{"id":7919,"date":"2011-07-05T13:55:32","date_gmt":"2011-07-05T16:55:32","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=7919"},"modified":"2011-07-05T13:58:18","modified_gmt":"2011-07-05T16:58:18","slug":"schwarzer-humor-und-politische-botschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/07\/05\/schwarzer-humor-und-politische-botschaft\/","title":{"rendered":"Schwarzer Humor und politische Botschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Marcos L\u00f3pez&#8217; &#8220;Tierra en Trance&#8221; in der Fundaci\u00f3n YPF<\/p>\n<p><em>Von Jasmin M\u00fcller<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Carnicera.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Carnicera.jpg\" alt=\"\" title=\"Carnicera\" width=\"250\" height=\"316\" class=\"alignleft size-full wp-image-7920\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Carnicera.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Carnicera-237x300.jpg 237w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Bereits von au\u00dfen stechen einem die gro\u00dfen Fotografien von Marcos L\u00f3pez ins Auge. Schaut man durch die St\u00e4be des Zaunes, die den Hochhausturm der Fundaci\u00f3n YPF in Puerto Madero sch\u00fctzend umgeben, erkennt man insgesamt 16 Werke des argentinischen K\u00fcnstlers. Diese sind im Rahmen des Kulturprogramms &#8220;Arte en la Torre&#8221; im Erdgeschoss in der Macacha G\u00fcemes 515 noch bis zum 15.7. ausgestellt.<\/p>\n<p>Der Titel der Ausstellung &#8220;Tierra en Trance&#8221; verweist auf einen gleichnamigen Film des brasilianischen Regisseurs Glauber Rocha. Er gilt als wichtigster Vertreter des Cinema Novo und stand f\u00fcr den Kampf gegen die \u00dcbermacht des US-amerikanischen Films. Sein Ziel war es, sich auf nationale Traditionen zu besinnen und er kritisierte in seinen Werken die herrschende soziale Ungerechtigkeit. Das, was Marcos L\u00f3pez auch tut.<\/p>\n<p>Wenn man das Geb\u00e4ude betritt, steuert man direkt auf das Hauptwerk der Ausstellung zu. &#8220;Suite Bolivariana&#8221; \u2013 ein drei Meter hohes und neun Meter langes Wandbild. Links in dem Bild sind sechs Bergarbeiter zu erkennen. Sie steigen eine Art Treppe hoch, die aus W\u00fcrfeln besteht, welche mit ber\u00fchmten Bildern von Pop-Art K\u00fcnstlern wie Roy Lichtenstein, Robert Indiana und Andy Warhol bedruckt sind. In den H\u00e4nden eine Whiphala-Fahne &#8211; das Symbol f\u00fcr die indigenen V\u00f6lker S\u00fcdamerikas. Diese Szene erinnert an die Fotografie &#8220;Raising the Flag on Iwo Jima&#8221; von dem Fotografen Joe Rosenthal. Sie stellt sechs Soldaten dar, die auf einem Berg eine US-Fahne hissen und sp\u00e4ter als Kriegshelden gefeiert wurden. Doch in Marcos L\u00f3pez&#8217; Arbeit sind nicht Soldaten die Helden, es sind die dargestellten Bergarbeiter. Im Oktober 2010 feierte man 33 M\u00e4nner als Nationalhelden, die im August 2010 in einem chilenischen Bergwerk versch\u00fcttet wurden und 69 Tage sp\u00e4ter gerettet werden konnten.<!