Mit Solarenergie in den Lüften

Flugpionier Bertrand Piccard als Ehrengast bei “ECO Suiza”

Von Marcus Christoph

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“Bertrand Piccard ist ein Pionier, der Träume realisiert, die für alle von Nutzen sind.” Der Schweizer Botschafter Johannes Matyassy war voller Freude, den weltbekannten Fieger, Abenteurer und Wissenschaftler aus Lausanne als Ehrengast des Projekts “ECO Suiza” in Buenos Aires begrüßen zu können. Dieses widmete sich in diesem Jahr mit mehreren Veranstaltungen dem Thema “Erneuerbare Energien”. Piccard (56) stellte in diesem Zusammenhang sein Vorhaben vor, mit dem Flugzeug “Solar Impulse 2” im kommenden Jahr die Erde umfliegen zu wollen.

Der Flugpionier, der bereits 1999 zusammen mit dem Briten Brian Jones als erster Mensch die Erde in einem Ballon umkreiste, stellte in der hiesigen Schweizer Residenz die Vorzüge des mit Solarenergie betriebenen Luftfahrzeuges dar: Es komme gänzlich ohne Treibstoff aus und könne theoretisch unbegrenzt lange fliegen – Tag und Nacht. Auf diese Weise könne die Luftfahrt zukünftig sehr viel umweltverträglicher sein, als sie es heute ist.

Piccard plant, seine Weltumrundung in der nördlichen Hemisphäre zwischen März und Juli 2015 zu starten und nach 25 Tagen am Ziel zu sein. Der Schweizer hatte bereits im Vorjahr mit seiner ersten Öko-Maschine 5000 Kilometer von San Francisco bis New York in mehreren Tagesetappen zurückgelegt. Der neue Prototyp “Solar Impulse 2” verfügt im Vergleich zum Vorgängermodell über eine größere Kabine, was den Piloten das Zurücklegen längerer Strecken ermöglichen soll.

Bei der geplanten Weltumrundung sind jeweils knapp einwöchige Etappen vorgesehen. In den Ländern, in denen das Flugzeug landet, sollen Infoveranstaltungen stattfinden. 2016 will Piccard dann auch die Südhalbkugel mit seinem Öko-Flugzeug besuchen und bei den Olympischen Spielen in Rio Station machen.

Piccard führte aus, dass erneuerbare Energien immer wichtiger würden. Sowohl mit Blick auf die Umwelt, aber auch für die Wirtschaft. Umwelttechnik generiere schließlich auch Arbeitsplätze. Wenn man es schaffe, wirtschaftliches Wachstum umweltverträglich zu gestalten, ergebe sich eine “Win-Win-Situation”, von der alle profitierten.

Voraussetzung, um die Welt entsprechend zu ändern, seien politischer Mut und Pioniergeist in der Forschung, so Piccard. Tugenden, die offenbar nicht überall vorhanden sind: So befinden sich unter den Sponsoren des “Solar-Impulse”-Projektes keine traditionellen Luftfahrtunternehmen. “Die Experten haben gesagt, dass es unmöglich sei, mit einem Flugzeug, das die Größe eines Jumbos und das Gewicht eines Kleinwagens habe, Tag und Nacht ohne Treibstoff zu fliegen”, berichtet der Schweizer. Doch die Geisteshaltung, das Ungewisse abzulehnen und im Alten zu verharren, führe zu Stagnation.

Piccard erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass man sich zu Zeiten von Flugpionieren wie den Gebrüdern Wright auch nicht habe vorstellen können, dass es einmal möglich sein könnte, mit Flugzeugen zu reisen, die Platz für mehrere Hundert Passagiere böten. Ob die Solarflugzeuge tatsächlich einmal die Luftfahrt revolutionieren werden, will Piccard allerdings nicht versprechen: “Es ist wie mit Samen. Wenn man welche sät, weiß man vorher auch nicht genau, wohin man kommt. Manche werden groß, andere nicht.”

Es komme aber darauf an, sich auf das Ungewisse einzulassen. Etwas, was Piccard seit seiner Kindheit fasziniert und in seiner Familie Tradition hat. Sein Großvater Auguste Piccard fuhr 1932 mit einem Ballon bis auf 16.940 Meter in die Stratosphäre, sein Vater Jacques Piccard brach mit dem Tiefsee-U-Boot “Trieste” im Marianengraben mit 10.916 Metern den Weltrekord im Tiefseetauchen.

Piccard nahm während seines Aufenthaltes in Argentinien an Podiumsgesprächen in der Katholischen Universität von Buenos Aires sowie in den Universitäten von La Plata und San Juan teil, bei denen es im Rahmen von „ECO Suiza“ um erneuerbare Energien ging. Seit 2011 organisiert die eidgenössische Auslandsvertretung in Argentinien jedes Jahr Veranstaltungen, die die Nachhaltigkeit fördern sollen. Zum Auftakt ging es um Tunnelbau. In den vergangenen Jahren standen die Themen “Architektur” und “Wasser” im Mittelpunkt. Insgesamt ist “ECO Suiza” auf zehn Jahre angelegt.

Foto:
Bertrand Piccard (l.) mit dem Schweizer Botschafter Johannes Matyassy.
(Foto: Marcus Christoph)

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