Ende der Welt rückt ins Zentrum

LIMITE SUD/SOUTH LIMIT ist ein innovativer Vorstoß der Stiftung arteBA

Von Susanne Franz

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Wer wollte nicht immer schon mal Rockstar sein und sich vom Publikum auf Händen tragen lassen? Am Eröffnungsabend von „Límite Sud“ machte das Künstlerkollektiv Rosa Chancho für manchen den Traum vom Fliegen wahr.

Die bedeutendste Kunstmesse Argentiniens, arteBA, die jährlich im Mai stattfindet und in ihrem 17-jährigen Leben einzigartige Klasse und weltweite Anerkennung erreicht hat, hat das innovative Kunstprojekt „Límite Sud/South Limit“ gestartet. Dieses soll ab sofort alle zwei Jahre parallel zur Biennale in Sao Paulo, der wichtigsten Kunstbiennale Lateinamerikas, stattfinden und das ohnehin bunte und aktive Kunstleben in Buenos Aires noch um eine Attraktion reicher machen. Natürlich erhoffen die Organisatoren neben einem Zustrom einheimischer Kunstfreunde auch ausländische Gäste, die den Besuch in Sao Paulo mit einem Abstecher nach Buenos Aires verbinden könnten, um „Límite Sud“ zu sehen.

Die erste, in Zusammenarbeit mit der Stadt Buenos Aires auf die Beine gestellte Veranstaltung wurde am Donnerstagabend im „Anexo II“ im „Centro de Exposiciones“, dem ehemaligen Messegelände, gleich neben der Rechtsfakultät eröffnet und läuft bis zum 31. Oktober mit täglichen Öffnungszeiten von 15-22 Uhr. Die 4500 m2 umfassenden, fabrikhallenartigen Räumlichkeiten erlauben das neuartige Konzept, das „Límite Sud“ auszeichnet: weg von den Ständen, an denen auf Messen normalerweise Künstler ihre Werke präsentieren, und hin zu den „Project Rooms“, die jedem der 20 argentinischen und sechs aus anderen lateinamerikanischen Ländern stammenden eingeladenen Künstler die Gelegenheit geben, sich auf 30 Quadratmetern auszutoben. Speziell an ein junges Publikum appellieren die in einem gesonderten Sektor jeden Abend um 19 Uhr stattfindenden Performances, in deren Rahmen Künstler und Künstlergruppen ihre Kreativität auf besonders eingängige Art unter Beweis stellen.

Die Kuratoren Eva Grinstein (Argentinien) und José Roca (Kolumbien) haben quer durch die Generationen die Auswahl der Künstler getroffen und aus Argentinien Arturo Aguiar, Javier Barilaro, Leo Battistelli, Dino Bruzzone, Adriana Bustos, Juan José Cambre, Ana Gallardo, Patricio Gil Flood, Sebastián Gordin, Fabiana Imola, Nicolás Mastracchio, Marta Minujín, Luis Felipe Noé, Sandro Pereira, Rogelio Polesello, Juan Carlos Romero, Marcia Schvartz, Eduardo Stupía, Mónica Van Asperen und Noelia Yagmourian sowie Eduardo Abaroa (Mexiko), Julio Alpuy (Uruguay), Alexander Apostol (Venezuela), Artur Lescher (Brasilien), Miguel Angel Rojas und Jaime Tarazona (beide Kolumbien) eingeladen.

Für die Performances zeichnen Roberto Jacoby und Vivi Tellas verantwortlich, die mit folgenden argentinischen Künstlern ein Programm erarbeitet haben: Gabriel Baggio, Rosa Chancho, Diego de Aduriz, Tomás Espina, Fernanda Laguna und Alina Perkins, Valentina Liernur, Diego Melero, Rosalba Mirabella, Eduardo Navarro, Oligatega Numeric und Ernesto Ballesteros sowie Provisorio Permanente.

Eine besondere Überraschung bietet der argentinische Künstler Jorge Macchi mit der Weltpremiere seines Projekts “Sleepless Room”, einem quadratischen Raum, an dessen vier Wänden vier unterschiedliche Videos ablaufen – die eine erstaunliche Sinnestäuschung im Betrachter auslösen.

Der Eintritt zu „Límite Sud“ kostet 15 Pesos; am Montag hat das Publikum gratis Zugang. Weitere Informationen hier.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 25.10.08.

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