Argentinische Dokus in Berlin

Vorführung der argentinischen Dokumentarfilmreihe “Domingos de Enero”

la_musica_callada
4.1.2015, 16.30 Uhr: “En la puna” (ARG 2013, Regie: Lucas Riselli, 78 Min.) in spanischer Originalversion ohne Untertitel. Trailer.

11.1.2015, 16.30 Uhr: “Años de calle” (ARG 2013, Regie: Alejandra Grinschpun, 74 Min.) in spanischer Originalversion mit englischen Untertiteln. Trailer.

18.1.2015, 16.30 Uhr: “La casa” (ARG 2012, Regie: Gustavo Fontán, 62 Min.) in spanischer Originalversion mit englischen Untertiteln. Trailer.

25.1.2015, 16.30 Uhr: “La música callada” (ARG 2012, Regie: Fernando Boto, 61 Min.) in spanischer Originalversion mit englischen Untertiteln.

Vorführungsort: GLORIA BAR, Görlitzer Str. 42, 10997 Berlin-Kreuzberg (U-1-Bhf./U-3-Bhf. Schlesisches Tor). Tel.: (030) 4978-1543. Eintritt frei.

Foto:

Szene aus “La música callada”.

Im Westen was Neues

Fotoinstitution C|O Berlin findet neues Zuhause im Amerika Haus

Von Nicole Büsing und Heiko Klaas

CO_Berlin1
Das Berliner Amerika Haus in der Hardenbergstraße, nur einen Steinwurf vom Bahnhof Zoo entfernt, ist ein symbolkräftiger Ort. Errichtet im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1957 von dem Berliner Architekten Bruno Grimmek im Auftrag der United States Information Agency, hatte es jahrzehntelang nur eine Aufgabe: Die Deutschen mit Hilfe von Ausstellungen, Konzerten, Filmabenden und einer umfangreichen Bibliothek mit Lesesaal mit der amerikanischen Kultur bekannt zu machen. 2006 wurde es geschlossen und dem Land Berlin übereignet.

CO_Berlin10Das lichte Gebäude mit seiner modern gestalteten Mosaikfassade hätte wohl noch lange leer gestanden, wenn nicht die Fotoinstitution C|O Berlin, die seit dem Jahr 2000 im ehemaligen Postfuhramt in Berlin-Mitte residierte und dort mit Ausstellungen renommierter Starfotografen und junger Talente Jahr für Jahr mehr als 100.000 Besucher anzog, 2012 ihren Mietvertrag verloren hätte.

Auf der Suche nach einem neuen Standort stießen die Macher von C|O Berlin auf das Amerika Haus und folgen damit einem Trend, der seit einigen Jahren in der deutschen Hauptstadt zu beobachten ist: die Renaissance des alten West-Berlin. Gleich um die Ecke wurden denkmalgeschützte Gebäude wie das Premierenkino Zoo Palast und der Geschäfts- und Bürokomplex Bikini-Haus in den letzten Monaten mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail wiedereröffnet. Jetzt also auch das Amerika Haus.

Das Architektenteam stand vor keiner leichten Aufgabe. Durch zahlreiche Um- und Einbauten, abgehängte Decken und unansehnliche Bodenbeläge war das ursprüngliche Flair der filigranen 1950er-Jahre-Architektur verloren gegangen. Jetzt – nach fast zwei Jahren Bauzeit – wirkt der Komplex wieder licht und transparent wie am ersten Tag. Was man auf den ersten Blick nicht sieht, ist der technische Aufwand, der betrieben werden musste, um einen zeitgemäßen Museumsbetrieb zu garantieren, der auch anspruchsvollste internationale Leihgeber überzeugt. Brandschutz, Klima- und Sicherungstechnik sind auf dem neuesten Stand. Mit 2300 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist C|O Berlin jetzt sogar noch rund 20 Prozent größer als am alten Ort.

