{"id":9945,"date":"2011-12-20T16:22:16","date_gmt":"2011-12-20T19:22:16","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=9945"},"modified":"2011-12-26T16:49:12","modified_gmt":"2011-12-26T19:49:12","slug":"geheimnissen-auf-der-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2011\/12\/20\/geheimnissen-auf-der-spur\/","title":{"rendered":"Geheimnissen auf der Spur"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Bremer Kunsthalle zeigt eine gro\u00dfe Ausstellung zum mitunter r\u00e4tselhaften Werk des norwegischen Malers und Grafikers Edvard Munch<\/p>\n<p><em>Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch11.jpg\" alt=\"\" title=\"Munch11\" width=\"250\" height=\"300\" class=\"alignleft size-full wp-image-9946\" \/><\/a>Genaues Hinschauen bringt manchmal verborgene Sch\u00e4tze zum Vorschein. So im Jahre 2005 in der Kunsthalle Bremen. Das Osloer Munch Museum hatte die Bremer Kollegen gebeten, das 1899 entstandene Gem\u00e4lde &#8220;Das Kind und der Tod&#8221; einmal genauer zu untersuchen. Man ben\u00f6tige gewisse Angaben f\u00fcr das Werkverzeichnis des K\u00fcnstlers. Was sich bei der Untersuchung des Bildes durch eine Bremer Restauratorin herausstellte, glich einer kunsthistorischen Sensation. Unter der bereits 1918 f\u00fcr 20.000 Mark erworbenen Leinwand befand sich n\u00e4mlich noch eine zweite.<\/p>\n<p>Und auf dieser versteckte sich ein zwar undatiertes und unsigniertes, eindeutig aber Edvard Munch zuzuordnendes Gem\u00e4lde. Das &#8220;M\u00e4dchen und drei M\u00e4nnerk\u00f6pfe&#8221;, so der sachlich beschreibende Titel, den die Bremer ihrer Neuentdeckung gegeben haben, und &#8220;Das Kind und der Tod&#8221; bilden jetzt den Nukleus einer gro\u00dfen Munch-Schau in der Kunsthalle Bremen. Dorothee Hansen, die Kuratorin der Schau &#8220;Edvard Munch &#8211; R\u00e4tsel hinter der Leinwand&#8221;, versammelt 76 Werke, darunter 36 Gem\u00e4lde sowie 40 Arbeiten auf Papier. Munchs zentrale Werkgruppe &#8220;Lebensfries&#8221; steht im Fokus der Schau, die durchaus keine leichte Kost f\u00fcr gen\u00fcsslich schwelgende Kunsttouristen bereith\u00e4lt. Vielleicht ist sie gerade deshalb so sehenswert.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch55.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch55.jpg\" alt=\"\" title=\"Munch55\" width=\"250\" height=\"213\" class=\"alignright size-full wp-image-9952\" \/><\/a>Munch war im Leben vom Tod umgeben. Seine Mutter starb, als er f\u00fcnf war, an Tuberkulose. Und wenige Jahre sp\u00e4ter, Munch war jetzt 14, wurde auch seine Schwester Sophie von der damals kaum beherrschbaren Infektionserkrankung dahingerafft. Er selbst litt unter manisch-depressiven Sch\u00fcben, die einerseits seine Lebensgier entfachten, andererseits aber auch seinen Lebenswillen permanent auf die Probe stellten. Dass sein Werk auch heutzutage j\u00fcngere K\u00fcnstler fasziniert, spricht f\u00fcr seine Modernit\u00e4t und Zeitlosigkeit. Maler wie Daniel Richter, Tal R oder Andr\u00e9 Butzer jedenfalls outen sich gerne als Fans des melancholischen Norwegers.<\/p>\n<p>Munchs &#8220;Lebensfries&#8221; ist keine klar definierte, auf eine bestimmte Zahl von Werken festgelegte Bilderfolge. Vielmehr handelt es sich um Arbeiten, auf denen sich der Maler \u00fcber einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren hinweg mit Ereignissen aus der eigenen Biografie auseinandergesetzt hat. &#8220;Genau genommen sind die Bilder meist Notizen &#8211; Dokumente &#8211; Skizzen &#8211; Themen. Darin liegt ihre St\u00e4rke&#8221;, so Munch \u00fcber sein Langzeitprojekt. Pubert\u00e4t, Begierde, Masken, Liebe, Tod, Trauer, Angst und immer wieder die Kindheit. Diese acht Kapitel gliedern den Rundgang durch die Bremer Ausstellung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch2.jpg\" alt=\"\" title=\"Munch2\" width=\"500\" height=\"462\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9955\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch2.