{"id":9914,"date":"2011-12-21T20:05:24","date_gmt":"2011-12-21T23:05:24","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=9914"},"modified":"2011-12-24T20:07:39","modified_gmt":"2011-12-24T23:07:39","slug":"damit-die-spuren-nicht-verlorengehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/12\/21\/damit-die-spuren-nicht-verlorengehen\/","title":{"rendered":"Damit die Spuren nicht verlorengehen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Besuch im Martius Staden-Institut, Sao Paulo, als Feldforschung f\u00fcr ein zu gr\u00fcndendes Dokumentationszentrum in Buenos Aires<\/p>\n<p><em>Von Regula Rohland de Langbehn<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/regula11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/regula11.jpg\" alt=\"\" title=\"regula11\" width=\"250\" height=\"356\" class=\"alignleft size-full wp-image-9933\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/regula11.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/regula11-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Das 1925 aus kleinen Anf\u00e4ngen hervorgegangene Hans Staden-Institut wurde 2006 als Martius Staden-Institut aus dem Zentrum von Sao Paulo nach Morumb\u00ed verlegt, wo ihm ein ger\u00e4umiger Trakt in der deutschen Schule Vizconde de Porto Seguro, einer altehrw\u00fcrdigen Privatschule, nach Ma\u00df geschneidert worden war. Wenn man es betritt, hat man durchaus das Gef\u00fchl, in einen hochmodernen Tempel der Wissenschaft einzutreten, und tats\u00e4chlich sieht man in abgeteilten Boxen dort flei\u00dfige Priester und Priesterinnen der Wissenschaft dem Gott Archivus und der G\u00f6ttin Genealogia huldigen.<\/p>\n<p>Der Weg in dieses Sanktuarium ist freilich f\u00fcr den Fremdling mit Gefahren bes\u00e4t, wenn nicht ein guter Genius in Gestalt des Direktors Dr. Kupfer den Einlass Heischenden durch die gef\u00e4hrliche Zone zwischen der n\u00e4chsten Metrostation und dem Institut geleitet, eine Zone, die \u00fcber Br\u00fccken und Stadtautobahn f\u00fchrt und zu Fu\u00df nicht durchschreitbar ist. Es scheint so zu sein, dass man zwar nicht durch Feuer und Wasser, aber doch wenigstens an einem Goldesel vorbeigegangen sein muss, wenn man alleine dorthin will, denn man muss im eigenen Auto oder, vor allem als sprachunkundiger Fremder, per Taxi anreisen, wenn man heil ankommen will.<\/p>\n<p>Dadurch ist das Institut in der beneidenswerten Lage, praktisch ohne Publikum zu arbeiten: Wissenschaftler wenden sich in der Regel per E-Mail an die Angestellten und werden sehr zuvorkommend bedient, und auch private Anfragen &#8211; z.B. von Leuten, die einen deutschen Gro\u00dfvater f\u00fcr die Beschaffung des europ\u00e4ischen Passes nachweisen m\u00fcssen &#8211; lassen sich in der Regel auf diese Weise beantworten.<!--more--><\/p>\n<p>In dem ger\u00e4umigen Institut sind in eng gestellten Buchregalreihen, abgesehen von einer reichhaltigen Bibliothek und einer stattlichen Zeitschriftensammlung, Tausende von Schachteln und Ordnern aufgestellt, in denen wohlsortiert papierene Hinterlassenschaften von Deutschbrasilianern und Brasiliendeutschen bewahrt werden: Fotos, Briefe, Aufzeichnungen aller Art, Zeitungsnotizen, die sie betreffen, Gesch\u00e4ftspapiere und Rechnungsb\u00fccher. Die Sammlung enth\u00e4lt eine eindrucksvolle Menge von einschl\u00e4gigen Fachb\u00fcchern, von Brasilienb\u00fcchern, Sonderdrucken und kleinen Schriften sowie deutsch-brasilianischen Zeitschriften und Zeitungen. Sie wird, seit sie vor bald hundert Jahren vom deutschen Lehrerverband in Sao Paulo gegr\u00fcndet wurde, st\u00e4ndig erweitert und aufgearbeitet.