--more--><\/p>\n<p>In der Mitte des riesigen Bildes sieht man einen Mann, der sich gerade ein St\u00fcck Fleisch vom Grill geholt hat. Er tr\u00e4gt Flip-Flops, kurze Hose, Hemd, Sonnenbrille und Kappe, ist rundlich und klein. Ein typischer S\u00fcdl\u00e4nder? Ein Macho als Grillmeister beim traditionellen Asado? Vielleicht. Denn ein wesentliches Element der Arbeiten von Marcos L\u00f3pez ist das \u00fcberspitzte Darstellen von Klischees. So zieren beispielsweise auch ein Haufen Maiskolben den unteren Bildrand &#8211; ein Produkt, welches Mexiko symbolisiert, das Herkunftsland dieser Pflanze.<\/p>\n<p>Im rechten Teil des Bildes sieht man die B\u00fcsten Per\u00f3ns und seiner Frau Evita in Rettungsringen auf einem kleinen Pool schwimmen. Bew\u00e4ssert wird dieser von dem ber\u00fchmten Tango-Komponisten und \u2013s\u00e4nger Carlos Gardel. Um den Pool herum scharen sich NBA-Basketballspieler. Die Mauer im Hintergrund ist gef\u00fcllt mit Portr\u00e4ts von Revolutionsf\u00fchrern und Symbolen, die f\u00fcr ein bestimmtes s\u00fcdamerikanisches Land stehen. Man erkennt einen typischen Indianer, einen Tiger, die Flagge Venezuelas, Che Guevara, die s\u00fcdamerikanischen Nationalhelden Bol\u00edvar und San Mart\u00edn sowie den venezolanischen Pr\u00e4sidenten Ch\u00e1vez und Perus Staatsoberhaupt Morales.<\/p>\n<p>Man braucht schon eine Weile, um sich dieses Kunstwerk genau anzuschauen. Es ist vollgestopft mit wichtigen Pers\u00f6nlichkeiten und Details. &#8220;Ich mag es zu \u00fcbertreiben&#8221;, so der K\u00fcnstler. Diese \u00dcberspitzung und \u00dcbertreibung sind Elemente seiner Arbeiten. Und doch ist es erstaunlich, wie viel Realit\u00e4t in diesen ironischen Darstellungen steckt. In der blutverschmierten Fleischerin, die eine Kette aus Blutw\u00fcrsten tr\u00e4gt und deren Hand mit einem gro\u00dfen Messer durchstochen ist. In dem Mann, der in einem grauen kalten Raum steht und ein Modellflugzeug der American Airlines in der Hand h\u00e4lt. In dem bolivianischen Schneider, der mit Schere und B\u00fcgeleisen an einem neuen Anzug arbeitet. In allen steckt ein wenig Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Der argentinische Fotograf setzt sich in seinen Arbeiten mit seiner Heimat auseinander. Dabei bezieht er sich auf ganz S\u00fcdamerika, haupts\u00e4chlich jedoch auf das Land, in dem er geboren wurde \u2013 Argentinien. Das Ziel des K\u00fcnstlers ist es, eine Emotion zu materialisieren, die gleichzeitig eine soziopolitische Meinung und eine Art Chronik ist. Dazu nutzt er h\u00e4ufig Elemente der Werbefotografie. Marcos L\u00f3pez kritisiert das momentane globalisierte Leben, die Markenkultur, das Streben nach dem &#8220;American Way of Life&#8221;.<\/p>\n<p>Den Schmerz, den L\u00f3pez empfindet, versucht er durch Humor und Ironie zu vertreiben. Ein sehr schwarzer Humor. Auf keinem der 16 Werke ist ein lachendes Gesicht zu sehen. Alle haben leere, traurige Blicke. Und auch dem Betrachter ist nicht zum Lachen zumute. Aber \u00fcberzeugen Sie sich selbst und besuchen Sie noch bis zum 15.7. die Ausstellung &#8220;Tierra en Trance&#8221; im Turm der Fundaci\u00f3n YPF. Montags-Freitags 10-19 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marcos L\u00f3pez&#8217; &#8220;Tierra en Trance&#8221; in der Fundaci\u00f3n YPF Von Jasmin M\u00fcller Bereits von au\u00dfen stechen einem die gro\u00dfen Fotografien von Marcos L\u00f3pez ins Auge. 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