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Agenda de Muestras del 06/06/2015

Por Susanne Franz

toteEn el Pabellón de las Bellas Artes de la UCA, en Puerto Madero, se pueden apreciar dos videoinstalaciones del famoso dúo de artistas Aziz + Cucher (Anthony Aziz (EEUU) y Sammy Cucher (Perú)). Los dos vinieron a Buenos Aires para visitar arteBA. Mañana, 7 de junio, a las 11 horas, dialogarán con Agustín Pérez Rubio, Director Artístico del Malba (en el Pabellón de las Bellas Artes de la UCA).

Hoy, sábado, 6 de junio, y mañana, domingo, 7 de junio, de 14 a 21 horas: Últimos dos días para visitar la 24ª Feria de Arte Contemporáneo arteBA en La Rural, Palermo, Buenos Aires. 81 galerías de Latinoamérica, Estados Unidos y Europa presentan las obras de 450 artistas.

Las muestras de la semana:

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Ein Statement mit RADIANT

Kurzinterview mit der deutschen Künstlerin Kirsten Mosel, die an der 24. Kunstmesse arteBA teilnimmt

Von Susanne Franz

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Frage: Liebe Frau Mosel, Sie leben als deutsche Künstlerin seit fünf Jahren in Buenos Aires. Jetzt nehmen Sie erstmals an der Kunstmesse arteBA teil. Sind Sie aufgeregt?

Kirsten Mosel: Ehrlich gesagt: Ja. In den Vorjahren hatte ich die großartige Möglichkeit, an den VIP-Programmen der Messe teilzunehmen und mich gut vernetzen zu können, aber eine eigene Teilnahme ist noch einmal etwas ganz anderes – noch dazu, weil wir in diesem Jahr an der neuen Sektion Special Projects teilnehmen – und mit unserem Stand ein Statement für drei Positionen innerhalb der zeitgenössischen Malerei abgeben.

Frage; Mit dem Zürcher Galeristen Ivo Kamm, der Sie neben anderen Künstlern auf arteBA präsentiert, und Ihrem kolumbianischen Künstlerkollegen Julián León Camargo betreiben Sie seit zwei Jahren auch eine Galerie in Buenos Aires, den Espacio Kamm in der Mario Bravo. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Kirsten Mosel: Extrem und überraschend gut! Wir zeigen ja dort auch Projekte, die speziell für unseren Ausstellungsraum konzipiert und realisiert werden und sind positiv überrascht über die Resonanz aus der Kunstszene. Intensiv wahrgenommen wird unsere Veranstaltungsreihe “Conversatorios”, wo wir mit dem Künstler und einem Kunstkritiker mit dem Publikum in der Ausstellung über die Fragen reden, die uns die künstlerische Arbeit stellt.

Frage: Können Messebesucher den Espacio Kamm während der Messe, also vom 4. bis 7. Juni, besuchen? Die Stadt Buenos Aires bietet ja Führungen in verschiedenen Galerien an.

Kirsten Mosel: Ja, wir zeigen zur Zeit die Malerei-Installation “Sala de Secado” von Mariana López, wir öffnen während der Messe mittwochs bis samstags 16-20 Uhr.

Frage: Das Werk, das Sie auf arteBA präsentieren, war schon auf der «Bienal del Fin del Mundo» zu sehen. Es ist ja ganz schön groß! Das müsste dann am besten ein Museum kaufen, nicht wahr?

Kirsten Mosel: Das wäre natürlich großartig! Ich bin sehr stolz, die Arbeit RADIANT, die in Deutschland “geboren” wurde und in Berlin und danach auf der Biennale in Chile gezeigt wurde, jetzt hier in Argentinien auf arteBA realisieren zu können.

Viel Glück und Erfolg für Sie und Ihre Kollegen auf arteBA!

Weitere Infos über Kirsten Mosel, arteBA und Espacio Kamm.

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Kirsten Mosel vor ihrer Arbeit RADIANT, die sie auf arteBA präsentiert.

Neue Sachlichkeit im Sammler-Paradies

24. Kunstmesse arteBA 2015 wurde am Mittwochabend eröffnet, läuft bis Sonntag

Von Susanne Franz

Pablo AccinelliIn einem sachlichen Kleid kommt sie in diesem Jahr daher – und es steht ihr gut: Am Mittwochabend wurde im Blauen und Grünen Pavillon des Messegeländes La Rural an der Plaza Italia in Buenos Aires die wichtigste Verkaufsmesse zeitgenössischer Kunst Lateinamerikas, arteBA, eröffnet. Im Rahmen der 24. Ausgabe der renommierten Messe zeigen 81 Galerien aus Lateinamerika, den USA und Europa Werke von über 450 Künstlern.

Wichtige etablierte Messe-Sektionen werden weitergeführt. So bietet U-Turn-Projects, von Mercedes-Benz gesponsert, auch in diesem Jahr unter der Federführung von Jacopo Crivelli Visconti eine erlesene Auswahl an Galerien (darunter Max Mayer aus Düsseldorf und Campagne Première aus Berlin). Das Barrio Joven (das “Junge Viertel” von Chandon) ist wieder aufstrebenden Künstlern und Galerien gewidmet.

