Freundschaftliches “Titanen-Duell”

Hitchcock und Truffaut im Malba

Von Virginia Kirst

Alfie.JPGIm März veranstaltet das Malba einen Kino-Zyklus, der sich ausschließlich um die Werke von Alfred Hitchcock und François Truffaut dreht. Das Museum widmet den beiden Regisseuren einen kompletten Monat und lässt sie zu einem freundschaftlichen “Titanen-Duell” antreten.

Truffaut verehrte Hitchcock, was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheint, da die Werke der beiden unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Filmographien sind fast gegensätzlich vom technischen Standpunkt aus betrachtet, in der Konzeption und vor allem in der Art und Weise, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Trotzdem arbeiteten Hitchcock und Truffaut gelegentlich zusammen und halfen sich gegenseitig bei der Perfektion ihrer Drehbücher. Die berühmteste Kolaboration ist das Buch “Herr Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?”, für das Hitchcock Truffaut ein 50-stündiges Interview zu seinen bisherigen knapp 50 Filmen gab, welches 1966 als Buch erschien und seitdem als Meilenstein der Filmliteratur gilt. Weiterhin zeigen einige von Truffauts Filmen einen starken Einfluss von Hitchcock. So enthält etwa der letzte Film des Franzosen “Auf Liebe und Tod” (1983) viele Motive, für welche Hitchcock bekannt war, wie auch Anspielungen auf dessen Filme.

Im März zeigt das Malba 20 Filme von Alfred Hitchcock und François Truffaut. Immer donnerstags bis sonntags werden mindestens drei Filme pro Abend gezeigt, der erste Streifen fängt um 14 Uhr an. Der Eintritt kostet $ 7, ermäßigt $ 3.50. Das genaue Programm ist auf der Homepage des Malba einzusehen. Frohes Gruseln!

Vom Internet in den Ausstellungssaal

“Septiembre, día por día”: Flogger am Werk

Von Susanne Franz

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Bis zum 4. März ist im Centro Cultural Borges die innovative Ausstellung “Septiembre, día por día” zu sehen. Der Aufforderung, ein Foto-Tagebuch für den September 2006 im Internet anzulegen, leisteten zunächst 40 Hobby- und Profifotografen Folge. Einzige Bedingung war, dass man den Monat über ein Foto pro Tag in ein “Fotoblog” im Internet stellen sollte. Am Ende des Monats waren 17 Teilnehmer übrig: 15 Argentinier, 1 Guatemalteke und ein Russe. Irgendwann traf man sich dann auch im “wirklichen Leben” in einem Café in San Telmo, wo die Idee zur Ausstellung geboren wurde.

flog3.jpgUnd die ist sehr originell: Der interaktive, fließende, demokratische Charakter des Internets wird durch unterschiedliche Formate vermittelt; die Fotos sind mit den dazugehörigen Kommentaren der Nutzer ausgestellt; auf dem Boden liegen “Blogrolls”. Die Diskussion um die Auswahl der Bilder hat einen ebenso großen Raum wie die Werke selbst. Die Fotografen: Moisés Castillo, Fernando de la Orden, Fernando Di Sisto, Nicolás Faig, Manuel Fernández, Carolina Gómez, Marina González Hueso, Soledad Gryciuk, Mateo Heras, Sergio Liste, Rosana Longinotti, Any Maneta, Daniel Merle (Koordinator), Lucía Merle, Consuelo Oppizzi, Artem Ovsyannikov und Natalia Zega.

Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín. Mo-Sa 11-21, So 12-21 Uhr. Eintritt frei.

Dieser Artikel erschien am 24.02.07 im “Argentinischen Tageblatt”.

Drei Generationen einer Künstlerfamilie

“Tres generaciones”: Werke der Familie Makarius/Greiner

Von Susanne Franz

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Gemälde von Karim Makarius.

Das überbordende Talent einer Familie kann man noch bis zum 4. März in einer sehenswerten Ausstellung im Centro Cultural Borges (Viamonte/San Martín) sehen: “Tres generaciones” heißt die großzügig gehängte Exposition der Familie Makarius/Greiner. Klar im Mittelpunkt steht die menschliche Figur: sowohl in den tiefgründigen Gemälden und Graphiken des bekannten, aus Ägypten stammenden Künstlers Sameer Makarius (geb. 1924), als auch in den wilden, kreativen Werken seines Sohnes Karim Makarius (geb. 1958) und den Fotografien der Tochter Leila Makarius (geb. 1954), in denen Mensch, Kultur und Architektur in zahlreichen Spiegelungen in einen poetischen Dialog treten.

