Was kostet eine Seele?

Sardonisches “El primer Domingo” wirft existenzielle Fragen auf

Von Susanne Franz

Dass der Haussegen schiefhängt bei Julio und Viviana Gordín (Sergio Sánchez de Bustamante und Alicia Nieva, Foto), merkt man schon in den ersten Minuten. Sie blättert gelangweilt in einer Zeitschrift und ignoriert die Befehle (“Bring mir mal …!”) ihres Mannes von draußen. Dann kommt es zum Streit, dem ersten Drink und der ersten Zigarette noch vor dem Frühstück. Julio, ein lauter, polternder Haustyrann, hat ein Pärchen an diesem Sonntag in das feine Haus mit Pool im Country eingeladen, damit ist Viviana gar nicht einverstanden. Sie kennt ihren Mann, weiß, dass der Tag nur in der Katastrophe enden kann. Und sie wird recht behalten.

Das Publikum ist gespannt. Was wird passieren? Was hat Julio vor, warum liegt ihm so viel an diesem Besuch? Fast bettelt er seine Frau an, sie möge doch mitspielen, so tun, als wäre alles in Ordnung.

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Porträt einer Wahrnehmung

Der Schweizer Regisseur Ramòn Giger zu seinem Film “Eine ruhige Jacke”, der im Rahmen von DocBuenosAires lief

Von Laura Wagener

Wie beziehungsfähig ist ein Mensch, wie nimmt ein Mensch emotional Anteil, der seinem Krankheitsbild entsprechend durch das Fehlen des kommunikativen Mediums Sprache und der Fähigkeit zur Reizselektion in seiner eigenen, nach außen weitgehend isolierten Welt lebt? Der Schweizer Regisseur und Kameramann Ramòn Giger (Foto) führt den Zuschauer mit einem Zitat des österreichischen Psychoanalytikers Leo Kanner, der sich als erster Wissenschaftler mit Autismus auseinandersetzte, in das Kernthema seines ersten Dokumentarfilms “Eine ruhige Jacke” ein: “Wir müssen also annehmen, dass diese Kinder mit einer angeborenen Unfähigkeit zur Welt gekommen sind, normale und biologisch vorgesehene affektive Kontakte mit anderen Menschen herzustellen.”

Die Idee zu dem Film kam dem 28-jährigen Giger während des Ableistens seines Zivildienstes in einer Betreuungsstelle für Menschen mit Behinderungen, wo er die beiden zukünftigen Protagonisten, den autistischen Roman und dessen Betreuer Xaver kennenlernte.

Ein halbes Jahr begleitete er Roman in seinem Alltag und in der Interaktion mit seinem Betreuer. Der junge Mann wird jedoch nicht nur passiv gefilmt, sondern die besondere Intimität des Films entsteht vor allem durch die von dem Autisten selbst mit einer Handkamera gefilmten Sequenzen. Diese Einblicke in die Wahrnehmung Romans sind besonders kostbar, da er nicht spricht. Obwohl er sich mit Hilfe einer Kommunikationstafel in überraschender Komplexität ausdrücken kann, belaufen sich seine direkten Äußerungen auf brummende Laute, Schreie oder diffuse Töne.

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Kalender / Agenda

Click aquí para leer la versión en castellano.

Ausstellungskalender 22/10/11-29/10/11

Von Susanne Franz


Diesen Sonntag wird in Argentinien gewählt, und man kann davon ausgehen, dass so gut wie alle Museen, Kulturzentren, Theater, etc. geschlossen sein werden.

Gut zu wissen ist vielleicht, dass niemand ab Samstag, 18 Uhr, und den gesamten Sonntag über Alkohol kaufen darf – selbst Ausländer nicht, die überhaupt nicht wählen dürfen.

Am Mittwoch, dem 26. Oktober, darf man sich auf den “Tag der Cafés” freuen. Viele der schönen, auch “Bares Notables” genannten Traditionscafés bieten zu diesem Anlass von 18 bis 23 Uhr Gratis-Livemusik an, und in einigen gibt es von 18 bis 20 Uhr eine Art “Happy Hour”: Wenn vier Leute dort einen Kaffee trinken, zahlen am Ende nur zwei.

Die Ausstellungen der Woche:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Agenda / Kalender

Klicken Sie hier, um die deutsche Version zu lesen.

Agenda de Muestras 22/10/11-29/10/11

Por Susanne Franz


Con promociones y espectáculos musicales gratuitos, el miércoles 26 de octubre, desde las 18 hasta las 23 hs, se celebrará el Día de los Cafés. En algunos de los Bares Notables que participan se sumará a esto la Promoción del 2 x 4: en el horario de 18 a 20 hs, de cuatro clientes por mesa que consuman cuatro cafés, paguen únicamente dos.