Zum Einstand zeigt das als gemeinnützige Stiftung geführte Ausstellungshaus gleich vier Ausstellungen. Als Hommage an den Geist des Ortes darf die Schau „Ich war verliebt in diese Stadt“ mit 100 zwischen 1956 und 1963 entstandenen Aufnahmen des 1931 geborenen amerikanischen Fotografen Will McBride verstanden werden. Seine Fotografien zeigen Trümmerfrauen und Kriegsversehrte ebenso wie das neue Lebensgefühl einer von der Schwere der NS-Zeit befreiten lebenslustigen Jugend.

USA. New York City. 1957. A Llama in Time Square.
Die zweite große Eröffnungsschau „Magnum. Contact Sheets. The Photographer’s Choice“ widmet sich den mit Markierungen und Notizen versehenen Original-Kontaktbögen und damit einem fotohistorischen Roh- und Quellenmaterial, das im Zeitalter der Digitalfotografie obsolet geworden ist. Ikonische Bilder von weltberühmten Fotografen wie Robert Capa, Elliott Erwitt, Marc Riboud oder Thomas Hoepker werden im Kontext jener Aufnahmen präsentiert, die unmittelbar davor und danach entstanden sind aber wieder verworfen wurden. Der Betrachter wird hier zum unmittelbaren Zeugen des kreativen Auswahlprozesses im Fotolabor.

Eine kleinere Ausstellung zur Ästhetik des Fotoautomaten und eine Werkschau der 32-jährigen Leipziger Newcomerin Luise Schröder runden das ebenso vielfältige wie gelungene Eröffnungsprogramm ab.

  • Neueröffnung: C/O Berlin im Amerika Haus
  • Ort: Berlin, Hardenbergstraße 22-24
  • Zeit: 31. Oktober 2014 bis 16. Januar 2015. Täglich 11-20 Uhr
  • Kataloge:Magnum Contact Sheets/Kontaktbögen, Schirmer/Mosel Verlag, 524 S., 49,80 Euro
    Will McBride, Berlin im Aufbruch, Lehmstedt Verlag, 168 S., 29,90 Euro
  • Internet

Fotos von oben nach unten:
C|O Berlin: Flaschenspiele im Strandbad Wannsee, 1958.
(© Will McBride)

C|O Berlin: Außenaufnahme Amerikahaus.
(© David von Becker)

C|O Berlin: Magnum Contact Sheets: Inge Morath, A Llama in Times Square, New York, USA, 1957.
(Foto: Magnum Photos)

Bonus Track: Werner Herzog

Ab heute Gratis-Filmzyklus im Palais de Glace

wild_blue
Am heutigen Freitag, dem 19.12., beginnt im Palais de Glace (Posadas 1725, Buenos Aires) mit Unterstützung des Goethe-Instituts Buenos Aires eine Reihe mit Filmen von Werner Herzog. Bis zum 28. Dezember werden jeweils freitags, samstags und sonntags um 19 Uhr Werke des berühmten deutschen Filmemachers zu sehen sein. Der Eintritt ist frei.

Schon im Juli und August war im “Kino Palais” mit großem Erfolg ein Herzog-Filmzyklus gezeigt worden. Der jetzt anlaufende “Bonus Track” umfasst Kino- und Fernsehdokumentationen, filmische Essays und zwei der bekanntesten Kinofilme Herzogs.

Programm:

19.12., 19 Uhr: “El diamante blanco” (The White Diamond) – Deutschland 2004. 88 Min.
Der englische Luftfahrt-Ingenieur Dr. Graham Dorrington hat sich von einer schweren Tragödie, die sich 10 Jahre zuvor ereignete, immer noch nicht wirklich erholt. Er konstruierte für den deutschen Tier- und Naturfilmer Dieter Plage ein Luftschiff namens White Diamond, mit dem dieser im Dschungel von Sumatra spektakuläre Impressionen auf luftigen Höhen sammeln wollte. Doch das Gefährt verfing sich in den Baumkronen und brach auseinander. Plage stürzte 50 Meter in die Tiefe und erlag später seinen Verletzungen. Herzog brachte den traumatisierten Konstrukteur dazu, ein neues Luftschiff zu bauen, mit dem der Filmemacher über die Baumwipfel des Dschungels in Guyana schweben und Bilder sammeln kann.

