{"id":8961,"date":"2011-09-24T09:36:11","date_gmt":"2011-09-24T12:36:11","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=8961"},"modified":"2011-10-07T22:42:11","modified_gmt":"2011-10-08T01:42:11","slug":"11-deutsches-kinofestival-die-filme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/09\/24\/11-deutsches-kinofestival-die-filme\/","title":{"rendered":"11. Deutsches Kinofestival: Die Filme"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aus der Sicht der Kritiker<\/strong><\/p>\n<p>Das von German Films organisierte und von der Deutschen Botschaft in Buenos Aires unterst\u00fctzte <a href=\"http:\/\/www.cinealeman.com.ar\/festival11\/films.html\">11. &#8220;Festival de Cine Alem\u00e1n&#8221;<\/a> (22.9.-28.9. im Kinokomplex Village Recoleta) pr\u00e4sentiert eine \u00dcbersicht \u00fcber die j\u00fcngsten Produktionen der deutschen Filmindustrie, wobei sowohl Deb\u00fctfilme wie Werke international etablierter Regisseure gezeigt werden.<\/p>\n<p>Die Kritiken der Festival-Beitr\u00e4ge:<\/p>\n<p><strong>&#8220;Almanya &#8211; Willkommen in Deutschland&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/almanyaa.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/almanyaa.jpg\" alt=\"\" title=\"almanyaa\" width=\"250\" height=\"150\" class=\"alignleft size-full wp-image-8989\" \/><\/a>Der kleine Cenk ist ratlos. Ist er denn jetzt T\u00fcrke oder Deutscher? Keines der beiden Fu\u00dfballteams will den Sechsj\u00e4hrigen in der Mannschaft haben. Und \u201cAnatolien\u201d, wo angeblich seine Wurzeln liegen, ist auf der Europakarte nicht drauf, so dass die Klassenlehrerin Cenks Nationalit\u00e4ten-F\u00e4hnchen irgendwo ins Niemandsland gesteckt hat. F\u00fcr Cenk kommt die geplante Reise seines Gro\u00dfvaters H\u00fcseyin gerade richtig in seiner kindlichen Identit\u00e4tskrise. H\u00fcseyin, der Anfang der 1960er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland kam und sp\u00e4ter seine Frau und Kinder nachholte, hat n\u00e4mlich ein Haus in der alten Heimat gekauft und l\u00e4dt die ganze Familie ein, mit ihm dorthin zu fahren. Unterwegs erz\u00e4hlt Cenks Kusine Canan ihm die Geschichte H\u00fcseyins, die im Film parallel zum &#8220;heutigen Geschehen&#8221; immer wieder eingeblendet wird. Auf der Reise kommen so einige \u00fcberraschende Wahrheiten ans Licht. Und Cenk muss auch versuchen zu verstehen, was mit einem geliebten Menschen geschieht, wenn er stirbt.<\/p>\n<p>Die Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli, beide in den 1970ern in Deutschland geboren, schrieben das Drehbuch zu der entz\u00fcckenden, bitters\u00fc\u00dfen Kom\u00f6die, die Regisseurin Yasemin S. gekonnt in Szene gesetzt hat.<br \/>\n(Susanne Franz)<!--more--><\/p>\n<p><strong>&#8220;Das Lied in mir&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/El-Nino.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/El-Nino.jpg\" alt=\"\" title=\"El-Nino\" width=\"250\" height=\"100\" class=\"alignleft size-full wp-image-8986\" \/><\/a>Eine Melodie ver\u00e4ndert Marias Leben schlagartig. Am Flughafen in Buenos Aires sollte die deutsche Touristin doch eigentlich nur zwischenlanden, als eine junge Mutter ihrem Kind ein Lied vorsingt. Maria erkennt die Melodie und summt das Lied mit, dabei spricht sie doch kein Wort Spanisch! Hals \u00fcber Kopf und von ihrem Instinkt getrieben entscheidet sie sich dazu, in Buenos Aires zu bleiben.