{"id":9195,"date":"2011-10-08T00:05:30","date_gmt":"2011-10-08T03:05:30","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=9195"},"modified":"2011-10-07T22:29:08","modified_gmt":"2011-10-08T01:29:08","slug":"verblendeter-zusammenhang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/10\/08\/verblendeter-zusammenhang\/","title":{"rendered":"Verblendeter Zusammenhang"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pollesch-St\u00fcck wurde in Argentinien wohlwollend aufgenommen<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/pollesch11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/pollesch11.jpg\" alt=\"\" title=\"pollesch11\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignleft size-full wp-image-9196\" \/><\/a>Es beginnt fulminant mit einem (Fast-)Striptease: Fabian Hinrichs betritt die B\u00fchne und schmei\u00dft erst seine Schuhe und Socken, dann die Jeans und das T-Shirt ins Publikum. Ein bisschen tanzt er dann, singt, haut auf ein Schlagzeug und klimpert auf der Gitarre, spielt Ping-Pong mit einem Statisten, wirft sp\u00e4ter Reclam-Heftchen ins Volk, bespr\u00fcht sich mit rotem und gr\u00fcnem Spray, zieht mal was an, mal wieder was aus. Dabei spricht er Texte und Textfetzen, die er auf eine seltsame Art und Weise deklamiert, sie mit Gesten und Mimik unterstreicht, als wolle er sie f\u00fcr Dumme oder kleine Kinder verst\u00e4ndlich machen. Am vergangenen Wochenende wurde im Teatro Alvear als zweiter deutscher Beitrag zum Internationalen Theaterfestival das Ein-Personenst\u00fcck &#8220;Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!&#8221; des deutschen Dramatikers Ren\u00e9 Pollesch aufgef\u00fchrt, ein Werk, das der Autor im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Fabian Hinrichs erarbeitet hat. Das St\u00fcck ist eine Produktion der Berliner Volksb\u00fchne am Rosa-Luxemburg-Platz.<!--more--><\/p>\n<p>Nach dem \u00fcberw\u00e4ltigenden Erfolg des &#8220;Hamlet&#8221; der Berliner Schaub\u00fchne eine Woche zuvor war Polleschs St\u00fcck eher sperrig. Die Persiflage, die mit b\u00f6ser Ironie das &#8220;widerlich Schr\u00e4gstrich schreckliche interaktive Theater&#8221; kritisiert, soll \u00fcber die Texte und vor allem die Art, in der der Schauspieler &#8220;spielt&#8221; &#8211; oder eben nicht, denn er gibt ja nicht vor, irgend etwas zu sein &#8211; erreichen, dass man sich zu keinem Zeitpunkt mit dem St\u00fcck &#8211; oder ihm &#8211; identifiziert. Das gelingt, es herrscht eine permanente Unsicherheit, und eine unbequemes Gef\u00fchl begleitet die &#8220;netten Dinge&#8221;, die der Schauspieler da vollf\u00fchrt. Kein angenehmes Theatererlebnis also, aber das ist man nat\u00fcrlich &#8220;selber schuld&#8221;, denn warum geht man auch mit solchen Erwartungen ins Theater?<\/p>\n<p>Ein schlechtes Gef\u00fchl bleibt aber vor allem zur\u00fcck, weil das Publikum herzlich lachte und &#8220;mitmachte&#8221; und das Ganze als Kom\u00f6die &#8211; und als interaktives Theater &#8211; verstand. Hinrichs schaute auch immer nach oben zu den \u00dcbertiteln, wie um sich zu vergewissern, ob er noch im richtigen St\u00fcck war.<\/p>\n<p>Polleschs Werk scheint ein vollgefressenes, arrogantes Publikum zum Ziel zu haben, dem es den Spiegel der eigenen Erwartungen vorhalten will. Ein kulturhungriges Dritte-Welt-Publikum damit vor den Kopf zu sto\u00dfen, ist vielleicht sogar ein bisschen gemein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pollesch-St\u00fcck wurde in Argentinien wohlwollend aufgenommen Von Susanne Franz Es beginnt fulminant mit einem (Fast-)Striptease: Fabian Hinrichs betritt die B\u00fchne und schmei\u00dft erst seine Schuhe und Socken, dann die Jeans und das T-Shirt ins Publikum. 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