{"id":88,"date":"2005-06-22T14:53:44","date_gmt":"2005-06-22T17:53:44","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/06\/22\/es-gibt-keine-perfekte-welt\/"},"modified":"2016-10-15T17:01:35","modified_gmt":"2016-10-15T20:01:35","slug":"es-gibt-keine-perfekte-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/06\/22\/es-gibt-keine-perfekte-welt\/","title":{"rendered":"&#8220;Es gibt keine perfekte Welt&#8221; (2002)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Anthologie der K\u00fcnstlerin Ana Eckell im Centro Cultural Recoleta<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/anae.JPG\" alt=\"Werk von Ana Eckell\" \/><\/p>\n<p>Ana Eckell ist viel gereist und hat in der ganzen Welt ihre Werke ausgestellt. Sie hat Argentinien auf der Biennale von Paris 1984 vertreten und 1985 in Sao Paulo, und sie zeigt Teile der \u201eW\u00e4nde&#8221;, die sie bei diesen renommierten internationalen Kunst-Treffen pr\u00e4sentierte, nun im Rahmen der anthologischen Ausstellung \u201eLa voz del agua&#8221; im Centro Cultural Recoleta; dazu Gem\u00e4lde mit vorgebauten Schachteln, die bei der Biennale ARCHE in Buenos Aires 1983 zu sehen waren, ihre \u201eblaue Periode&#8221; von 1987\/88, ihre Produktion der 90er Jahre, bekannt von einer bedeutenden Ausstellung im \u201eMuseo Nacional de Buenos Artes&#8221;, bis hin zu sehr zur\u00fcckgenommenen Bildern von 2000 und 2001, in denen die K\u00fcnstlerin, in deren Werk das \u00dcbereinanderschichten von verschiedenen Perspektiven und Ebenen eine Hauptrolle spielt, wie durch einen Nebel Konturen und Szenen erahnen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/ana2.jpg\" alt=\"Werk von Ana Eckell\" align=right hspace=5 \/>Sie habe diese Bilder vor den Attentaten vom 11. September 2001 gemalt, sagt Ana, als sie auf die Parallelen zu den Anschl\u00e4gen in diesen Werken angesprochen wird, aber sie seien fast so etwas wie eine Vorahnung gewesen. Als ihr Lebenspartner sie an dem schrecklichen Tag angerufen und ihr von den Attentaten erz\u00e4hlt habe, habe sie den Femseher angemacht, die gigantischen Staubwolken gesehen und ihr sei klar geworden: \u201eDas ist es!&#8221; \u201eDie Welt befindet sich in einem Ver\u00e4nderungsprozess&#8221;, sagt Ana, \u201evielleicht muss erst alles in sich zusammenfallen, bevor etwas Neues entstehen kann.&#8221; Auch in ihren Texten, die innerhalb der Retrospektive einen wichtigen Stellenwert einnehmen, wird dieses Thema immer wieder aufgegriffen.<\/p>\n<p><em>Mensch sein in Krisenzeiten<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/ana3.jpg\" alt=\"Werk von Ana Eckell\" align=right hspace=5 \/>Zu diesem schmerzlichen Prozess z\u00e4hlt auch die aktuelle Krise in Argentinien. Die Auswirkungen sp\u00fcrt Ana Eckell am eigenen Leibe, wie fast alle Argentinier &#8211; das wird deutlich, wenn sie von den Schwierigkeiten berichtet, die Ausstellung auf die Beine zu stellen, und von ihrem festen Willen, \u201etrotz allem etwas zu tun&#8221;.<\/p>\n<p>Aber auch die empfindlichen Sensoren ihrer sensiblen K\u00fcnstlerseele sind auf Empfang, etwa wenn sie sich fragt, ob denn die momentane Situation nicht realistischer sei als die vorgegaukelte Erste-Welt-Zugeh\u00f6rigkeit der letzten Jahre. \u201eUnsere Situation ist unbequem, aber das Leben an sich ist unbequem&#8221;, philosophiert Ana. Ordnung sei doch nur eine Fiktion, die jeden Moment kaputtgehen k\u00f6nne. \u201eHier leben wir realistischer&#8221;, zieht sie ihr Fazit, \u201eLeben ist immer prek\u00e4r.