Jugendlicher Mega-Event

Die Buchmesse von Buenos Aires verzeichnet erneut Besucherrekord

Von Julia Kornberg

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Die 42. Buchmesse von Buenos Aires oder “Feria del Libro Internacional” übertraf auch dieses Jahr die Erwartungen des Veranstalters und hatte von ihrer Eröffnung am 21. April bis zum Schlusstag am 9. Mai etwa 1.2 Millionen Besucher. Im Rahmen des Mega-Events boten 571 Aussteller über 1500 Veranstaltungen an, zu Gast waren 1623 argentinische Schriftsteller und 138 ausländische Autoren.

Unter anderen Persönlichkeiten signierten Soy Germán, Rick Yancey, Quino, Sophie Jordán, Ricardo Bochini, Dross, Milo Lockett, Tiffany Calligaris und Gabriel Rolón ihre Bücher und trafen ihre Fans. Größere Stars wie Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa oder Kinderfilmstar Soy Luna waren auch dabei.

Das Massenphänomen Buchmesse fand dieses Jahr vor allem bei Jugendlichen großen Anklang – am Booktubers-Meeting (Foto) nahmen beispielsweise 1000 junge Menschen teil, und “Young-Adult”-Fiktionen wie “The Fifth Wave” von Rick Yancey waren absolute Bestseller.

Nächster Stopp ist Los Angeles, Kaliforniien – die Gaststadt für die internationale Buchmesse 2017.

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Ausstellungskalender vom 08/05/2016

Von Susanne Franz

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Seit dem 3. Mai ist im Museo Nacional de Bellas Artes (MNBA) in Buenos Aires eine Ausstellung der drei Begründer der modernen mexikanischen Malerei David Álfaro Siqueiros, Diego Rivera und José Clemente Orozco zu sehen. Die Schau heißt “La exposición pendiente”, da sie vor 40 Jahren in Chile gezeigt werden sollte, was aber durch Pinochets blutigen Putsch an die Macht verhindert wurde. Bis Februar war die “ausstehende Ausstellung” nun endlich in Chile zu sehen. Nach ihrem Stopp in Buenos Aires soll sie nach Peru und vielleicht nach Brasilien weiterziehen.

“La exposición pendiente” vereint 76 der damals geretteten Werke von Rivera, Siqueiros und Orozco sowie eine Dokumentation über die damals gescheiterte Ausstellung und die dramatischen Geschehnisse. In Buenos Aires ist die Ausstellung zudem durch Werke lokaler Künstler ergänzt, u.a Antonio Berni, Lino Enea Spilimbergo oder Juan Carlos Castagnino. Darauf verweist der zweite Titel der Exposition “La conexión Sur” (Die Süd-Verbindung).

Bis zum 7. August kann man die Ausstellung bei freiem Entritt im MNBA besuchen.

Die Ausstellungen der Woche:

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Agenda de Muestras del 08/05/2016

Por Susanne Franz

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El 3 de mayo se inauguró en el Museo Nacional de Bellas Artes (MNBA) una muestra con obras de los “Tres Grandes” de la pintura moderna mejicana: David Álfaro Siqueiros, Diego Rivera y José Clemente Orozco. “La exposición pendiente”, que no pudo mostrarse hace 40 años en Chile por el golpe sangriento de Pinochet, reúne 76 de las obras rescatadas e incluye una documentación de la historia dramática de la muestra.

En Buenos Aires la muestra está completada por obras de artistas locales como Antonio Berni, Lino Enea Spilimbergo y Juan Carlos Castagnino.

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“Kämpfer für Lateinamerika”

Denkmal zu Ehren Che Guevaras in Lanús

Von Marcus Christoph

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Ernesto “Che” Guevara ist einer der bekanntesten Argentinier weltweit. Im Heimatland des Revolutionärs, der seine größten Erfolge in Kuba feierte, erinnert aber kaum etwas an ihn. Bislang existierten lediglich in Guevaras Geburtsstadt Rosario sowie im Küstenort Villa Gesell Statuen, die dem 1967 in Bolivien ums Leben gekommenen Guerrillero gewidmet sind. Seit wenigen Tagen gibt es auf dem Gelände der Universität von Lanús ein weiteres Denkmal zu Ehren des Rebellen.

