Vorfahrt für Pedalritter

Mobilität auf zwei Rädern: Das Hamburger Museum der Arbeit untersucht in einer großen kulturgeschichtlichen Ausstellung, wie das Fahrrad den Stadtraum erobert hat

Von Nicole Büsing & Heiko Klaas

fahrrad2Hochrad, Bonanza-Rad, Tandem, Mountain-Bike, Rennrad, BMX-Rad: In Deutschland gibt es 71 Millionen Fahrräder und 45 Millionen Autos. Die Kulturgeschichte des ökologisch korrekten Fortbewegungsmittels, seine technischen Finessen und viele weitere Aspekte zum Thema pedalbetriebener Mobilität in urbanen Metropolen beleuchtet jetzt die Ausstellung “Das Fahrrad. Kultur, Technik, Mobilität” im Hamburger Museum der Arbeit. “Es war unser Anliegen, das Auf und Ab des Fahrrads zu erzählen”, erläutert Kurator Mario Bäumer.

Im Zentrum der abwechslungsreichen Schau steht eine Galerie mit rund 70 Ikonen des Fahrradbaus: Die erste Laufmaschine von 1817, ein Hochrad, wie es wagemutige Dandys im ausgehenden 19. Jahrhundert als exzentrisches Spielzeug liebten, aber auch Beispiele für Lastenräder, wie sie in früheren Zeiten Bäcker zum Ausliefern benutzten, ein Damenrad, das durch das Montieren einer Stange zum Herrenrad umfunktioniert werden kann, oder diverse historische Rennräder im Stil der belgischen Radrenn-Legende Eddy Merckx.

“Das Fahrrad erlebt heute eine Renaissance”, sagt Mario Bäumer. So konzentriert sich die Schau nicht nur auf Fahrradaccessoires wie sorgsam restaurierte historische Fahrradlenker oder alte Schließanlagen für das umweltbewusste Großstadtgefährt. Die breit aufgestellte Ausstellung widmet sich auch ausgiebig dem Thema Mobilität in typischen Fahrradstädten wie Amsterdam, Kopenhagen oder Münster, wo schon frühzeitig durchdachte Konzepte für radelnde Verkehrsteilnehmer entwickelt wurden. Aber auch in Städten wie Paris, Hamburg oder Brüssel wird das Fahrradfahren attraktiv gemacht: Moderne Leihfahrradstationen ermöglichen Mobilität ohne Auto und Parkplatznot für Stadtbewohner und Besucher.

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“In der Nachkriegszeit hat das Auto die Infrastruktur der Städte verändert und das Fahrrad verdrängt”, erläutert Mario Bäumer. Mit der Ölkrise und der Ökobewegung in den 1970er Jahren feierte das Fahrrad dann sein Comeback, und es erfolgte ein Umdenken. Heute jedoch ist das Fahrrad längst nicht mehr nur das Vehikel von Umweltfreaks. Manche Liebhaber investieren viel Geld in liebevoll restaurierte Zweirad-Oldtimer, E-Bikes oder Luxus-Drahtesel.

Als besonders exklusives Exponat präsentiert die Ausstellung ein Kultrad des Pariser Nobel-Labels Hermès für 8100 Euro. Bastler und Tüftler tunen ihr geliebtes Zweirad mit Extraausstattungen, als schnittiges Liegerad oder als praktisch ausgestattetes Beförderungsmittel samt Anhänger für den Nachwuchs. Ob sportiv durch die Stadt, gemütlich durch die Landschaft oder als kopfsteinerprobter Profi beim 1896 gegründeten Radrenn-Klassiker Paris-Roubaix: Das Velo ist ein Vehikel für viele Gelegenheiten, und jeder Fahrradbesitzer hat eine andere Haltung zu seinem Gefährt.

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Die Hamburger Ausstellung bietet eine kurzweilige Bestandsaufnahme rund ums Fahrrad, will aber nicht moralisieren. Trotzdem stellt Mario Bäumer fest: “Vielleicht beobachten wir zur Zeit den Abschied vom Auto. Auf jeden Fall ist das Fahrrad das neue Statussymbol.”