Neu ist die Messe-Sektion “Special Projects” (Sponsor: Patio Bullrich), eine besonders spannende Herausforderung für die Sinne. Hier findet man u.a. die Berliner Galerien König und PSM und die Schweizer Galerie Ivo Kamm mit ihrem internationalen Künstlerteam Elena Dahn (Argentinien), Julián León Camargo (Kolumbien) und Kirsten Mosel (Deutschland).

In der Sektion “Dixit” feiert die Literatur Hochzeit mit der Kunst – beim Verlag für künstlerische Recyclingbücher Eloisa Cartonera. Auch der Bereich “Isla de Ediciones” ist der Literatur gewidmet, mit speziellem Augenmerk auf Bücher über Kunst.

Die Fotografie genießt einen hohen Stellenwert auf arteBA 2015, viele Galerien haben renommierte Fotografen im Programm. Eine ganze Sektion, “Photobooth Citi”, ist ihr gewidmet. Nahe dieses Bereichs befindet sich auch ein sehr schöner und interessanter Stand von Jorge Mara – La Ruche (die auch im Zentralbereich einen großen Stand haben), der ganz der Bauhaus-Epoche von Grete Stern und Horacio Coppola gewidmet ist.

Mit dem traditionellen Durchschneiden des blau-weißen Bandes wurde am Mittwochabend der Startschuss für die Messe gegeben. Tausende Gäste tummelten sich – Champagnerglas in der Hand – auf den Gängen zwischen den Messeständen. arteBA-Präsident Alec Oxenford, die Direktorin des Museo Nacional de Bellas Artes Marcela Cardillo, der Direktor des Kulturinstituts der Provinz Buenos Aires Jorge Telerman und der städtische Kulturminister Hernán Lombardi waren unter den Würdenträgern, die die offizielle Eröffnung vornahmen. Andere wichtige Gäste waren etwas früher gekommen, um die Messe bei weniger Besucherandrang ansehen zu können, darunter auch der deutsche Botschafter Bernhard Graf von Waldersee, die österreichische Botschafterin Karin Proidl und die Kulturministerin der Nation Teresa Parodi. Auch Stars aus dem Kulturbetrieb wie Sängerin Nacha Guevara oder Schauspieler Mike Amigorena gaben sich die Ehre.

Auch erste Käufe wurden bereits getätigt: So kaufte Citi für die Sammlung des Museums für Lateinamerikanische Kunst Malba bei der Galerie Document Art eine Installation von 1980 der Künstlerin Graciela Gutiérrez Marx. Der Gastgeber, die Messeorganisation La Rural. kaufte für die eigene Sammlung fünf Werke der argentinischen Künstler Juan B Q. (bei Nora Fisch), Gabriel Chaile (bei Zavaleta Lab), Máximo Pedraza (bei Miau Miau), Marcela Sinclair (bei Mite) und José Luis Landet (bei Document Art).

Ein Besuch der Messe, die bis Sonntag, 7. Juni, täglich von 14 bis 21 Uhr geöffnet ist, ist sehr zu empfehlen. Diejenigen, die frühere Editionen von arteBA kennen, werden überrascht sein von der durchgehend hohen Qualität der Messe: Es wird deutlich, dass unabhängige, hoch qualifizierte Kuratoren aus aller Welt – darunter auch der Deutsche Hans-Michael Herzog – diesmal die exzellente Auswahl getroffen haben. Wie schon erwähnt, herrscht Sachlichkeit, der Ton ist international, kaum eine Spur mehr vom – wenn auch sympathischen – Latino-Chaos.

Wer aber jetzt meint, die Messe könnte ebenso in New York oder Hongkong angesiedelt sein, den holt das Museo Nacional de Bellas Artes in die argentinische Realität zurück: Das Museum der Schönen Künste hat nämlich eine Wunschliste aufgestellt mit Werken, die es gerne hätte, sich aber nicht leisten kann. Könnte doch sein, dass ein reicher Mäzen Lust hat, sie dem Museum zu kaufen. Das gibt es bestimmt sonst nirgends auf der Welt!

24. Kunstmesse arteBA. Blauer und Grüner Pavillon des Messegeländes La Rural, Plaza Italia, Buenos Aires. Täglich 14-21 Uhr. Eintritt: 120 Pesos, Rentner und Studenten (mit Ausweis): 60 Pesos, zwei Messetage: 190 Pesos. 4.6.-7.6. Infos auf der Webseite der Messe.

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Werk von Pablo Accinelli im Bereich des Versicherers Zürich.

Bis dass der Tod uns scheidet

In ganz Argentinien gingen die Menschen auf die Straße, um auf die steigende Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen

Von Meike Michelmann gen. Lohmann

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Chiara, Gabriela, Marta, Lola und so viele mehr – ihre Namen stehen für schreckliche Verbrechen an Frauen, die nur aufgrund ihres Geschlechts begangen wurden. Chiara Paéz, 14 Jahre alt aus der Region Santa Fe, erwartete ein Kind. Ihr 16-jähriger Freund ermordete sie und vergrub ihre Leiche im Garten seiner Familie. Gabriela Parrera, 42 Jahre alt, zu Tode geprügelt von einem Stalker. Die Leiche der 25-jährigen Marta wurde, schwer misshandelt, auf einer Brachfläche in Yerba Buena in der Provinz Tucumán gefunden.