&#8221; Nachdenklich f\u00fcgt sie hinzu:\u201eIch glaube, es gibt keine perfekte Welt.&#8221; \u00dcberall, in allen L\u00e4ndern, die sie bereist habe, w\u00fcrden die Menschen klagen. Das liege wohl daran, dass \u201ewir Menschen eben nicht perfekt&#8221; seien.<\/p>\n<p><em>Geschichte aufarbeiten<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/ana.jpg\" alt=\"Werk von Ana Eckell\" align=right hspace=5 \/>\u201eMan braucht immer auch Humor, um mit schwierigen Themen fertig zu werden&#8221;, sagt Ana Eckell &#8211; \u00fcbrigens in ausgezeichnetem Deutsch -, zum Beispiel \u00fcber ihre Bilderserie \u201eLa batalla de San Ram\u00f3n&#8221; von 1984. Die gro\u00dfformatigen Werke seien in Anlehnung an die Schlachtenbilder des Renaissancemalers Uccello entstanden, aber die Pferde s\u00e4hen bei ihr eher aus wie Karussellpferde, lacht sie.<\/p>\n<p>In ihren Werken der fr\u00fchen 80er Jahre habe sie die repressiven 70er verarbeitet, das Klima der Zensur, das geherrscht habe, als sie, damals schon mit dem beendeten Kunststudium, ihre K\u00fcnstlerkarriere begonnen habe. Und 1982 habe der Malwinenkrieg einen starken Eindruck in der Gesellschaft hinterlassen.<\/p>\n<p>Einen direkten Bezug zu historischen Ereignissen h\u00e4tten ihre Werke zwar nicht, meint die K\u00fcnstlerin mit dem blonden Kurzhaarschnitt, aber sie registrierten eben doch die Dinge, die sie kenne. \u201eEs ist einfacher, die Dinge zu benennen, sie sind dann weniger schmerzhaft, man versteht sie besser&#8221;, erkl\u00e4rt sie ihre k\u00fcnstlerische Motivation, und f\u00fcgt hinzu: \u201eIch habe mein Augenmerk nie auf punktuelle Ereignisse gerichtet, sondern auf (geschichtliche) Prozesse.&#8221;<\/p>\n<p><em>Und die Zukunft?<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/anae2.jpg\" alt=\"Werk von Ana Eckell\" align=right hspace=5 \/>Die Frage nach ihrem weiteren Weg dr\u00e4ngt sich unwillk\u00fcrlich auf, wenn man Ana Eckells j\u00fcngstes Bild \u201eSalto de p\u00e1gina&#8221; von 2002 betrachtet. Es ist eine Mischung aus wei\u00dflich-grauer Farbe und Textur, dahingeworfene Worte sind kaum noch sichtbar. Ihre Malerei, so gro\u00df und bunt und farbenpr\u00e4chtig einst, wird doch nicht etwa verschwinden? Ana ist \u00fcberhaupt nicht beunruhigt. \u201eIch wei\u00df nicht, was die Zukunft bringt, und ich will es auch gar nicht wissen!&#8221;, wehrt sie ab. Sie suche nie nach neuen Bildern: \u201eSie kommen zu mir, wenn ich dazu bereit bin&#8221;, beschreibt sie den kreativen Prozess, der sie zum Malen und Schreiben dr\u00e4ngt. \u201eEs gibt viele Dinge, die man im Moment vielleicht nicht versteht&#8221;, gibt sie zu bedenken, aber sie verlasse sich auf eines: \u201eDas Leben ist ein perfektes Design.&#8221;<\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien am 25.5.2002 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.eckell.com\/\">Die Bilder stammen von Ana Eckells Webseite.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Anthologie der K\u00fcnstlerin Ana Eckell im Centro Cultural Recoleta Von Susanne Franz Ana Eckell ist viel gereist und hat in der ganzen Welt ihre Werke ausgestellt. 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