{"id":9399,"date":"2011-10-29T12:43:51","date_gmt":"2011-10-29T15:43:51","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=9399"},"modified":"2011-10-29T12:59:42","modified_gmt":"2011-10-29T15:59:42","slug":"wo-die-farbe-passiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/10\/29\/wo-die-farbe-passiert\/","title":{"rendered":"Wo die Farbe passiert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Malba feiert sein 10-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um mit der ersten Retrospektive des venezolanischen K\u00fcnstlers Carlos Cruz-Diez (*1923) auf dem lateinamerikanischen Kontinent<\/p>\n<p><em>Von Maike Pricelius<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>&#8220;Ich w\u00fcnsche mir, dass meine Arbeit das gleiche Wohlgefallen ausl\u00f6st,<br \/>\nwelches die Malerei bisher produziert hat, allerdings ohne Malerei zu sein.&#8221;<br \/>\n(Carlos Cruz-Diez)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bild-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bild-2.jpg\" alt=\"\" title=\"Bild 2\" width=\"250\" height=\"377\" class=\"alignleft size-full wp-image-9401\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bild-2.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bild-2-198x300.jpg 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Das zentrale Thema der Ausstellung ist die Farbe. Keine bestimmte Farbe, wie das Grau bei Gerhard Richter oder das Blau von Yves Klein, sondern die Farbe an sich als eine autonome, lebendige Erfahrung, die der Besucher bei seinem Gang durch die Ausstellung macht, losgel\u00f6st vom herk\u00f6mmlichen Bildtr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Licht f\u00e4llt durch die Glaswand des Museums im zweiten Stock des <a href=\"http:\/\/www.malba.org.ar\/web\/\">Malba<\/a>, in dem die Ausstellung beginnt. Vor den Fenstern h\u00e4ngen bunte Plexiglasscheiben \u00fcbereinander, hintereinander, im rechten Winkel zueinander, sich gegenseitig \u00fcberlagernd. Gleich als erstes, wenn man die Rolltreppe verl\u00e4sst, wird der Blick von diesem fr\u00fchen Environment &#8220;Transcrom\u00eda ambiental&#8221;, 1965-2010 von Cruz-Diez angezogen. Fast jeder bleibt stehen, geht zur\u00fcck, blickt zwischen die Plexiglasscheiben. Welche Farben haben diese nun? Das h\u00e4ngt, wie so oft, vom Standpunkt des Betrachters ab. Gelb, Rot, Gr\u00fcn, Blau, Organe, Pink, Lila. An den Stellen, an denen das Licht durch verschiedene der transparenten Plexiglasscheiben f\u00e4llt, entstehen neue Farben, die sich durch die eigene Bewegung im Raum st\u00e4ndig ver\u00e4ndern. Die Farbe wird nicht als feststehend erfahren, sondern als lebendige, relative Einheit, abh\u00e4ngig vom jeweiligen Betrachter, dem Licht und dem Raum.<!--more--><\/p>\n<p>In den folgenden S\u00e4len zeigt die Ausstellung Werke von Carlos Cruz-Diez von 1954 bis heute, die die Entwicklung des K\u00fcnstlers und seiner langj\u00e4hrigen Besch\u00e4ftigung mit der Farbe vorstellen. \u00dcber 40 seiner &#8220;Fisocrom\u00edas&#8221; sind im Malba zu sehen. Schon im Titel ist der f\u00fcr Cruz-Diez so wichtige Aspekt der physischen Erfahrung von Farbe angelegt, Praxis gewordene Farbenlehre. Cruz-Diez zerlegt die Farben in ihre Einzelteile, die das Auge des Betrachter wieder zusammenf\u00fcgen muss. So entsteht auf der Retina eine virtuelle, neue Farbe genau an der Stelle, an der zwei Komplement\u00e4rfarben