Allein im letzten Jahr wurden in Argentinien laut der NGO “Casa del Encuentro” (CdE) 277 Morde an Frauen gemeldet. Bei der Polizei von Buenos Aires gingen zusätzlich knapp 170.000 Anzeigen über Gewalttaten gegen Frauen ein. “Die Dunkelziffer ist wohl noch deutlich höher”, beklagte die Direktorin von CdE, Fabiana Tuñez, in einem Interview mit der Zeitung La Nación. “Femicidios” oder auch “feminicidios” werden diese Arten der Gewaltverbrechen an Frauen im Spanischen genannt. Femizide, das in der deutschen Umgangssprache kaum gebräuchliche Äquivalent, beschreibt Morde an Frauen, die aufgrund von Hass und Verachtung gegenüber dem weiblichen Geschlecht sowie Machtdemonstration oder Besitzansprüchen, von männlichen Tätern verübt werden. Aber auch der Tod einer Frau durch fehlende oder schlechte medizinische Versorgung während der Geburt oder illegalen Abtreibungen werden als solche bezeichnet.

Jedes Jahr werden Tausende Frauen und Mädchen in Südamerika Opfer von Gewalt und das nur aus einem Grund – weil sie nicht als Mann, sondern als Frau geboren wurden. Dabei sterben in keinem anderen Land Südamerikas mehr Frauen als in Argentinien. Zieht man die Länder Zentralamerikas mit dazu, landet Argentinien auf dem fünften Platz. Angeführt wird das traurige Ranking von Mexiko, wo im Durchschnitt alle fünf Stunden eine Frau ermordet wird. Daneben gab es in den letzten Jahren nur in Guatemala, Costa Rica und der Dominikanischen Republik mehr gender-motivierte Morde an Frauen als in Argentinien. “Diese Zahlen spiegeln eine Gesellschaft wider, die beherrscht wird von machistischen Paradigmen, wo die Frau immer noch nur als ‘eine Sache, die man unterdrücken muss’, angesehen wird”, erklärte Tuñez im Gespräch mit La Nación.

Protestwelle breitet sich aus

In Argentinien haben die jüngsten und besonders grausamen Fälle von Femiziden eine Welle an Empörung und Protest ausgelöst. Seit dem Tod von Chiara Paéz vor einigen Wochen verbreitet sich der Hashtag #NiUnaMenos unaufhaltsam in den sozialen Netzwerken. Entstanden ist er aus der Parole “Ni una mujer menos! Ni una muerta más” (Nicht eine Frau weniger! Nicht eine Tote mehr!). Vor allem auf Twitter finden sich unter diesem Slogan Tausende Fotos von Unbekannten, aber auch Prominenten aus Sport, Kultur und Politik, die sich mit der Parole #NiUnaMenos oder dem ähnlichen #BastaDeFemicidios (Schluss mit den Frauenmorden) fotografieren lassen und so ihre Unterstützung im Kampf gegen gender-motivierte, aber auch jede andere Form von Gewalt deutlich machen. Und der Protest bewegt sich schon lange nicht mehr nur im virtuellen Raum. Am Mittwoch versammelten sich Zehntausende Menschen auf der Plaza de Congreso in Buenos Aires, um ihrer Wut und Trauer Luft zu machen.

Organisiert von Journalistinnen wie Ingrid Beck, Herausgeberin der Zeitung “Barcelona”, und der NGO “La Casa del Encuentro” zog der Protestmarsch durch die Stadt. Darunter viele Frauen und Männer jeden Alters und aus allen sozialen Schichten, Organisationen, Vereine, Künstler und Parteien. “Für alle, die jetzt hier sind! Für alle, die nicht mehr hier sein können! Wir kämpfen für Euch!”, immer und immer wieder schreien knapp vierzig in lila Gewänder gehüllte Frauen, die sich im Gleichschritt und mit ernstem Blick dem Protestmarsch anschließen, diese Parole. Zwischen den Menschenmassen sieht man auch immer wieder Demonstranten, die Fotos von getöteten Angehörigen oder Freunden in die Höhe halten. Dazwischen auch eine ältere Frau mit grauem Haar und leuchtend rotem Mantel, die sich an ein Foto von einer jungen Frau klammert: “Meine Tochter wurde von ihrem Ehemann geschlagen, aber sie hat ihn immer wieder in Schutz genommen”, erzählt Analía Iglesias und zeigt auf das Foto ihrer toten Tochter. “Ich bin heute hier, um anderen Frauen Mut zu machen, sich zu wehren.”

Nicht nur in Buenos Aires gingen die Menschen auf die Straße, auch in Rosario, Tucumán und vielen anderen Städten gab es lautstarke Protestmärsche. Damit wollten die Demonstranten nicht nur auf die getöteten Frauen aufmerksam machen, sondern auch ein Zeichen an die Politik senden.

