{"id":963,"date":"2007-04-04T08:24:49","date_gmt":"2007-04-04T11:24:49","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/04\/04\/hollywood-in-der-argentinischen-kleinstadt\/"},"modified":"2007-04-05T18:48:01","modified_gmt":"2007-04-05T21:48:01","slug":"hollywood-in-der-argentinischen-kleinstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/04\/04\/hollywood-in-der-argentinischen-kleinstadt\/","title":{"rendered":"Hollywood in der argentinischen Kleinstadt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/04\/04\/hollywood-en-el-interior-argentino\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Zwei Argentinier drehen Filme mit Nachbarn<\/p>\n<p><em>Von Florian Kraupa<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image965\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/Vec2.jpg\" alt=\"Vec2.jpg\" \/><br \/>\n<em>Julio Mid\u00fa (Mitte) und Fabio Junco (rechts) beim Dreh.<\/em><\/div>\n<p>&#8220;Einen Film allein mit Lust und Willenskraft zu machen, ist nicht einfach. Aber es ist m\u00f6glich&#8221;, wei\u00df Julio Mid\u00fa (31) aus jahrelanger Erfahrung. Mit 17 Jahren drehte er ohne jegliche finanzielle Mittel seine erste Telenovela &#8220;Enamorada&#8221; mit stolzen 30 Folgen. Als Kulisse diente ihm sein Heimatst\u00e4dtchen Saladillo, zweieinhalb Stunden Autofahrt s\u00fcdlich von Buenos Aires gelegen. Echte Schauspieler konnte er nicht bezahlen, deshalb \u00fcbernahmen seine Nachbarn die Rollen. &#8220;Anfangs war es schwer, sie als Darsteller zu gewinnen. Die Skepsis und die Scheu waren gro\u00df. Mit jeder verwirklichten Folge wuchs aber das Vertrauen&#8221;, schildert Mid\u00fa die Anf\u00e4nge einer Idee, die im Laufe von 14 Jahren zu einem landesweiten Ph\u00e4nomen geworden ist: &#8220;Cine con vecinos&#8221;, frei \u00fcbersetzt &#8220;Nachbarschaftskino&#8221;. Mittlerweile beteiligt sich fast die ganze Stadt mit Begeisterung an seinen Filmen, sei es als Darsteller, Maskenbildner oder Fahrer.<\/p>\n<p>1998 lernte er Fabio Junco bei einem Kurs zum Drehbuchschreiben in Buenos Aires kennen. Der 38-J\u00e4hrige wuchs auch in Saladillo auf. In den letzten neun Jahren drehten sie in ihrem Heimatort gemeinsam 18 Spielfilme. &#8220;Einen solchen Low-Budget-Streifen kannst du am einfachsten in deinem Dorf machen, weil dich die Leute kennen und dir helfen&#8221;, meint Junco. So lie\u00df sich bei einem vergangenen Projekt sogar eine spektakul\u00e4re Autoexplosion mit der kostenlosen Mitarbeit der \u00f6rtlichen Feuerwehr und Sprengstoffexperten verwirklichen. &#8220;Auf diese Szene bin ich besonders stolz&#8221;, strahlt Mid\u00fa.<\/p>\n<p>Die letzten drei Spielfilme wurden auf Filmfestivals in Toulouse, Paris und Havanna gezeigt. Ihr aktueller Film &#8220;El \u00faltimo mandado&#8221; (Der letzte Wille) lief Mitte M\u00e4rz beim Internationalen Filmfestival in Mar del Plata in der Kategorie &#8220;Historischer Film&#8221; &#8211; ein Riesenerfolg f\u00fcr die beiden.<\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image964\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/Vec1.jpg\" alt=\"Vec1.jpg\" \/><br \/>\n<em>Ellen Wolf in &#8220;El \u00faltimo mandado&#8221;.<\/em><\/div>\n<p>Die 80-j\u00e4hrige Ellen Wolf spielt darin die Rolle einer ehemaligen Nazi-Sekret\u00e4rin im argentinischen Exil. Mid\u00fa und Junco trafen die geb\u00fcrtige Stuttgarterin bei einem Auftritt im Theater &#8220;Timbre Cuatro&#8221; in Buenos Aires, wo sie seit f\u00fcnf Jahren als Schauspielerin mitwirkt. &#8220;Damals wussten wir noch nicht, dass Ellen Wolf als J\u00fcdin 1935 vor den Nazis nach Argentinien fl\u00fcchten musste. Wir suchten eine \u00e4ltere Dame mit deutschem Akzent. Ellen war die einzige, die wir kannten&#8221;, erkl\u00e4rt Junco die brisante Besetzung. Die Dreharbeiten verliefen aber ohne gro\u00dfe Probleme. &#8220;Nur Szenen, in denen sie mit einem Hitler-Foto agieren sollte, waren schwierig und brauchten viel Feingef\u00fchl&#8221;, erinnert er sich.