  • Ausstellung: Das Fahrrad. Kultur, Technik, Mobilität
  • Ort: Museum der Arbeit, Hamburg
  • Zeit: 9.5.2014-1.3.2015, Mo 13-21 Uhr, Di-Sa 10-17 Uhr, So und Feiertage 10-18 Uhr
  • Katalog: Junius-Verlag, 216 S., ca. 250 Farbabb., 24,90 Euro
  • Internet: Webseite des Museums, Webseite zur Ausstellung

Fotos von oben nach unten:

Französisches Werbeplakat, Entwurf Jean de Paléologue, um 1900.

“Quatruplet”, Adler, 1898.
(SDTB, B. Huth)

SkyCycle: Vision des Architekten Norman Foster für eine oberirdische Fahrradautobahn in London 2014.
(Foster & Partners)

Morgen: Künstler-Gespräch im Espacio Kamm

Gesprächsrunde über Fotografie heute

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Was Sie schon immer über Cyanotypie wissen wollten: Morgen, Samstag, den 23. August, ab 18 Uhr, können Sie dem argentinischen Künstler Marcos Mangani und dem Kurator Francisco Medail Fragen über Fotografie heute stellen.

Der Raum für zeitgenössische Kunst Espacio Kamm lädt in jeder Ausstellung zu einer “Conversatorio” genannten Gesprächsrunde ein. Dabei treten der Künstler und ein Kurator in einen Dialog mit dem Publikum. Die Veranstaltung wird moderiert von den Direktoren des Kunstraumes, Kirsten Mosel und Julián León Camargo.

Die Ausstellung “Exósfera” ist noch bis zum 29. August zu sehen: Mario Bravo 1136, Palermo, Buenos Aires, donnerstags und freitags 16-20 Uhr und nach Voranmeldung (Tel.: 011 15-6151-1704).

Foto:
“Exósfera” – Belichtung durch Cyanotypie von Marcos Mangani.

Abwesenheit des Subjekts

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Bilder von August Sander und Michael Somoroff im Centro Cultural Recoleta

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Im Rahmen des 25. Fotografie-Festivals Encuentros Abiertos – Festival de la Luz 2014 wird heute abend (12. August) um 18 Uhr im Saal 4 des Centro Cultural Recoleta (Junín 1930, Buenos Aires) die Ausstellung “Abwesenheit des Subjekts” eröffnet.

Die Serie “Abwesenheit des Subjekts” des US-amerikanischen Fotografen Michael Somoroff ist eine bewegende Hommage an das monumentale Werk “Menschen des 20. Jahrhunderts” des legendären deutschen Fotografen August Sander. Mit Hilfe digitaler Techniken entfernt Somoroff gerade das aus dem Bild, was man immer für ein wesentliches Element des Porträts gehalten hatte: das Subjekt. Die von Diana Edkins und Julian Sander kuratierte und von der Agentur Admira (Mailand) in Zusammenarbeit mit FEROZ Galerie (Bonn) und dem Goethe-Institut organisierte Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft.

Michael Somoroff lernte das Werk Sanders (1876-1964) im Jahr 2003 im New Yorker MoMA kennen. Sanders Originalwerk, von dem Teile in dieser Ausstellung zu sehen sein werden, besteht aus einer umfangreichen Serie mit äußerster Sorgfalt zusammengestellter Porträts, die Auskunft über die hierarchische Struktur der deutschen Gesellschaft geben. Dabei treten die Porträtierten nicht vorrangig als Individuen in Erscheinung, sie sind vielmehr Repräsentanten einer visuellen Typologie, die alle Beschäftigungen, Berufe und Klassen einschließt.

“Abwesenheit des Subjekts” eröffnet eine neue Sicht auf Sanders Werk: Die Serie erkundet die Mehrdeutigkeit der Begriffe Realität und Wahrheit in der Fotografie. Somoroff hat in jedem einzelnen der von ihm ausgewählten 40 Fotos die abgelichteten Personen gelöscht, so dass einzig der Bildhintergrund erhalten blieb. Er nimmt dem Foto also gerade das vermeintlich Wesentliche, das Subjekt. So wird der Bildhintergrund zum Hauptmotiv.

