Warum die Argentinier die Gesetze missachten

Die argentinische Anomie

Von Friedbert W. Böhm

anomie11.jpgJedem ausländischen Besucher fällt sie sofort auf, beinahe jeder Argentinier beklagt sich unentwegt über sie, beinahe jeder Argentinier trägt tagtäglich zu ihr bei: die allgemeine Missachtung der Gesetze.

Das eklatanteste Beispiel ist der Straßenverkehr. Geschwindigkeitsbegrenzungen, Einbahnstraßen, Fahrverbote, Rotlichter scheinen als unverbindliche Empfehlungen des Gesetzgebers aufgefasst zu werden. Beinahe die Hälfte der zugelassenen Fahrzeuge entbehrt der obligatorischen TÜV-Plakette, viele haben verbotene polarisierte Scheiben oder Anhänger-Kupplungen oder kaputte Scheinwerfer. Obwohl seit Jahrzehnten untersagt, bewegen sich auf den städtischen Straßen Hand- und Pferdewagen, dröhnen die Lautsprecher langsamfahrender Altlaster ihre Sperrmüllangebote, bemüht, den Lärm der helmlosen Raser auf Motorrädern mit aufgebohrtem Auspuff zu übertönen. Autos und Lastwagen parken, wo gerade Platz ist, auf der zweiten oder auch dritten Fahrbahn, auf Bürgersteigen. Und kaum jemanden scheint dies alles zu stören.

Missachtung von Verkehrs- und anderen Regeln gibt es auch anderswo. Aber in Argentinien scheint dies ohne Not, ohne schlechtes Gewissen, ja, sogar mit Vergnügen zu geschehen, sozusagen mit sportlichem Ehrgeiz. Was können die Gründe dafür sein? Besitzen die Argentinier etwa ein Anomiegen?

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Das schlimmstmögliche Szenario

Wie würde die Welt nach einer Katastrophe aussehen?

Von Friedbert W. Böhm

katastrophe11.jpgIn meinen bald 70 Jahren habe ich kaum ein eindrucksvolleres Buch gelesen als den Weltbestseller “Arm und Reich” (“Guns, Germs, and Steel”, 1997) von Jared Diamond. Er beschreibt hier überzeugend die Schicksale menschlicher Gesellschaften seit 13.000 Jahren. Jared Diamond ist ein Universalgelehrter wie es sie kaum noch gibt: Arzt, Historiker, Geograph, Evolutionsbiologe, Anthropologe, Paläontologe, außerdem, soweit ich es beurteilen kann, ein ausgeglichener und humorvoller Mann.

Auf die Frage, wie die Erde nach einer Klimakatastrophe aussehen könnte, antwortete er unlängst: “Stellen Sie sich vor, die ganze Welt wäre heute wie Somalia oder Haiti. Dann haben Sie das schlimmstmögliche Szenario. Leider ist es alles andere als unwahrscheinlich. Wenn wir so weitermachen, kommen wir in 30 Jahren dahin.”

Hoppla! Wie es in Haiti zugeht, wissen wir seit einigen Wochen ziemlich genau.

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