<\/p>\n<p>Normalerweise suchen die beiden Regisseure Laiendarsteller, die einer zu besetzenden Rolle \u00e4hneln. Die Drehb\u00fccher schreiben sie selbst und passen sie an die Arbeit mit Amateuren an. Gedreht wird digital, geschnitten am improvisierten Schneideplatz in Julios Wohnzimmer. Im Laufe der Zeit seien sie professioneller geworden. &#8220;Unsere ersten Filme hatten noch eine niedrigere Qualit\u00e4t. Die letzten drei Jahre haben wir Regie an der Filmschule ENERC in Buenos Aires studiert. Das merkt man unseren letzten drei Filmen an&#8221;, lacht Junco.<\/p>\n<p>Auch die technische Ausstattung sei besser geworden. Bis auf den letzten Film mussten sie immer mit geliehenen Kameras und Mikrofonen arbeiten. &#8220;Bei jedem Dreh eine andere Kamera, das ist ganz sch\u00f6n schwierig&#8221;, berichtet Mid\u00fa. F\u00fcr &#8220;El \u00faltimo mandado&#8221; konnten sie mit der Unterst\u00fctzung von Freunden endlich eine eigene Kamera und ein Mikrofon anschaffen.<\/p>\n<p>Inzwischen ist aus der Not eine Tugend geworden, oder besser gesagt ein richtiges Genre im alternativen Filmbereich. In ganz Argentinien produzieren Laien ihr eigenes &#8220;Cine con vecinos&#8221;. 2004 riefen die beiden Filmfreaks deshalb ein nationales Filmfestival f\u00fcr Nachbarschaftskino ins Leben. Selbstverst\u00e4ndlich findet das &#8220;Festival Nacional de Cine con Vecinos&#8221; in Saladillo, dem Geburtsort der Bewegung statt. Saladillo bezeichnet sich mitlerweile selber stolz als &#8220;Hauptstadt des Nachbarschaftskinos&#8221;. Seit Bestehen des Festivals haben bereits 50 verschiedene Orte landesweit Beitr\u00e4ge eingesandt. Bisher wird es von der Gemeinde und durch Anzeigen lokaler Unternehmen in der Festivalzeitung finanziert.<\/p>\n<p>Mid\u00fa und Junco planen f\u00fcr die Zukunft die Gr\u00fcndung einer eigenen Stiftung. Diese soll nicht nur das j\u00e4hrlich stattfindende Festival, sondern auch weitere eigene Filmprojekte finanzieren. Denn ganz ohne Geld l\u00e4sst sich kein Film machen. F\u00fcr Mini-DV-Kassetten und Reisekosten wurden beim letzten Werk knapp 4000 Pesos f\u00e4llig.<\/p>\n<p>Aktuell drehen die beiden Multitalente ihren ersten Dokumentarfilm \u00fcber den Erfinder und Hubschrauberbauer Augusto Cicar\u00e9. Der lebt nat\u00fcrlich, wie sollte es anders sein, in Saladillo.<\/p>\n<p>(Internet: <a href=\"http:\/\/www.cineconvecinos.com.ar\/\">www.cineconvecinos.com.ar<\/a>)<\/p>\n<p>&#8220;El \u00faltimo mandado&#8221; von Fabio Junco und Julio Mid\u00fa wird gratis in Buenos Aires gezeigt: am Mittwoch, dem 11.4., um 19 Uhr, im Auditorium des &#8220;Colegio P\u00fablico de Abogados de la Capital Federal&#8221;, Av. Corrientes 1441, im Rahmen des vom &#8220;Museo Ducr\u00f3s Hicken&#8221; organisierten Kino-Zyklus &#8220;Perlas marplatenses&#8221; (Perlen aus Mar del Plata).<\/p>\n<p>Um den Trailer von &#8220;El \u00faltimo mandado&#8221; in You Tube zu sehen, klicken Sie bitte <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZbhwMkANVWI\">hier.<\/a><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image966\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/Vec3.jpg\" alt=\"Vec3.jpg\" \/><br \/>\n<em>Ellen Wolf mit Lucas Mid\u00fa auf dem offiziellen Filmplakat von &#8220;El \u00faltimo mandado&#8221;.<\/em><\/div>\n<p>Der Artikel erschien im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221; vom 31.3.07.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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