<\/p>\n<p>Als Marias Vater Anton von ihren Erlebnissen erf\u00e4hrt, macht er sich auf den direkten Weg in die Metropole. Er m\u00f6chte seine Tochter davor besch\u00fctzen, eine unsch\u00f6ne Wahrheit zu erfahren, um sich somit nicht von ihr entfernen zu m\u00fcssen. Maria hat w\u00e4hrenddessen jedoch schon Hilfe bei einem deutschsprechenden argentinischen Polizisten gesucht, der dazu bereit ist, Maria bei ihrer Suche nach sich selbst zu helfen. Vater und Tochter ringen um die ef\u00e4hrliche Wahrheit, die ihr gemeinsames Leben f\u00fcr immer ver\u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>Florian Cossens gelungenes Filmdeb\u00fct ist dank der gut besetzten Rollen und des pr\u00e4zisen Drehbuchs ein unglaublicher Erfolg in Deutschen und internationalen Kinos.<br \/>\n(Camila Hirsch)<\/p>\n<p><strong>&#8220;Drei&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/drei.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/drei.jpg\" alt=\"\" title=\"drei\" width=\"250\" height=\"108\" class=\"alignleft size-full wp-image-8996\" \/><\/a>Simon und Hanna sind seit 20 Jahren ein Paar. Nach au\u00dfen hin scheinen die beruflich erfolgreichen Anfang-40er die perfekte Beziehung zu f\u00fchren. Blickt man der Realit\u00e4t jedoch ins Auge, leben die beiden schon lange aneinander vorbei. Die vom Alltag gestresste Beziehung scheint nach und nach in die Br\u00fcche zu gehen. Ein Schicksalsschlag folgt dem n\u00e4chsten. Nach dem Tod seiner kranken Mutter muss Simon einen weiteren herben R\u00fcckschlag verkraften: Diagnose Hodenkrebs. Die Krankheit wirbelt nicht nur Simons, sondern auch Hannas Gef\u00fchlsleben durcheinander. Auf der Suche nach Liebe, Geborgenheit und der eigenen Identit\u00e4t st\u00fcrzen sich beide in eine wilde Aff\u00e4re. Was die beiden jedoch nicht ahnen &#8211; es handelt sich um den gleichen Liebhaber.<\/p>\n<p>Regisseur Tom Tykwer inszeniert auf eine am\u00fcsante und zugleich zum Nachdenken bringende Art und Weise die Komplexit\u00e4t von Beziehungen. Der Film nimmt uns mit auf eine Reise ins reale Leben &#8211; vor allem in Bezug auf die Liebe. Tykwer gestaltet einige Szenen sehr freiz\u00fcgig und nimmt dabei kaum ein Blatt vor den Mund. Nach dem Erfolg von &#8220;Lola rennt&#8221; ist &#8220;Drei&#8221; ein weiteres gelungenes Drehbuch von Tom Tykwer.<br \/>\n(Marleen Seilheimer)<\/p>\n<p><strong>&#8220;Satte Farben vor Schwarz&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/satte_farben_vor_schwarz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/satte_farben_vor_schwarz.jpg\" alt=\"\" title=\"satte_farben_vor_schwarz\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignleft size-full wp-image-9006\" \/><\/a>Anita und Fred sind seit 50 Jahren ein Paar und fast ebenso lang gl\u00fccklich verheiratet. Sohn und Tochter sind erwachsen, die Enkelin macht gerade Abitur. Die Nachricht, dass Fred Prostatakrebs hat, halten sie vor der Familie zun\u00e4chst geheim, denn ihre Tochter heiratet noch einmal und sie wollen ihr das Fest nicht verderben. Als Anita zuf\u00e4llig erf\u00e4hrt, dass Fred eine Wohnung gekauft hat, in die er sich zum Nachdenken zur\u00fcckziehen will, interpretiert sie das als Trennung und zieht ihrerseits in ein Altersheim. \u201cSie spinnt!\u201d, sagt Fred zu seiner Tochter. Beim Abiturfest der Enkelin kommen die beiden wieder zusammen und stellen fest, dass nichts ihre Liebe zerst\u00f6ren kann. Es sei denn, sie entscheiden das selbst.<\/p>\n<p>Grandiose schauspielerische Leistungen von Bruno Ganz und Senta Berger, ein kompromissloser, durch und durch gelungener Deb\u00fct-Film der jungen Regisseurin Sophie Heldman.<br \/>\n(Susanne Franz)<\/p>\n<p><strong>&#8220;Goethe!&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/goethe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/goethe.jpg\" alt=\"\" title=\"goethe\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignleft size-full wp-image-9056\" \/><\/a>1772: Der junge, wilde Johann Goethe will kein Jurist werden. So findet er es auch nicht schlimm, dass er durch sein Staatsexamen f\u00e4llt. Er ist \u00fcberzeugt, dass ihm mit seinem &#8220;G\u00f6tz von Berlichingen&#8221; der literarische Durchbruch gelingen wird. Doch sein Manuskript wird abgelehnt, und auch Goethes Herr Vater ist nicht von seinem Talent zu \u00fcberzeugen. So kommt es, dass der junge Goethe nach Wetzlar geschickt wird, um dort eine Ausbildung am Reichskammergericht zu absolvieren.