{"id":9616,"date":"2011-11-11T18:41:20","date_gmt":"2011-11-11T21:41:20","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=9616"},"modified":"2012-02-18T11:31:42","modified_gmt":"2012-02-18T14:31:42","slug":"gotter-rituale-und-professionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/11\/11\/gotter-rituale-und-professionen\/","title":{"rendered":"G\u00f6tter, Rituale und Professionen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Zeitreise durch Mexiko in der Fundaci\u00f3n Proa<\/p>\n<p><em>Von Maike Pricelius<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Xipe-Totec22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Xipe-Totec22.jpg\" alt=\"\" title=\"Xipe Totec22\" width=\"250\" height=\"376\" class=\"alignleft size-full wp-image-9617\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Xipe-Totec22.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Xipe-Totec22-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Noch bis zum 8. Januar ist in der <a href=\"http:\/\/www.proa.org\/esp\/\">Fundaci\u00f3n Proa<\/a>, Buenos Aires, mit ihrem Programm f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische und moderne Kunst eine f\u00fcr den Ort ungew\u00f6hnliche Ausstellung zu sehen. 150 St\u00fccke aus arch\u00e4ologischen Sammlungen unterschiedlicher Kulturen, die am Golf von Mexiko beheimatet waren, sind in den vier S\u00e4len zum ersten Mal au\u00dferhalb ihrer Heimat zu besichtigen.<\/p>\n<p>Die k\u00fcnstlerischen Erzeugnisse, wie G\u00f6tterstatuen, Werkzeuge, Schalen, Schmuck und Musikinstrumente aus der Gegend um Veracruz erwecken das Imagin\u00e4re einer anderen Welt zum Leben. Die Rituale und ihre k\u00fcnstlerischen Erzeugnisse, die G\u00f6tter und ihre Repr\u00e4sentationen haben das Leben der Menschen damals in einer Weise bestimmt, wie sie heute nur noch schwer nachvollziehbar ist. Einen ungew\u00f6hnlichen Einblick gibt die Ausstellung &#8220;Dioses, Ritos y Oficios del M\u00e9xico Prehisp\u00e1nico&#8221;, die St\u00fccke aus 14 Museen Institutionen, zwei Kulturzentren und einer arch\u00e4ologischen Fundst\u00e4tte zeigt. Sie spannt einen Bogen zwischen den profanen Aktivit\u00e4ten, wie die des T\u00f6pfers, des Steinmetzes oder der Landwirtschaft, und dem von G\u00f6ttern gepr\u00e4gten Weltbild dieser Zeit.<!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Die Weltanschauung der Kulturen von Veracruz ist ohne Zweifel eine derjenigen, die die gr\u00f6\u00dfte Verbreitung erfahren hat, die Diversit\u00e4t der Kulte und Riten reicht von jenen, die ausschlie\u00dflich an die Religion gebunden sind, bis zu jenen, die sich mit verschiedenen h\u00e4uslichen und \u00f6konomischen Aktivit\u00e4ten verbinden&#8221;, beschreibt der Kurator David Morales G\u00f3mez den Kontext der Ausstellung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Tatloc22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Tatloc22.jpg\" alt=\"\" title=\"Tatloc22\" width=\"250\" height=\"376\" class=\"alignright size-full wp-image-9618\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Tatloc22.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Tatloc22-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>In einem Glaskasten sitzt nun Tl\u00e1loc (El Zapotal, 600-900 n. Chr.), der Gott des Wassers, die Beine angewinkelt, die Arme nachdenklich um die Knie geschlungen, und starrt durch eine Art Brille angestrengt vor sich hin. Der Kopf ist vor der Sonne mit einem turban\u00e4hnlichen Tuch bedeckt. So menschlich jedenfalls erscheint er dem Besucher heute, jemandem, der seine Macht und gesellschaftliche Stellung nicht mehr auf Anhieb zu deuten vermag. In den von Agrarwirtschaft abh\u00e4ngigen Gesellschaften Mexikos dagegen hatte der Gott des Regens und des Wetters eine herausragende Stellung.<\/p>\n<p>In einem anderen Raum trifft man auf Xipe Totec (Centro Sur, Veracruz, 250-900 n. Chr.), Gott des Fr\u00fchlings, der aufkeimenden Saat und der Jahreszeiten, und zudem Schutzgott der Goldschmiede. Der Mund ist ge\u00f6ffnet, die Augen sind geschlossen und die Arme leicht angewinkelt, wie zur Andacht oder zum Gebet. Dies sind die Merkmale, mit denen der K\u00fcnstler den Schmerz und den Tod, die sich in der Person des Gottes vereinen, ausdr\u00fcckt, eines Gottes, der Leben gibt und nimmt im ewigen Kreislauf der Natur. Der K\u00f6rper der fast lebensgro\u00dfen Figur ist mit roter Farbe bemalt und mit kleinen, runden Scheiben bedeckt, die wie ein Anzug aus Schuppen anmuten. Aber die Geschichte hierzu ist nicht so harmlos, wie die Figur scheint. Zu Ehren von Xipe Totec wurde im Fr\u00fchjahr ein Fest gegeben, bei dem ein Kriegsgefangener, welcher den Gott symbolisierte, geopfert wurde. F\u00fcr das Ritual wurde ihm die Haut abgezogen, welches der Priester als Repr\u00e4sentation des Gottes als Kleid trug.