Von der Wand in den Raum

Mit ZONDA CUTS stellt Kirsten Mosel im Espacio Kamm Untersuchungen zur Malerei an

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Die seit fünf Jahren in Buenos Aires lebende deutsche Künstlerin Kirsten Mosel entwickelt im Espacio Kamm ein Experiment zu Fragen des Ortes der Malerei. Seit Jahren beschäftigt sich Mosel mit Cutouts, indem sie organische abstrakte Formen aus Folie und Plane schneidet und diese als Malerei-Interventionen für spezifische Räume an Wänden direkt installiert.

Für den Espacio Kamm entwickelt sie die Ausstellung ZONDA CUTS. Der Titel ist ein Verweis auf das in Argentinien hergestellte und in der Ausstellung verwendete Planenmaterial (El Zonda) und spezifiziert damit den Ort der Ausstellung.

Mosel stellt in der Ausstellung Fragen nach dem Bild an sich. Was passiert, wenn Farbe und Bildträger eine Einheit bilden? Wie viel Subtraktion verkraftet ein Bild? Kann ein Bild im Raum hängen? In diesem Projekt lotet die Künstlerin aus, was passiert, wenn die für Wände vorgesehenen Cutouts sich teilweise von der Wand lösen, sich ihren Ort im Raum suchen, skulpturale Formen annehmen. Von der Wand in den Raum … Untersuchungen zur Malerei heute.

Kirsten Mosel ist Künstlerin und lebt seit 2010 in Buenos Aires, Argentinien. Seit 2014 leitet sie zusammen mit Julián León Camargo (Kolumbien) und Ivo Kamm (Schweiz) den Kunstraum für zeitgenössische Kunst Espacio Kamm, der site specific-Projekte von argentinischen und internationalen Künstlern vorstellt und eine Plattform für den Austausch für Kunst zwischen Argentinien und Europa aufbaut. 2015 vertrat sie Deutschland auf der Biennale “Fin del Mundo” in Valparaiso, Chile.

  • Kirsten Mosel, ZONDA CUTS.
  • Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft.
  • Ausstellungsort: Kunstraum Espacio Kamm, Mario Bravo 1136, Palermo, Buenos Aires.
  • Ausstellungsdauer: 30.10.- 21.11.2015. Am 21.11. um 19 Uhr findet zum Abschluss ein Gespräch mit Florencia Battiti statt.
  • Öffnungszeiten: Mi-Fr 16-20 Uhr und nach Vereinbarung, Jour fixe mit der Künstlerin jeden Donnerstag während der Ausstellung.
  • Weitere Infos zu Kirsten Mosel hier.

Wertvolles Erbe

Fotos von Martin Gusinde in Ushuaia

gusinde11In Feuerland startet am heutigen Donnerstag ein gemeinsames Projekt der Französischen und Deutschen Botschaft und des Kultur- und Bildungssekretariats der Stadt Ushuaia: Die Fotoausstellung “Der Geist der Menschen von Feuerland” von Martin Gusinde und das internationale Kolloquium “Ethnografische Fotografien der Völker Feuerlands. Archäologie – Anthropologie – Ästhetik”.

Der Missionar und Abenteurer, Anthropologe und Humanist Martin Gusinde hinterließ nach seinem Aufenthalt in Feuerland eine sowohl von ihrer Schönheit als auch von der Qualität der Dokumentation her außergewöhnliche Fotoreihe. Von 1918 bis 1924 lebte er mit den Selknam, den Yámanas und den Kavésqar und versuchte zu dokumentieren, was von diesen heute fast verschwundenen Gesellschaften noch übrig war. Dieses Erbe bildete die Basis für weitere Studien und inspirierte fast ein ganzes Jahrhundert lang zahlreiche Anthropologen, Historiker und Künstler.

Ushuaia ist die erste Stadt Lateinamerikas, die diese Ausstellung mit 147 Fotografien präsentiert. Die Ausstellung ist bis zum 30.11. in der Casa de la Cultura in Ushuaia zu sehen und kommt im Dezember auch nach Buenos Aires.

Stammtisch – typisch deutsch?