20.12., 19 Uhr: “La salvaje y azul lejanía” (The Wild Blue Yonder) – D 2005. 81 Min.
Science-Fiction-Film: Aliens, die selbst auf der Suche nach einem neuen Lebensraum sind, finden eine unbewohnbar gewordene Erde.

21.12., 19 Uhr: “Herakles” – D 1962. 10 Min.
Der erste und kürzeste Film des damals 20-jährigen Herzog über 6 der 12 Aufgaben des Herakles.
“La Soufrière” – D 1976. 30 Min.
1976 verlassen fast alle die Karibikinsel Guadalupe, auf der sich ein Vulkanausbruch ereignen soll. Herzog und seine Crew bleiben, um die Katastrophe – die ausbleibt – zu filmen. Und sie treffen andere, die geblieben sind, auch wenn dies ihren Tod hätte bedeuten können.
“Fata Morgana” – D1970. 79 Min.
Poetisch-surrealistische Reise durch Afrika.

27.12., 19 Uhr: “Aguirre, la ira de Dios” (Aguirre, der Zorn Gottes) – D 1972. 93 Min.
Eine Expedition spanischer Konquistadoren versucht El Dorado, die Stadt aus purem Gold, ausfindig zu machen. Die Gier nach dem Gold treibt sie, nach einer von Don Lope de Aguirre angeführten Meuterei, immer weiter ins unbarmherzige Urwald-Dickicht.

28.12., 19 Uhr: “Fitzcarraldo” – D 1981. 158 Min.
Iquitos um 1900: Nach einem gescheiterten Eisenbahnprojekt plant Brian Sweeney Fitzgerald, genannt Fitzcarraldo, bereits seinen nächsten Coup. Mitten im Urwald will er ein Opernhaus errichten.

Foto:
“The Wild Blue Yonder” – Herzogs Science-Fiction-Film von 2005.

Im Westen was Neues

Fotoinstitution C|O Berlin findet neues Zuhause im Amerika Haus

Von Nicole Büsing und Heiko Klaas

CO_Berlin1
Das Berliner Amerika Haus in der Hardenbergstraße, nur einen Steinwurf vom Bahnhof Zoo entfernt, ist ein symbolkräftiger Ort. Errichtet im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1957 von dem Berliner Architekten Bruno Grimmek im Auftrag der United States Information Agency, hatte es jahrzehntelang nur eine Aufgabe: Die Deutschen mit Hilfe von Ausstellungen, Konzerten, Filmabenden und einer umfangreichen Bibliothek mit Lesesaal mit der amerikanischen Kultur bekannt zu machen. 2006 wurde es geschlossen und dem Land Berlin übereignet.

CO_Berlin10Das lichte Gebäude mit seiner modern gestalteten Mosaikfassade hätte wohl noch lange leer gestanden, wenn nicht die Fotoinstitution C|O Berlin, die seit dem Jahr 2000 im ehemaligen Postfuhramt in Berlin-Mitte residierte und dort mit Ausstellungen renommierter Starfotografen und junger Talente Jahr für Jahr mehr als 100.000 Besucher anzog, 2012 ihren Mietvertrag verloren hätte.

Auf der Suche nach einem neuen Standort stießen die Macher von C|O Berlin auf das Amerika Haus und folgen damit einem Trend, der seit einigen Jahren in der deutschen Hauptstadt zu beobachten ist: die Renaissance des alten West-Berlin. Gleich um die Ecke wurden denkmalgeschützte Gebäude wie das Premierenkino Zoo Palast und der Geschäfts- und Bürokomplex Bikini-Haus in den letzten Monaten mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail wiedereröffnet. Jetzt also auch das Amerika Haus.

Das Architektenteam stand vor keiner leichten Aufgabe. Durch zahlreiche Um- und Einbauten, abgehängte Decken und unansehnliche Bodenbeläge war das ursprüngliche Flair der filigranen 1950er-Jahre-Architektur verloren gegangen. Jetzt – nach fast zwei Jahren Bauzeit – wirkt der Komplex wieder licht und transparent wie am ersten Tag. Was man auf den ersten Blick nicht sieht, ist der technische Aufwand, der betrieben werden musste, um einen zeitgemäßen Museumsbetrieb zu garantieren, der auch anspruchsvollste internationale Leihgeber überzeugt. Brandschutz, Klima- und Sicherungstechnik sind auf dem neuesten Stand. Mit 2300 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist C|O Berlin jetzt sogar noch rund 20 Prozent größer als am alten Ort.

