{"id":8112,"date":"2011-07-30T14:09:32","date_gmt":"2011-07-30T17:09:32","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=8112"},"modified":"2011-07-30T14:09:32","modified_gmt":"2011-07-30T17:09:32","slug":"die-pirateninsel-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/07\/30\/die-pirateninsel-ii\/","title":{"rendered":"Die Pirateninsel II"},"content":{"rendered":"<p><strong>(K)ein M\u00e4rchen vom S\u00fcdatlantik (Fortsetzung)<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/mioewe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/mioewe.jpg\" alt=\"\" title=\"mioewe\" width=\"250\" height=\"159\" class=\"alignleft size-full wp-image-3330\" \/><\/a>Auf jener vom Fregattseglerp\u00e4rchen beherrschten Vogelinsel war eine seltsame Ambivalenz zu beobachten. Einerseits fluchten die flei\u00dfigen Fischer jeden Tag st\u00e4rker ob der Hemmnisse und Verleumdungen, denen sie seitens des Herrscherp\u00e4rchens t\u00e4glich ausgesetzt waren. Zum anderen jedoch lebte es sich trotzdem ganz gut auf der Insel und zahlreiche andere Bewohner f\u00fchlten sich ganz wohl.<\/p>\n<p>Der Fischreichtum n\u00e4mlich, von dem man traditionell lebte und der durch die Raffsucht der Herrscher zu verebben gedroht hatte, begann unvermittelt wieder zu wachsen. Begebenheiten in einer fernen Region hatten zur Folge, dass neue, ergiebige Schw\u00e4rme an den K\u00fcsten auftauchten und die Fangergebnisse belebten.<\/p>\n<p>So konnten die Fregattsegler nicht nur das eigene Wohlleben und das ihrer Freunde unver\u00e4ndert fortf\u00fchren; sie hielten es auch f\u00fcr angebracht, den nicht besonders geschickten oder flei\u00dfigen Fischern etwas von ihrer Beute abzugeben. Eigentlich waren das nur Schw\u00e4nze und Gr\u00e4ten, aber f\u00fcr diese armen V\u00f6gel (denen man eigentlich das Fischen h\u00e4tte beibringen sollen) bedeutete es eine Erleichterung. Nat\u00fcrlich ging es den Herrschern nicht um diese Erleichterung, sondern darum, die Armen zum Gemeinschaftsfelsen zu locken, um der unentwegt parlierenden Fregattseglerin ein dankbares Publikum zu verschaffen. Das gelang ihnen auch und so schien die Herrschaft f\u00fcr viele Jahre gesichert.<\/p>\n<p>Dann geschah etwas g\u00e4nzlich Unerwartetes.<!--more--> Von einem Tag auf den anderen verschied der Fregattseglerich. Es gab eine pomp\u00f6se Beerdigung. Alle Raubm\u00f6wen und sonstigen Freunde \u00fcberboten sich gegenseitig an Lobreden und bezeichneten ihn als den gr\u00f6\u00dften Wohlt\u00e4ter der Insel seit deren Bestehen. Sein Weibchen schien untr\u00f6stlich. Es zeigte sich f\u00fcrderhin nur noch in Trauerfedern und sein Geschnatter war tr\u00e4nendurchtr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Die Inselgemeinschaft f\u00fchlte mit. Einerseits geh\u00f6rte es sich einfach, einer Witwe zu kondolieren. Zum Anderen hoffte man, dass die Fregattseglerin, nun ohne den Einfluss des herrschs\u00fcchtigen, aggressiven und miesepeterischen Gatten, eine friedfertigere, vern\u00fcnftigere, den traditionellen Spielregeln angemessenere Regierung f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Weit gefehlt! Als ob sie bef\u00fcrchtete, Schw\u00e4che zu zeigen, verhielt sie sich nun noch k\u00e4mpferischer und ungerechter als der Seglerich je gewesen war. Jener hatte n\u00e4mlich bei aller schamloser Machtlust \u00fcber eine gewisse schlaue Vorsicht verf\u00fcgt, die ihn vor allzu gro\u00dfen Fehlleistungen bewahrte. Sein Weibchen aber hielt sich f\u00fcr un\u00fcbertrefflich intelligent und glaubte, absolut keine R\u00fccksichten auf fremde Meinungen nehmen zu m\u00fcssen, zumal ihr die Ovationen der von den Raubm\u00f6wen zum Gemeinschaftsfelsen zugetriebenen armen V\u00f6gel suggerierten, sie sei von Allen geliebt.