Las muestras de la semana:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Die Geburt des Individuums

Die Ausstellung “Gesichter der Renaissance” im Berliner Bode-Museum versammelt rund 170 Porträtdarstellungen der italienischen Frührenaissance

Von Nicole Büsing und Heiko Klaas

“Alle Frauen im 15. Jahrhundert wollten schön aussehen”, sagt Keith Christiansen, der Leiter der Abteilung Europäische Malerei am New Yorker Metropolitan Museum. Und, so fügt er hinzu, der “Magazine Look”, also unsere von Modemagazinen wie Vogue oder Elle geprägte Vorstellung perfekter Schönheit, sei keine Erfindung des letzten Jahrhunderts, sondern ein Ideal, das von den Künstlern der italienischen Renaissance bereits im frühen 15. Jahrhundert vorformuliert wurde. Christiansen hat gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Stefan Weppelmann von den Staatlichen Museen zu Berlin eine Ausstellung zusammengestellt, die in den beiden Kunstmetropolen diesseits und jenseits des Atlantik für Furore sorgen soll.

“Gesichter der Renaissance” versammelt rund 170 Bildnisse aus den berühmtesten Museen der Welt: Tafelbilder, Zeichnungen, plastische Darstellungen, Büsten und Porträtmedaillen. Präsentiert werden die kostbaren und überaus lichtempfindlichen Exponate auf schwarz gestrichenen Wänden. Die Gemälde und Zeichnungen hängen jedoch nicht direkt an der Wand sondern auf schwarzen Samtfonds, die ihnen zusätzliche Noblesse verleihen. Individuelle Spotlights lassen die Bilder fast aus sich selbst heraus leuchten. Erstmals in dieser Fülle und Qualität erforscht eine internationale Ausstellung die Geburt des Individuums aus dem Geist der Kunst.

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Wer war es bloß?

“Wir doch nicht!” …

… sagen die Politiker. “Wir hetzen schließlich seit 1 ½ Jahren von einer Sitzung in die nächste, um die Krise in den Griff zu bekommen. Es gäbe sie gar nicht, die Krise, wenn die nimmersatten Banken und anderen Finanzjongleure nicht ständig in unverantwortlicher Weise gegen die Schuldnerländer spekulierten. Getriebene sind wir Politiker, von den Märkten Getriebene!”

“Spekulanten?”, empören sich die Fondsmanager. “Solch ein Unsinn! Wir verwalten Spargelder der Bürger und das Vermögen von Pensionskassen und Versicherungen. Sollen wir tatenlos zusehen, wie diese durch zahlungsunfähige Schuldnerländer immer weniger werden?”

“Na, na”, meinen die Banken, “es ist schon richtig, dass manche von uns sich verzockt hatten und zum Überleben Staatshilfe brauchten. Aber das ist doch nur ein Teil der Geschichte. Der andere Teil ist, dass die Politik in vergangenen Jahrzehnten nicht nur widerstandslos unseren Forderungen nach Deregulierung des Systems nachgab, sie hat uns sogar erlaubt und in vielen Fällen animiert, insolvente Häuslebauer und überschuldete Staaten zu finanzieren, indem sie Hypothekenkredite und solche an (westliche) Staaten von der Risikovorsorge ausnahm. Sollten wir diese Möglichkeiten etwa nicht nutzen? Letzten Endes sind wir private Gesellschaften, unseren Aktionären verantwortlich. Auch von den Rating Agencies haben wir lange keine Warnungen gehört.”

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Experimentelles Theater aus der Schweiz

Click aquí para leer la versión en castellano.

CMMN SNS PRJCT im Theater La Carpintería

Willkommen in der Welt von “Common Sense”! Willkommen unter all den geheimen Vereinbarungen, all den Kriterien, die das menschliche Handeln und Denken bestimmen, all den Entscheidungen, die sich zu Gewohnheiten entwickeln; Konventionen, die unbeachtet Einfluss nehmen; all die Dinge, die als “normal” und “selbstverständlich” erscheinen und nicht mehr in Frage gestellt werden. CMMN SNS PRJCT beschäftigt sich mit Zwischenräumen im sozialen Beziehungsnetz, mit Räumen, die entstehen, wenn wir uns unabhängig von ökonomischen Profitgedanken bewegen.

Die Performance-Künstler Martin Schich aus der Schweiz und Laura Kalauz, in der Schweiz lebende Argentinierin, präsentieren ihr neues Stück CMMN SNS PRJCT, das im März 2011 in Berlin uraufgeführt und dann u.a. in Hamburg, Düsseldorf, Wien und Zürich gezeigt wurde, an den Sonntagen 16., 23. und 30.10. sowie 6.11. jeweils um 20.30 Uhr im Theater La Carpintería, Jean Jaures 858. Reservierungen unter Tel.: 4961-5092.