Zum Einstand zeigt das als gemeinnützige Stiftung geführte Ausstellungshaus gleich vier Ausstellungen. Als Hommage an den Geist des Ortes darf die Schau „Ich war verliebt in diese Stadt“ mit 100 zwischen 1956 und 1963 entstandenen Aufnahmen des 1931 geborenen amerikanischen Fotografen Will McBride verstanden werden. Seine Fotografien zeigen Trümmerfrauen und Kriegsversehrte ebenso wie das neue Lebensgefühl einer von der Schwere der NS-Zeit befreiten lebenslustigen Jugend.

USA. New York City. 1957. A Llama in Time Square.
Die zweite große Eröffnungsschau „Magnum. Contact Sheets. The Photographer’s Choice“ widmet sich den mit Markierungen und Notizen versehenen Original-Kontaktbögen und damit einem fotohistorischen Roh- und Quellenmaterial, das im Zeitalter der Digitalfotografie obsolet geworden ist. Ikonische Bilder von weltberühmten Fotografen wie Robert Capa, Elliott Erwitt, Marc Riboud oder Thomas Hoepker werden im Kontext jener Aufnahmen präsentiert, die unmittelbar davor und danach entstanden sind aber wieder verworfen wurden. Der Betrachter wird hier zum unmittelbaren Zeugen des kreativen Auswahlprozesses im Fotolabor.

Eine kleinere Ausstellung zur Ästhetik des Fotoautomaten und eine Werkschau der 32-jährigen Leipziger Newcomerin Luise Schröder runden das ebenso vielfältige wie gelungene Eröffnungsprogramm ab.

  • Neueröffnung: C/O Berlin im Amerika Haus
  • Ort: Berlin, Hardenbergstraße 22-24
  • Zeit: 31. Oktober 2014 bis 16. Januar 2015. Täglich 11-20 Uhr
  • Kataloge:Magnum Contact Sheets/Kontaktbögen, Schirmer/Mosel Verlag, 524 S., 49,80 Euro
    Will McBride, Berlin im Aufbruch, Lehmstedt Verlag, 168 S., 29,90 Euro
  • Internet

Fotos von oben nach unten:
C|O Berlin: Flaschenspiele im Strandbad Wannsee, 1958.
(© Will McBride)

C|O Berlin: Außenaufnahme Amerikahaus.
(© David von Becker)

C|O Berlin: Magnum Contact Sheets: Inge Morath, A Llama in Times Square, New York, USA, 1957.
(Foto: Magnum Photos)

Martí­n Blaszko-Doku in Berlin

Heute im 18m-Salon “Martín Blaszko III”

blaszkoIm 18m-Salon in Berlin wird am heutigen 18. Dezember ein Dokumentarfilm über Martín Blaszko, einen der wichtigsten argentinischen Bildhauer des 20./21. Jahrhunderts, gezeigt, der, in Berlin geboren, 1939 mit seiner jüdischen Familie Deutschland verlassen hatte. 1952 wurde er für sein Werk “Monument für einen unbekannten politischen Gefangenen”, das in der Tate Gallery London ausgestellt wurde, ausgezeichnet. Im selben Jahr repräsentierte er Argentinien auf der Biennale von Sao Paolo, kuratiert von Julio E. Payró.

Der Film gibt gleichermaßen Einblick in sein Werk wie in seine Künstlerpersönlichkeit. Nach Vorführung des Films (der Teil III einer Trilogie ist) wird es die Möglichkeit geben, dem Regisseur des Films, Ignacio Masllorens, via Skype Fragen zu stellen, Dafne Narvaez wird das Gespräch moderieren. Der Film ist in spanischer Sprache mit englischen Untertiteln.

Martín Blaszko (1920 in Berlin geboren, 2011 in Buenos Aires gestorben) war einer der Gründer der Gruppe Madí und wird als einer der wichtigsten Repräsentanten der abstrakten Geometrie Lateinamerikas bezeichnet. Der Dokumentarfilm, der die Vorbereitungen und Aufbauarbeiten zu einer Ausstellung zeigt, die die letzte sein sollte, die er selbst erlebte, ist Teil einer Trilogie über sein Werk.