Es handelt sich dabei um eine Skulptur des uruguayischen Künstlers Gonzalo Ramirez, die das Gesicht Guevaras darstellt. Das Kunstwerk nimmt seinen Platz im “Lateinamerikanischen Skulpturenpark” der Universität ein, in dem bereits Denkmäler für General José de San Martín und Simón Bolívar stehen. José Gervasio Artigas und Emiliano Zapata sollen folgen. Eine weitere Skulptur erinnert an die von Argentinien beanspruchten Malwinen-Inseln.

Universitätsrektorin Ana Jaramillo hob bei der Einweihung des Denkmals hervor, dass Che Guevara nicht nur für die Revolution, sondern auch für die Integration Lateinamerikas gekämpft habe. Zuvor hatte sich die Wissenschaftlerin gegenüber der Presse beschämt darüber geäußert, dass viele argentinische Universitäten sich Richtung Europa oder USA orientierten, das gemeinsame lateinamerikanische Vaterland (“Patria grande”) aber vernachlässigten. Sie sprach sich stattdessen für eine “kulturelle Entkolonialisierung” aus. Den Studenten ihrer Uni würden von daher vor allem lateinamerikanische Werte vermittelt.

Zweiter Festredner war der kubanische Botschafter Orestes Pérez. Er bezeichnete Guevara als Vorbild im Kampf für Unabhängigkeit und Integration Lateinamerikas. “Mit der Einweihung dieses Denkmals verpflichten wir uns einmal mehr, dem Weg zu folgen, den Che uns gezeigt hat, um eine bessere Welt zu erreichen – ein Ziel, für das er sein Leben opferte”, so der Diplomat aus Kuba.

Der zweite Teil der Veranstaltung in Lanús war dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro gewidmet, der am 13. August dieses Jahres 90 Jahre alt wird. Im Kinosaal der Universität wurden Sequenzen von Castros jüngster Rede beim Kongress der Kommunistischen Partei Kubas sowie die Dokumentation “Elogios de la Virtud” des kubanischen Filmemachers Roberto Chile über das Leben des bärtigen Revolutionärs gezeigt.

“Mit der kubanischen Revolution hat Fidel ein neues Kapitel in der Geschichte Lateinamerikas aufgeschlagen, die seitdem nicht mehr dieselbe ist”, sagte Rektorin Jaramillo, deren Universität Castro vor zwei Jahren die Ehrendoktorwürde verliehen hat.

Botschafter Pérez meinte, Castro habe im kubanischen Volk einen Sinn für Hilfsbereitschaft und internationale Solidarität geweckt. Dies sei zuletzt auch darin deutlich geworden, dass es Ärzte aus Kuba waren, die als erste bei der Ebola-Epidemie in Westafrika vor Ort waren, um die heimtückische Seuche zu bekämpfen.

Pérez gab bekannt, dass es im August anlässlich des runden Geburtstags des Revolutionsführers mehrere Veranstaltungen im Centro Cultural de la Cooperación (Buenos Aires, Av. Corrientes 1543) geben werde, die Kunstausstellungen wie Filmvorführungen umfassen.

Foto:
Das Che Guevara-Denkmal auf dem Gelände der Universität Lanús. Mc
(Foto: Marcus Christoph)

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Ausstellungskalender vom 01/05/2016

Von Susanne Franz

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Im Rahmen der Ausstellung “Dream Come True”, die vom 24, Juni bis zum 31. Oktober 2016 im Malba stattfinden wird, rufen Yoko Ono und das Museum Frauen aus Lateinamerika auf, an dem Kunstprojekt “Arising / Resurgiendo” teilzunehmen. Der Aufruf richtet sich an jene lateinamerikanischen Frauen, die in ihrem Leben bereits einmal Opfer von Gewalt geworden sind aus dem einfachen Grund, weil sie Frauen sind. Die Frauen jedweden Alters werden gebeten, ein Foto ihrer Augen und ihre Geschichte in kurzer Form anonym einzureichen. Damit werden sie an der Multimediainstallation “Arising / Resurgiendo”, ein Teil der Ausstellung Yoko Onos im Malba, teilnehmen.