Zwar gibt es bereits seit 2010 das Gesetz Nr. 26.485, das einen besseren Schutz der Frauen vor Gewalt sowie effektivere Prävention und Bestrafungen der Täter gewährleisten soll. Laut Organisationen wie CdE werden diese Gesetzesänderungen aber bis heute kaum angewendet. Die Menschen auf der Plaza fordern, dass die im Gesetz festgelegten Punkte auch umgesetzt werden. “Solange die Gesetze nur auf dem Papier stehen, aber nicht dafür gesorgt wird, dass sie auch im täglichen Leben angewendet werden, bringen sie den betroffenen Frauen gar nichts”, sagt die Vorsitzende der Organisation “Amigos del Alma”, Marilina Villarejo. Daneben fordern die Demonstranten einen besseren Umgang der Justiz mit den Opfern und eine staatliche Erfassung von Femiziden. Auch eine bessere Aufklärung über Sexualität und Geschlechterrollen steht auf der Agenda, denn nur so könne ein Wandel in den Köpfen vieler Menschen bewirkt werden, um gender-motivierter Gewalt vorzubeugen.

Fehlende Zufluchtsorte

Als Vorsitzende von “Amigos del Alma” (AdA), einer Organisation, die sich gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder einsetzt, kennt Marilina Villarejo viele dieser Probleme aus der Praxis: “Nur wenige Frauen haben den Mut, ihre Peiniger anzuzeigen, und wenn sie es dann doch tun, heißt das nicht, dass automatisch alles gut wird.” Nach der Anzeige stellt sich oft die Frage, wie es danach für die Frauen weitergeht. Oft kommen die Täter nicht ins Gefängnis, und die Frauen können nicht zurück nach Hause, ohne sich wieder in Gefahr zu begeben. Wenn sie dann keine anderen Verwandten haben, die sie und in den meisten Fällen auch ihre Kinder aufnehmen können, stehen sie oft auf der Straße. Staatliche Hilfsangebote oder Unterkünfte gibt es in Argentinien kaum. Für einige dieser Frauen und Kinder bietet “Amigos del Alma” einen Zufluchtsort.

Der 2003 gegründete Verein betreibt seit 2013 ein Frauenhaus in Pilar nördlich von Buenos Aires. Zehn Jahre haben die Mitglieder von AdA gebraucht, um die finanziellen Mittel und genügend Unterstützung für den Bau der “Casa de Abrigo” zu sammeln. Abseits vom Stadtzentrum und durch hohe Mauer geschützt steht das Haus, das bereits mehr als 100 Frauen und Kinder in Notsituationen aufgenommen hat. Die meisten bleiben ein bis zwei Monate, maximal aber 90 Tage. “Das ist nicht viel Zeit, um sich von dem Erlebten zu erholen, aber wir hoffen immer, ihnen zumindest die Basis für eine bessere Zukunft mitgeben zu können”, erzählt Marilina Villarejo. Vor Ort kümmern sich Psychologen und Sozialarbeiter um die teils stark traumatisierten Frauen und Kinder. Die meisten haben nie erlebt, was Liebe und Zuneigung eigentlich bedeutet. Aufgewachsen in einem Umfeld, in dem Schläge zum normalen Tagesablauf gehören und soziale Strukturen oft kaum vorhanden sind, erleben sie dort zum ersten Mal, was es bedeutet, friedlich zusammenzuleben.

Liebe muss gelernt werden

Durch ihre Arbeit bei Ada kann die Mutter von drei Töchtern viele traurige Geschichten erzählen. So wie die des achtjährigen Marcos und seiner vier jüngeren Geschwister, die in die Unterkunft kamen, weil ihren Eltern das Sorgerecht entzogen wurde. Als Ältester kümmerte sich Marcos um seine jüngeren Geschwistern, schaute, dass sie genug aßen und es ihnen gut ging. In der ersten Nacht brachten die Betreuerinnen die Kinder zu Bett. Ein paar Stunden später hörten sie, dass die Kinder weinten. Als sie nachfragten, was los sei, antwortete Marcos, er habe seine Geschwister geschlagen, weil sie nicht schlafen wollten. Das hätten ihre Eltern auch immer so gemacht, wenn sie keine Ruhe geben wollten. “Und genauso ist es bei vielen der Frauen, die hierher kommen, sie müssen erst einmal lernen, was Liebe ist, und dass Schläge und Demütigungen nichts mit Zuneigung und dem Interesse am Anderen zu tun haben”, erklärt Marilina Villarejo ruhig.

“Auch wenn wir nur sehr wenigen betroffenen Frauen helfen können, so ist doch jede kleine Erfolgsgeschichte eine Bestätigung für unsere Arbeit”, sagt sie und lächelt leicht. Ihre Organisation würde gerne noch mehr Orte wie die “Casa de Abrigo” eröffnen, um mehr Frauen zu helfen. Dafür reichen aber weder die finanziellen noch die menschlichen Ressourcen. “Das große öffentliche Echo, das #NiUnaMenos erzeugt hat, lässt uns hoffen, dass nicht nur die Politik endlich etwas tut, sondern dass sich vor allem etwas in den Köpfen der Menschen verändert und in Zukunft keine Frau, kein Kind und kein Mann mehr einen Zufluchtsort vor Gewalt suchen muss.”

Foto:
Allein vor dem Parlament in Buenos Aires forderten mehr als 150.000 Menschen am Mittwoch einen besseren Schutz von Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt.