Deutsch sprechen, Feierabendbier und Kulturaustausch in Buenos Aires

Von Friederike Oertel

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Sprachen lernt man am besten, indem man sie spricht. Doch in Sprachkursen fehlt oft der Praxisbezug und im Alltag die Gelegenheit, die Fremdsprache aktiv anzuwenden. So ging es auch vielen Deutschlernenden am Goethe-Institut in Buenos Aires. Um das zu ändern, haben die beiden Studentinnen Laura Weller und Ronja Fink den Goethe-Stammtisch ins Leben gerufen.

Seit April diesen Jahres treffen sich Argentinier, Deutsche, Deutschlernende und Interessierte aller Altersgruppen jeden Donnerstagabend in einer kleinen Bar in den kopfsteingepflasterten Straßen von San Telmo. In entspannter Atmosphäre wird geplaudert, diskutiert und erzählt. Sprachkenntnisse können auf diese Art angewandt und erweitert werden. Und natürlich bietet das wöchentliche Treffen auch die Gelegenheit, Umgangssprache, Sprechweisen und Redewendungen direkt von deutschen Muttersprachlern zu lernen.

Die Gründung des Stammtischs ist Teil des Freiwilligendienstes, den Laura und Ronja momentan am Goethe-Institut Buenos Aires absolvieren. Gestartet haben sie das Projekt in Eigeninitiative. Rückhalt und Unterstützung erhielten sie von Sylvia Brandt, der Sprachkursleiterin am Goethe-Institut.

Um den Stein ins Rollen zu bringen, versandten die beiden zahlreiche E-Mails, erstellten Plakate und gründeten eine eigene Facebook-Seite. “Vor dem ersten Treffen waren wir ziemlich aufgeregt, da wir nicht wussten, ob der Sprachaustausch auf Interesse stößt und überhaupt jemand kommt”, erinnert sich Laura. Zu Unrecht: Bereits der erste Stammtsich war ein voller Erfolg: “Es kamen unerwartet viele Leute. Wir mussten immer mehr Tische und Stühle dazu holen.” Mittlerweile hat sich ein richtiger “Stammtisch” mit einem Kern regelmäßiger Teilnehmer herausgebildet. “Trotzdem kommen jede Woche neue Gesichter hinzu und machen die Gruppe noch bunter”, sagt Ronja.

Von Anfang an stand der Spaß am Fremdsprachenlernen, der interkulturelle Austausch und die lockere Atmosphäre im Mittelpunkt. Nicht ohne Grund fiel die Wahl des Veranstaltungsortes daher auf die Bar “Pasaje Solar”. Das kleine Restaurant überzeugt nicht nur aufgrund seines urigen Charmes, auch konnten die zwei Studentinnen mit den Inhabern preiswerte Angebote für alle Stammtisch-Teilnehmer aushandeln. Der entspannten Nachhilfe bei einem Feierabendbier steht nichts mehr im Wege!

  • Goethe-Stammtisch
  • Jeden Donnerstag 19 Uhr
  • Pasaje Solar, Balcarce 1022
  • Weitere Infos auf Facebook oder unter GoetheStammtisch.BuenosAires@gmail.com
  • Nächster Stammtisch: 22.10.

Foto:
Feldstudie: Die Autorin beim Goethe-Stammtisch.

Spitzen-Kunst

“La democracia del símbolo” von Leandro Erlich im Malba

Von Laura Meyer

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Der Obelisk, Wahrzeichen und Ikone von Buenos Aires, ist Objekt der Installation “La democracia del símbolo” von Leandro Erlich (Buenos Aires, 1973) von September 2015 bis März 2016. Sein erstes site-specific in Argentinien ist eine künstlerische und soziale Initiative und Resultat der Kooperation zwischen dem Malba“>Museum Malba, dem Künstler, der Stadtregierung und der Firma Fate.

Leandro Erlich ist einer der argentinischen Künstler mit der größten internationalen Bekanntheit. Durch seinen künstlerischen Eingriff bietet er uns die Möglichkeit, zum ersten Mal seit der Errichtung des Obelisken seinen Innenraum zu besichtigen und den luftigen Ausblick zu entdecken.