Als besonderes Extra wird außerdem ein experimenteller Kurzfilm gezeigt, den der Bildhauer selbst gedreht hat: “Vom Punkt zur Form” (s/w-Film, “Del punto a la forma”, ca. 1954) und der in Vergessenheit geraten war, bis Ignacio Masllorens ihn im Zusammenhang mit der Recherche zu seinem Dokumentarfilm ans Licht holte. Blaszko verwendet bewegte Bilder und spielt mit Perspektiven, um von Gesetzen der Geometrie und anderen Aspekten zu sprechen, die für sein Werk wichtig sind. Momentweise erinnern die schlichten Bildkompositionen in ihrer Eleganz an experimentelle Filme eines Walter Ruttman oder Hans Richter. Die dem Film unterlegte Musik stammt von seinem in Paris lebenden Enkel Ary Carpman.

  • 18m-Salon
  • Akazienstraße 30, 2. OG
  • 10823 Berlin-Schöneberg
  • Einlass ab 18 Uhr, Beginn 18.30 Uhr
  • Eintritt frei

Info en castellano aquí.

Binden, Trennen. Kaufen, Verkaufen.

“Trust” von Falk Richter in Buenos Aires

trustIn “Trust” von Falk Richter werden die unsicher gewordenen Grundlagen und Mechanismen menschlicher Bindungen vor dem Hintergrund gegenwärtiger Krisen untersucht. Beziehungen entstehen und zerfallen in immer kürzeren Zeiträumen, sie werden zu einer Ressource im verschärften Wettbewerb. Binden, Trennen. Kaufen, Verkaufen. Befragt wird ein Menschenbild, das in den letzten Jahren die moderne Individualisierung radikal verschärft und Ungebundenheit als Ideal gefeiert hat.

Die Uraufführung von “Trust” fand 2009 unter der Regie und Choreografie von Falk Richter und Anouk van Dijk in der Schaubühne in Berlin statt. Das Stück wird bis heute in Deutschland sowie in anderen Ländern aufgeführt. Vom 11. bis zum 16. Dezember ist “Trust” in Buenos Aires im Centro de Experimentación des Teatro Colón (CETC) unter der Regie von Pablo Maritano und der musikalischen Leitung von Santiago Blaum zu sehen.

Falk Richter, geboren 1969 in Hamburg, studierte Schauspielregie an der Universität Hamburg und lieferte 1996 mit seiner Inszenierung “Silikon” von Gerardjan Rijnders ein “furioses Regie-Debüt” (Der Spiegel). Es folgten Inszenierungen eigener und anderer Stücke in Frankfurt, Hamburg, Berlin, Düsseldorf, in der Schweiz, Holland, Österreich und den USA. Sein Stück “Gott ist ein DJ” wurde in 10 Sprachen übersetzt und wird seit seiner Uraufführung 1999 an zahlreichen Bühnen im In- und Ausland gespielt.

“Trust” ist eine Produktion des CETC, der “Bienal Arte Joven Buenos Aires” und des Goethe-Instituts Buenos Aires. Die Arten kosten 70 bzw. ermäßigt 35 Pesos.

Verborgene Seiten: Dokus über Schriftsteller

Heute im Kinozyklus “El escritor oculto”: “After Sebald”

escritoroculto
Am 3. Dezember begann im Malba mit “René Char, nombre de guerra Alejandro” von Jérôme Prieur (2011) der dritte Filmzyklus “El escritor oculto” (Der verborgene Schriftsteller) mit drei Dokumentationen über herausragende Persönlichkeiten der europäischen Literatur (René Char, W. G. Max Sebald und James Joyce), aus der Sicht junger Filmemacher. Der Eintritt ist frei, Einlassbegrenzung ist die Kapazität des Saales.

