhr (Gesamtdauer: 76 Min.). \u201cExilio Shangh\u00e1i &#8211; Exil Shanghai\u201d. 1997. 18 Uhr (275 Min.; 16mm).<\/li>\n<li>Sonntag, 12.6.: \u201cJuana de Arco de Mongolia &#8211; Johanna D\u2019Arc of Mongolia\u201d. 1989. 14.30 Uhr (165 Min.; 35mm). \u201cFreak Orlando\u201d. 1981. 18 Uhr (126 Min.; 35mm). \u201cPrater\u201d. 2007. 21 Uhr (104 Min.; DVD).<\/li>\n<li>Dienstag, 14.6.: \u201cDoce sillas &#8211; Zw\u00f6lf St\u00fchle\u201d. 2004. 14.30 und 19.30 Uhr (198 Min.; DVD).<\/li>\n<li>Mittwoch, 15.6.: \u201cPrater\u201d. 2007. 14.30, 17, 19.30 und 22 Uhr (104 Min.; DVD).<\/li>\n<li>Donnerstag, 16.6.: \u201cEl cofre nupcial coreano &#8211; Die koreanische Hochzeitstruhe\u201d. 2008. 14.30, 17, 19.30 und 22 Uhr (82 Min.; DVD).<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/www.teatrosanmartin.com.ar\/\">Weitere Infos.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrike Ottingers Fotos in der FotoGaler\u00eda des San Mart\u00edn-Theaters Von Charlotte D\u00f6tig Leise wurde der Kaffee ausgetragen und ged\u00e4mpftes Gemurmel erf\u00fcllte den Raum, als um 19 Uhr am Dienstagabend eine der wohl beeindruckensten deutschen Fotografinnen, die Er\u00f6ffnung ihrer ersten Ausstellung in Buenos Aires feiern durfte. 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