Das Werk besteht aus zwei Teilen. Zuerst griff Erlich direkt in den Standort des Obelisken ein und ließ Ende September für einige Tage dessen Spitze verschwinden (in Wirklichkeit “verschwand” sie nicht, sondern wurde durch provisorische Außenwände versteckt, so dass die Illusion entstand, der Obelisk habe keine Spitze mehr). Eine Reprduktion der Spitze in realem Maßstab erschien zeitgleich auf dem Vorplatz des Malba. Das Publikum kann hier in die Spitze des Obelisken eintreten, um die vier Ausblicke des Monuments zu genießen, welche auf Monitoren im Inneren der Pyramide nachgestellt sind.

Projekte zu erschaffen, bei welchem das Kunstwerk die konventionellen Grenzen verlässt und sich in die Alltagsordnung eingliedert, ist Ziel des Künstlers. Erlich versteht Kunst als Werkzeug der Integration und der Aktion. Die Beziehung zwischen Monumenten und ihren Städten und die Bedeutung des Besuchs eines Monumentes hat mit Wertschätzung, Stolz und Zugehörigkeitsgefühl zu tun. Und in Argentinien ist der Obelisk ein Monument, welches noch niemals zuvor für Besichtigungen beabsichtigt wurde, so der Künstler.

Die nachgestellte Spitze steht noch bis März 2016 für jedermann sichtbar und betretbar auf dem Vorplatz des Malba, Av. Figueroa Alcorta 2475.

(Foto: Malba)

Revolutionsbilder und mehr

Ausstellung des kubanischen Fotografen Korda im Centro Cultural Borges

Von Marcus Christoph

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Sein Bild des “Heldenhaften Guerrillero” gilt als das am meisten vervielfältigte Foto der Geschichte. Der kubanische Fotograf Alberto Díaz Gutiérrez alias Korda erlangte Weltruhm durch seine Fotografie des legendären Revolutionärs Ernesto “Che” Guevara. Doch das Werk Kordas, der 2001 in Paris starb, ist mehr als das weltbekannte Che-Konterfei. Wie facettenreich das Schaffen des Fotografen aus Havanna war, will die Ausstellung “Korda – pasión e imagen” (Korda – Leidenschaft und Bild) zeigen, die seit wenigen Tagen im Centro Cultural Borges von Buenos Aires zu sehen ist.

Ausgestellt sind 110 Fotografien. Natürlich gibt es zahlreiche Porträts der Führer der kubanischen Revolution wie Fidel Castro, dessen Bruder Raúl, Che Guevara und Camilo Cienfuegos. Bilder von der damals noch jungen kubanischen Revolution, der sich der einstige Modefotograf Korda im Jahr 1959 angeschlossen hatte.

In den Folgejahren begleitete er Fidel Castro auch bei Auslandsreisen und konnte so Aufnahmen aus unmittelbarer Nähe machen. “Meinem Vater ging es aber immer auch darum, die menschliche Seite der politischen Führergestalten zu reflektieren”, erläutert Kordas Tochter Diana Díaz López. Sie ist Kuratorin der Ausstellung und weilte zur Eröffnung in Buenos Aires.

Neben den bekannten Revolutionsmotiven sind im Centro Cultural Borges jedoch auch Bilder zu sehen, die bislang eher weniger mit Korda assoziiert wurden: Beispielsweise die Unter-Wasser-Aufnahmen, die der Fotograf an den Küsten Kubas machte, sowie Illustrationen afro-kubanischer Riten und auch Modefotos, mit denen Korda auch seine Karriere begonnen hatte. Erstmals in öffentlicher Ausstellung zu sehen sind Bilder, die beim Staatsbesuch einer kubanischen Delegation in China Anfang der 1960er Jahre entstanden sind.

Während des Pressegesprächs berichtete Díaz López von dem freundschaftlichen Verhältnis, das ihren Vater mit Fidel Castro verbunden habe. Dies sei auch dadurch zum Ausdruck gekommen, dass der Revolutionsführer zur Beerdigung ihres Vaters erschien.

