{"id":98,"date":"2006-06-03T01:56:59","date_gmt":"2006-06-03T04:56:59","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/06\/12\/schnittstelle-von-kunst-film-und-kino\/"},"modified":"2006-08-12T22:44:59","modified_gmt":"2006-08-13T01:44:59","slug":"schnittstelle-von-kunst-film-und-kino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/06\/03\/schnittstelle-von-kunst-film-und-kino\/","title":{"rendered":"Schnittstelle von Kunst und Kino (2005)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Heinz Peter Schwerfel, deutscher Regisseur und Kunstkritiker, spielte auf dem 7. Festival des Unabh\u00e4ngigen Kinos in Buenos Aires (BAFICI) 2005 eine besondere Rolle<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image421\" alt=Heinz2.JPG src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/06\/Heinz2.JPG\" align=right hspace=5 \/>Er ist der Mann f\u00fcrs Deutsche und f\u00fcr die Kunst beim Festival des Unabh\u00e4ngigen Films in Buenos Aires. Heinz Peter Schwerfel hat die deutschen Beitr\u00e4ge des Festivals ausgew\u00e4hlt, bietet elf Programme von K\u00fcnstlerfilmen an und stellt dar\u00fcber hinaus seinen eigenen Dokumentarfilm \u201eHotel Nooteboom\u201c \u00fcber den niederl\u00e4ndischen Schriftsteller Cees Nooteboom vor. Diesem Genre hat Schwerfel auch seinen internationalen Ruf zu verdanken. Der TV-Kabelsender Film&#038;Arts zeigt zeitgleich mit dem Kinofest den Zyklus \u201eEl ojo de Schwerfel\u201c (Schwerfels Blick) mit seinen Beitr\u00e4gen \u00fcber ber\u00fchmte K\u00fcnstler, Philosophen und Theatermacher.<\/p>\n<p>Zum Festival des Unabh\u00e4ngigen Films kam der 50-j\u00e4hrige K\u00f6lner \u00fcber Fernando Mart\u00edn Pe\u00f1a, den neuen Festival-Direktor. Pe\u00f1a, ein bekennender Schwerfel-Fan, betraute den Deutschen, der seit 2004 in Buenos Aires lebt, mit der Auswahl des deutschen Programms. Die beiden kennen sich vom Museum f\u00fcr Lateinamerikanische Kunst (MALBA), wo Pe\u00f1a das Kino-Programm leitet und im August 2004 eine Retrospektive des deutschen Filmemachers lief.<\/p>\n<p>Seinen Nooteboom-Film hat Heinz Peter Schwerfel schon im Dezember 2003 fertiggestellt; in den deutschen Kinos lief er ab Oktober 2004. Im Programm des Unabh\u00e4ngigen Kinofestival von Buenos Aires 2005 l\u00e4uft der neue Schwerfel-Film zweimal.<\/p>\n<p>Schwerfel n\u00e4hert sich dem 1933 geborenen holl\u00e4ndischen Literaten und Weltb\u00fcrger auf ganz pers\u00f6nliche, geradezu intime Weise. Nooteboom, der in Deutschland vor allem als Reiseschriftsteller bekannt wurde, wird in einem Portr\u00e4t vorgestellt, das der Literatur das Wort \u00fcberl\u00e4sst und dennoch in Bildern spricht.<!--more--> Dabei wird Nootebooms Leben und Denken mit dem seiner Romanhelden verwoben. Der Film besteht aus vier Handlungsstr\u00e4ngen, die sich immer wieder kreuzen: einmal die Reisen und Begegnungen des heutigen Nooteboom, seine Spazierg\u00e4nge durch Lissabon, Paris, Berlin und Budapest, seine Arbeit am Schreibtisch, die Gespr\u00e4che mit Freunden, die ihr jeweiliges Lieblingsbuch vorstellen. Dazu authentisches, aber auch fingiertes Archivmaterial von Lesungen, Ehrungen und historischen Momenten, die Nooteboom erlebte. So verschmilzt seine Lebensgeschichte auch mit der Zeitgeschichte der letzten 50 Jahre.<\/p>\n<p>\u201eHotel Nooteboom\u201c ist nicht Schwerfels letzter Film. Von September bis November 2004 stellte er f\u00fcr den Fernsehsender Arte in Berlin einen Dokumentarfilm \u00fcber die umstrittene Flick-Sammlung fertig, der im Januar 2005 in Deutschland ausgestrahlt wurde, und drehte dann in Buenos Aires in Zusammenarbeit mit Film&#038;Arts den Dokumentarstreifen \u201eRetratos\u201c \u00fcber die Sammlung des Museo Nacional de Bellas Artes (MNBA). Die Urauff\u00fchrung dieses allerneuesten Schwerfel-Films findet &#8211; unabh\u00e4ngig vom Kinofestival &#8211; am 19. April 2005 im Auditorium des MNBA statt, und wird dann bei Film&#038;Arts gezeigt.<\/p>\n<p>\u201eBisher wurden auf dem BAFICI eher kommerzielle deutsche Filme gezeigt\u201c, sagt Heinz Peter Schwerfel. Der jetzt \u201eGerman Films\u201c genannte Vertrieb, die damalige Export Union des Deutschen Films, habe einige der Filme, die er ausgew\u00e4hlt habe, gar nicht in ihrem Programm, da es nicht sehr wahrscheinlich sei, dass sie hier gekauft und kommerzialisiert werden k\u00f6nnten. Als Beispiel nennt Schwerfel den Dokustreifen \u201eH\u00f6llentour\u201c \u00fcber die Tour de France, der in Deutschland mit viel Erfolg in den Kinos gelaufen sei.