Leilas Tochter Marion Greiner (geb. 1979) zeigt in ihren figurativen Gemälden großes Talent; ins Abstrakte lotet ihr Bruder Miguel Greiner (geb. 1982) mit Fotografien, in denen er mit dem Licht experimentiert. Hier gibt es wiederum eine Übereinstimmung mit Karim Makarius: In einer innovativen Serie von großformatigen digitalisiert-intervenierten “Projektogrammen” zeigt dieser (in Zusammenarbeit mit Maxi Luciano) eine ganz andere Facette seines außerordentlichen Talents.

Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín. Mo-Sa 11-21, So 12-21 Uhr. Eintritt 4 Pesos, Rentner und Studenten 2 Pesos.

Dieser Artikel erschien am 24.02.07 im “Argentinischen Tageblatt”.

Kalender / Agenda

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Ausstellungs-Kalender 24.02.07-03.03.07

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Lucila Portabales zeigt ihre Foto-Ausstellung „Tú y Joey“ bei Juana de Arco.
  • MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires), Av. Figueroa Alcorta 3415 (Do-Mo und feiertags 12-20 Uhr, Di geschlossen, Mi bis 21 Uhr, Eintritt frei. An anderen Tagen: Eintritt 10 Pesos, Lehrer und über 65-Jährige 5 Pesos, Studenten, Kinder unter 12 Jahren und Behinderte gratis): „Adquisiciones, donaciones y comodatos, Obras Malba-Colección Costantini“, Gemälde, Objekte, Zeichnungen, Fotos, Filme, Videos und Dokumente, die neu vom Museum erworben wurden, und die Schenkungen und Leihgaben von 2006. Bis 19.3. / „Arte contemporáneo“, zeitgenössische Kunst aus dem Museumsschatz, darunter Werke von Leo Battistelli, Fabián Burgos und Cristina Piffer (2004), und von Elba Bairon, Dino Bruzzone, Cristina Schiavi und Pablo Siquier (2005). Im „Contemporáneo“-Saal. 19.1-26.3. / Marta Minujín. „Los meses del año“ (Terrasse). 7.12.-September 2007. / Sergio Avello, „Volumen“ (Explanade). 7.12.-September 2007.
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Agenda / Kalender

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Agenda de Muestras 24/02/07-03/03/07

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Lucila Portabales inauguró la muestra de fotos “Tú y Joey” en Juana de Arco.

Centros de exposiciones

  • MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires), Av. Figueroa Alcorta 3415 (Jue-Lun y feriados 12-20 hs, martes cerrado, Miércoles hasta 21 hs, entrada libre. Los otros días: entrada 10 pesos, docentes y mayores de 65 años 5 pesos, estudiantes, menores de 12 años y discapacitados gratis): “Adquisiciones, donaciones y comodatos, Obras Malba-Colección Costantini”, pinturas, objetos, dibujos, fotografías, films, videos y documentos recientemente adquiridos, además de las últimas donaciones y comodatos incorporados en 2006. Hasta el 19 de marzo. / “Arte contemporáneo”, las obras de arte contemporáneo de la colección permanente del museo. Entre ellas, se destacan piezas de Leo Battistelli, Fabián Burgos y Cristina Piffer (2004), y de Elba Bairon, Dino Bruzzone, Cristina Schiavi y Pablo Siquier (2005). En la sala de Contemporáneo. 19.01-26.03. / Marta Minujín. “Los meses del año” (Terraza). 8.12.-septiembre de 2007. / Sergio Avello, “Volumen” (Explanada). 8.12.-septiembre de 2007.
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Buenos Aires im Tango-Fieber

Das “IX. Festival Buenos Aires Tango” hält vom 23. Februar bis 4. März die Stadt in Atem

Von Susanne Franz

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Tanghetto spielt im Rahmen der „8 Grandes Bailes“ am Sonntag, dem 25.2., ab 23 Uhr in “La Viruta” (Eintritt 10 Pesos).

Mit einem Freilichtkonzert im Palermo-Park eröffnen Rubén Juárez, begleitet vom “Cristian Zárate Sexteto”, und Ehrengäste wie die Sänger Javier Calamaro und Celeste Carballo heute abend das von der Stadtverwaltung organisierte IX. Tangofestival von Buenos Aires. Bis zum 4. März werden zahlreiche Konzerte berühmter Meister, aber auch neuer Talente stattfinden; “klassischer” Tango wird ebenso zu hören sein wie avantgardistische Tendenzen. Rioplatensische Klänge und Tango von ausländischen Künstlern finden ebenfalls ihren Platz.