<\/p>\n<p>Die Herrscherin vertrieb von ihrem Nestbaum die wenigen Mitfl\u00f6ter ihes Gatten, die noch einigerma\u00dfen vern\u00fcnftig gewesen waren, und ersetzte sie durch seltsame V\u00f6gel. Es waren dies solche, deren angeschimmelte Weltverbesserungsversionen bereits vor Generationen auf der Insel ziemliches Unheil angerichtet hatten, darunter in die Jahre gekommene, aber immer noch pubert\u00e4re Revoluzzerm\u00f6wen. Diese brachten ihre K\u00fcken mit, welche sich sofort breitmachten.<\/p>\n<p>Es konnte nicht verwundern, dass es auf dem Eiland nun drunter und dr\u00fcber ging. \u00dcber die Verteilung der Beute kamen sich Revoluzzer- und Raubm\u00f6wen untereinander ins Gehege. Reihum belagerten sie den Nestbaum der Herrscherin, um immer neue und immer gr\u00f6\u00dfere Vorteile zu erlangen. Gleichzeitig bedr\u00e4ngten sie die flei\u00dfigen T\u00f6lpel, Silberm\u00f6wen, Austernfischer und Albatrosse auf nahezu unertr\u00e4gliche Weise. Schamlos vergriffen sie sich sogar an den bescheidenen Almosen, die f\u00fcr die Armen gedacht waren.<\/p>\n<p>Sie schreckten nicht einmal davor zur\u00fcck, sich im Namen der Herrscherin den von den Insulanern so geliebten Flugballsport unter den Nagel zu rei\u00dfen, so dass ehemals weltweit ber\u00fchmte Sportvogelschaften dahinsiechten und in Vergessenheit gerieten. Die allgemeine Unordnung wurde von ortsfremden Luftpiraten genutzt, um einen Handel mit wohlschmeckenden, jedoch sehr gesundheitssch\u00e4dlichen Fischelixieren zu etablieren. Nicht wenige Inselbewohner wurden s\u00fcchtig danach und brachten solche Substanzen auch in fremde Gegenden, wodurch der Ruf der Insel gro\u00dfen Schaden erlitt.<\/p>\n<p>Von alledem wollte die Herrscherin nichts wissen. Sie hatte sich ausschlie\u00dflich mit Japiepsern und S\u00edse\u00f1oras umgeben, welche ihr m\u00f6glichst nur die angenehmen Nachrichten zufl\u00f6teten und f\u00fcr jede weniger angenehme gleich eine gewundene entschuldigende Erkl\u00e4rung mittr\u00e4llerten, wenn sie diese nicht von Vornerherein als b\u00f6swillige L\u00fcgen bezeichneten.<\/p>\n<p>Es gab auf der Insel eine Echowand, welche im Prinzip allen Bewohnern zur Verf\u00fcgung gestanden hatte, um ihre Meinung weithin kundzutun. Diese Wand war der Lieblingsplatz der Fregattseglerin. Sie nutzte ihn unentwegt, um ihre Gegner zu zerschnattern und das Inselvolk mit Aussagen zu informieren, die mit der Wahrheit immer weniger zu tun hatten. Dabei vergewisserte sie sich st\u00e4ndig bei den sie umgebenden Japiepsern, ob ihre Aussagen auch wirklichkeitsgetreu seien (was ihr nat\u00fcrlich immer best\u00e4tigt wurde), damit sie etwaig entdeckte L\u00fcgen immer jenen zuschieben konnte.<\/p>\n<p>Der Zugang zu dieser ehemals \u00f6ffentlichen Echowand wurde dann zunehmend eingeschr\u00e4nkt, damit Meinungen, die der Herrscherin nicht genehm waren, nicht mehr so einfach verbreitet werden konnten. Und wenn es dennoch einem Gegner gelang, geh\u00f6rt zu werden, dann gab es sofort etliche von den Raubm\u00f6wen alimentierte Sturmpfeifer und Windqu\u00e4ker, die ihn beschimpften und \u00fcbert\u00f6nten.<\/p>\n<p>Und nun nahte der Zeitpunkt, an dem die Inselbewohner einen neuen Herrscher zu w\u00e4hlen hatten. Schafften sie es, die Fregattseglerin abzusl\u00f6sen und von einer Piraten- zu einer normalen Insel zu werden? Eine Fortsetzung des vorliegenden Berichts k\u00f6nnte diese Frage beantworten.<\/p>\n<p>Wenn es dann noch Zugang zur Echowand gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(K)ein M\u00e4rchen vom S\u00fcdatlantik (Fortsetzung) Von Friedbert W. B\u00f6hm Auf jener vom Fregattseglerp\u00e4rchen beherrschten Vogelinsel war eine seltsame Ambivalenz zu beobachten. Einerseits fluchten die flei\u00dfigen Fischer jeden Tag st\u00e4rker ob der Hemmnisse und Verleumdungen, denen sie seitens des Herrscherp\u00e4rchens t\u00e4glich ausgesetzt waren. 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