zusammentreffen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bild-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bild-3.jpg\" alt=\"\" title=\"Bild 3\" width=\"250\" height=\"271\" class=\"alignleft size-full wp-image-9402\" \/><\/a>Diese fr\u00fchen Werke wirken auf den ersten Blick wie abstrakte Malerei, doch bei genauerem Hinsehen f\u00e4llt auf, dass kein Pinsel und keine malerische Geste f\u00fcr den Farbauftrag verantwortlich sind. Die Werke bestehen aus millimeterd\u00fcnnen Kartons, die nebeneinander auf Holz in einem Aluminiumrahmen angebracht sind und deren R\u00fccken farbig bemalt sind. Die Form und der Zuschnitt der einzelnen Platten variiert, so dass einige weiter in den Raum hineinragen als andere. Dadurch entsteht ein dreidimensionaler Eindruck. Das Bild wird zum Objekt. Durch die rhythmische Anordnung der farbigen Streifen entsteht innerhalb des Bildraums eine eigene Bewegung. Das Auge des Betrachters versucht Vorder- und Hintergrund zu begreifen. Die expressiven Formen bieten dem Auge als Entdecker viel Material zum Erkunden. Bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Besucher zum n\u00e4chsten Werk geht, wirkt das Werk wie ein normales, abstraktes Gem\u00e4lde. Erst aus der Bewegung heraus ver\u00e4ndert sich das Bild. Die Farben wechseln und es zeigen sich neue Formen. Die Materialit\u00e4t und die Unmittelbarkeit der Erfahrung dieser fr\u00fchen Arbeiten l\u00f6st sich in den sp\u00e4teren &#8220;Fisocromi\u00e1s&#8221; auf. Die Arbeiten werden komplexer in ihrer Struktur und der K\u00fcnstler verwendet mehr Farben als das urspr\u00fcngliche Rot, Gr\u00fcn, Schwarz und Wei\u00df. Statt der handbemalten Kartonr\u00fccken f\u00fcgt Cruz-Diez transparente, farbige Plexiglasscheiben oder spiegelnde Elemente ein, die als Filter funktionieren, und welche durch den Blick von der Seite die Farben der benachbarten Streifen ver\u00e4ndern. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bild-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bild-1.jpg\" alt=\"\" title=\"Bild 1\" width=\"250\" height=\"187\" class=\"alignleft size-full wp-image-9404\" \/><\/a>In den &#8220;Fisocrom\u00edas&#8221; tauchen noch Formen, wie Rechtecke, Dreiecke oder Kreise auf, w\u00e4hrend die Farbe an den Bildtr\u00e4ger gebunden bleibt. Die Ausstellung zeigt jedoch zwei weitere Environments neben dem hier am Anfang beschriebenen, in denen die Entwicklung der Farbe in den Raum bis zu ihrem Extrempunkt getrieben wird. In &#8220;Cromosaturaci\u00f3n&#8221;, 1965 (zum ersten Mal im Ostwald Museum in D\u00fcsseldorf 1968 gezeigt), wird allein die Farbe zum Ereignis. Der K\u00fcnstler hat hier eine Situation geschaffen, in dem der Betrachter vollst\u00e4ndig in die Farbe eintaucht. In drei zur Seite hin offenen Kammern sind jeweils gr\u00fcne, rote, blaue Neonr\u00f6hren angebracht, deren Lichtwellen sich in dem offenen Gang \u00fcberschneiden. Durchwandert man die R\u00e4ume, bleibt eine Spur des Lichts aus dem ersten Raum auf der Retina zur\u00fcck, und sobald man die Schwelle zum n\u00e4chsten \u00fcberschritten hat, mischen sich die Farbeindr\u00fccke und ver\u00e4ndern sich stetig, bis sich das Auge an die neue Situation angepasst hat. Die eigene Wahrnehmung wird so zum zentralen Gegenstand der Reflektion.