Höhepunkt ist wie immer die “Gran Milonga al aire libre” (Riesen-Milonga unter freiem Himmel) am Samstagabend, dem 3. März: Tanz und Musik bis zum Morgengrauen auf mehreren abgesperrten Straßen rund um die Avenida Diagonal Norte und Maipú.

In der ganzen Stadt können Anfänger und Fortgeschrittene darüber hinaus an Tangoklassen und -workshops teilnehmen. Zu den Tangolehrern gehören María Nieves, Jorge Firpo, Mora Godoy, Gachi Fernández, Gabriel Missé und Alejandra Mantiñán, Pablo Villarraza und Dana Frígoli, Natalia Games und Gabriel Angió, und viele andere.

Die Veranstaltungen des Festivals sind gratis (ausgenommen die „8 Grandes Bailes“), wobei zu beachten ist, dass die Freilichtveranstaltungen bei Regen abgesagt werden müssen und dass man bei den Konzerten, die in Theatern oder Konzertsälen stattfinden, die Gratiskarten zwei Stunden vorher abholen muss.

Im Hauptaustragungsort des Tangofestivals, dem Messegelände La Rural an der Plaza Italia, findet außerdem in diesem Jahr eine Tango-Messe (“Feria de productos”) statt.

Das “IX. Festival Buenos Aires Tango” zeichnet sich in diesem Jahr durch eine besonders starke Präsenz von Orchestern und “Orquestas típicas” aus, wie dem Orchester von Rodolfo Mederos, dem “Orquesta Escuela Tango”, dem “Sexteto Mayor”, dem “Orquesta de Tango Buenos Aires”, “El Arranque”, “Sans Souci”, “Cerda Negra”, “Los Reyes del Tango” und “La imperial”.

Die Einflüsse des Tango auf andere Musikrichtungen wie Rock, Jazz und elektronische Musik und die starken Bande zur uruguayischen Musik werden in Konzerten von Omar Giammarco und Malena Muyala sowie Aufführungen des “Quinteto La Mufa” und Arlett Fernández lebendig.

Mit von der Partie sind in diesem Jahr Lidia Borda, Rodrigo de la Serna mit seiner Gruppe “El Yotivenco”, Caracol, Falsos Profetas, Pablo Ziegler, Escalandrum (die Jazzband von Daniel “Pipi” Piazzolla), die “Banda Sinfónica de la Ciudad”, und viele andere mehr.

Alle Informationen und das Programm findet man auf der Webseite des Festivals.

Dieser Artikel erscheint am 24.02.07 im “Argentinischen Tageblatt”.

Lesen Sie auch den Artikel “Argentinien – Land der Festivals”.

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“Fernández Fierro” spielen am Samstag, dem 3. März, ab 20.30 Uhr im Teatro de la Ribera.

Filmkünstler auf DVD II

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Lisandro Alonso-Pack in der 2. Ausgabe der “colección malba.cine”

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Mit der Edition der kompletten Filmografie des argentinischen Regisseurs Lisandro Alonso (“La libertad”, “Los muertos”, “Fantasma”), legt die Abteilung Kino des Museums für Lateinamerikanische Kunst (Malba) die zweite Ausgabe ihrer DVD-Sammlung argentinischen und lateinamerikanischen Kinos vor. Im Jahr 2006 war die erste “colección malba.cine” dem Werk Martín Rejtmans gewidmet.

Neben den drei Filmen Alonsos enthält der DVD-Pack auch unveröffentlichtes Material: Die herausgeschnittenen Szenen, Trailers und das “Making off” des Films “Los muertos” könnte man beinahe schon als eigenständige Arbeit des Regisseurs betrachten.

Der DVD-Pack wird am Donnerstag, dem 22. Februar, um 20 Uhr im Malba, Av. Figueroa Alcorta 3415, bei freiem Eintritt vorgestellt.

Arte fílmico en DVD II

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Películas de Lisandro Alonso en segunda edición de “colección malba.cine”

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Con la edición de la filmografía completa del director Lisandro Alonso (“La libertad”, “Los muertos”, “Fantasma”), el Malba presenta la segunda entrega de su colección de DVD de cine argentino y latinoamericano, inaugurada en 2006 con los films de Martín Rejtman.