Seit dem 25. April und bis zum 16. Oktober können die Foto-Geschichten eingereicht werden. Teilnahme online.

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Agenda de Muestras del 01/05/2016

Por Susanne Franz

eyes
En el marco de la exposición “Dream Come True”, que tendrá lugar en el Malba del 24 de junio al 31 de octubre de 2016, Yoko Ono y el Museo lanzan la convocatoria “Arising / Resurgiendo” para mujeres que hayan sufrido algún tipo de violencia por el simple hecho de ser mujeres. Invita a las mujeres de América Latina, de cualquier edad, a enviar una fotografía de sus ojos y un testimonio personal, en forma anónima, para ser parte de la instalación multimedia “Arising / Resurgiendo”, que integrará la exhibición.

Se puede participar desde el 25 de abril al 16 de octubre de 2016. Participación vía web.

Las muestras de la semana:

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“Sharing Economy” im Fokus

Veranstaltungsreihe COMMONS des Goethe-Instituts

Neue und nicht mehr ganz so neue Modelle der “Sharing Economy”, wie gemeinschaftliche Finanzierung, Car-Sharing, Lernen und Verbreiten freier (Online)-Inhalte, gemeinschaftliche Produktion, soziales Wohnen, Tauschgeschäfte ohne Geld und Direktanleihe haben in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen und existieren neben spezifischen kooperativen und solidarischen Modellen, die als Ziel eine Verbesserung des Gemeinwohls, die Stärkung der Zivilgesellschaft und Förderung eines nachhaltigen Umweltschutzes haben. Aber was bedeutet es eigentlich, wenn wir von “Sharing Economy” sprechen und was hat diese mit den sogenannten “Commons” zu tun? Warum wird das Konzept des Teilens immer wichtiger? Wer spricht heutzutage von Sharing Economy/kollaborativer Wirtschaft und welche Lebensmodelle werden uns angeboten?

Mit dem Ziel, nationale und internationale Best Practice-Beispiele zu veranschaulichen und über die Herausforderungen der kollaborativen Kultur nachzudenken, umfasst die Veranstaltungsreihe COMMONS Vorträge, Podiumsgespräche, Workshops, Filmvorführungen und Erfahrungsaustausch der unterschiedlichsten Initiativen.

Zum Treffen in Buenos Aires sind unter anderem folgende internationale Gäste eingeladen: Neal Gorenflo (Mitbegründer von Shareable, USA), Lala Deheinzelin (Leiterin von Enthusiasmo Cultural, Brasilien), André Gaul (Mitbegründer von Freifunk, Deutschland), Dana Giesecke (Wissenschaftliche Leiterin von FUTURZWEI, Stiftung Zukunftsfähigkeit, Deutschland), David de Ugarte (Sociedad de las Indias Electrónicas, Spanien), Antonia Chavez Wallig und Aline Bueno (Kulturverein Vila Flores, Brasilien), Oscar Bastidas (Experte für Genossenschaftswesen, Venezuela) und Julian López (Kulturzentrum Ciudad Móvil in Cartagena, Kolumbien).

Unter den argentinischen Gästen sind Jorge Bragulat (Leiter des Zentrums für soziale Wirtschaft der Universidad Nacional de Tres de Febrero), Heloisa Primavera (Gründerin des Tauschnetzwerkes Club del Trueque), Ricardo Orzi (Experte für soziale Währungen, Universidad Nacional de Luján), Beatriz Busaniche (Stiftung Vía Libre), Cristina Calvo (Leiterin von PIDESONE, dem Internationalen Programm zu Demokratie, Gesellschaft und neuen Wirtschaftsformen der Universität Buenos Aires), José Luis Coraggio (Universidad Nacional General Sarmiento) und Juan Carlos Junio (Leiter des Kulturzentrums Floreal Gorini).