Die von Somoroff geschaffenen neuen Bilder lassen die Überzeugungskraft und die ästhetischen Qualitäten hervortreten, welche Sanders Werk selbst dann noch auszeichnen, wenn jenes durch das Subjekt gegebene Hauptelement fehlt. Es ist eine ungewohnte Art der Fotografie, in der Zufall und Akzeptanz zusammenfließen. Es sind Arbeiten, die den Betrachter in eine Poetik des Schweigens einhüllen und dazu anregen, über sich selbst als Subjekt nachzudenken.

August Sander gilt als der bedeutendste deutsche Porträtfotograf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein erstes Buch, “Antlitz der Zeit”, war eine umstrittene Publikation zum kollektiven Porträt der deutschen Gesellschaft. Der Band erschien 1929 und wurde später durch die Arbeit “Menschen des 20. Jahrhunderts” erweitert, welcher der Fotograf sein ganzes Leben widmete. “Antlitz der Zeit” enthielt eine Auswahl von 60 Porträts, die einen repräsentativen Querschnitt durch die Gesellschaft der Weimarer Republik zeigen wollte. Sanders Ziel war ein fotografischer Essay, der alle Beschäftigungen, Berufe und Klassen einschließen sollte, welche die Gesellschaftsstruktur des Landes in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg bildeten. Es gelang ihm, einen typologischen Katalog zusammenzustellen, in denen auf über 600 Fotografien “Typen” von Deutschen erfasst wurden.

Alle Abgelichteten erscheinen in formalen Körperhaltungen, als Identifikationsmerkmal dienten Bildunterschriften mit knappen Angaben zum sozialen Status. Sander wollte ein universales Porträt der menschlichen Gattung schaffen, eine monumentale Dokumentation von Personen-“Typen”, die ein besseres Verständnis der Veränderungen in Aspekten wie Klasse, Rasse, Beruf, ethnischer Zugehörigkeit und anderen Identitätskonstruktionen ermöglichen sollte.

Michael Somoroff, Sohn des bekannten Fotografen Ben Somoroff, wurde 1957 in New York geboren. Er studierte Kunst und Fotografie in der New School for Social Research und lernte auch dadurch, dass er seinem Vater im Studio, bei Außenaufnahmen und in der Dunkelkammer half. 1978, im Alter von 21 Jahren, eröffnete er sein eigenes Studio und begann für angesehene Zeitschriften in den USA und Europa zu arbeiten.

Im Oktober 1979 fand im New Yorker International Center for Photography die erste Ausstellung des Künstlers statt, persönlich betreut durch Cornell Capa, der die Karriere des jungen Somoroff förderte. 1980 ging er nach Europa, wo er in London, Paris, Mailand und Hamburg arbeitete. Unter seinen wichtigsten Mentoren waren die Fotografen Gyula Halász (bekannter unter seinem Pseudonym Brassaï), Andreas Feininger, Louis Faurer und Andre Kertész.

Seit seiner Rückkehr nach New York Ende der achtziger Jahre widmet sich Michael Somoroff ganz den Recherchen zu seinen Projekten und seiner künstlerischen Produktion. Außerdem hält er Vorträge und beteiligt sich in Zusammenarbeit mit kulturellen Institutionen an der Schaffung vom Programmen, die sich der Kunst als eines Instruments bedienen sollen, das dazu beiträgt, die Verständigung zwischen den Menschen und den Gemeinschaften, in denen sie leben, zu verbessern. Somoroff ist in vielen bedeutenden Kunstsammlungen vertreten, unter anderem im Museum of Modern Art (New York), im Museum of Fine Arts (Houston/Texas) und in der Smithsonian Institution (Washington, D.C.).

Die Ausstellung kann bis zum 21. September 2014 dienstags bis freitags von 13 bis 20 Uhr; samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 20 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Ausencia de sujeto: una nueva definición del retrato fotográfico

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Imágenes de August Sander y Michael Somoroff en el Centro Cultural Recoleta

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En el marco del Festival de Fotografía Encuentros Abiertos – Festival de la Luz 2014 se podrá visitar la muestra “Ausencia de sujeto” en la Sala 4 del Centro Cultural Recoleta (Junín 1930, Buenos Aires). Estará entre el 12 de agosto y el 21 de septiembre de 2014, de lunes a viernes de 13 a 20 horas y sábados, domingos y feriados de 11 a 20 horas, con entrada libre.