<\/p>\n<p>Menschenopfer spielen in den Riten der pr\u00e4hispanischen Zeit eine bedeutsame Rolle. Dies wird in der Ausstellung am Beispiel der Taj\u00edn-Kultur (600-1200 n. Chr.) deutlich. El Taj\u00edn war eines der kulturellen Zentren im Norden von Veracruz, welches heute vor allem durch sein rituelles, sehr entfernt an Basketball erinnerndes Ballspiel bekannt ist. Interessant sind vor allem die aus Stein gemei\u00dfelten, mit Symbolen verzierten Ringe (&#8220;Yugo&#8221;), durch die der Kautschuk-Ball bef\u00f6rdert wurde. Das Spielfeld, verstanden als konzeptueller Raum, in dem die Kr\u00e4fte der Natur geb\u00e4ndigt wurden, symbolisierte das Himmelsgew\u00f6lbe und der Ball die Sonne.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Yugo22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Yugo22.jpg\" alt=\"\" title=\"Yugo22\" width=\"250\" height=\"235\" class=\"alignleft size-full wp-image-9619\" \/><\/a>Auch wenn die Einzelheiten dieses Rituals und die Regeln des Spiels bis heute unbekannt sind, ist jedoch sicher, dass sie eng verbunden waren mit dem Verst\u00e4ndnis vom Leben selbst. Die Bewegungen auf dem Spielfeld spiegelten das Gleichgewicht der Natur wider. Die Verbindung von Kosmos und Leben wird durch die gegeneinander antretenden zwei Parteien repr\u00e4sentiert, welche erst durch das Spiel vereinigt wurden. Den Gewinnern des Spieles wurde die Ehre erwiesen, ihr Leben den G\u00f6ttern zu opfern, darunter auch dem Gott Xipe Totec.<\/p>\n<p>Der letzte Raum bietet einen Einblick in die arch\u00e4ologischen Fundst\u00e4tten und eine Ahnung von den Zusammenh\u00e4ngen, in denen sich die im Museumsraum ausgestellten St\u00fccke befunden haben. Doch auch die Dokumentarfotografien stammen aus einer anderen Zeit als der unsrigen und erz\u00e4hlen so eine eigene Geschichte, die \u00fcber 120 Jahre alt ist. Sie stammen aus der Expedition von 1890, die Francisco del Paso und Troncoso in die arch\u00e4ologische Zone von Cempoala unternahmen. Cempoala war die erste Stadt, welche die Spanier bei ihrer Eroberung Mexikos erreichten. Es ist die Stadt, die Hern\u00e1n Cortes empfing, die Stadt, in der der erste Kontakt mit dem Westen stattfand. Und eine der ersten St\u00e4tten, die wissenschaftlich untersucht worden sind. Paso und Troncoso sind weiter bis nach El Taj\u00edn gereist und hinterlassen uns ein Bild, wie es die ersten Wissenschaftler vor Ort vor \u00fcber einem Jahrhundert angetroffen haben.<\/p>\n<p>Auch wenn die Bilder uns heute faszinieren, die die steinernen G\u00f6tter und die mit Symbolen dekorierten Friese, S\u00e4ulen und Wandmalereien in ihrem urspr\u00fcnglichen, fast noch unber\u00fchrten Kontext zeigen, ist es erstaunlich, welche \u00e4sthetische Kraft die St\u00fccke im White Cube der Ausstellungsr\u00e4ume entwickeln. Der Betrachter muss die Bedeutungen der einzelnen St\u00fccke und ihre Rolle in den Zeremonien nicht kennen, damit sie ihre Anziehungskraft entfalten. Vor allem die Statuen wirken durch ihre detailgetreue Nachahmung des Menschen mit ihrer schrumpeligen Haut, den Finger- und Zehn\u00e4geln, und den expressiven Gesichtsz\u00fcgen eher wie moderne Skulpturen als wie Zeugnisse aus l\u00e4ngst vergangenen Tagen. Vielleicht ist die Ausstellung dann doch nicht so ungew\u00f6hnlich im Programm der Fundaci\u00f3n Proa.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Dioses, Ritos y Oficios del M\u00e9xico Prehisp\u00e1nico&#8221;<\/li>\n<li>Kurator: David Morales G\u00f3mez<\/li>\n<li>Organisiert von der Mexikanischen Botschaft in Argentinien<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.proa.org\/esp\/\">Fundaci\u00f3n Proa<\/a><\/li>\n<li>Av. Pedro de Mendoza 1929, La Boca<\/li>\n<li>Buenos Aires, Argentinien<\/li>\n<li>Di-So 11-19 Uhr, montags geschlossen<\/li>\n<li>Bis 8. Januar 2012<\/li>\n<li>Bei der <a href=\"http:\/\/www.lanochedelosmuseos.gob.ar\/\">Langen Museumsnacht<\/a> (12.11.) von 17 bis 0 Uhr Eintritt frei, sonst 12 Pesos, Studenten und Lehrer 8 Pesos, Rentner 4 Pesos; dienstags gratis f\u00fcr Studenten und Lehrer<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Skulptur des Xipe Totec, Veracruz. 250-900 n. Chr., Ton, 158 x 53 x 60 cm. Museo de Antropolog\u00eda, Xalapa.<\/p>\n<p>Tl\u00e1loc, Gott des Wassers, El Zapotal. 600-900 n. Chr., Ton\/Lehm, 48 x 26 x 41 cm. Museo de Antropolog\u00eda, Xalapa.<\/p>\n<p>&#8220;Yugo&#8221; mit mythologischen Szenen, Veracruz. 250-900 n. Chr., 12 x 36 x 43 cm. San Juan de Ul\u00faa.<\/p>\n<p>Restaurierte Tafel mit der Szene des Ballspiels von El Taj\u00edn, in der am Ende der Spieler geopfert wird. Papantla, Veracruz.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Restauracion22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Restauracion22.jpg\" alt=\"\" title=\"Restauracion22\" width=\"500\" height=\"360\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9620\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Restauracion22.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Restauracion22-300x216.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Zeitreise durch Mexiko in der Fundaci\u00f3n Proa Von Maike Pricelius Noch bis zum 8. 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