Die Veranstaltungsreihe ist als Einstimmung auf das vom Goethe-Institut organisierte internationale Symposium “The Sharing Game. Exchange in Culture and Society” gedacht, das im Juni 2016 in Weimar stattfindet. Darüber hinaus ist die Reihe Teil des argentinischen Programms der dritten Ausgabe der “Woche für kollaborative Wirtschaft”, gefördert von Minka und El plan C, um Erfahrungen miteinander zu teilen und die Diskussion der Sharing Economy/kollaborativen Wirtschaft in der lokalen und internationalen Szene zu etablieren.

  • COMMONS. Neue soziale Praktiken des Tauschens und Teilens
  • 04.05. bis 07.05.2016
  • Centro Cultural de la Cooperación (Av. Corrientes 1543) und Club Cultural Matienzo (Pringles 1249).
  • Freier Eintritt mit Online Einschreibung.
  • Mehr Informationen hier.

Die ganze Welt in einer Stadt

Eine weitere Ausgabe von BAFICI ging zu Ende

Von Michaela Ehammer

BAFICI - Konzert 2
Große Begeisterung der Beteiligten, sorgsam und liebevoll gewählte Filme und ein Staraufgebot, das alle Erwartungen übertraf – das war das Filmfestival BAFICI 2016. Doch jetzt sind der Glanz und der Trubel um den Filmemarathon vorbei, das BAFICI-Fieber abgekühlt und Buenos Aires wieder in seinen Normalzustand zurückgekehrt. Überraschendes Auftreten einiger Filmschauspieler bei den letzten Aufführungen, ansehnliche Filme sowie haufenweise Gratis-Vorstellungen bildeten vergangenes Wochenende einen glamorösen Abschluss der 18. Ausgabe des internationalen Filmfestivals der unabhängigen Filme, welches vom 13. bis zum 24. April stattfand und die ganze Welt des Kinos in Buenos Aires vereinte.

So war etwa der offizielle Abschlussfilm “Miles Ahead” – eine Biografie der Jazzlegende Miles Davis im New York der 1980er Jahre – im Teatro Gran Rivadavia bis auf den letzten Platz ausverkauft. So wie einst der Musiker mit virtuosem Trompetenspiel die Herzen der Menschen im Sturm eroberte, machte ihm dies auch Juan Cruz de Urquiza bei seinem anschließenden Konzert – einer Homenage an Miles Davis – gleich.

Auf der Terrasse des Centro Cultural Recoleta bezauberten am Sonntag gleich drei Gratis-Vorführungen alle Altersklassen: Mit “Hacelo Corto” waren verschiedene Kurzfilme vertreten, der BAFICITO-Beitrag “Wallace & Gromit” begeisterte Kinder und Familien, und als krönender Abschluss glänzte “Michael Jackson‘s Journey from Motown to off the Wall” für alle Musikfans auf der Leinwand.

Auch Peter Bogdanovichs Film “The Last Picture Show” aus dem Gastland USA sorgte am Sonntagabend für einen gefüllten Kinosaal bei der letzten Vorstellung im Cine Gaumont. Herzhaftes Lachen, pures Staunen und quälendes Mitgefühl des Publikums füllte in diesen zwei Stunden den Raum.

Für ein ganz besonderes und unvergessliches Erlebnis mit Gänsehautfeeling sorgte zudem am Sonntag ein Klassiker von Leonardo Favio im Malba, bei dem die Filmliebhaber nicht nur einen Schwarzweißfilm mit der unverwechselbaren Graciela Borges sehen konnten, sondern die Grande Dame höchstpersönlich vor Ort war. Wie im gezeigten Film “El dependiente” aus dem Jahre 1969 brillierte sie auch am Abend vor den Zuschauern in einem bezaubernden und eleganten Outfit in Schwarz und Weiß – von der Begeisterung des Publikums zu Tränen gerührt.