<\/p>\n<p>Mit seinem neu gewonnenen Freund und Kollegen Wilhelm Jerusalem erlebt Goethe dort viele Abenteuer. Unter anderem lernt er seine erste gro\u00dfe Liebe, Lotte, kennen. Doch die Romanze wird durch Lottes Vater und den Gerichtsrat Kestner gebremst, der sich auch in die junge Sch\u00f6ne verliebt hat und der verarmten Gro\u00dffamilie als Retter erscheint. Lotte verlobt sich mit Kestner, und auch seinen Freund Jerusalem, der sich aus Liebeskummer erschie\u00dft, verliert Goethe. Er verarbeitet die Geschehnisse in den &#8220;Leiden des jungen Werthers&#8221;, die er Lotte widmet &#8211; und die ihn zum Star machen.<\/p>\n<p>&#8220;Goethe!&#8221; mag sich nicht ganz an die geschichtlichen Fakten halten, aber er ist ja auch vor allem an ein junges Publikum gerichtet, das vielleicht bisher nicht allzusehr an Goethe interessiert war. Dennoch zeugt Philipp St\u00f6lzls Film von einer gro\u00dfen Kenntnis Goethes (f\u00fcr Eingeweihte) und liefert ein \u00fcberzeugendes Portr\u00e4t der Zeit. Ein jugendlicher, &#8220;entstaubter&#8221; Klassiker mit hervorragender Besetzung.<br \/>\n(Camila Hirsch\/Susanne Franz)<\/p>\n<p><strong>&#8220;Wer wenn nicht wir&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/wer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/wer.jpg\" alt=\"\" title=\"wer\" width=\"250\" height=\"188\" class=\"alignleft size-full wp-image-9013\" \/><\/a>&#8220;Eine Vorgeschichte zum deutschen Terrorismus (&#8230;) und noch dazu ein spannendes Lehrst\u00fcck zur Identit\u00e4tssuche junger Deutscher nach dem Krieg&#8221;, hei\u00dft es in einer Kritik der &#8220;S\u00fcddeutschen Zeitung&#8221; zu dem Streifen &#8220;Wer wenn nicht wir&#8221;, mit dem Dokumentarfilmer Andres Veiel sein Deb\u00fct als Spielfilm-Regisseur gibt.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der Handlung steht die politische Liebesgeschichte zwischen Bernward Vesper (August Diehl) und Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis), die sich w\u00e4hrend des Studiums in T\u00fcbingen kennenlernen. Er ist der Sohn des ber\u00fcchtigten NS-Schriftstellers Will Vesper, sie ist Tochter eines schw\u00e4bischen Pfarrers, der zwar der &#8220;Bekennenden Kirche&#8221; nahe stand, sich aber andererseits freiwillig zu Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion meldete. Vesper und Ensslin gr\u00fcnden einen Verlag. 1964 gehen die beiden nach West-Berlin und tauchen in die linke Szene ein. Die Beziehung scheitert, da Gudrun sich in den radikalen Tatmenschen Andreas Baader verliebt und mit diesem in den militanten Terrorismus abdriftet. Vesper, der auch nicht immer treu war, sucht sein Heil immer mehr in Drogen. Dass beide schlie\u00dflich durch Selbstmord enden, erf\u00e4hrt der Kinobesucher im Abspann.<\/p>\n<p>Der Film, der auf Gerd Koenens Studie &#8220;Vesper, Ensslin, Baader&#8221; basiert, gibt einen Eindruck vom intellektuellen Klima des Deutschlands der 60er-Jahre: Einerseits noch gepr\u00e4gt von den Schatten der NS-Zeit, zeichnet sich andererseits das Aufbegehren der akademischen Jugend ab. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Charaktere, deren Lebenswege zusehends au\u00dfer Kontrolle geraten.<\/p>\n<p>&#8220;Wer wenn nicht wir&#8221; ist ein hochinteressantes St\u00fcck deutscher Zeitgeschichte, dessen Protagonisten stellvertretend f\u00fcr die Zerrissenheit und die Irrwege einer Generation stehen &#8211; 125 Minuten kurzweilige Kinounterhaltung.