{"id":861,"date":"2007-01-15T14:29:28","date_gmt":"2007-01-15T17:29:28","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/01\/15\/lustwandeln-im-paradies\/"},"modified":"2010-09-07T20:25:31","modified_gmt":"2010-09-07T23:25:31","slug":"lustwandeln-im-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/01\/15\/lustwandeln-im-paradies\/","title":{"rendered":"Lustwandeln im Paradies"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/01\/15\/paseo-en-el-paraiso\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Der Andalusische Garten des Museums &#8220;Enrique Larreta&#8221;<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image857\" alt=FOTO13.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2007\/01\/FOTO13.jpg\" \/><\/p>\n<p>Der &#8220;Jard\u00edn Andaluz&#8221; des Museums Enrique Larreta ist eine Oase der Ruhe inmitten der hektischen Gro\u00dfstadt. Ein Spaziergang durch die labyrinthartigen Wege, der vorbei an gr\u00fcnen B\u00fcschen, schattenspendenden B\u00e4umen und bl\u00fchenden Pflanzen f\u00fchrt, l\u00e4dt den Besucher ein zur Meditation und spricht alle seine Sinne an.<\/p>\n<p>Der Garten umf\u00e4ngt den Gast mit seinem Zauber, sobald er ihn betritt. Wege und Kreuzg\u00e4nge sind so angelegt, dass man sich in ihnen zu verlieren scheint &#8211; und auch gerne bereit dazu ist -, obwohl der Garten eher klein ist. Doch er vervielf\u00e4ltigt sich, denn egal aus welcher Richtung man kommt, wohin man sich wendet &#8211; die Perspektive ver\u00e4ndert sich unaufh\u00f6rlich.<!--more--><\/p>\n<p>Hunderte Schattierungen der Farbe Gr\u00fcn beruhigen das umherschweifende Auge. Bl\u00fchende Pflanzen oder B\u00fcsche sind eher sp\u00e4rlich ges\u00e4t, denn die Konzentration des Betrachters soll nicht abgelenkt werden. Auf einem kleinen Platz befindet sich ein achteckiger Brunnen aus Marmor, der von vier Fr\u00f6schen aus Keramik ges\u00e4umt ist. Er ist mit Wasser gef\u00fcllt, das sich in kleinen konzentrischen Kreisen langsam bis zum Rande bewegt und dann in ein Abfangbecken \u00fcberl\u00e4uft. Auch dieses stille, unendliche Spiel des Wassers und der Wellen l\u00e4dt zur Beruhigung des Geistes ein.<\/p>\n<p>\u00dcberall sind die Sinne angesprochen, sie werden erh\u00f6ht und gesch\u00e4rft, ohne \u00fcberreizt zu werden. Bl\u00fcten wie Jasmin verstr\u00f6men einen bet\u00f6renden Duft, auch die f\u00fcr die Andalusischen G\u00e4rten so typischen Orangenb\u00e4ume. Vogelgezwitscher und das Summen der Bienen und Hummeln streicheln das Ohr. Der Boden ist mal aus hartem Lehm und dann &#8211; pl\u00f6tzlich &#8211; knirschen Kieselsteine unter den F\u00fc\u00dfen. Das Gehen selbst wird zu einem sinnlichen Erlebnis.<\/p>\n<p>Sehen, Riechen, H\u00f6ren, seine F\u00fc\u00dfe auf dem Boden sp\u00fcren, all diese Sinneserfahrungen werden durch die Anlage des Gartens verst\u00e4rkt. Dieser einzige hispano-islamische Garten in ganz Lateinamerika wurde nach dem Vorbild der spanischen G\u00e4rten Anfang des 20. Jahrhunderts von der wohlhabenden argentinischen Familie Larreta angelegt.<\/p>\n<p>In Spanien waren diese G\u00e4rten von den Arabern errichtet worden, die in dem europ\u00e4ischen Land Bedingungen vorfanden, welche sie aus ihren Herkunftsl\u00e4ndern voller W\u00fcsten nicht kannten: Gr\u00fcne Pflanzen, Blumen, aber vor allen Dingen das lebensspendende Wasser. So bauten sie Lustg\u00e4rten, vom Menschen geschaffene und gezielt angelegte Paradiese, die selbst ihre Oasen ihnen nicht bieten konnten.<\/p>\n<p>Die Araber in Spanien bauten ihre G\u00e4rten wiederum nach dem Vorbild der Perser, in deren Sprache &#8220;Garten&#8221; gleichbedeutend mit Paradies ist.<\/p>\n<p>Der paradiesische Garten des Museums Larreta folgt dem Vorbild ber\u00fchmter Lustg\u00e4rten in Spanien. Auch hier wird zum Ansprechen der Sinne ein Spiel mit abrupten Wechseln gespielt: So tritt man, wenn man aus einem schattigen k\u00fchlen Gang herauskommt, pl\u00f6tzlich und unvermittelt in die pralle Sonne. So w\u00e4chst in den Quadraten innerhalb der streng geschnittenen Hecken, die die labyrinthartigen Wege s\u00e4umen, eine wilde, nat\u00fcrliche Vegetation. Die Araber pflegten sich mit dem R\u00fccken zu den Hecken zu stellen und die Samen \u00fcber die Schulter zu werfen. Der Baum oder Busch sollte dann dort wachsen, wo der Samen hingefallen war. Die Freiheit, die von der Ordnung umrahmt ist, nannten sie diese Technik, oder: die Ordnung, die die Freiheit umgibt.<\/p>\n<p>Der Boden ver\u00e4ndert sich urpl\u00f6tzlich unter den F\u00fc\u00dfen, die Ger\u00fcche<br \/>\n\u00e4ndern sich w\u00e4hrend des Lustwandelns durch den Garten laufend. All dies scheint willk\u00fcrlich, ist aber sorgf\u00e4ltig geplantes Menschenwerk &#8211; ein vom Menschen f\u00fcr den Menschen gestaltetes und geschaffenes Paradies.<\/p>\n<p><em>(Andalusischer Garten des Museums Enrique Larreta, Juramento 2291, Stadtteil Belgrano. Informationen auf der <a href=\"http:\/\/www.museos.buenosaires.gov.ar\/\">Webseite der Museen von Buenos Aires<\/a>.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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