Am heutigen Mittwoch wird um 20 Uhr “Patience (After Sebald)” von Grant Gee (2011) gezeigt, ein vielschichtiges, filmisches Essay über Landschaft, Kunst, Geschichte, Leben und Verlust. Der Dokumentarfilm ist eine Auseinandersetzung mit dem Werk und Wirken des deutschen Schriftstellers W. G. Sebald (1944-2001), angelehnt an sein Werk “Die Ringe des Saturn. Eine englische Wallfahrt” von 1995.

“Patience (After Sebald)” – Großbritannien 2011. 82 Min. Englisch mit Untertiteln. Regie: Grant Gee. Mit Jonathan Pryce.

Kommenden Mittwoch, 17.12., endet der Zyklus “El escritor oculto” mit “The Joycean Society” von Dora García (2013).

Robert Lippok in Argentinien

Architekt der deutschen Elektronik in der Usina del Arte

lippok3Der deutsche Musiker und bildende Künstler Robert Lippok tritt am Samstag bei freiem Eintritt im Vorfeld des roBOt Festivals Buenos Aires in der Usina del Arte auf. Partner des roBOt Festivals sind das Goethe-Institut, Alma Mater Studiorum Università di Bologna – Vertretung Argentinien und Usina del Arte. Auf Einladung des Goethe-Instituts tritt in diesem Rahmen der deutsche Musiker und bildende Künstler Robert Lippok zum ersten Mal in Argentinien auf und beteiligt sich dabei an drei Veranstaltungen: Ein Workshop, ein öffentliches Gespräch und ein Konzert.

Die Veranstaltungen finden am 6. Dezember im Vorfeld des Festivals statt, das im nächsten Herbst in Buenos Aires in der Usina del Arte geplant ist. Das Programm orientiert sich an der Originalausgabe dieses legendären, italienischen Festivals in verschiedenen Sektionen und gestaltet seine nächste Ausgabe in Buenos Aires nach dessen Vorbild in Modulen: Musik-Live-Sets, Workshops, Videoinstallationen und Dokumentarfilmvorführungen. All dies vor dem thematischen Hintergrund des Festivals, das sich um den Schwerpunkt Digitales Gedächtnis und das relative Vermögen der Beeinflussung unserer Gedächtnisse dreht: #lostmemories.

Programm:

  • Installationen der Call4roBOt-Projekte, Italien
  • 16 Uhr: “Ableton & Production techniques and tool”, Workshop unter der Leitung von Mariano Trocca (Argentinien) + Robert Lippok (Deutschland)
  • Ab 17 Uhr und bis Ende: Área Bar mit DJs
  • 18 Uhr: Kurzfilmvorstellung des roBOt Festivals, Auswahl aus verschiedenen europäischen Festivaleditionen
  • 18.30 Uhr: Matias Sundblad live set
  • 19.30 Uhr: Melmann + Lucas DM (Visuals), Performance des Künstlers Nicolás Melmann
  • 20.30 Uhr: Öffentliches Gespräch mit Robert Lippok und Pablo Schanton
  • 21.30 Uhr: Konzert Robert Lippok “Redsupermotorfader”

Weitere Informationen auf der Webseite des Goethe-Instituts Buenos Aires.

Wunderkind? Nichts für Mädchen!

Neu im Kino: Nannerl, die Schwester Mozarts

nannerl
Maria Anna “Nannerl” Mozart (Marie Féret) ist die fünf Jahre ältere Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart (David Moreau) und genauso wie er ein musikalisches Wunderkind. Ursprünglich war sie die, die auf der Bühne spielte, jedoch gab sie für ihren jüngeren Bruder den Weg als Hauptattraktion frei. Ihr strenger, aber doch liebender Vater Leopold (Marc Barbé) reist mit seinem talentierten Nachwuchs während der Vorzeit zur Französischen Revolution durch die königlichen Fürstenhöfe. Als Nannerl sich dem heiratsfähigen Alter nähert und ihr nun verboten ist, Violine zu spielen oder zu komponieren, beginnt sie, zu rebellieren. Die Freundschaft mit dem Sohn und der Tochter von Louis XV offenbart eine Alternative.

“Nannerl, la hermana de Mozart” (Nannerl, la soeur de Mozart) – Frankreich 2010. 115 Min. Drama ohne Altersbeschränkung. Französisch mit Untertiteln. Regie: René Féret. Mit Marie Féret, Marc Barbé, David Moreau.

