Lauras Abwesenheit
Neues Glanzstück von Mariano Pensotti im “Portón de Sánchez”
Von Susanne Franz

“Du bist wie ein Zeltplatz: ein Provisorium. Jeden Moment kann ein Windstoß kommen und Dich wegblasen”, sagt “er” zu “ihr”. “Sie” ist eine von neun Schauspielerinnen, die “er” angestellt hat, um für ihn und mit ihm Szenen aus seiner Beziehung mit “Laura” immer wieder nachzuspielen. Manchmal scheint es, als ob “er” mit einer der neun Frauen (die alle das gleiche Kleid und die gleiche Perücke tragen) ein echtes Gespräch führt, aber dann korrigiert er die Kopfhaltung oder sagt: “Nein, in dem Moment hat sie sich etwas schneller rumgedreht. Noch mal!” Oder er schreit: “Die nächste, die nächste!”, wenn er es nicht mehr aushält, denn keine kann an das Original heranreichen. Der zentrale Satz “Du bist ein Provisorium” ist der einzige, bei dem nicht sicher ist, ob er an Laura oder an die Schauspielerin persönlich gerichtet war, aber man weiß nicht, ob er ihn wirklich gesagt hat, da von der angeblichen Szene nur erzählt wird.
Es geht hektisch und provisorisch zu in Mariano Pensottis neuem Theaterstück, wie auf einer Baustelle – ein großer Gegensatz zu seinem letzten, kühl-gestylten und distanzierten Werk “Vapor”. Die Bühne ist ein Campingplatz mit drei Plastik-Zelten, Klappstühlen und einem Tischchen. “Er” trägt Freizeitklamotten. “Er” spricht gehetzt, die Bewegungen der Schauspielerinnen sind linkisch, wenn sie “Laura-Sein” üben. Pensottis poetischer und zugleich harter Text entwirft eine Welt der Einsamkeit, des Sich-Selbst-Betrügens und der Verzweiflung – ein Lügengebäude, eine Sartre’sche Hölle.
Der Dramaturg Pensotti hat “Laura” gemeinsam mit dem Choreographen Luis Biasotto inszeniert – eine fruchtbare, virtuose Zusammenarbeit. Zehn motivierte Schauspieler zeigen mit viel Körpereinsatz 50 Minuten beeindruckendes Theater.
“Laura”. Portón de Sánchez, Sánchez de Bustamente 1036. Sonntags 20 Uhr. Eintritt 12 Pesos. Reservierungen unter Tel.: 4863-2848.

“Lo último en arte” ist zunächst der Titel von einer der fünf Serien, aus denen diese Übersicht über die letzten zehn Schaffensjahre des Künstlers besteht. Seit 1996 fertigt Salomón 125 Millimeter messende Würfel aus unterschiedlichen – immer edlen und haltbaren – Materialien wie Marmor, Glas, Aluminium etc., die als Relief die Inschrift “Lo último en arte” tragen. Diese Würfel sind für ihn Botschaftsträger – er übergibt sie in einer Zeremonie an Personen, die für ihn etwas bedeuten, oder überantwortet sie Orten, die ihm wichtig sind (d.h. er vergräbt sie oder versenkt sie im Wasser). Diese Gesten hält Salomón in einer Dokumentation fest, auf mit Siegeln und Stempeln versehenen Schriftstücken, mit denen er dem Ritual eine feierliche Dimension verleiht und es zugleich parodiert. Mit dieser konzeptuellen Serie stellt Salomón die Beziehung des Künstlers und seines Werks zu seiner Umwelt dar – er “gibt” das Seine, aber nur er weiß, ob auch “drin ist, was draufsteht”. 


“Genial, dieser Schriftsteller ist genial!” Horst Stefan von der Buchhandlung ABC ist ganz aus dem Häuschen. Aufgeregt umkreist er den Deutschen Stand auf der Internationalen Buchmesse von Buenos Aires. Stefan spricht vom Bestseller “Die Vermessung der Welt” von Daniel Kehlmann. Er habe das Buch gerade zu Ende gelesen und sei restlos begeistert. “Der hätte den Deutschen Buchpreis verdient und nicht dieser Arno Geiger!”, sagt er zornig und fuchtelt mit einem Faltblatt herum, in dem die Nominierten des jüngst auf der Frankfurter Buchmesse erstmals vergebenen Deutschen Buchpreises aufgelistet sind, unter ihnen Daniel Kehlmann. Wir erwarten den vielversprechenden jungen Shooting Star unter den deutschen Schriftstellern am Deutschen Stand. Er gehört zu den drei Vertretern der deutschen Kulturszene, die eingeladen worden sind, den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf seiner Südamerika-Reise zu begleiten.