La serie “Ausencia de sujeto” del fotógrafo estadounidense Michael Somoroff es un conmovedor homenaje a “People of the 20th Century”, el monumental trabajo del legendario fotógrafo alemán August Sander. Somoroff se vale de la manipulación digital para sacar de la foto lo que siempre se creía que era un elemento esencial del retrato: el sujeto.

Curada por Diana Edkins y Julian Sander, y organizada por Admira (Milán) en colaboración con FEROZ Galerie (Bonn) y el Goethe-Institut, la muestra cuenta con el auspicio de la Embajada de Alemania.

Somoroff pudo ver a Sander (1876-1964) en 2003 en el MoMA neoyorquino. La obra original de Sander –parte de la cual también se incluye en esta exhibición– se compone de una larga serie de retratos meticulosamente compuestos que hablan del orden jerárquico de la sociedad alemana presentando a los sujetos no tanto como individuos sino de acuerdo a un catálogo tipológico que incluye todas las ocupaciones, profesiones, clases.

“Ausencia de sujeto” permite revisionar la obra de Sander explorando la ambigüedad de las nociones de realidad y verdad en la fotografía. Con ayuda de la tecnología digital, en cada una de las cuarenta fotografías que seleccionó, Somoroff borró a los sujetos dejando únicamente el fondo de la imagen. Borró de la foto lo que siempre se creía que era un elemento esencial del retrato: el sujeto. El fondo de la imagen se vuelve así el motivo principal.

Las nuevas imágenes creadas por Somoroff enfatizan el poder persuasivo y las cualidades estéticas presentes en la obra de Sander aun cuando falta el elemento principal dado por el sujeto. Es un tipo de fotografía al que no estamos acostumbrados y en la que confluyen la casualidad y la aprobación. Estos trabajos sumergen al espectador en una poética del silencio, llevándolo a reflexionar sobre sí mismo como sujeto.

August Sander es considerado el más importante fotógrafo retratista alemán de comienzos del siglo XX. El primer libro de Sander, “Rostro de nuestro tiempo”, fue una controvertida publicación sobre el retrato colectivo de la sociedad alemana que se publicó en 1929 para ser ampliada más tarde con el trabajo al que el fotógrafo dedicó toda su vida: “Menschen des 20. Jahrhunderts” (People of the 20th Century). “Rostro de nuestro tiempo” contenía una selección de sesenta retratos y pretendía mostrar un perfil representativo de la sociedad durante la República de Weimar.

Sander intentó crear un ensayo fotográfico que incluyera todas las ocupaciones, profesiones y clases que formaban la estructura social del país en los años posteriores a la Primera Guerra Mundial. Llegó a crear un catálogo tipológico de alemanes de más de seiscientas fotografías. Se colocaba a los sujetos en una postura formal y se los identificaba solo por un pie de foto que especificaba sus referencias sociales. Sander quería crear un retrato universal del género humano, una documentación monumental de “tipos” de personas que permitiera una mejor comprensión de los cambios en aspectos como clase, raza, profesión, etnia y otras construcciones de identidad.

Michael Somoroff, hijo del eminente fotógrafo Ben Somoroff, nació en Nueva York en 1957. Estudió Arte y Fotografía en la New School for Social Research y también aprendió ayudando a su padre en el interior de su estudio, en el exterior y en la cámara oscura. En 1978, a los 21 años, abrió su propio estudio y poco después empezó a trabajar para prestigiosas revistas en Estados Unidos y Europa. En octubre de 1979 tuvo lugar la primera exposición del artista en el Centro Internacional de Fotografía de la ciudad de Nueva York, bajo la supervisión personal de Cornell Capa, quien lanzó la carrera del joven Somoroff. En 1980 se trasladó a Europa y trabajó en Londres, París, Milán y Hamburgo. Entre sus mentores más importantes se cuentan el fotógrafo Gyula Halász (más conocido como Brassaï), Andreas Feininger, Louis Faurer y Andre Kertész.

Desde que regresó a Nueva York a finales de los 80, Michael Somoroff se ha dedicado en profundidad a la investigación y a su producción artística. Además, imparte charlas y colabora con instituciones culturales de todo tipo para crear programas que utilicen el arte como una herramienta para mejorar la comunicación entre las personas y las comunidades. Somoroff está presente en muchas e importantes colecciones de arte repartidas por todo el mundo, entre otras la del Museo de Arte Moderno de Nueva York, la del Museo de Bellas Artes de Houston (Texas) y la Smithsonian Institution de Washington.

