{"id":8068,"date":"2011-07-24T00:09:37","date_gmt":"2011-07-24T03:09:37","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=8068"},"modified":"2011-07-24T15:42:22","modified_gmt":"2011-07-24T18:42:22","slug":"8068","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/07\/24\/8068\/","title":{"rendered":"Gehen oder bleiben?"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;Von Menschen und G\u00f6ttern&#8221; von Xavier Beauvois<\/p>\n<p><em>Von Anna Weber<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/gott.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/gott.jpg\" alt=\"\" title=\"gott\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignleft size-full wp-image-8070\" \/><\/a>Man soll niemals das Ende eines Films erz\u00e4hlen. Was aber, wenn es in einem Film eben gerade darum geht, dass das Ende schon von Anfang an bekannt ist? <\/p>\n<p>In &#8220;Von Menschen und G\u00f6ttern&#8221; erz\u00e4hlt Xavier Beauvois die Geschichte von acht M\u00f6nchen, die in einem Kloster am Fu\u00df des Atlas leben, inmitten des algerischen B\u00fcrgerkriegs. Der Krieg, die Angst und die Toten r\u00fccken immer n\u00e4her, und schlie\u00dflich stehen die M\u00f6nche vor der Entscheidung: Gehen oder bleiben? &#8220;Du hast keine Wahl&#8221;, sagt der Rebellenf\u00fchrer zu Bruder Christian (Lambert Wilson), dem Oberhaupt des Klosters. &#8220;Doch, die habe ich&#8221;, antwortet dieser. Und so treffen die acht M\u00f6nche ihre Wahl, nicht als G\u00f6tter, nicht als Helden, nicht als M\u00e4rtyrer, sondern als Menschen.<\/p>\n<p>Wie die Geschichte enden wird, das wei\u00df man schon zu Beginn des Films, als die Brust von Bruder Am\u00e9d\u00e9e mit einem Stethoskop abgeh\u00f6rt wird und der Befund lautet: &#8220;Du wirst uns noch alle begraben.&#8221; Zuschauer wie auch M\u00f6nche wissen, dass das Ende naht. Aber keiner wei\u00df, wann es kommen wird. Und so widmen sich die M\u00f6nche ihrem Alltag, bes\u00e4en Felder und singen liturgische Ges\u00e4nge. Man sieht die Angst in den Gesichtern dieser acht M\u00e4nner, die Zweifel, den Wunsch zu gehen.<\/p>\n<p>Diesen Wunsch hegt gegen Mitte des Films auch der Zuschauer: Weshalb bin ich noch hier? Wieso tue ich mir dies an? Ich wei\u00df doch, was geschehen wird\u2026 Und irgendwann begreift man, dass man die Gedanken und Gef\u00fchle dieser M\u00f6nche teilt. Man will raus, dem Warten endlich ein Ende setzen. Aber irgendwie bringt man es nicht \u00fcber sich, f\u00fchlt die Verpflichtung zu bleiben. Auf geniale Art bringt Beauvois den Zuschauer dazu, die Geschichte der M\u00f6nche nicht nur zu sehen, sondern, in abgeschw\u00e4chter Form, selbst zu erfahren.<!--more--><\/p>\n<p>Beauvois, der von sich selbst sagt, dass er pro Tag problemlos drei bis vier Dokumentarfilme schauen k\u00f6nne, stellt die reale Erfahrung in den Vordergrund. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten (Massaker von Tibhirine, 1996) und Beauvois verzichtet weitgehend auf k\u00fcnstliche Bildkompositionen und musikalisches Underscoring, welches dem Zuschauer Emotionen aufdr\u00e4ngt. Die M\u00f6nche werden nicht als Helden verehrt, sondern als Menschen gezeigt. Die G\u00e4nge des Klosters, an deren Ende Licht scheint, erinnern entfernt an eine Turnhalle, und die M\u00f6nche speisen auf Plastiktischdecken.<\/p>\n<p>Beauvois erz\u00e4hlt sparsam und schlicht, er h\u00e4lt sich an das, was ist. Trotzdem schafft er es, unglaubliche Emotionen aufzubauen, und nicht umsonst hat der Film, u.a. in Cannes, zahlreiche Preise gewonnen. Trotz zunehmender Anspannung ist da gegen Ende des Films pl\u00f6tzlich wieder Hoffnung. Da muss doch noch was sein, ein Wunder, eine pl\u00f6tzliche Wende, irgend etwas. Und kurz vor dem Ende wird der Zuschauer mit einer Szene belohnt, von so unglaublicher Sch\u00f6nheit, dass er den Saal verl\u00e4sst und zu sich selbst sagt: Es war es wert, zu bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Von Menschen und G\u00f6ttern&#8221; von Xavier Beauvois Von Anna Weber Man soll niemals das Ende eines Films erz\u00e4hlen. Was aber, wenn es in einem Film eben gerade darum geht, dass das Ende schon von Anfang an bekannt ist? 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