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Ausstellungskalender vom 30/05/2015

Von Susanne Franz

arteBA11Die Messe für zeitgenössische Kunst arteBA ist eine der wichtigsten Verkaufsmessen in Lateinamerika und jedes Jahr ein attraktives Kulturhighlight in Buenos Aires. Dieses Jahr findet arteBA vom 4. bis zum 7. Juni auf dem Messegelände La Rural im Stadtviertel Palermo statt. Die Messemacher erwarten wie in den Vorjahren um die 100.000 Besucher. Die Eintrittspreise der 24. Ausgabe sind ziemlich gesalzen, aber das hat auch bisher nie zu schlechten Besucherzahlen geführt. Geboten bekommt man eine Menge: 80 Galerien aus verschiedenen Ländern zeigen Werke von 450 Künstlern. Aus der Schweiz nimmt die Galerie Ivo Kamm (Zürich) teil, aus Deutschland kommen Campagne Premiere, Future Gallery, König Galerie und PSM (alle aus Berlin) und Galerie Max Mayer aus Düsseldorf.

Die Ausstellungen der Woche:

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Agenda de Muestras del 30/05/2015

Por Susanne Franz

arteBA11La Feria de Arte Contemporáneo arteBA es una de las más importantes en Latinoamérica. Este año se llevará a cabo entre el 4 y el 7 de Junio en el Predio La Rural en el barrio de Palermo. Los organizadores esperan la asistencia de 100.000 personas, como en las últimas ediciones. Se celebra la 24ª edición. Participarán más de 80 galerías de varios países que mostrarán las obras de 450 artistas. De Suiza, participará la galería Ivo Kamm (Zúrich), de Alemania participarán Campagne Premiere, Future Gallery, König Galerie y PSM (los cuatro de Berlín) y Galerie Max Mayer de Düsseldorf.

Las muestras de la semana:

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Bis zum bitteren Ende

“Die Toten Hosen” rockten wieder in Buenos Aires

Von Michaela Ehammer

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Lauter, punkiger, rockiger – das sind “Die Toten Hosen”, die Punkrock-Band aus Düsseldorf. Sie brachten Bühnen zum Einstürzen, verteilten Kondome auf Konzerten und konnten sich über eine eigene Hörfunksendung freuen. Aus der Punkszene von Buenos Aires sind sie genau wie “Los Violadores”, eine ihrer Vorbands, nicht mehr wegzudenken. Seit Jahren rocken sie ihr euphorisches argentinisches Publikum, so auch bei den fünf ausverkauften Konzerten bei der “Buenos Aires City Tour 2015” Mitte Mai in ihren Lieblingsclubs verteilt in der ganzen Stadt.

Mit Argentinien verbindet sie eine lange und tiefe Liebe. So schlendern die Musiker in ihrer Freizeit gerne durch die Stadt, essen köstliches argentinisches Steak oder schauen Fußball, auch wenn sie sich beim argentinischen Fußball neutral halten. Wie der Name der Kult-Band entstand und wieso Buenos Aires zu ihrer zweiten Heimat wurde, erzählt mir Bassist und Songwriter Andreas Meurer, der “Andi”, in einem Interview vor dem letzten Konzert im Groove.

hosen_andiFrage: Seit 1982 gibt es “Die Toten Hosen”, seit 1992 spielt ihr regelmäßig in Argentinien. Wie kam diese besondere Freundschaft zustande?

Andi: Tatsächlich war es so, dass ein Hosen-Fan und Freund von uns von der Arbeit aus nach Argentinien versetzt wurde. Der hat uns dann von der großartigen argentinischen Punkszene erzählt und gemeint, wir sollten dort auch mal spielen. Unsere Antwort war klar: “Wenn du uns die Flugtickets schickst, dann kommen wir.” Wir dachten natürlich nicht, dass er das tut. Aber die kamen dann tatsächlich. Und so kam unser erstes Konzert hierzulande zustande. Wir hatten ja keine Ahnung, was uns erwartet, gar nicht, aber es war schon ein großartiger erster Abend, was da alles abging… Seitdem spielten wir oft und gerne in Argentinien.

Frage: Seit über 30 Jahren tourt ihr um die Welt. Kann man sagen, dass sich das deutsche bzw. europäische vom argentinischen Publikum unterscheidet?

Andi: Da gibt es auf jeden Fall Unterschiede. In Buenos Aires zu spielen ist natürlich schon sehr aufregend. Dieses extrem euphorische Publikum hier mit seiner unglaublichen Leidenschaft fasziniert uns immer wieder aufs Neue. Vor allem die eigenen Lieder, die hier in Argentinien zwischendurch vom Publikum gesungen werden, das hat schon seinen ganz speziellen Reiz.

Frage: Gibt es ein bestimmtes Konzert, das euch ganz besonders nah ging?

Andi: Oh, gerade in Buenos Aires gibt es da eine Menge besonderer Konzerte, die uns in bester Erinnerung geblieben sind. Zum Beispiel im River-Stadion beim Abschiedskonzert der Ramones zusammen mit Attaque 77 und Iggy Pop, das Straßenkonzert auf der Rodríguez Peña, oder das Konzert im Museo, bei dem nach 20 Sekunden die Bühne eingebrochen ist (schmunzelt).

Frage: Was macht ihr Musiker vor den Konzerten, um abzuschalten und euch vorzubereiten? Gibt es ein spezielles Ritual?