Das Rezept der Unsterblichkeit

Quinos Mafalda wird 50 und ist so aktuell wie nie

Von Jannik Jürgens

mafalda
Vor 50 Jahren geboren und seitdem unsterblich: Mafalda. Das von Quino gezeichnete Mädchen weist mit viel Witz auf die Probleme der argentinischen Gesellschaft hin. Obwohl Quino, der mit bürgerlichem Namen Joaquín Salvador Lavado Tejón heißt, bereits 1973 aufgehört hat, Malfalda zu zeichnen, ist der Comic heute weltberühmt und brandaktuell. Was ist das Rezept für Mafaldas Unsterblichkeit?

Die Ausstellung “Mafalda en su sopa” in der Nationalbilbliothek in Recoleta geht dem Mafalda-Mythos auf den Grund. Von den Anfängen bis in die Gegenwart zeichnet die Ausstellung den Weg von Mafalda nach. Ihre Beliebtheit hat Mafalda der Genialität Quinos zu verdanken. “Leser ganz verschiedenen Alters und mit verschiedenen Hintergründen erkennen sich in Mafalda wieder. Das macht sie als Comic-Figur so einzigartig”, schreibt die Autorin Judith Gociol im Katalog der Ausstellung.

In erster Linie identifiziert sich die argentinische Mittelklasse mit Mafalda. Die Historikerin Isabella Cosse nennt dafür drei Gründe. “Erstens beschreibt Mafalda aus ihrer kindlichen Perspektive ganz genau die Widersprüche einer Gesellschaft, die sich verändert. Zweitens macht Mafalda auf den großen Unterschied zwischen der Realität und dem Idealbild, das die Mittelschicht von sich selbst hat, aufmerksam”, sagt Cosse. Drittens sorgt Mafaldas Witz in einer Gesellschaft, die sich durch alltägliche Gewalt bedroht fühlt, für so etwas wieSicherheit, sagt Cosse.

Paradoxerweise hat die Tatsache, dass Quino 1973 aufgehört hat, Malfalda zu zeichnen, zu ihrer Unsterblichkeit beigetragen. Der Perfektionist stellte fest, dass seine Cartoons sich wiederholten. Er wurde seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Anstatt um jeden Preis weiterzumachen, hörte er auf dem Gipfel seiner Popularität einfach auf. Und sorgte damit dafür, dass sein Werk einfach verdammt gut blieb.

Der Militärdiktatur waren Quinos kritische und engagierte Comics ein Dorn im Auge. Wer, wie Mafalda, wütend Unrecht anprangerte, machte sich in einem Unrechtsstaat viele Feinde. Aber genau deswegen ist Mafalda so beliebt. In der Ära Menem wurde Mafalda aus einer anderen Perspektive gelesen. Das kleine, altkluge Schulmädchen war Balsam auf die vom Neoliberalismus geschundene argentinische Seele. Heute ist Mafalda aktuell, wenn sie Umweltverschmutzung und Politiker-Kauderwelsch anprangert.

Bleibt nur noch die Frage, warum Mafalda partout keine Suppe mag. Die Comic-Experten sind sich uneins. Interpretationen gehen von “weil Suppe dick macht” bis hin zur Suppe als Symbol für den Krieg und das Unrecht auf der Welt. Quino selbst sagte in einem Interview mit Público.es, dass die Suppe alle Zwänge repräsentiere, die der Gesellschaft auferlegt werden. Damit meinte der Zeichner die Militärdiktaturen, die die Argentinier in den 60er und 70er Jahren “schlucken mussten”.

Die Ausstellung in der Nationalbibliothek (Agüero 2502) ist nur noch dieses Wochenende zu sehen. Am Freitag von 9 bis 21 Uhr und am Samstag und Sonntag von 12 bis 19 Uhr.