Des Weiteren schilderte sie die Geschichte des eingangs erwähnten Che-Bildes, welches ihr Vater 1960 bei einer Trauerfeier in Havanna eher zufällig machte. Zunächst wurde es nicht veröffentlicht. Erst als der linksgerichtete italienische Verleger Giangiacomo Feltrinelli nach Ches Tod 1967 bei Korda nach einem Bild des Revolutionärs anfragte, änderte sich dies. Der kubanische Fotograf schenkte dem Italiener das bis dahin in den Archiven verstaubende Foto – und dieser machte Poster daraus, die sich in den Jahren der Studentenrevolte bestens verkauften.

Korda, der sich keine Urheberrechte auf das Bild hatte sichern lassen, habe von Feltrinelli nie einen Cent gesehen, wie Díaz López erläutert. Trotzdem sei man dem Italiener, der bereits 1972 starb, nicht böse. Schließlich habe er dafür gesorgt, Korda weltbekannt zu machen und Che Guevara als Revolutions-Ikone schlechthin zu etablieren.

Die Ausstellung ist noch bis zum 13. September im Obergeschoss des Centro Cultural Borges (Viamonte Ecke San Martín) zu besichtigen. Die Öffnungszeiten sind montags bis sonnabends von 10 bis 21 Uhr sowie sonntags von 12 bis 21 Uhr.

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Korda-Tochter Diana Díaz López (l.) mit Virginia Fabri vom Centro Cultural Borges.
(Foto: Marcus Christoph)

Lässt sich Frieden stricken?

Der Polo Circo lädt zu einer außergewöhnlichen Zirkusvorstellung ein

Von Friederike Oertel

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“Knitting Peace”, was übersetzt soviel wie “Frieden stricken” bedeutet, lautet der Titel der Zirkusvorstellung, die an diesem Wochenende erstmals im Polo Circo in Buenos Aires zu sehen sein wird. Zwischen Seilen, Fäden und Netzen aus weißen Maschen und Knoten werden die Artisten der schwedischen Zirkusgruppe Cirkus Cirkör eine Kombination aus Jonglage, Tapezkunst und Tanztheater präsentieren, untermalt von Musik und Poesie.

Dabei geht es jedoch um deutlich mehr, als leichtfüßige Unterhaltung: Im Mittelpunkt der Inszenierung steht die Frage, ob der Kampf um Frieden auf Erden ein Kampf um das Unmögliche ist. Kann das Streben danach allein schon Veränderungen bewirken? Und welche Formen kann der Kampf annehmen? Oder anders ausgedrückt: Lässt sich Frieden “stricken”?

Die vom Kulturministerium der Stadt Buenos Aires organisierte Veranstaltung im Polo Circo verspricht einen außergewöhnlichen und magischen Abend. Ob das Gestrickte halten wird?

Das Gastspiel findet am 15. und 16.8. sowie am 20., 21., 22. und 23.8. statt, samstags und sonntags um 18 Uhr, an den Wochentagen um 20.30 Uhr. Infos hier.

Eins, zwei, Wiegeschritt

Tango-Weltmeisterschaft und -Festival in Buenos Aires

Von Friederike Oertel

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Tango und Buenos Aires sind ungefähr so untrennbar miteinander verbunden wie ein leidenschaftliches Paar Tangotänzer. Der argentinische Tanz gilt als der erotischste aller Paartänze und übt auf viele eine große Faszination aus. So findet auch in diesem Jahr in der argentinischen Hauptstadt seit dem 14. und bis zum 27. August 2015 die Tango-Weltmeisterschaft statt. Begleitet wird das Gipfeltreffen der weltbesten Tänzer und Musiker von einem Festival, zu dessen Akteuren Komponisten, Interpreten, Forscher, Sammler und Spezialisten aus Argentinien und dem internationalen Ausland gehören.

Nach zahlreichen Tanzshows und Konzerten werden von über 400 Paaren aus rund 25 Ländern die besten Tänzer in den Kategorien Tango Escenario (Bühnen-Tango) und Tango de Pista (Tango Salón) gekürt. Das Finale der WM findet seit Jahren im Luna Park-Stadion von Buenos Aires vor Tausenden von Zuschauern statt.