Andi: Rituale darf man ja nicht verraten. In Deutschland oder in Europa ist es so, dass wir nicht ohne unsere Tischtennisplatte auf Tournee gehen. Wir spielen also praktisch vor den Shows Tischtennis (lächelt). Nach Argentinien haben wir sie jedoch nicht mitgenommen. Das war dann doch etwas zu schwierig, die im Flieger zu verstauen.

Frage: Woher kommt der Name “Die Toten Hosen”?

Andi (lacht): Darauf gibt es verschiedene Antworten. Welche willst du denn hören?

Frage: Die beste?

Andi: Als wir uns gegründet haben, war es klar, mit dem Namen konnten die Leute nicht ihr Geld zurückverlangen, weil wir so schlecht waren. Wir haben es ja vorher schon in unserem Namen gesagt, “Die Toten Hosen”.

Frage: Auf welches Album seid ihr besonders stolz?

Andi: Stolz ist das falsche Wort, finde ich. Aber natürlich gibt es Alben denen wir mehr Bedeutung schenken und die einen höheren Stellenwert für uns haben, wie zum Beispiel “Auswärtsspiel”, “Opium fürs Volk” oder “Palast der Republik”. Dann gibt es natürlich auch Alben wie “Damenwahl”, mit dem wir im Nachhinein nicht so zufrieden waren.

Frage: Was ist dein ganz persönlicher Lieblingssong?

Andi: Das wechselt bei mir. Es gibt eine Menge Lieder, die ich besonders gerne spiele.

Frage: Anfänglich noch als Vorband von weltberühmten Bands wie den Rolling Stones, U2 oder Green Day tätig, könnt ihr euch heute diesen Bands gleichstellen. Hättet ihr je gedacht, dass eure Band einmal so einen großen Erfolg feiern wird?

Andi: Natürlich nicht. Sowas kannst du auch in keiner Form planen. Wir sind natürlich froh, dass das alles passiert ist, aber es war ein reiner Glücksfall und das wissen wir auch zu würdigen (schmunzelt). Wie gesagt, am Anfang unserer Karriere hatten wir Angst, dass die Leute ihr Geld zurückverlangen würden.

Dann ist es soweit: Das Licht verdunkelt sich, die Gitarrentöne geben dem gut gelaunten Publikum zu verstehen, dass es jeden Augenblick losgehen wird, und die Musiker Campino, Andi, Breiti, Vom Ritchie und Kuddel springen auf die Bühne. Mit dem Lied “Bonnie und Clyde” beginnt im Groove das letzte Konzert im Rahmen der “Buenos Aires City Tour 2015” und es wird gerockt, was das Zeug hält. Manch einer aus der jubelnden Menge lässt sich bis vor die Bühne tragen, um seinen Idolen möglichst nah zu sein.

Die Band hält viele Überraschungen für ihre argentinischen Freunde bereit: Campinos Schwester Maria singt ein Duett mit ihm, Adriano Celentanos Klassiker “Azzurro” ertönt in herben Punkklängen genau wie “The Passenger” vom “Godfather of Punk” Iggy Pop. Der Höhepunkt ist jedoch, als sich Campino vom Balkon ins Publikum stürzt und sich von seinen Fans wieder zur Bühne tragen lässt, während er weiter ins Mikrofon kreischt. Für sein Rumtreiben auf der Bühne ist er ja bekannt, dieser Sprung ist jedoch mehr als gewagt. Auch Bassist Andi stürzt sich ins Publikumsmeer und rockt weiter auf seiner Bass-Gitarre. Eine Show der Superlative, die jeden einzelnen Peso wert war!

Das Publikum, welches perfekt zu den deutschen Liedern mitsingen konnte, war begeistert – und die Hosen auch, denn ans Aufhören wollten sie gar nicht denken. Die Zugaben konnte man schon nicht mehr zählen, bis dann nach zweieinhalb Stunden das letzte Lied gespielt wurde, ganz nach dem Motto der Hosen: Bis zum bitteren Ende! So dürfen wir uns wohl noch auf viele Konzerte freuen.

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(Fotos: Michaela Ehammer)

Ein Palast für die Kultur

“Centro Cultural Kirchner” in Buenos Aires eingeweiht

Von Marcus Christoph

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Personenkult auf Argentinisch: Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner weihte vor wenigen Tagen in Buenos Aires das größte Kulturzentrum Lateinamerikas ein, das den Namen der Präsidentenfamilie trägt. Das “Centro Cultural Kirchner” (Kirchner-Kulturzentrum) ist in den vergangenen sechs Jahren im umgestalteten ehemaligen Hauptpostamt entstanden. Auf einer Fläche von 116.000 Quadratmetern soll es ein Forum für Musik, Theater und Malerei sein. Es misst sich mit anderen großen Kulturzentren der Welt wie dem Centre Pompidou in Paris, dem Lincoln Center in New York, dem Barbican Centre in London oder dem Tokyo International Forum.

orgelHerzstück ist ein moderner Konzertsaal, der aufgrund seiner Form und Farbe “Ballena Azul” (Blauer Wal) genannt wird. Hier finden 1750 Zuschauer Platz. Der Raum wird dominiert von einer großen Orgel, die von der deutschen Firma Klais angefertigt wurde. In dem Saal wird das Nationale Symphonieorchester seinen Sitz haben. Ein weiterer Saal für Kammermusik mit einem Fassungsvermögen von 600 Personen befindet sich im Untergeschoss.

