{"id":7682,"date":"2011-06-24T20:11:56","date_gmt":"2011-06-24T23:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=7682"},"modified":"2011-06-26T13:03:46","modified_gmt":"2011-06-26T16:03:46","slug":"zwei-vollig-unterschiedliche-theatererlebnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/06\/24\/zwei-vollig-unterschiedliche-theatererlebnisse\/","title":{"rendered":"Zwei v\u00f6llig unterschiedliche Theatererlebnisse"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sorins &#8220;22h13&#8221; und Robines &#8220;La ferme des concombres&#8221; in der internationalen Spielzeit des San Mart\u00edn-Theaters<br \/>\n<em><br \/>\nVon Charlotte D\u00f6tig<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/theater11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/theater11.jpg\" alt=\"\" title=\"theater11\" width=\"250\" height=\"164\" class=\"alignleft size-full wp-image-7683\" \/><\/a>Zwei Franzosen im Auftrag der Komik haben sich in der letzten Woche f\u00fcr unterhaltsame Abende eingesetzt. Die Idee war dieselbe und der Erfolg der gleiche, und doch h\u00e4tten zwei Alleinunterhalter verschiedener nicht sein k\u00f6nnen. Der Eine gro\u00df, der Andere klein, der Eine j\u00fcnger, der Andere \u00e4lter, der Eine auf einer mit Krempel \u00fcberf\u00fcllten B\u00fchne und der Andere auf einem leeren Schauplatz, der nur durch einen kleinen Sandh\u00fcgel markiert war. Doch sieht man \u00fcber diese Trivialit\u00e4ten hinweg, ist es der Inhalt und die intellektuelle, aber auch emotionale Interpretation von Theater, die die beiden unterscheidet. W\u00e4hrend der Eine es auf die k\u00fcnstlerische Spitze treibt, indem er das gewollt provozierte Lachen im Hals ersticken l\u00e4sst, rei\u00dft der Andere das Publikum in eine andere Welt und zieht es auf diese Weise in seinen Bann.<\/p>\n<p>&#8220;22h13&#8221; war das erste der beiden St\u00fccke, das im Rahmen der internationalen Spielzeit im San Mart\u00edn-Theater gezeigt wurde. Es ist ein Werk von Pierrick Sorin, gespielt von Nicol\u00e1s Sansier. Dargestellt wird der Alltag eines K\u00fcnstlers, der versucht, in seinem chaotischen Atelier Ordnung zu schaffen. Immer wieder wird er jedoch unterbrochen.<!--more--><\/p>\n<p>So beginnt er, Ideen f\u00fcr ein neues Werk zu entwickeln, trifft Leute, tr\u00e4umt, gr\u00fcbelt, spricht mit sich selbst und redet mit anderen, immer auf der Suche nach einer neuen Form, sich auszudr\u00fccken, etwas zu schaffen, das nicht nur die blo\u00dfe H\u00fclle eines Kunstwerks ist. Ein Balanceakt zwischen zwei Abgr\u00fcnden, zwischen Genialit\u00e4t und Wahnsinn. Das technisch wirklich aufwendige St\u00fcck mit drei Leinw\u00e4nden, Kameras noch auf der B\u00fchne, Nahaufnahmen, die riesig auf die Leinw\u00e4nde \u00fcbertragen werden, Videoaufzeichnungen, die es m\u00f6glich machen, dass sich der K\u00fcnstler auf der Leinwand mit anderen Menschen trifft, ist \u00fcberw\u00e4ltigend.<\/p>\n<p>Die anderen Pers\u00f6nlichkeiten, denen er begegnet, sind ebenfalls von Sansier gespielt, was zur Folge hat, dass der Zuschauer ab und an den Eindruck bekommt, dass der K\u00fcnstler paranoid sei. Der immer verzweifelter Suchende, der nicht wei\u00df, welche Entscheidung er treffen soll und der sich zwischen unaushaltbarem Tatendrang und absolutem Stillstand im Kreis dreht, scheint dem Wahnsinn in die Arme zu laufen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/theater22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/theater22.jpg\" alt=\"\" title=\"theater22\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignright size-full wp-image-7684\" \/><\/a>Patrick Robine hingegen nahm die Zuschauer in seinem St\u00fcck &#8220;La ferme des concombres (La granja de los pepinos)&#8221; auf eine Reise mit durch die W\u00fcste. Ein Abenteuer, das man erlebt haben sollte, mit Menschen, die man kennengelernt haben muss. Mit einem Feuer im Koffer und in seinem beigen Anzug, f\u00fchrt er die Zuschauer ins Unbekannte, macht sie vertraut mit Menschen, die auf einmal gar nicht mehr fremd erscheinen. Tiere werden einem vorgef\u00fchrt, die so echt wirken, dass man sie anfassen m\u00f6chte. Er baut nicht nur Luftschl\u00f6sser, sondern ganze Landschaften ins Nichts.<\/p>\n<p>Er kreiert eine ganz fremde, surreale Welt, und jeder, der sich ein bisschen darauf einl\u00e4sst, darf eintreten, durch die W\u00fcste sich schleppen und \u00fcbers Wasser fahren. Robine erfindet und verwandelt sich selbst in jedem Augenblick von Neuem, ohne dabei Verwirrung zu stiften. Ist er in einem Moment noch ein schnaubendes Kamel, so ist er im n\u00e4chsten schon der mit tiefer Stimme sich Geh\u00f6r verschaffende Vater.<\/p>\n<p>So ist letzteres ein abenteuerlicher Ritt durch die W\u00fcste, der auf keiner Ebene mit dem w\u00fcsten Ritt durchs Abenteuer des K\u00fcnstlers, der sich im Chaos zu verlieren scheint, vergleichbar ist. Es sind zwei sehr unterschiedliche Sensationen, herausragend in ihrer Einzigartigkeit, deren Schnittpunkt allein die Sprache ist.<\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><br \/>\nTechnische Perfektion: &#8220;22h13&#8221; des Videok\u00fcnstlers Pierrick Sorin.<\/p>\n<p>K\u00f6rperarbeit: Allroundgenie Patrick Robine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorins &#8220;22h13&#8221; und Robines &#8220;La ferme des concombres&#8221; in der internationalen Spielzeit des San Mart\u00edn-Theaters Von Charlotte D\u00f6tig Zwei Franzosen im Auftrag der Komik haben sich in der letzten Woche f\u00fcr unterhaltsame Abende eingesetzt. Die Idee war dieselbe und der Erfolg der gleiche, und doch h\u00e4tten zwei Alleinunterhalter verschiedener nicht sein k\u00f6nnen. 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