<\/p>\n<p>Das deutsche Kino befinde sich in einem sehr guten Moment, sagt Schwerfel, wobei gerade abendf\u00fcllende Dokumentarfilme einen nie dagewesenen Boom erlebten. Dieses &#8211; weltweit zu beobachtende &#8211; Ph\u00e4nomen sei sicher nicht zuletzt Michael Moore zu verdanken, \u201eobwohl ich seine Filme nicht immer mag\u201c. Moores Erfolgsdokus h\u00e4tten dazu gef\u00fchrt, dass sich auch die Filmf\u00f6rderung beispielsweise in Deutschland oder Argentinien verst\u00e4rkt der Dokumentarfilmer angenommen habe.<\/p>\n<p>Im deutschen Programm des diesj\u00e4hrigen Festivals zeigt Schwerfel neben einem langen Spielfilm immer auch einen Kurzfilm von einem jungen Filmemacher unter 35 Jahren. Dabei hat er vor allem solche Filme ausgew\u00e4hlt, die bereits mit deutschen oder internationalen Preisen ausgezeichnet wurden, wie \u201eAllerleihrauh\u201c von Anja Struck.<\/p>\n<p>Die Vorgehensweise, immer einen langen und einen kurzen Film zusammenzulegen, wendet er auch in seinen 11 Programme umfassenden Festivalsektion \u201eCine de artistas\u201c (K\u00fcnstlerfilme) an. Schwerfel, der im Jahr 2002 in K\u00f6ln die KunstFilmBiennale gegr\u00fcndet hat, auf der K\u00fcnstlerfilme gezeigt werden und ein mit 35.000 Euro dotierter Nachwuchspreis vergeben wird, befasst sich seit Jahren mit Kunst, Film und Kino gleichzeitig. Bevor er Kunstkritiker war, war er Filmkritiker. Aufgrund seiner Kenntnisse sei er einfach der richtige Mann am richtigen Ort, meint er &#8211; das Interesse an K\u00fcnstlerfilmen habe ohnehin \u201ein der Luft\u201c gelegen. Nicht nur wegen des neuen Festival-Leiters Pe\u00f1a &#8211; auch mit dem alten Festivaldirektor Quint\u00edn h\u00e4tte es die Reihe der K\u00fcnstlerfilme auf dem Kinofest gegeben, erz\u00e4hlt er, \u201ewenn der nicht gefeuert worden w\u00e4re\u201c. Auch aus Rio de Janeiro hat Schwerfel mittlerweile die Anfrage erhalten, eine Festivalsektion mit K\u00fcnstlerfilmen zu gestalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Festival des Unabh\u00e4ngigen Kinos in Buenos Aires hat Schwerfel einen \u00dcberblick der besten K\u00fcnstlerfilme der letzten f\u00fcnf Jahre zusammengestellt, aber es gibt auch einige Weltpremieren. Dazu z\u00e4hlt der neueste Film des US-Amerikaners Matthew Barney, der momentan der gr\u00f6\u00dfte Star der K\u00fcnstlerfilmszene ist.<\/p>\n<p>K\u00fcnstlerfilme sind f\u00fcr Schwerfel \u201edie neueste Ausdrucksform der Kunst\u201c. \u201eEs gibt keine zeitlose Kunst, Kunst muss immer mit Gesellschaft zu tun haben\u201c, postuliert er. Dieses \u201ekritische Begleiten einer Epoche\u201c erreichten die K\u00fcnstler heute am ehesten durch die \u201eneue Wucht des Kinos\u201c.<\/p>\n<p>Wenn der renommierte Regisseur und Kunstkenner doch noch ein Jahr an seinen Argentinienaufenthalt anh\u00e4ngen sollte, w\u00fcrde er als n\u00e4chstes Projekt gerne einen Film \u00fcber die Jesuitenmissionen und den noch heute wirksamen kulturellen Einfluss des Barock drehen. \u201eDas war der erste Versuch, eine multikulturelle Gesellschaft aufzubauen, ohne Unterdr\u00fcckung der Kolonisierten durch die Kolonisatoren\u201c, erw\u00e4rmt sich Schwerfel f\u00fcr das Thema. Dazu w\u00fcrde er den Mexikaner Carlos Fuentes einladen, eine jener \u201ePers\u00f6nlichkeiten, die \u00fcber Grenzen hinweg denken\u201c. Und das sind ja die Menschen, die Schwerfel am meisten interessieren, der auch jemand ist, f\u00fcr den Grenzen nicht zu existieren scheinen.<\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien im April 2005 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinz Peter Schwerfel, deutscher Regisseur und Kunstkritiker, spielte auf dem 7. Festival des Unabh\u00e4ngigen Kinos in Buenos Aires (BAFICI) 2005 eine besondere Rolle Von Susanne Franz Er ist der Mann f\u00fcrs Deutsche und f\u00fcr die Kunst beim Festival des Unabh\u00e4ngigen Films in Buenos Aires. Heinz Peter Schwerfel hat die deutschen Beitr\u00e4ge des Festivals ausgew\u00e4hlt, bietet [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-98","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-zeitmaschine-la-maquina-del-tiempo"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=98"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=98"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=98"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=98"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}