<br \/>\n(Marcus Christoph)<\/p>\n<p><strong>&#8220;Romeos&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/romeos.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/romeos.jpg\" alt=\"\" title=\"romeos\" width=\"250\" height=\"166\" class=\"alignleft size-full wp-image-9019\" \/><\/a>Dass der Deb\u00fctfilm der Regisseurin und Drehbuchautorin Sabine Bernardi so authentisch wirkt, liegt sicher daran, dass sie schon in ihrem Dokumentarfilm &#8220;transfamily&#8221; von 2005 \u00fcber zwei transsexuelle M\u00e4nner und ihre Partner gearbeitet hat. In &#8220;Romeos&#8221; geht es um den 20-j\u00e4hrigen Lukas (geboren als Miri), der mit Hilfe von Testosteronspritzen seine m\u00e4nnliche Pubert\u00e4t erlebt und sich auf eine Operation oder Operationen vorbereitet, um ein Mann zu werden. Die H\u00fcrden auf dem Weg dorthin sind nicht nur endlose Antr\u00e4ge und beh\u00f6rdliche Missverst\u00e4ndnisse, da Lukas noch als M\u00e4dchen registriert ist, sondern vor allem immer wieder peinliche Situationen, in denen Lukas seine Identit\u00e4t im Wandel zu verbergen sucht. Besonders, als er sich in den sch\u00f6nen Fabio verguckt.<\/p>\n<p>Bernardis Film leistet da Gro\u00dfartiges, denn sie erz\u00e4hlt mit ebensoviel Humor und W\u00e4rme wie Respekt vor dem Recht darauf, anders sein zu wollen. Dabei profitiert &#8220;Romeos&#8221; besonders auch von den sehr guten schauspielerischen Leistungen der Protagonisten.<br \/>\n(Susanne Franz)<\/p>\n<p><strong>&#8220;Wintertochter&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Wintertochter_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Wintertochter_2.jpg\" alt=\"\" title=\"Wintertochter_2\" width=\"250\" height=\"166\" class=\"alignleft size-full wp-image-9023\" \/><\/a>Pr\u00e4dikat Besonders wertvoll. Wenn die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) des deutschen Films derartige Lorbeeren f\u00fcr einen Kinder- und Jugendfilm vergibt, muss man sich h\u00e4ufig auf schwere p\u00e4dagogische Kost einstellen. Die ist in &#8220;Wintertochter&#8221; leicht verdaulich. Der Film des M\u00fcnchners Johannes Schmid transportiert seine Botschaften einf\u00fchlsam und unaufdringlich. Es geht um Freundschaft, Verlust und Vergangenheit &#8211; eingepackt in ein sympathisches winterliches Roadmovie.<\/p>\n<p>Die 12-j\u00e4hrige Kattaka (Nina Monka) erf\u00e4hrt ausgerechnet am Weihnachtsabend, dass der Mann, den sie Papa nennt, nicht ihr leiblicher Vater ist. Weihnachten ist verdorben, Kattaka ein Dicksch\u00e4del, und so bleibt den &#8220;verst\u00e4ndnisvollen&#8221; Eltern nichts weiter \u00fcbrig, als der Tochter ein Treffen mit dem biologischen Vater zu erlauben. Der ist russischer Seemann und sein Schiff liegt gerade in Stettin &#8211; von Berlin aus selbst in einer Rostlaube aus DDR-Produktion ein Katzensprung. Im Barkas-Kleinbus der alten Nachbarin Lene Graumann (Ursula Werner) geht es nach Polen. Zu Kattaka und Lene gesellt sich bald auch der Nachbarsjunge Kn\u00e4cke (Leon Seidel) als Blinder Passagier. Von Stettin geht es \u00fcber Danzig durchs verschneite Polen bis ins masurische Olsztyn (Allenstein). Kattakas Suche nach ihrem Vater wird f\u00fcr die geb\u00fcrtige Ostpreu\u00dfin Lene eine Reise in die Vergangenheit.<\/p>\n<p>&#8220;Wintertochter&#8221; ist ein stiller und dennoch spannender Film. Ob humorvoll-kess oder traurig-melancholisch, Regisseur Schmid trifft fast immer den richtigen Ton. Wer allerdings von einem Kinderfilm Harry Potter-Action oder Disney-Moral erwartet, wird von diesem einf\u00fchlsamen Roadmovie entt\u00e4uscht sein.<br \/>\n(Stefan Kuhn)<\/p>\n<p><strong>&#8220;Poll&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/poll.