{"id":9297,"date":"2011-10-19T16:28:01","date_gmt":"2011-10-19T19:28:01","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=9297"},"modified":"2011-10-19T16:35:57","modified_gmt":"2011-10-19T19:35:57","slug":"die-geburt-des-individuums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/10\/19\/die-geburt-des-individuums\/","title":{"rendered":"Die Geburt des Individuums"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Ausstellung &#8220;Gesichter der Renaissance&#8221; im Berliner Bode-Museum versammelt rund 170 Portr\u00e4tdarstellungen der italienischen Fr\u00fchrenaissance<\/p>\n<p><em>Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN33.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN33.jpg\" alt=\"\" title=\"REN33\" width=\"250\" height=\"341\" class=\"alignleft size-full wp-image-9301\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN33.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN33-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>&#8220;Alle Frauen im 15. Jahrhundert wollten sch\u00f6n aussehen&#8221;, sagt Keith Christiansen, der Leiter der Abteilung Europ\u00e4ische Malerei am New Yorker Metropolitan Museum. Und, so f\u00fcgt er hinzu, der &#8220;Magazine Look&#8221;, also unsere von Modemagazinen wie Vogue oder Elle gepr\u00e4gte Vorstellung perfekter Sch\u00f6nheit, sei keine Erfindung des letzten Jahrhunderts, sondern ein Ideal, das von den K\u00fcnstlern der italienischen Renaissance bereits im fr\u00fchen 15. Jahrhundert vorformuliert wurde. Christiansen hat gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Stefan Weppelmann von den Staatlichen Museen zu Berlin eine Ausstellung zusammengestellt, die in den beiden Kunstmetropolen diesseits und jenseits des Atlantik f\u00fcr Furore sorgen soll.<\/p>\n<p>&#8220;Gesichter der Renaissance&#8221; versammelt rund 170 Bildnisse aus den ber\u00fchmtesten Museen der Welt: Tafelbilder, Zeichnungen, plastische Darstellungen, B\u00fcsten und Portr\u00e4tmedaillen. Pr\u00e4sentiert werden die kostbaren und \u00fcberaus lichtempfindlichen Exponate auf schwarz gestrichenen W\u00e4nden. Die Gem\u00e4lde und Zeichnungen h\u00e4ngen jedoch nicht direkt an der Wand sondern auf schwarzen Samtfonds, die ihnen zus\u00e4tzliche Noblesse verleihen. Individuelle Spotlights lassen die Bilder fast aus sich selbst heraus leuchten. Erstmals in dieser F\u00fclle und Qualit\u00e4t erforscht eine internationale Ausstellung die Geburt des Individuums aus dem Geist der Kunst.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN66.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN66.jpg\" alt=\"\" title=\"REN66\" width=\"250\" height=\"188\" class=\"alignleft size-full wp-image-9302\" \/><\/a>Anbetungsbilder, allegorische Darstellungen einzelner Personen oder Heiliger, Erinnerungsbilder auf Grabplatten: All das gab es nat\u00fcrlich schon vor der Renaissance. Die Etablierung des autonomem Portr\u00e4ts aber war der gro\u00dfe Schritt nach vorne. War es bis zum fr\u00fchen 15. Jahrhundert noch weitgehend un\u00fcblich, individualisierte Portr\u00e4ts herzustellen, so entwickelte sich jetzt ein wahrer Boom der Portr\u00e4tkunst. F\u00fcrsten und Kaufleute, Kardin\u00e4le und selbstbewusste B\u00fcrger lie\u00dfen sich und die von ihnen angebeteten Frauen auf naturalistische Art und Weise von den besten K\u00fcnstlern ihrer Zeit portr\u00e4tieren.<\/p>\n<p>Zum Beispiel der Florentiner Clan der Medici. Unter den Mitgliedern der durch Textilhandel und die Erfindung des modernen Bankwesens zu Reichtum und Macht gelangten Dynastie geh\u00f6rte es praktisch zum guten Ton, das eigene Konterfei anfertigen zu lassen. Und das keineswegs nur auf Gem\u00e4lden. Ein wichtiger Bildtr\u00e4ger der damaligen Zeit waren auch Portr\u00e4tmedaillen aus Bronze in h\u00f6herer Auflage, die man zum Beispiel an Gesch\u00e4ftspartner verschenkte. Die zeitweilige Konjunktur dieser Profilbildnisse, so eine der neuen Erkenntnisse der Ausstellungsmacher, regte die Portr\u00e4tmalerei \u00fcberhaupt erst an.