<\/p>\n<p>Die Namen der Personen, von denen man St\u00fccke sammelt, sind in einer Zettelkartei aufgenommen, in der zuz\u00fcglich verzeichnet wurde und immer neu erg\u00e4nzt wird, wo sich St\u00fccke der Sammlung befinden, die jede Person betreffen. Im Zeitalter der Elektronik wurden jetzt die Zettel durch Computerdokumente ersetzt, im Prinzip blieb aber die Ordnung beibehalten, die schon der erste langj\u00e4hrige Institutsdirektor Karl Fouquet eingef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Von Schriftstellern k\u00f6nnen neben den Lebenszeugnissen auch die Werke leicht aufgefunden werden, soweit sie sich im Institut befinden. Ein genealogisch interessierter Benutzer k\u00f6nnte dort nach seinen Vorfahren forschen oder seine eigenen Kenntnisse einbringen. Meinerseits habe ich die Geschichte der Journalisten Hans von Franckenberg, Joseph Winiger und Adolph Uhle dort teilweise rekonstruieren k\u00f6nnen. Die zwei letzteren waren 1889 als Fr\u00fchsozialisten in Argentinien aufgetreten, aber ihre Geschichte verlor sich nach 1890 im Ungewissen &#8211; jetzt wei\u00df ich, dass Uhle nach Brasilien weitergewandert ist und dort noch lange gewirkt hat, und dass der Schweizer Winiger ein unstetes Leben f\u00fchrte, er arbeitete bald im Dienst des Argentinischen Tageblatts oder der Deutschen La Plata Zeitung, bald f\u00fcr die brasilianische Zeitungen Germania oder Die neue Zeit, dazwischen auch jahrelang in Berlin als Korrespondent der deutsch-s\u00fcdamerikanischen Bl\u00e4tter.<\/p>\n<p>An diesem Institut kann man viel \u00fcber die Geschichte der Deutschen, \u00d6sterreicher und Schweizer in Brasilien lernen, die neben einigen Parallelen viele Verschiedenheiten zu der in Argentinien aufweist. Meine Reise hatte das Ziel, zu sehen, wie man so etwas aufbauen kann, und ich hoffe, bald diese Kenntnisse in ein zu gr\u00fcndendes Dokumentationszentrum der deutschsprachigen Minderheit in Argentinien einbringen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mir scheint es h\u00f6chst w\u00fcnschenswert, dass in Buenos Aires ein solches Institut gegr\u00fcndet wird, damit hier nicht alle die Spuren verlorengehen, die heute noch im Besitz von Familien, Schulen, Vereinen und Gesch\u00e4ftsunternehmen die reiche Geschichte der Einwanderung bewahren. Das neu erwachte Interesse vieler Argentinier an ihrer Genealogie und Familiengeschichte d\u00fcrfte dazu beitragen, die damit verbundenen Schriftst\u00fccke und Bildmaterialien als Sammelst\u00fccke zu erkennen und zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuch im Martius Staden-Institut, Sao Paulo, als Feldforschung f\u00fcr ein zu gr\u00fcndendes Dokumentationszentrum in Buenos Aires Von Regula Rohland de Langbehn Das 1925 aus kleinen Anf\u00e4ngen hervorgegangene Hans Staden-Institut wurde 2006 als Martius Staden-Institut aus dem Zentrum von Sao Paulo nach Morumb\u00ed verlegt, wo ihm ein ger\u00e4umiger Trakt in der deutschen Schule Vizconde de Porto [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-9914","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft-sociedad"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9914","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9914"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9914\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9934,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9914\/revisions\/9934"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9914"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9914"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9914"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}