Am Samstag waren bereits die strahlenden Sieger gekürt worden. Als großer Hauptdarsteller des 18. BAFICI ging das argentinische Kino im Allgemeinen hervor – es räumte einen Preis nach dem anderen ab. Triumphierender Film des Festivals: “La larga noche de Francisco Sanctis” von Andrea Testa und Francisco Márquez. Der argentinische Film gewann unter anderem mit Diego Velazquez den Preis für den besten Hauptdarsteller, den Publikumspreis sowie zwei weitere inoffizielle Preise (SIGNIS und FEISAL) und sorgte mit einem Sieg in der Kategorie “Bester internationaler Film”, bei der 17 internationale Filme ins Rennen gingen, für die große Überraschung. “La larga noche de Francisco Sanctis” offenbart uns, dass wir unser Schicksal oftmals selber in der Hand haben. Eines Nachts, während der Militärdiktatur, erreichen den bescheidenen Familienvater Informationen über bevorstehende militärische Operationen. Soll Francisco sein eigenes Leben für Fremde riskieren?

Der Preis für den besten Regisseur in der gleichen Kategorie ging an den Ägypter Tamer El Said für sein Werk “In the last days of the city”. Der Film spielt in Kairo, im Jahre 2009, und erzählt die Geschichte von Khalid. Während der Mann dem Verlust seines eigenen Lebens begegnet, versucht er einen Film über die Schwierigkeiten und Schönheiten des Lebens zu drehen.

“Primero Enero” von Darío Mascambroni ist stolzer Gewinner bei einem Preisgeld von 150.000 Pesos der Kategorie “Bester argentinischer Film”. Als “Bester Regisseur” in derselben Kategorie wurde Melisa Liebenthal für ihren Film “Las Lindas” mit einer Prämie von 40.000 Pesos ausgezeichnet.

Als “Bester lateinamerikanischer Film” geht der kolumbianisch-spanische Beitrag “Inmortal” von Homer Etminani hervor und als “Bester Regisseur” in derselben Kategorie wird die Argentinierin María Aparicio für ihren Film “Las Calles” ausgezeichnet. “A Maid for Each” vom Libanesen Maher Abi Samra gewann den Preis “Bester Film – Kategorie Menschenrechte”, und als bester Kurzfilm in der Kategorie “Avantgarde und Geschlecht” wurde “Vintage Print” des Österreichers Siegfried Frühauf von der Jury erkoren.

Das BAFICI lebt seine Tradition, aber es liebt auch den permanenten, jährlichen Neuanfang. So dürfen wir in dieser Ausgabe auf einige Veränderungen zurückblicken: Die Kategorie “Lateinamerika” mit acht herausfordernden Filmen wurde ins Leben gerufen, zahlreiche neue, bisher verborgene Spielstätten wurden für das Filmfestival entdeckt, die Kinobegeisterten durften sich in diesem Jahr wieder über 12 Spieltage freuen und vieles mehr. Lasst uns also gespannt sein darauf, was uns das nächste BAFICI – neben einem Meer aus Blitzlichtern und neuen prominenten Gästen – sonst noch alles bietet, wenn es wieder heißt: Buenos Aires kleidet sich in Filme.

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Nach dem Abschlussfilm “Miles Ahead” von Don Cheadle sorgte ein Konzert mit Juan Cruz de Urquiza für gute Stimmung.
(Foto: BAFICI)

BAFICI: Interview mit Karl-Heinz Klopf

“Mir ist nie langweilig”

Von Michaela Ehammer

bafici_interview2Der in Linz geborene und in Wien lebende Künstler und Filmemacher Karl-Heinz Klopf ist mit gleich sechs Filmen im BAFICI 2016 vertreten. Einen Teil seiner Leidenschaft widmet Klopf der Architektur. Vor zwei Jahren wurde bei der 16. Ausgabe des BAFICI sein Film “Towerhouse” gezeigt. In diesem Jahr ist er jedoch das erste Mal persönlich vor Ort mit dabei: als gefeierter Regisseur und als Juror in der Kategorie “Argentinische Kurzfilme”. Seine Arbeiten beschreibt der Österreicher weniger als spontan, sondern vielmehr als nachhaltig. Weltberühmt war er nie, doch Klopf hat sich in der Branche nicht nur einen Namen gemacht, er etabliert sich auch als Künstler auf diesem Markt. Sein steter Begleiter: Eine große Portion Neugier.