<\/p>\n<p>Auch im dritten Environment &#8220;Ambiente cromointerferente&#8221;, 1974-2011 von Cruz-Diez spielt die Bewegung der Betrachter eine zentrale Rolle. Um in den zweiten Teil der Ausstellung zu gelangen, wird der Besucher durch einen Raum geleitet, in dem drei Objekte h\u00e4ngen, zwei runde Stelen und ein Ballon. Der ganze Raum besteht aus einer dreidimensionalen chromatischen Projektion, die an die &#8220;Fisocrom\u00edas&#8221; erinnern. Die Farbstreifen bewegen sich und versetzen die stillstehenden Objekte in Bewegung. So wird der eigene K\u00f6rper Teil der Transformation. <\/p>\n<p>Aber Cruz-Diez&#8217; Wirken bleibt nicht nur auf den Museumsraum beschr\u00e4nkt. Im letzten Teil der Ausstellung werden seine architektonischen Projekte, Interventionen und Skulpturen im \u00f6ffentlichen Raum gezeigt, die auf der ganzen Welt verwirklicht wurden. F\u00fcr diese greift er auf die gleichen Prinzipien zur\u00fcck, die er schon in seinen gerahmten, an den W\u00e4nden h\u00e4ngenden &#8220;Fisocrom\u00edas&#8221; verwendet hat, Werke, bestehend aus farbigen, sich wiederholenden Streifen, die ihr Potenzial erst durch die Bewegung und das Auge des Betrachters realisieren. Ein Fu\u00dfg\u00e4ngerstreifen in Houston besteht aus drei farbigen Streifen, die von einem sie schr\u00e4g kreuzenden schwarzen Streifen geschnitten werden. In Venezuela und Spanien hat der K\u00fcnstler Siloanlagen in seinen chromatischen Streifen bemalt, genauso wie auf Flugzeug- und Schiffmodellen.<\/p>\n<p>&#8220;Farbe ist ein Prozess, eine Wirklichkeit, welche unser Sein mit der gleichen Intensit\u00e4t beeinflusst wie K\u00e4lte, Hitze, L\u00e4rm&#8221;, beschreibt Cruz-Diez im Katalog zur Ausstellung die zentrale Bedeutung der Farbe. Die Ausstellung macht dies f\u00fcr den Besucher am eigenen Leib erfahrbar. <\/p>\n<ul>\n<li>Carlos Cruz-Diez, &#8220;El color en el espacio y en el tiempo&#8221; (Die Farbe im Raum und in der Zeit). Kuratiert von Mari Carmen Ramirez. <a href=\"http:\/\/www.malba.org.ar\/web\/\">Malba<\/a> (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires), Av. Figueroa Alcorta 3415, S\u00e4le 5 und 3 (2. und 1. Stock). Do-Mo und feiertags 12-20, Mi bis 21 Uhr, dienstags geschlossen. Eintritt 22 Pesos, Lehrer, Rentner und Studenten 11 Pesos, unter 5-J\u00e4hrige gratis. Mi: Eintritt 10 Pesos, Lehrer und Rentner 5 Pesos, Studenten gratis. 21.9.-5.3.2012.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nch unten:<\/strong><\/p>\n<p>Carlos Cruz-Diez, &#8220;Ambiente cromointerferente&#8221;.<br \/>\nMiami Art Museum, Florida, USA, 2010<\/p>\n<p>Carlos Cruz-Diez, &#8220;Color aditivo &#8211; Prueba de taller (investigaci\u00f3n)&#8221;, 1963, Siebdruck auf Papier, 25 x 25 cm.<br \/>\nPrivatsammlung \u00a9 2010 Carlos Cruz-Diez \/ Artists Rights Society (ARS), New York \/ ADAGP, Paris<\/p>\n<p>Carlos Cruz-Diez, &#8220;Cromosaturaci\u00f3n&#8221;, 1965-2004.<br \/>\nSchenkung der Cruz-Diez Foundation an das Museum of Fine Arts Houston<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Malba feiert sein 10-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um mit der ersten Retrospektive des venezolanischen K\u00fcnstlers Carlos Cruz-Diez (*1923) auf dem lateinamerikanischen Kontinent Von Maike Pricelius &#8220;Ich w\u00fcnsche mir, dass meine Arbeit das gleiche Wohlgefallen ausl\u00f6st, welches die Malerei bisher produziert hat, allerdings ohne Malerei zu sein.&#8221; (Carlos Cruz-Diez) Das zentrale Thema der Ausstellung ist die Farbe. 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