Süße Verlockungen aus Deutschland

Am langen Wochenende werden die “Días de la Pastelería Alemana” gefeiert

Von Susanne Franz

pasteleria_alemana2
“In der langen Geschichte der Deutschen Botschaft in Buenos Aires ist dieser ganz gewiss der süßeste Tag”, sagte Bernhard Graf von Waldersee, der deutsche Botschafter und Gastgeber der Veranstaltung zur Vorstellung der “Tage der deutschen Back- und Konditorkunst” (Días de la Pastelería Alemana) am Montagnachmittag in der Botschaft. Am bevorstehenden langen Wochenende, von Samstag, den 22. November, bis einschließlich Montag, den 24. November, werden in ganz Buenos Aires zahlreiche Konditoreien, Bäckereien und Cafés an der Veranstaltung teilnehmen, die von der argentinischen Konditoren-Handelskammer “Cámara de Confiterías” des Verbandes AHRCC (Kammer der Hotels, Restaurants, Cafés und Konditoreien) gemeinsam mit dem Syndikat der im Konditorwesen Beschäftigten “Federación de Trabajadores Pasteleros” und der Stadt Buenos Aires organisiert wird.

pasteleria_alemana4Besonderer Ehrengast war der von Graf Waldersee als “lieber Freund” begrüßte Kulturminister der Stadt Buenos Aires Hernán Lombardi, der wie die Redner der veranstaltenden Körperschaften vor ihm auf den Anlass der Feierlichkeiten zu sprechen kam: 20 Jahre Städtepartnerschaft Berlin-Buenos Aires und 25 Jahre Mauerfall – das seien zwei Ereignisse in diesem Jahr gewesen, die den Ausschlag gegeben hätten, Deutschland mit der Kunst der argentinischen Back- und Konditor-Meister ehren zu wollen.

Was diese Künstler vollbringen können, sah das zahlreich erschienene, staunende Publikum schon beim Hereinkommen: Dozenten und Schüler einer Konditor-Schule hatten in 40 Stunden Arbeit eine Berliner Mauer aus 120 kg Schokolade geschaffen, die – ca. 1 Meter hoch, fünf Meter breit und 20 cm tief – prominent in der Mitte des Raumes auf einem Tisch stand und ihr schokoladiges Aroma verströmte. Bunte Graffitis aus natürlichen Farbstoffen schmückten die Vorderseite der süßen Mauer, während auf der unverzierten Rückseite nur das Wort “Freiheit” prangte. Publikumswirksam ergriffen von Waldersee und Lombardi nach Ende der Ansprachen und vor dem Cocktail einen Hammer und schlugen die Mauer ein – beim Herausgehen bekam jeder Gast eine Tüte voll leckerer Mauerstückchen mit auf den Weg.

pasteleria_alemana3Zunächst begann aber das große Naschen – an vier Tischen in jeder Ecke des Raumes wurden die köstlichen deutschen Backwerke in kleinen Portionen zum Probieren angeboten, die während der “Días de la Pastelería Alemana” erhältlich sein werden, unter anderem Schwarzwälder Kirschtorte, Streuselkuchen, Bienenstich, Stollen, Frankfurter Kranz, Zimtschnecken und Berliner. Den Gästen schmeckte es ausgezeichnet, und da man gar nicht alles probieren konnte, nahmen sich alle vor, am kommenden Wochenende eine oder mehrere der an der Veranstaltung beteiligten Konditoreien aufzusuchen und ordentlich einzukaufen.

Die Veranstaltung in der deutschen Botschaft wurde von den gekonnten Darbietungen eines jungen Streichquartetts untermalt, das die Dirigentin Patricia Pouchulu, Direktorin der Stiftung “La Bella Música”, verpflichtet hatte.

Die übersichtlich gestaltete Webseite “Pastelería Artesanal” bietet eine Suchmaske an, auf der man nach Eingabe seines Stadtteils die Liste der an den “Días de la Pastelería Alemana” teilnehmenden Cafés oder Konditoreien/Bäckereien in der Nachbarschaft erhält.

Ein süßes Wochenende liegt vor allen Liebhabern der edlen deutschen Back- und Konditorkunst.

Fotos von oben nach unten:

Berliner Mauer aus Schokolade.

Botschafter von Waldersee (3.v.r.) und Kulturminister Lombardi (4.v.l.) mit Organisatoren und Konditoren.

Lauter Köstlichkeiten aus Deutschland.