Frage: Warum hast du diesen Beruf gewählt?

Karl-Heinz: Nach dem Studium bin ich in ein großes Loch gefallen und hab mir gedacht: Was mach ich jetzt? Künstlerisch angehaucht und die Leidenschaft zur Architektur ist dann eins ins andere geflossen. Ich habe mir gedacht, es wäre einmal interessant, Architektur vom künstlerischen Aspekt zu sehen. Da ich immer schon gerne und viel gereist bin, vor allem in Städten wie Tokio oder New York City, ist mein Beruf halt irgendwie so entstanden. Zu meinem Begeistern, denn langweilig ist mir nie (lacht).

Frage: Deine Hauptaugenmerke liegen auf Zeichnung, Video, Fotografie, Installationen und Projekten für Architektur und Urbanismus – wie würdest du dich selber bezeichnen?

Karl-Heinz: Ganz einfach als Künstler. Für mich ist in der Kunst nicht eine spezielle Richtung wichtig, ich setze meine Interessen in verschiedenen Medien um. Zeichnungen, Fotografien und Filme – das alles ist ja auch irgendwie miteinander verbunden.

Frage: In deinen Filmen spiegeln sich überwiegend Aspekte aus dem asiatischen Raum wider – warum?

Karl-Heinz: (schmunzelt): Die zeitgenössische sowie die alte Architektur von Japan, speziell von Tokio, interessieren mich schon seit langem. Ich glaube, da liegt die Zukunft der Architektur. Durch mein erworbenes Stipendium in Tokio bin ich dann auch sozial in diese Kultur eingetaucht. Wie die Menschen die Stadt benutzen, um auf engstem Raum zu leben, war einfach faszinierend für mich. So ist 1996 auch mein Film “Splace” entstanden.

Frage: Was zeichnet deine Architektur-Filme aus?

Karl-Heinz: Ich kenne viele Architekturfilme, aber die meisten langweilen mich ehrlich gesagt. Viele sind zwar aufschlussreich im Detail, aber das Künstlerische fehlt. In meinen Filmen versuche ich die Geschichten und Familien, die hinter dem Gebäude stehen, zu erfassen und aufzuzeigen. Vor meinem Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz habe ich den Zweig Hochbau an der Höheren Technischen Lehranstalt besucht. Dies hat bestimmt auch Einfluss auf mein Gesehenes. Das Wichtigste für mich ist: Ein Film muss als Film interessieren.

Frage: Dein neuester Film “A Tropical House” feierte in Buenos Aires Weltpremiere – was fühlst du selber, wenn du mit anderen Leuten deinen Film im Kino siehst?

Karl-Heinz: Also den Film habe ich selber ja schon oft gesehen, aber es ist schon etwas ganz anderes natürlich, seinen Film in so großer Projektion mit Ton und so im Kino anzuschauen. In Österreich wird er dann am 23. April auf dem “Crossing Europe Film Festival” in Linz gezeigt

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Fotos von oben nach unten:

Karl-Heinz Klopf.

Eine Szene aus “A Tropical House”.