<\/p>\n<p>Zu den eindrucksvollsten Beispielen der Schau geh\u00f6ren Sandro Botticellis drei Portr\u00e4ts des jungen Giuliano de\u2019Medici. Die Bildnisvarianten zeigen einen ernsthaft blickenden jungen Mann mit vollen, halblangen schwarzen Haaren und w\u00fcrdevoll niedergeschlagenen Augen. Dass derartige Bilder durchaus auch innerhalb damaliger Strategien des Machterhalts und des Machtausbaus ihre Funktion hatten, legen j\u00fcngere Forschungsergebnisse nahe. Giulianos Bruder, der m\u00e4chtige Lorenzo de\u2019Medici, genannt der Pr\u00e4chtige, suchte seinen Einfluss auf die r\u00f6mische Kurie zu vergr\u00f6\u00dfern. Das Bildnis seines in sich gekehrten, aber dennoch entschlossen wirkenden Bruders wirkt da aus heutiger Sicht fast wie ein Bewerbungsfoto. Erfolg war ihm nicht beschieden. Giuliano kam noch im Entstehungsjahr des Bildes bei einer Verschw\u00f6rung ums Leben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN55.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN55.jpg\" alt=\"\" title=\"REN55\" width=\"250\" height=\"345\" class=\"alignright size-full wp-image-9303\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN55.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/REN55-217x300.jpg 217w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Zu den Publikumslieblingen der Schau d\u00fcrften sicherlich die zahlreichen Profilbildnisse junger, vorzugsweise blonder Frauen werden. Blasser Teint, schlanker Hals und hohe Stirnpartie konstituieren ein Sch\u00f6nheitsideal, das bis heute fortwirkt. Leonardo da Vincis Gem\u00e4lde &#8220;Dame mit dem Hermelin&#8221; (1489-90) aus dem Krakauer Czatoryski Museum, am Ende des Rundgangs prominent platziert, bildet das Highlight der Schau. Es ist ein Gem\u00e4lde, das bis heute R\u00e4tsel aufgibt. Wohin schaut die merkw\u00fcrdig ablenkte Dame? Warum wirkt ihre Hand so \u00fcberproportional gro\u00df und um vieles \u00e4lter? Und vor allem: Was hat es mit dem Hermelin auf sich? Kurator Stefan Weppelmann betont die Sonderstellung dieses Gem\u00e4ldes: &#8220;Das ist das erste moderne Portr\u00e4t der Kunstgeschichte. Modern deshalb, weil es wagt, \u00fcber die Natur hinauszugehen und sich Abstraktionen erlaubt.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Auf einen Blick:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung: Gesichter der Renaissance &#8211; Meisterwerke italienischer Portr\u00e4t-Kunst<\/li>\n<li>Ort: Staatliche Museen zu Berlin, Bode-Museum<\/li>\n<li>Zeit: 25. August bis 20. November 2011<\/li>\n<li>\u00d6ffnungszeiten: Mo-Mi 10-18 Uhr, Do-So 10-22 Uhr<\/li>\n<li>Katalog: Hirmer Verlag, 432 S., 29 Euro<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.smb.museum\/smb\/gesichter\/\">Webseite<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Leonardo da Vinci, &#8220;Dame mit dem Hermelin&#8221; (Portr\u00e4t der Cecilia Gallerani), 1489\/90. Krakau, Besitz der Prinz Czartoryski Stiftung, im Nationalmuseum Krakau<\/li>\n<li>Ausstellungsansicht Medici-Raum<br \/>\n<em>(Foto: Klaas)<\/em><\/li>\n<li>Sandro Botticelli, &#8220;Profilbildnis einer jungen Frau&#8221; (Simonetta Vespucci?), um 1476. Gem\u00e4ldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausstellung &#8220;Gesichter der Renaissance&#8221; im Berliner Bode-Museum versammelt rund 170 Portr\u00e4tdarstellungen der italienischen Fr\u00fchrenaissance Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas &#8220;Alle Frauen im 15. 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