Además de las tres películas de Alonso, esta nueva edición incluye escenas eliminadas, trailers y el making off de “Los muertos”, que bien podría considerarse como un cuarto largometraje inédito del director.

Lanzamiento: Jueves 22 de febrero a las 20 horas en el Malba, Av. Figueroa Alcorta 3415.

Berlinale ehrt Argentinier Julio Chávez

“Wir haben geheult wie Schlosshunde”

Von Susanne Franz

julioch2.JPGAls der Argentinier Julio Chávez am vergangenen Samstagabend auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde, befand er sich längst wieder in Buenos Aires. Chávez war lediglich am Dienstag nach Berlin gereist, um der Premiere des Filmes “El otro” beizuwohnen, in dem er die Hauptrolle spielt. Mit einem Sieg hätte er nie gerechnet, waren doch Robert De Niro, Gerard Depardieu und Matt Damon für den Preis im Gespräch gewesen.

Nur insgesamt 20 Stunden hielt sich Julio Chávez in der Geburtsstadt seines Vaters auf, aus der dieser als von den Nazis verfolgter Jude fliehen musste. “Mein Vater wäre bestimmt stolz darauf gewesen, dass ich in seiner Heimatstadt mit diesem Preis geehrt worden bin”, sagt Chávez, dessen eigentlicher Name Hirsch lautet.

Julio Chávez hat in Buenos Aires ein Theater-Engagement – er stellt in der Ein-Mann-Performance “Yo soy mi propia mujer” (Ich bin meine eigene Frau) den Berliner Transsexuellen Charlotte von Mahlsdorf dar. “Auf diese Weise hatte ich an dem Abend, als ich den Bären gewonnen habe, einen ganz besonderen Draht nach Berlin!”, sagt der Schauspieler.

Von seinem Sieg erfuhr er am Telefon: Der Regisseur von “El otro”, Ariel Rotter, der für seinen Film außerdem den Großen Preis der Jury entgegennehmen durfte, rief ihn sofort an. “Wir haben geheult wie Schlosshunde und kaum ein vernünftiges Wort gewechselt”, erzählt Chávez lokalen Medien. “Irgendwann musste ich auflegen. Das war so, als ob Dich jemand aus der Sixtinischen Kapelle in Rom anruft und sagt: “Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie schön es hier ist!””

Dieser Artikel erscheint am 24.02.07 im “Argentinischen Tageblatt”.

Die Schönheit im Auge des Betrachters

Fotoausstellung von Carlos Furman

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Carlos Furmans Foto von Margarita Balis „Ojo al zoom“.

Nur noch an diesem Wochenende kann man im Rahmen des „IV. Festival Buenos Aires Danza Contemporánea“ (Festival des Modernen Tanzes) die Fotoausstellung “Bs.As. Danza” des renommierten Theater- und Tanz-Fotografen Carlos Furman sehen: im „Espacio Casa de la Cultura“, Av. de Mayo 575, von 14-20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Das Programm des Tanzfestivals, das morgen zu Ende geht, findet man auf der Internetseite des Festivals.

Kalender / Agenda

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Ausstellungs-Kalender 17.02.07-24.02.07

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Die Ausstellung „Sobre la extensión de la vida“ von Emilio Torti wird am 23. Februar im Centro Cultural Recoleta eröffnet.
  • MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires), Av. Figueroa Alcorta 3415 (Do-Mo und feiertags 12-20 Uhr, Di geschlossen, Mi bis 21 Uhr, Eintritt frei. An anderen Tagen: Eintritt 10 Pesos, Lehrer und über 65-Jährige 5 Pesos, Studenten, Kinder unter 12 Jahren und Behinderte gratis): „Adquisiciones, donaciones y comodatos, Obras Malba-Colección Costantini“, Gemälde, Objekte, Zeichnungen, Fotos, Filme, Videos und Dokumente, die neu vom Museum erworben wurden, und die Schenkungen und Leihgaben von 2006. Bis 19.3. / „Arte contemporáneo“, zeitgenössische Kunst aus dem Museumsschatz, darunter Werke von Leo Battistelli, Fabián Burgos und Cristina Piffer (2004), und von Elba Bairon, Dino Bruzzone, Cristina Schiavi und Pablo Siquier (2005). Im „Contemporáneo“-Saal. 19.1-26.3. / Marta Minujín. „Los meses del año“ (Terrasse). 7.12.-September 2007. / Sergio Avello, „Volumen“ (Explanade). 7.12.-September 2007.
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