Zwischen Pathos und Party

Mateo de Urquizas experimenteller “Titus Andronicus” im Teatro El Extranjero

Von Susanne Franz

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“Titus Andronicus” ist William Shakespeares brutalste Tragödie. Mord, Folter, Vergewaltigung, Verstümmelungen, Kannibalismus; die menschlichen Beziehungen von Betrug, Rachsucht, Hinterlist, Lügen, Eifersucht und Hass geprägt. Das Werk entstand wahrscheinlich um 1590, der Barde wollte damit wohl dem Geschmack der damaligen Zeit Rechnung tragen, als blutrünstige Dramen groß in Mode waren. In späteren Jahrhunderten fiel der “Titus Andronicus” in Ungnade wegen seiner besrialischen Grausamkeit, aber im 20. Jahrhundert wurde er wieder vermehrt gespielt. Zwei bestialisch grausame Weltkriege und Hunderte von Konflikten in der ganzen Welt charakterisierten das vergangene Jahrhundert – und im 21. Jahrhundert muss man nur an die Grausamkeiten des IS und die perfiden Methoden von Selbstmordattentätern denken und erkennt, dass die furchterregenden Bräuche des alten Rom nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Der junge argentinische Dramaturg und Regisseur Mateo de Urquiza hat den “Titus” unter dem Titel “Tito Andrónico quiere decir Habeas Corpus” auf einen eineinhalbstündigen Akt verschlankt und in die heutige Zeit versetzt. In De Urquizas Adaptation sind nur sechs der zahlreichen Shakespearschen Charaktere erhalten geblieben: Titus selbst, sein Widersacher im Kampf um das Amt der römischen Herrschers Saturninus, Titus’ Sohn Lucius (der einzige, der im Originalwerk überlebt), seine Tochter Lavinia, die Gotenkönigin Tamora, die Titus als Gefangene von einem Feldzug mit nach Rom gebracht hat, und Tamoras Dienstbote und heimlicher Geliebter Aaron.

Getragen wird das Werk von sich abwechselnden Monologen der Darsteller, die Teile des Shakespearschen Originals gemischt mit Zitaten von und Anspielungen auf Dichter und Denker der heutigen Zeit, argentinische Politiker, Künstler oder gar Fernsehstars vortragen. Die Wucht und Dramatik der leidenschaftlichen Deklamationen sind teils überwältigend, Lavinias Bericht etwa von ihrer Vergewaltigung ist mehr als bedrückend. Mit oft drastischen Worten werden die schrecklichsten Taten, zu denen Menschen fähig sind, denunziert, und die Abgründe der menschlichen Seele bloßgelegt.

Dann wieder wird das Werk oft plötzlich von Brechtschen Elementen durchbrochen – etwa wenn die sechs Darsteller unvermittelt nach vorne treten und die Zuschauer direkt ansprechen und auffordern, doch nach Hause zu gehen, wenn sie hier ein Shakespeare-Stück erwartet hätten und jetzt enttäuscht seien. Manchmal fühlt man sich zudem in eine Szene von Big Brother versetzt, wenn die Schauspieler sich wie nebenbei über eher banale Fragen austauschen. Zu diesen Techniken, die dem Spannungsabbau dienen, zählen auch das Bühnenbild (Sofia Eliosoff) mit Planschbecken und einem Tisch, wie er an einem Nachmittag im Garten bei Freunden bei einem Asado stehen könnte, die Kostüme (Daniela Dralye) – weiße Kleidung oder Badeanzüge und Shorts, Badelatschen, Handtücher -, und immer wieder laute Trash-Popmusik-Einlagen von Britney Spears oder Rihanna, zu denen die Beteiligten tanzen, sich mit Plastikhaifischen und Bällen bewerfen, Sportübungen machen oder erotische Handlungen andeuten (Choreografie: Valeria Narváez).

Großes Lob auch für den Ton (Vanesa del Barco), die Beleuchtung (Julia Vega) und die Videobearbeitung (Federico Shmidt) und die durchweg sehr guten Schauspielleistungen von Norberto Laino (Titus), Juan Pablo Sierra (Saturninus), Vicente Santos (Aaron), Santiago Paciullo (Lucius) und vor allem der beiden Damen Cintia Hernández (Lavinia) und Martina Greiner (Tamora).

Das Stück kann man noch heute Abend sowie Mittwoch, den 27. April, und Mittwoch, den 4. Mai, jeweils um 20.30 Uhr im Teatro El Extranjero, Valentín Gómez 3328, Buenos Aires, sehen. Karten im Theater oder bei Alternativa Teatral.

Foto:
Titus-Adaptation mit Selfie.

Eine Rock-Tournee der anderen Art

Rockfotografie-Ausstellung “Highlights” im Centro Cultural Borges

Von Julia Kornberg

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Werke von fünf internationalen Fotografen sind momentan im Centro Cultural Borges zu sehen. Nach monatelanger Vorbereitung wurde die erste Ausgabe der Ausstellung “Highlights” eröffnet, eine Schau mit Arbeiten von verschiedenen Rockstar-Fotografen, die der Argentinier Matías Altbach in Buenos Aires vereinte.