Wer vom Feuer des Tanzes angesteckt wird, hat die Gelegenheit, in Anfängerkursen selbst über die ersten Tangoschritte zu stolpern oder als Fortgeschrittener seinen Stil zu verbessern. Das komplette Programm kann man auf der Webseite der WM bzw. des Festivals einsehen.

(Foto: Cultura BA)

Sensibles Spannungsfeld

Andrea von Lüdinghausen eröffnet heute im Espacio Kamm in Buenos Aires

Von K.M.

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Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft Buenos Aires steht die nächste Ausstellung im Kunstraum Espacio Kamm, der die deutsche Künstlerin Andrea von Lüdinghausen für die Realisierung eines Ausstellungsprojekts in Buenos Aires gewinnen konnte. Ihre Ausstellung “details from distance” wird am heutigen Freitag, den 14. August 2015, um19 Uhr eröffnet.

“Details from distance” der multidisziplinären Künstlerin lotet die Raumsituation des Espacio Kamm sowie aktuelle Fragen und Gedanken des Skulpturbegriffs aus. Andrea von Lüdinghausen lebt in Hannover, studierte Bildende Kunst an der Universität Kunsthochschule Kassel und arbeitet seitdem an den Schnittstellen von skulpturalen Prozessen und öffentlichen Räumen.

Lüdinghausen sammelt für ihre Arbeiten alltägliche, scheinbar vertraute Objekte und Materialien, kombiniert diese neu und setzt sie in andere Kontexte. Die so entstandenen, radikal auf das Wesentliche reduzierten Arbeiten erscheinen in ihrer Transformation fremdartig, körperhaft und entkörpert zugleich.

So fügt die Künstlerin zum Beispiel dünne Vorhang-Schleuderstangen zu raumgreifenden skelettartigen Konstruktionen zusammen oder schafft durch sparsam arrangierte Dinge eigentümliche Assoziationsspielräume, die sich gegenseitig beeinflussen und überlagern.

Für den Kunstraum Espacio Kamm in Buenos Aires entwickelt Lüdinghausen eine ortsspezifische Ausstellung. Sie bringt aus ihrem Archiv in Deutschland ein konzentriertes Destillat mit, bestehend aus Fotografien, (halb)fertigen Skulpturen, Zeichnungen, Verbindungsmaterialien und Alltagsobjekten. Diese Materialsammlung stellt einen Teil des Ist-Zustands ihres Atelierraums dar und bildet in seiner Fragmentierung Lüdinghausens Referenzsystem ab.

Zwei Wochen lang arbeitete Lüdinghausen in und mit den Räumen und entwickelte in der Feinkonzeption ein ortsspezifisches Projekt. Ihr Konzept, labile skulpturale Zustände zu bilden, wandte sie auf die Gegebenheiten der Räume an. So spannt Lüdinghausen ein sensibles Spannungsfeld detaillierter Blicke und distanzierter Sichtweisen zwischen autonomen Skulpturen und ortsbezogenen Interventionen auf.

Im Laufe der Ausstellung findet ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Workshops und einem Künstlergespräch (“Artist Talk”) statt. Nähere Informationen findet man auf der Facebook-Seite des Espacio Kamm.

Die Ausstellung ist bis zum 11. September zu sehen.

Espacio Kamm, Mario Bravo 1136, Palermo, Buenos Aires. Öffnungszeiten: Do und Fr 16-20 Uhr und nach Vereinbarung, Tel.: 011 15-6151-1704.

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Die deutsche Künstlerin Andrea von Lüdinghausen beim Aufbau ihrer Ausstellung “details from distance” im Espacio Kamm.

Deutsches Kinofestival in den Startlöchern

Erste Programmeinblicke steigern die Vorfreude

Von Friederike Oertel

Im Labyrinth
Filmliebhaber aufgepasst! Bald ist es wieder soweit: Vom 10. bis zum 19. September 2015 findet in Buenos Aires das nunmehr 15. Deutsche Kinofestival statt. Dann kommt in den Kinosälen im Village Recoleta und Caballito das Neuste und Beste der deutschen Filmlandschaft auf die Leinwand. Organisiert wird die jährlich im September stattfindende Veranstaltung vom deutschen Verleiher German Films in Kooperation mit Partnern wie dem Goethe-Institut oder der Deutschen Botschaft Buenos Aires.