Architektonisch interessant ist auch der “Gran Lámpara” (Große Leuchte) genannte gläserne Bereich: Es handelt sich um eine Hängekonstruktion, die an der Decke befestigt ist und über dem großen Konzertsaal “schwebt”. Dort wird derzeit noch an Räumen gearbeitet, die für Kunstausstellungen aller Art genutzt werden können. Überhaupt wird auf vielen Etagen derzeit noch gebaut.

Insgesamt zählt das Kirchner-Kulturzentrum mehr als 40 Säle und Räume für verschiedenste kulturelle Zwecke. “Es gibt Kunst in allen Facetten”, erläuterte Kulturministerin Teresa Parodi. Alle Veranstaltungen seien für die Bürger kostenfrei, unterstrich die berühmte Sängerin. Denn: “Die Kultur gehört dem Volk.”

Die Idee zu dem Kulturzentrum stammt vom damaligen Präsidenten Néstor Kirchner, der vor gut zehn Jahren einen Wettbewerb zur Renovierung und Umgestaltung des monumentalen Gebäudes in Hafennähe initiierte. Damals stand der 1928 eingeweihte Bau bereits einige Jahre leer, da die Post ihn nicht mehr benötigte.

Es dauerte bis 2009, ehe der Wettbewerb abgeschlossen war und mit den Arbeiten begonnen werden konnte. Ursprünglich war geplant, das entstehende Kulturzentrum anlässlich der 200 Jahr-Feier Argentiniens im Jahr 2010 “Centro Cultural del Bicentenario” zu nennen. Doch 2012 beschloss der Kongress, dem Komplex den Namen des zwei Jahre zuvor verstorbenen Néstor Kirchner zu geben.

k-saalDem Namensgeber ist auch ein eigener Raum gewidmet, in dem persönliche Erinnerungen an den Ex-Präsidenten sowie ein Landschaftspanorama aus Kirchners patagonischer Heimat zu sehen sind. Gekrönt wird das Gebäude von einer Glaskuppel, von der aus man einen beeindruckenden Blick über das Hafenviertel und den Río de la Plata hat.

Die Kosten für das Kulturzentrum betrugen nach Angaben von Planungsminister Julio de Vido 2,1 Milliarden Pesos. Das Projekt zeige, welche Bedeutung die Kultur im zurückliegenden Jahrzehnt gewonnen habe, so der Minister. Ziel sei es, dass das Gebäude jeden Tag voller Menschen sei. Der Kulturpalast sei für das ganze Volk bestimmt, meinte De Vido, der ein langjähriger politischer Weggefährte der Kirchners ist.

Fotos von oben nach unten:

Die Kuppel.

Der “Ballena Azul” genannte Konzertsaal mit der von einer deutschen Firma hergestellten Orgel.

Der Kirchner-Raum.
(Fotos: Marcus Christoph)

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Ausstellungskalender vom 23/05/2015

Von Susanne Franz

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Vor wenigen Tagen wurde in Buenos Aires das spektakuläre Kulturzentrum “Centro Cultural Néstor Kirchner” eingeweiht. Der umgebaute alte Postpalast an der Sarmiento 151 in Buenos Aires kann vom Publikum freitags, samstags und sonntags von 14 bis 24 Uhr besucht werden, Führungen finden von 14 bis 17.30 Uhr alle halbe Stunde statt.

Am Dienstag, dem 26. Mai, wird von 14 bis 20 Uhr die Ausstellung “Cuídese mucho” der französischen Künstlerin Sophie Calle eröffnet, die bis zum 23. August zu sehen sein wird.

Weitere Informationen erhält man auf der Webseite des Kulturzentrums oder telefonisch, täglich von 10 bis 24 Uhr, unter der Gratisnummer 0800-333-9300.

Die Ausstellungen der Woche:

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Agenda de Muestras del 23/05/2015

Por Susanne Franz

CUPULA CCK
Hace pocos días se inauguró el Centro Cultural Néstor Kirchner (Sarmiento 151, Buenos Aires), que estará abierto al público los viernes, sábados y domingos de 14 a 24 horas con visitas guiadas de 14 a 17.30 horas, cada treinta minutos.

El martes 26 se inaugurará, de 14 a 20 horas, la muestra “Cuídese mucho” de la artista francesa Sophie Calle que estará abierta hasta el 23 de agosto.

Más info en el sitio oficial o telefónicamente todos los días, de 10 a 24 horas, al 0800 333 9300.

Las muestras de la semana:

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An ihm kam so gut wie keiner vorbei

Sichtweisen auf Picasso in den Hamburger Deichtorhallen

Von Nicole Büsing und Heiko Klaas

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Nicht überall, wo Picasso draufsteht, ist auch Picasso drin. Zumindest wer nach Originalen des spanischen Malgenies sucht, wird in der Ausstellung “Picasso in der Kunst der Gegenwart”, mit der die Hamburger Deichtorhallen jetzt nach rund anderthalbjähriger Bauzeit ihre frisch renovierte Nordhalle wiedereröffnen, nicht fündig werden. Über 200 Werke von rund 90 internationalen Künstlern versammelt die facettenreiche Schau, in der Picasso bejubelt, verehrt, kopiert, ironisiert, seziert und zur Strecke gebracht wird. „Es ist die komplexeste Ausstellung in der 25-jährigen Geschichte der Deichtorhallen“, schwärmt Intendant Dirk Luckow.

