{"id":8366,"date":"2011-08-09T16:22:37","date_gmt":"2011-08-09T19:22:37","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=8366"},"modified":"2011-08-09T16:28:31","modified_gmt":"2011-08-09T19:28:31","slug":"ein-kurzes-stuck-uber-das-toten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/08\/09\/ein-kurzes-stuck-uber-das-toten\/","title":{"rendered":"Ein kurzes St\u00fcck \u00fcber das T\u00f6ten"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;C\u00f3mo estar juntos&#8221; im Camar\u00edn de las Musas<br \/>\n<em><br \/>\nVon Anna Weber<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/juntos-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/juntos-.jpg\" alt=\"\" title=\"juntos\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignright size-full wp-image-8367\" \/><\/a>Im Grunde geht es ja darum, zusammen zu sein. Sich zu lieben. Die Leere zu f\u00fcllen. Und schlie\u00dflich dort zu verharren, in diesem perfekten Moment der Stille und Gemeinsamkeit.<\/p>\n<p>Es gibt sie, diese perfekten Momente, im St\u00fcck &#8220;C\u00f3mo estar juntos&#8221; von Diego Manso. Da ist eine Mutter, die ihrer Tochter \u00fcber das Haar streicht, und sie erinnern sich, wie es fr\u00fcher war, im Exil in Spanien, an das feine Haar des M\u00e4dchens, wie da Schaum in die Augen geriet, wenn es gewaschen wurde.<\/p>\n<p>Aber dann fallen sie zur\u00fcck in die Realit\u00e4t: Sie sind wieder in Argentinien. Der Vater ist tot. Die Mutter (Marta Lubos) hat Krebs. Noch drei Monate. H\u00f6chstens. Die Tochter (Mar\u00eda In\u00e9s Sancerni) ist geistig behindert, ben\u00f6tigt die Hilfe der Mutter, um zur Toilette zu gehen. Und seit die Tochter nun eine Katze hat, spricht sie nicht mehr mit der Mutter.<\/p>\n<p>Wie also soll man zusammen sein? Wie soll man die Momente der Gemeinsamkeit in einen Zustand ausweiten, wenn doch der Tod sogar im eigenen K\u00f6rper lauert? Mit Arsen, erkl\u00e4rt die Nachbarin La L\u00f3pez (Silvia Bayl\u00e9), die ebenfalls am K\u00fcchentisch sitzt. Sie besitzt ein Fl\u00e4schchen &#8220;f\u00fcr alle F\u00e4lle&#8221;, und die Katze muss weg, das ist klar. Die Liebe sei ein legitimes Motiv, um zu t\u00f6ten, erkl\u00e4rt La L\u00f3pez. Und so stirbt zuerst die Katze. Nur hilft dies nicht. Also macht man sich daran, die Zeit zu t\u00f6ten, isst Katzenfutter, baut Legoburgen und schmiedet Pl\u00e4ne, die nicht gut gehen k\u00f6nnen. Nur ist die Zeit, abgesehen von der Liebe, das einzige, was sich nicht totkriegen l\u00e4sst. Sie l\u00e4uft unerbittlich auf das Ende zu, bis da roher Schmerz und nackte Wahrheit auf dem K\u00fcchentisch liegen.<!--more--><\/p>\n<p>Der Regisseur Luciano Suardi konzentriert sich in seiner Inszenierung ganz auf diesen K\u00fcchentisch. Der Rest des Hauses ist lediglich durch Seile markiert, und stets rennen alle im Kreis um den Tisch. Denn dort wird die ganze Au\u00dfenwelt, Argentinien und die Vergangenheit auseinandergenommen. Wie der K\u00f6rper der Mutter, zerf\u00e4llt da langsam, was man f\u00fcr wahr zu halten schien. Szene f\u00fcr Szene, immer eine Schicht weniger, alles f\u00e4llt ab. Bis da hinter der Geschichte von Mutter und Tochter eine gr\u00f6\u00dfere Geschichte zum Vorschein kommt. Die Geschichte all derer, die gingen und innerlich tot zur\u00fcckkehrten. Wenn \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Es ist schwer zu entscheiden, wo man in Diego Mansos St\u00fcck lachen soll und wo nicht. Darf man denn \u00fcber den Tod lachen? Oder soll man sogar? &#8220;Warum die Beklemmung, wenn wir am Ende doch alle sterben, wie jedes menschliche Wesen?&#8221;<\/p>\n<p>Man lacht. Unfreiwillig. Silvia Bayl\u00e9s Darstellung der Nachbarin, welcher der Klatsch und all die Nebens\u00e4chlichkeiten dieses Lebens aus dem Mund quellen, ist grandios (Premio Florencio S\u00e1nchez 2010). Und doch bleibt da eine unglaubliche Beklemmung im Zuschauer zur\u00fcck. Wie soll man denn nun zusammen sein? Wie soll man zusammenleben in diesem Land, wo der Tod im ganzen K\u00f6rper steckt? Das St\u00fcck gibt keine Antwort. Die Musik bricht ab, es wird ein letztes Mal dunkel. Und die Frage bleibt auf dem K\u00fcchentisch.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;C\u00f3mo estar juntos&#8221;<\/li>\n<li>Autor: Diego Manso<\/li>\n<li>Regie: Luciano Suardi<\/li>\n<li>Mit Silvia Bayl\u00e9, Maitina De Marco, Marta Lubos, Mar\u00eda In\u00e9s Sancerni, u.a.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.elcamarindelasmusas.com\/\">Camar\u00edn de las Musas<\/a><\/li>\n<li>Mario Bravo 960<\/li>\n<li>4862-0655<\/li>\n<li>Ab 12.8. freitags 21 Uhr<\/li>\n<li>Eintritt $ 45.-, Rentner und Studenten $ 30.-<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;C\u00f3mo estar juntos&#8221; im Camar\u00edn de las Musas Von Anna Weber Im Grunde geht es ja darum, zusammen zu sein. Sich zu lieben. Die Leere zu f\u00fcllen. Und schlie\u00dflich dort zu verharren, in diesem perfekten Moment der Stille und Gemeinsamkeit. Es gibt sie, diese perfekten Momente, im St\u00fcck &#8220;C\u00f3mo estar juntos&#8221; von Diego Manso. 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