Auch wenn sich die Website mit der Herausgabe von Details noch ziert – erste Informationen sind bereits durchgesickert: 17 Spielfilme und 12 Kurzfilme stehen dieses Jahr auf dem Programm und werden noch vor der argentinischen Erstausstrahlung gezeigt. Eröffnet wird das Festival durch den in Deutschland lebenden italienischen Regisseur Giulio Ricciarelli und dessen mehrfach prämierten Film “Im Labyrinth des Schweigens”. Auf Basis mehrerer hundert Zeugenbefragungen erzählt er die Vorgeschichte der Auschwitzprozesse.

Mit der spanischsprachigen Schauspielerin Laia Costa wird ein weiterer prominenter Gast anwesend sein. Die gebürtige Katalanin ist Hauptdarstellerin im Film “Victoria” des Regisseurs Sebastian Schipper. Der aus einer einzigen 140-minütigen Kameraeinstellung bestehende Film räumte auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären für die beste Kamera sowie ganze sechs “Goldene Lolas” beim Deutschen Filmpreis ab.

Ein weiterer Programmpunkt und ein Muss für alle Kinoliebhaber ist der Dokumentarfilm “REMAKE, REMIX, RIP-OFF” des Regisseurs und Drehbuchautors Cem Kaya. Aufwändig recherchiert und außergewöhnlich erzählt zeichnet der Film die Ära des populären türkischen Kinos der 1960er und 1970er Jahre nach.

Auch für ein Kino-Abenteuer mit der ganzen Familie ist dank Filmen wie „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ gesorgt. Auf der Suche nach einer Fundnudel trifft der „tiefbegabte“ Rico auf den hochbegabten Oskar. Der spritzig und spannend erzählte Kinderfilm begeistert nicht nur die Kleinen.

Nicht zuletzt kommt auch das Genre des Kurzfilms mit 12 Filmproduktionen voll auf seine Kosten. Die Kurzfilme werden diesmal im Auditorium des Malba ausgestrahlt.

Also, liebe Freunde der Vorfreude, das Programm verheißt nur Gutes. Deshalb gilt schon jetzt: Bleistifte spitzen und das Datum im Kalender notieren! Mehr Informationen gibt es in Kürze auf der Webseite des Kinofestivals.

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Szene aus “Im Labyrinth des Schweigens”.

Das Universum der Monstriña

Zeichnungen von María Verónica Ramírez in der Usina del Arte

Von Marcus Christoph

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Es geht um skurrile Alltagsszenen, um Träume, Fantasien und Ängste der kleinen Monstriña, einem kleinen Mädchen schwarzen Zöpfen und rotem Kleid mit weißen Punkten. Auf zahlreichen Bildern und Skizzen der Zeichnerin María Verónica Ramírez kann der Besucher ins “Universum der Monstriña” eintauchen – so der Titel der Schau, die noch bis zum 2. August (Sonntag) in der Usina del Arte im Buenos Aires-Stadtteil La Boca zu sehen ist.

Ramírez, die lange Jahre mit dem vor drei Jahren verstorbenen Comiczeichner Carlos Loiseau (“Caloi”) verheiratet war, hatte in den beiden Vorjahren durch ihre Beiträge zum Zeichentrickfestival “Monstras de Lisboa” in der portugiesischen Hauptstadt auf sich aufmerksam gemacht. Dort gestaltete sie das Festivalsplakat und hatte zudem Gelegenheit, ihre “Monstriña”-Zeichnungen zu präsentieren. Bereits 2014 war eine erste Serie auch im hiesigen Malba-Museum zu sehen. Nun lädt die Usina del Arte die Freunde der Zeichenkunst in ihre Räume ein.