Gezeigt werden die Fotos von Altbach zusammen mit Bildern von Matthias Hombauer (Österreich), Dana Distortion (USA), Javier Bragado (Spanien) und Dean Chalkley (Großbritannien), die lebhafte Momente von weltberühmten Rockbands wie The Rolling Stones, Paul McCartney, Madonna, Damon Albarn, Skunk Anansie Miley Cyrus oder Pulp widerspiegeln. Sowohl private, intime Augenblicke vom Leben der Musiker als auch intensive musikalische Höhepunkte auf der Bühne wurden mit der Kamera in professioneller Art und Weise eingefangen und sind nun hier in Buenos Aires ausgestellt.

Dadurch, dass soziale Netzwerke auch kleinere Künstler und ihre Arbeiten in den Vordergrund bringen, muss man nicht Paul McCartney – oder Sebastião Salgado – sein, um in einem bestimmten Milieu prominent zu werden. Nicht nur haben sich neue Berufe herausspezialisiert, sondern auch die Technologie, die solche Bilder erlaubt, wurde verbessert und einem breiteren Kreis zugänglich. Und so wurde Rock-Fotografie zu einem eigenen Gebiet der Fotografie.

“Ich habe mit einer 500 Dollar-Kamera angefangen”, erzählte Matthias Hombauer am bei der Pressekonferenz. “Als ich bekannter wurde, hat mir der Beruf erlaubt, mit besseren Geräten zu arbeiten.” Heutzutage genießen diese Fotografen einen ähnlichen Status wie die Rockstars: Die Arbeiten der Künstler wurden unter anderem in Zeitschriften wie Rolling Stone Magazine, The Huffington Post, Billboard, NME, The Guardian und The New York Times veröffentlicht.

Die Fotos haben Facetten, die noch über die Werke hinausgehen: Die Rockstar-Fotografen kennen auch jede Geschichte, die sich hinter den Bildern versteckt. “Einmal wollte Damon Albarn (Blur, Gorillaz) in Dänemark nach fünf Stunden nicht von der Bühne gehen. Er wollte einfach nicht und spielte weiter”, so Matías Altbach. “Dann haben die Veranstalter ihn mit Sicherheitsmännern runtergebracht. Die Zuschauer waren so verärgert, sie haben alles im Stadion verbrannt und zerstört – es war verrückt”. Sowohl bei ihm als auch bei den anderen Fotografen gibt es eine besondere Begeisterung, eine Leidenschaft für Musik und Rock, die man in ihren Fotos deutlich sehen kann: “Warum hast du dich für diese Art von Fotografie entschieden?”, fragte sich Dana Distortion und beantwortete diese Frage selbst mit einem fröhlichen “Weil ich einfach die beste Arbeit der Welt habe!”

Weltberühmte Musiker abzulichten sei aber nicht nur purer Spaß, wie Javier Bragado erzählt, der Beruf sei nicht nur romantisch und “super-geil”, wie sich das vielleicht viele Menschen vorstellen. “Man hat die schlechtesten Bedingungen, die man als Fotograf haben kann. Du kannst dich nicht bewegen, aber alles bewegt sich um dich herum. Das Licht ist oft sehr schlecht und die Leute schreien und kreischen überall.” Da sind Professionalität und harte Arbeit gefragt, um hoch qualitative Fotos zu schaffen.

Sowohl die Leidenschaft des Fotografen als auch die angewandte Technik sind deutlich in den Fotos zu sehen, und die Bilder in der Ausstellung “Highlights” zeigen eine unverwechselbare Liebe für Musik und visuelle Kunst.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. April im Centro Cultural Borges (Viamonte/San Martín) zu sehen. Zwei weitere Ausgaben von “Highlights” sind bereits in Planung: London (2016) und New York (2017).

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Fotos von oben nach unten:
Metallica, von Javier Bragado.

Damon Albarn, von Matías Altbach.