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“Die Ausstellung zeigt die Einflüsse des Weltstars Picasso auf zeitgenössische Künstler in den unterschiedlichsten Formen von der malerischen und der klischeehaften Aneignung bis zu monumentalen Guernica-Interpretationen von sechs bekannten Künstlern”, so Luckow. Offensichtlich schöpften die Künstler aus der Begegnung mit Picasso Kraft. Nicht Ohnmacht befalle sie, sondern er scheine sie noch anzustacheln. Ob Brassaïs fotografische Erkundungen im Pariser Atelier, Martin Kippenbergers ironische Selbstporträts eines Malerstars in Unterhose oder Roy Lichtensteins gemalte Atelierszene “Reflections on ‚The Artist’s Studio‘”, in der er sich auf eine Serie von Atelierbildern der 1920er Jahre bezieht. Die Zeitgenossen Picassos in den 1930er Jahren, aber auch Künstler von heute arbeiten sich am Genius Picasso ab, zum Beispiel indem sie seinen kubistischen Stil affirmativ kopieren wie etwa der New Yorker Maler George Condo oder ihn ins Medium Fotografie übersetzen wie der Londoner John Stezaker in seinen Gesichter deformierenden Fotocollagen.

Offenbar löst die Über-Präsenz Picassos bei vielen Künstlern den Impuls aus, sich mit ihm zu messen. Vor allem das 1937 entstandene Monumentalgemälde “Guernica” wird immer wieder zum Anlass genommen, darauf zu reagieren. Der Berliner Thomas Zipp etwa malte eine düstere, ganz menschenleere Version des anklagenden Friedensgemäldes. Und der New Yorker Robert Longo hat eigens für die Hamburger Ausstellung eine Kohlezeichnung mit dem Titel “Guernica Redacted (After Picasso, Guernica, 1937)” in den Abmessungen des Originals angefertigt. Was auf den ersten Blick vertraut wirkt, ist jedoch das Ergebnis radikaler Eingriffe. Longo hat die Vorlage zunächst vollkommen dekonstruiert. Danach hat er einzelne Figuren wieder in das Bild eingefügt, andere aber durch schwarze Leerstellen ersetzt, um so die Bildaussage noch stärker zu fokussieren.

Sando Miller: "Irving Penn / Pablo Picasso, Cannes, France (1957Ein anderes Schlüsselwerk, an dem sich viele Künstler der Schau abarbeiten, ist “Les Demoiselles d’Avignon” von 1907, Picassos erstes kubistisches Bild, das nach Vorlagen von Rubens und El Greco entstanden ist. Ganz direkt und profan bezieht sich der 2010 verstorbene Sigmar Polke darauf. Polke zeigt sechs, nur mit Dessous und High Heels bekleidete junge Prostituierte. Der Brite Patrick Caulfield wiederum erwies dem Bild eine Hommage, indem er die von Picasso gemalte Szene in Rückenansicht darstellt, so, als hätte ein Betrachter Picasso beim Malen beobachtet.

In Hamburg zu sehen ist auch ein Picasso-Kostüm, das der schalkhafte italienische Künstler Maurizio Cattelan in Anlehnung an Maskottchen, wie sie in Disneyland und anderen Freizeitparks herumlaufen, entworfen hat. Cattelan ließ einen Schauspieler auf dem Bürgersteig vor dem New Yorker Museum of Modern Art in diesem Kostüm auftreten. Dieser gab Autogramme und ließ sich mit den Besuchern fotografieren. Gänzlich respektlos dann die Annäherung des 1934 geborenen New Yorker Malers Peter Saul. Dieser treibt Picassos Methode der kubistischen Formzerlegung von bevorzugt weiblichen Gesichtern derart auf die Spitze, dass nur noch eine hässliche, sabbernde Fratze im Stil des US-Satiremagazins Mad übrig bleibt. Insgesamt eine sehr sehenswerte Schau, die jedoch noch fokussierter ausgefallen wäre, wenn sie auf die streckenweise dann doch ermüdende enzyklopädische Vollständigkeit verzichtet hätte.

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Info:

  • Ausstellung: Picasso in der Kunst der Gegenwart
  • Ort: Deichtorhallen Hamburg. Halle für aktuelle Kunst
  • Zeit: 1. April bis 10. Juli 2015
  • Katalog: Snoeck Verlag, 408 S., zahlreiche Abb., in dt. und engl. Sprache, 48 Euro
  • Internet

Fotos von oben nach unten:

Maurizio Cattelan, “Untitled (Picasso)”, 2000.
(Klaas)

Marcin Maciejowski, “Picassos Boy”.
(Maciejowski)

Sandro Miller, “Irving Penn / Pablo Picasso, Cannes, France (1957)”, 2014.
(Miller)

Chéri Samba, “Quel avenir pour notre art?” (What Future for Our Art?), 1997.
(Samba)