Teatro experimental de Suiza

Klicken Sie hier, um die deutsche Version zu lesen.

CMMN SNS PRJCT en el Teatro La Carpintería

Vuelven a Buenos Aires los artistas Martin Schich, suizo, y Laura Kalauz, argentina radicada en Suiza. Presentan su nueva obra CMMN SNS PRJCT que interviene el plano de las relaciones sociales y económicas como espacio performático. CMMN SNS PRJCT propone formas de intercambio alternativas que redefinen las maneras habituales de negociar. Aunque nos encontramos dentro del contexto teatral, las consecuencias de estos actos irán más allá de los límites de la ficcionalidad.

Kalauz/Schick trabajan juntos en obras de teatro y danza, investigaciones de campo, intervenciones performáticas e instalaciones. En cada trabajo, se plantean preguntas acerca de los límites y las posibilidades del espacio performático y la relevancia y responsabilidad de los artistas contemporáneos.

CMMN SNS PRJCT fue estrenada en marzo 2011 en Berlín y presentada en Hamburgo, Düsseldorf, Viena, Zurich, entre otras ciudades. En Buenos Aires, se puede ver los Domingos 16, 23 y 30/10 y 6/11 a las 20:30 hs en La Carpintería, Jean Jaures 858. Reservas al Tel: 4961-5092.

Kalender / Agenda

Click aquí para leer la versión en castellano.

Ausstellungskalender 15/10/11-22/10/11

Von Susanne Franz

Im Cronopios-Saal des Centro Cultural Recoleta ist bis zum 30. Oktober die Ausstellung “El tiempo es otro río” des argentinischen Künstlers Juan Doffo zu sehen. Seine Arbeit dreht sich im Abstrakten und Konkreten immer um seinen Heimatort Mechita, ein in den Weiten der Provinz Buenos Aires gelegenes “Nest”, der Ausgangspunkt, an dem Doffo seine eigene künstlerische Sprache entwickelt hat. Neben Installationen und Skizzen und Entwürfen zu einigen seiner Arbeiten sind auch großformatige Fotos zu sehen, die die Interventionen in der Landschaft dokumentieren, die Doffo mit den Bewohnern von Mechita durchgeführt hat.

Die Ausstellungen der Woche:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Agenda / Kalender

Klicken Sie hier, um die deutsche Version zu lesen.

Agenda de Muestras 15/10/11-22/10/11

Por Susanne Franz

En el Centro Cultural Recoleta, en la sala Cronopios, se puede ver -hasta el 30 de octubre- la muestra “El tiempo es otro río” del artista Juan Doffo. El centro simbólico y material de su labor es Mechita, su pueblo natal ubicado en la llanura bonaerense desde el cual Doffo ha desarrollado su lenguaje personal. Además de algunas instalaciones, también se exhibe una serie de dibujos que muestran el origen de algunas de sus ideas visuales, como así también fotografías de gran formato que son el resultado de sus intervenciones en el paisaje acompañado por la gente de su pueblo.

Las muestras de la semana:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Iguazú-Fälle zuf Weltwunder-Kurs

Wasserfälle könnten als eines der “Sieben Neuen Weltwunder” gewählt werden

Von Susanne Franz

Die “Cataratas de Iguazú” an der argentinisch-brasilianischen Grenze sind auf dem besten Wege, zu einem der “Sieben Neuen Weltwunder” gekürt zu werden. Das bereits von der UNESCO zum Naturerbe der Menschheit erklärte landschaftliche Paradies befindet sich unter den 28 Finalisten, aus denen noch bis zum 11.11. um 11.11 Uhr Greenwich Mean Time (8.11 Uhr argentinische Zeit) über die sieben Gewinner abgestimmt werden kann (u.a. per Internet und SMS). Die 28 Finalisten wurden aus 77 Bewerbern ausgewählt, die aus einer Liste von ursprünglich 450 Weltwunderanwärtern aus dem Jahr 2008 für den Wettbewerb erkoren worden waren. Auch der Schwarzwald in Deutschland steht auf der Liste der 28.

Die Weltwunder-Initiative wurde von der Schweizer Stiftung “New Seven Wonders” (N7W) ins Leben gerufen. Dass deren Vorsitzender Bernard Weber und Geschäftsführer Jean Paul de la Fuente sich zu Wochenbeginn mehrere Tage in Iguazú aufhielten und u.a. medienwirksam mit einem Zeppelin das aus 275 Wasserfällen bestehende Naturparadies überflogen, wurde von den Behörden in Misiones und der Verwaltung der “Cataratas” als sehr gutes Zeichen gewertet. Von einem Titel als “Neues Weltwunder” erhoffen sich die Verantwortlichen ein noch stärkeres Anwachsen des Tourismus.