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/poll.jpg\" alt=\"\" title=\"poll\" width=\"250\" height=\"105\" class=\"alignleft size-full wp-image-9033\" \/><\/a>Zu einer Reise in eine untergegangene Kultur l\u00e4dt der Film &#8220;Poll&#8221; von Chris Kraus ein: Die Welt der Baltendeutschen in Estland zur Sp\u00e4tzeit des russischen Zarenreiches. Der Erste Weltkrieg steht unmittelbar bevor, der Zerfall einer Ordnung, in der Russen und Deutsche die Esten unterdr\u00fccken, zeichnet sich ab.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt des Dramas steht die 14-j\u00e4hrige Oda von Siering (Paula Beer). Sie begleitet den Sarg ihrer toten Mutter von Berlin nach Poll, dem auf Pf\u00e4hlen im Wasser stehenden Anwesen ihres Vaters an der estnischen Ostseek\u00fcste. Dieser ist ein Hirnforscher, der wie besessen Leichen seziert. Das Morbide ist allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Oda f\u00fchlt sich in der bizarren Welt fremd, doch der Aufenthalt soll pr\u00e4gend sein. Zum Schl\u00fcsselerlebnis wird die Begegnung mit einem estnischen Anarchisten, der sich verletzt in der Dorfkirche versteckt h\u00e4lt. Heimlich pflegt Oda den Mann, der sich &#8220;Schnaps&#8221; nennt und in ihr romantisch-literarische Saiten zum Klingen bringt. Es entwickelt sich eine emotionale Beziehung. Oda will mit &#8220;Schnaps&#8221; fliehen. Der aber zieht es vor, alleine aufzubrechen, und bet\u00e4ubt das M\u00e4dchen. Die Flucht scheitert, da Gutsverwalter Mechmershausen Feuer legt und \u201cSchnaps\u201d Oda nicht im brennenden Haus zur\u00fccklassen will. Nach dramatischen Verwicklungen erschie\u00dft sich &#8220;Schnaps&#8221; selbst, um Oda zu retten.<\/p>\n<p>Kein Happy End also. Aber Oda schl\u00e4gt ihren schriftstellerischen Weg ein, wie in den letzten Szenen des Films gezeigt wird. Historisches Vorbild war f\u00fcr Regisseur Kraus seine eigene Gro\u00dftante: die heute weithin vergessene Autorin Oda Schaefer (1900-1988), deren Erinnerungen an einen Sommeraufenthalt 1914 in Poll den Filmemacher inspirierten.<\/p>\n<p>Unter dem Strich ist &#8220;Poll&#8221; ein Film, der trotz mancher L\u00e4ngen (Spielzeit 129 Min.) viele starke Bilder und Eindr\u00fccke hinterl\u00e4sst. Der geschichtliche Hintergrund bleibt indes recht unscharf.<br \/>\n(Marcus Christoph)<\/p>\n<p><strong>&#8220;9 Leben&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/leben.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/leben.jpg\" alt=\"\" title=\"leben\" width=\"250\" height=\"140\" class=\"alignleft size-full wp-image-9039\" \/><\/a>Der in Schwarz-Wei\u00df gedrehte, 105 Minuten lange &#8220;Dokumentarfilm&#8221; von Maria Speth besteht aus Interviews mit jungen Menschen, die von zu Hause weggelaufen sind und auf der Stra\u00dfe gelebt haben (oder leben). Sie erz\u00e4hlen von den Gr\u00fcnden daf\u00fcr, gest\u00f6rten Familienverh\u00e4ltnissen, Gewalt, fehlender Liebe. Manche sprechen romantisierend von der Solidarit\u00e4t unter den Stra\u00dfenkindern, andere auch von den nackten Tatsachen eines Lebens in Drogensucht und Prostitution.<\/p>\n<p>Der Film kontrastiert formell krass mit seinem best\u00fcrzenden Inhalt: Die Menschen, durchgestylt mit Piercings, Tattoos, Schminke und punkigen Klamotten, sitzen oder stehen in einem sterilen wei\u00dfen Raum, als w\u00fcrden sie in einer Kunst-Galerie ausgestellt. Trotz ihrer sehr schlichten Sprache wirken sie irgendwie &#8220;cool&#8221;, haben drollige Namen wie &#8220;Kr\u00fcmel&#8221; oder &#8220;Soja&#8221;, ihre netten Hunde tragen Halst\u00fccher und sie musizieren auf mitgebrachten Gitarren oder einem Cello. So als w\u00e4re das alles gar nicht so schlimm.