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch2-300x277.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein schwarzes Farbband, auf das die Arbeiten geh\u00e4ngt sind, dient als visuelle Klammer. Im Mittelpunkt also: Das fast 100 Jahre lang \u00fcbersehene, f\u00fcr Munchs symbolistische und innovative Bildsprache so typische, in gedeckten Erdt\u00f6nen gemalte Bild &#8220;M\u00e4dchen und drei M\u00e4nnerk\u00f6pfe&#8221;. Ein junges unbekleidetes M\u00e4dchen an der Schwelle zur Frau sitzt in der rechten Bildecke. Vor ihr schweben, verbunden von einer schlauchartigen, geheimnisvollen gr\u00fcnen Linie, die K\u00f6pfe dreier M\u00e4nner in verschiedenen Lebensaltern. Wie so oft greift Munch auch hier die Themen weibliche Pubert\u00e4t und m\u00e4nnliches Begehren auf. Die den m\u00e4nnlichen Blicken ausgesetzte Femme fragile, charakterisiert durch eine Mischung aus verhaltener Erotik, Kr\u00e4nklichkeit und Morbidit\u00e4t, geistert prominent durch seinen Bilderkosmos. Ebenso der Tod. Und nicht selten treffen sich die beiden.<\/p>\n<p>Die Bremer Ausstellung gruppiert etliche Darstellungen fiebriger Todes\u00e4ngste, Verstorbener und Trauernder rund um das in der Kunsthalle beheimatete Bild &#8220;Das Kind und der Tod&#8221;. Das weltber\u00fchmte Werk &#8220;Der Schrei&#8221;, auf dem die Ohnmacht des Menschen vor seinen Ur\u00e4ngsten in einer eindrucksvollen Geste eingefroren wird, ist nat\u00fcrlich auch zu sehen &#8211; allerdings als Lithografie, nicht als Gem\u00e4lde. Eine wissenschaftlich hervorragend erarbeitete Ausstellung, die dem Betrachter einiges abverlangt, ihn daf\u00fcr aber auch mit den selten in dieser F\u00fclle ausgestellten, faszinierenden Werken eines der bis heute einflussreichsten Maler der fr\u00fchen europ\u00e4ischen Moderne belohnt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch77.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch77.jpg\" alt=\"\" title=\"Munch77\" width=\"250\" height=\"338\" class=\"alignright size-full wp-image-9948\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch77.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Munch77-221x300.jpg 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Edvard Munch &#8211; R\u00e4tsel hinter der Leinwand&#8221;<\/li>\n<li>Kunsthalle Bremen<\/li>\n<li>15.10.2011-26.2.2012<\/li>\n<li>Di 10-21 Uhr<\/li>\n<li>Mi-So 10-18 Uhr<\/li>\n<li>Heiligabend und Silvester geschlossen<\/li>\n<li>1. und 2. Weihnachtstag 10-18 Uhr<\/li>\n<li>Neujahr 13-18 Uhr<\/li>\n<li>Katalog: DuMont Buchverlag, 200 S., ca. 200 Farbabb., 29 Euro (Museum), 34,95 Euro (Buchhandel)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.kunsthalle-bremen.de\/\">Webseite der Kunsthalle Bremen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>Edvard Munch, &#8220;Das Kind und der Tod&#8221;, 1899, \u00d6l auf Leinwand, 100 x 90 cm.<\/p>\n<p>Edvard Munch, &#8220;M\u00e4nnerkopf in Frauenhaar&#8221;, 1896, Lithographie, Kreide, Kratzer, 380 x 444 mm.<\/p>\n<p>Edvard Munch, &#8220;M\u00e4dchen und drei M\u00e4nnerk\u00f6pfe&#8221;, 1895-1898, \u00d6l auf Leinwand, 90 x 100 cm.<\/p>\n<p>Edvard Munch, 1885, unbekannter Fotograf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bremer Kunsthalle zeigt eine gro\u00dfe Ausstellung zum mitunter r\u00e4tselhaften Werk des norwegischen Malers und Grafikers Edvard Munch Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas Genaues Hinschauen bringt manchmal verborgene Sch\u00e4tze zum Vorschein. 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