Zur Ausstellungseröffnung vor wenigen Tagen hatte sich kein Geringerer als Quino, der Erfinder der legendären Comicfigur Mafalda, die Ehre gegeben, um der Veranstaltung den nötigen Glanz zu verleihen. Fernando Galrito, der Festivalsdirektor von “Monstras de Lisboa”, hatte den Weg über den Atlantik nicht gescheut. Er bezeichnete die neue Ausstellung als “gemeinsame Realisierung eines Traums”.

Mit dem hauptstädtischen Kulturminister Hernán Lombardi und Portugals Botschafter Henrique Silveira Borges war zudem Prominenz aus Politik und Diplomatie zugegen. Während Lombardi den hohen künstlerischen Wert der Comickunst unterstrich, hatte der Botschafter nahezu poetische Einsichten parat: Buenos Aires und Lissabon, die als Häfen manche Gemeinsamkeiten aufwiesen, seien durch eine gewisse Form der Sehnsucht (“saudade”) miteinander verbunden. Dies spiegele sich auch in der Musik wider: Während in Lissabon der Fado als Melodie des Abschieds entstanden sei, stünde der Tango von Buenos Aires für die Ankunft in der neuen Welt.

Die Ausstellung, in deren Rahmen auch Zeichentrickfilme und Workshops stattfinden, ist bis zum 2. August montags bis freitags in der Zeit von 14 bis 19 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 20 Uhr in der Usina del Arte zu sehen. Der Eintritt ist kostenfrei.

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(v.l.n.r., stehend): Der städtische Kulturminister Hernán Lombardi, Portugals Botschafter Henrique Silveira Borges, Künstlerin María Verónica Ramírez, Fernando Galrito (Direktor des Monstra-Festivals Lissabon) und Gustavo Mozzi, der Direktor der Usina del Arte. Vorne sitzend: Mafalda-Erfinder Quino.
(Foto: Marcus Christoph)

Die Linie im Fokus II

“bosquejar esbozar proyectar”: Zeichnungen von 54 Künstlern in Quimera del Arte

Von K.M.

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Unter dem Titel “bosquejar esbozar proyectar” vereinen die Kuratoren Santiago Bengolea und Javier Aparicio Zeichnungen von 54 argentinischen und internationalen Künstlern. Zwei Künstler realisieren im Ausstellungsraum Linien-Interventionen: Luis Rodríguez markiert den Boden mit Linien aus blauem Montagetape, das schon während der Ausstellungseröffnung Veränderungen durch das Betreten der Besucher erfährt. Einen krassen Gegensatz dazu bilden die auf drei Stellwänden angebrachten figürlichen Kohlezeichnungen von Alejandro Pasquale.

Diesen beiden Positionen ist ein Kosmos von sehr unterschiedlichen Zeichnungen in enger interessanter Hängung entgegengestellt, der echte Schätze birgt und zum genauen Hinsehen und Entdecken einlädt! Von vielen der vertretenen Künstler, deren Arbeiten in Buenos Aires wohlbekannt sind, werden hier in diesem Zusammenhang der Befragung der Zeichnung zum ersten Mal kleinformatige Zeichnungen und Skizzen gezeigt. Eine Entdeckung sind die sparsamen Zeichnungen der deutschen Künstlerin Andrea von Lüdinghausen, die im August ein skulpturales Projekt im Espacio Kamm in Buenos Aires realisieren wird.

Da keine Nennung der Künstlernamen der 150 Zeichnungen vorgenommen wird, kann der Besucher sich ganz seinem Kopfkino hingeben und überlegen, von wem die jeweiligen Arbeiten sein könnten. Innerhalb der Editionen der Galerie Quimera de Arte erscheint zur Mitte des Ausstellungsprojekts ein Katalog, der die Ausstellung dokumentiert. Es lohnt sich, nach dem Besuch der Ausstellung den gut sortierten Kunstbuchladen zu durchstöbern und im angeschlossenen Café über die Zeichnung heute nachzudenken!

“bosquejar esbozar proyectar”, Quimera del Arte Galería, Humboldt 1981, Buenos Aires. Montag bis Samstag 9 bis 19 Uhr. Bis 30.August.

Foto:
Kontrastive Hängung der 150 Zeichnungen von 54 argentinischen und deutschen Künstlern.