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise hat die Regisseurin den Widerspruch \u00fcber-\u00e4sthetische Form\/soziales Elend intendiert, um einmal auf ganz andere Weise von Leid und Ausgesto\u00dfen-Sein zu erz\u00e4hlen. Vielleicht wollte sie aber auch nur gen\u00fcgend Abstand schaffen, damit einige Kritiker den Film &#8220;\u00fcberragend&#8221; finden k\u00f6nnen.<br \/>\n(Susanne Franz)<\/p>\n<p><strong>&#8220;Die Farbe des Ozeans&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Color-Of-The-Ocean.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Color-Of-The-Ocean.jpg\" alt=\"\" title=\"Color-Of-The-Ocean\" width=\"250\" height=\"126\" class=\"alignleft size-full wp-image-9044\" \/><\/a>Jos\u00e9 ist Grenzpolizist auf Gran Canaria und entscheidet allt\u00e4glich \u00fcber die Zukunft der dort ankommenden afrikanischen Fl\u00fcchtlinge. Eines Tages bekommt auch Nathalie, eine deutsche Urlauberin mit, wie ein Fl\u00fcchtlingsboot landet. Zola, einer der Gestrandeten, bittet sie um Wasser f\u00fcr seinen durstigen siebenj\u00e4hrigen Sohn Mamadou. Obwohl ihr Freund dagegen ist, entschlie\u00dft sich Nathalie dazu, Zola und seinem Sohn, denen es gelingt, aus dem Auffanglager zu entkommen, zu helfen. Ungewollt nimmt sie dabei mehr Einfluss auf das Leben der beiden, als sie abgesehen hatte. Als sie sich selbst auf der Wache des ermittelnden Polizisten Jos\u00e9 wiederfindet, erkennt sie, dass sie sich nicht so schnell in Probleme Fremder einmischen sollte.<\/p>\n<p>Das in Alicante und Gran Canaria gedrehte Sozialdrama &#8220;Die Farbe des Ozeans&#8221; von Maggie Peren greift ein in Europa \u00e4u\u00dferst aktuelles Thema auf. Jedoch dreht der Film sich nicht haupts\u00e4chlich um die Fl\u00fcchtlingsproblematik, sondern handelt von Vorurteilen und Vertrauen und zeigt dadurch, wie komplex das Problem an den europ\u00e4ischen K\u00fcsten derzeit ist. Ein thematisch sehr gelungener Film, in dem vor allem die Rollen des verzweifelten Zola (Hubert Kound\u00e9, &#8220;La Haine&#8221;) und die des Polizisten Jos\u00e9 (Alex Gonzalez, &#8220;Luz de Domingo&#8221;) \u00fcberzeugender kaum h\u00e4tten gespielt werden k\u00f6nnen.<br \/>\n(Camila Hirsch)<\/p>\n<p><strong>&#8220;Pina&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/pina.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/pina.jpg\" alt=\"\" title=\"pina\" width=\"250\" height=\"160\" class=\"alignleft size-full wp-image-9051\" \/><\/a>Wim Wenders war gerade dabei, einen Dokumentarfilm \u00fcber Pina Bausch und ihr Wuppertaler Tanztheater zu drehen, als die ber\u00fchmte deutsche Choreografin Ende Juni 2009 ganz pl\u00f6tzlich verstarb. So geriet der 3D-Tanzfilm &#8220;Pina&#8221; zu einer Hommage an die K\u00fcnstlerin. Ganz in ihrem Sinne steht dabei nicht sie vor der Kamera, sondern das, was sich vor ihren Augen und in ihr abgespielt hat. Ihr Werk wird dem Kinozuschauer durch die Sprache des Tanzes verst\u00e4ndlich gemacht. Wer Pina war, wird durch die Aussagen bzw. Gedanken ihrer T\u00e4nzer deutlich und durch das, was sie mit ihren K\u00f6rpern im Tanz zu sagen haben. Meisterhaft choreografiert Wenders einen Film, in den man immer tiefer hineingezogen wird, der verzaubert und bannt.<br \/>\n(Susanne Franz)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Sicht der Kritiker Das von German Films organisierte und von der Deutschen Botschaft in Buenos Aires unterst\u00fctzte 11. &#8220;Festival de Cine Alem\u00e1n&#8221; (22.9.-28.9. im Kinokomplex Village Recoleta) pr\u00e4sentiert eine \u00dcbersicht \u00fcber die j\u00fcngsten Produktionen der deutschen Filmindustrie, wobei sowohl Deb\u00fctfilme wie Werke international etablierter Regisseure gezeigt werden. 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