“Zwei lange Unterhosen der Marke Hering”

Lesung und Gespräch mit Ariel Magnus im Goethe-Institut

maximiliano_luna_telamBei einer Lesung mit anschließendem Gespräch am Donnerstag, dem 7. August, um 19 Uhr, in der Bibliothek des Goethe-Instituts Buenos Aires (Av. Corrientes 343) spricht der argentinische Autor Ariel Magnus mit Silvie Rundel (Die Zeit) und Andrea Bélafi (Goethe-Institut) unter der Moderation von Carla Imbrogno (Goethe-Institut). Der Eintritt ist frei.

Ariel Magnus dokumentiert in seiner bewegenden Familienchronik, die im Originaltitel “La abuela” heißt, das Leben seiner Großmutter, einer jüdischen Immigrantin, die 1946 aus Auschwitz fliehen konnte und nach Brasilien emigrierte. In der deutschen Übersetzung erschien das Buch unter dem kuriosen Titel “Zwei lange Unterhosen der Marke Hering”. “Ariel Magnus […] liefert mit ‚Zwei lange Unterhosen der Marke Hering‘ ein äußerst unkonventionelles Erinnerungsbuch einer Holocaust-Überlebenden.” So schrieb die Jüdische Zeitung über “La abuela”, das Buch, das Kiepenheuer & Witsch in deutscher Übersetzung von Silke Kleemann veröffentlichte.

Die Buchkritiken haben nicht mit Lob gespart. Eine der Rezensionen hebt besonders die Einstellung des Autors hervor, der folgende Anmerkung in seinem Vorwort angibt: “Es gibt reichlich Literatur von den und über die Überlebenden der nationalsozialistischen Vernichtungslager. Dieses Buch ist nicht aus dieser Literatur hervorgegangen und möchte ihr auch kein weiteres Werk hinzufügen. Ich habe nicht vor, über den Holocaust zu reflektieren oder für die Annalen die Geschichte einer weiteren Überlebenden zu erzählen. Stattdessen geht es um eine Großmutter und ihren Enkel, in diesem Fall um meine Oma (die Auschwitz überlebt hat) und um mich (der ich manchmal über Dinge reflektiere, von denen ich wenig Ahnung habe).”

In der Originalfassung auf Spanisch gibt Ariel Magnus einen Bericht seiner Oma wider, in dem sie ihm, gespickt mit Sätzen auf Deutsch und Portugiesisch, auf chaotische Weise erzählt, wie sie sich mit 22 Jahren auf der Suche nach ihrer blinden Mutter freiwillig ins Konzentrationslager Theresienstadt deportieren ließ, ihr später nach Auschwitz folgte, um anschließend wie durch ein Wunder in Bergen-Belsen freigelassen zu werden und über Schweden in Porto Alegre, Brasilien, zu landen, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2013 gelebt hat.

Die Eigentümlichkeit dieser Reportage stellt in Bezug auf die Übersetzung in eine Metasprache, die im Original sowohl kulturell, historisch als auch wörtlich vorkommt, eine Herausforderung dar. In der spanischen Originalfassung sind die Textstellen, in denen die Oma spricht, Übersetzungen (des Autors) aus dem Deutschen und Portugiesischen ins Spanische. Die deutsche Fassung erforderte daher, auf die Quellen zurückzugreifen, d.h. auf die Kassetten mit den ungeordneten Aufnahmen. Die Änderung des Buchtitels wurde vom Verlag entschieden und greift das Bild eines wiederholten Geschenks der Oma an ihren Enkel auf. Immer wieder schenkte sie ihm zwei lange Unterhosen der Marke Hering.

Über die Form der Erzählung erklärt der Autor: “Meine Oma zu porträtieren, heißt nicht nur, ihre Geschichte zu erzählen, sondern vor allem, die Art und Weise abzubilden, wie sie diese Geschichte erzählt. Daher geben die zeugnishaften Kapitel, deren Grundlage ein ebenso ausgedehntes wie schwieriges Interview im südlichen Sommer 2002 war, ihre Sprechweise so getreu wie möglich wider und auch ihre Art, die Informationen zu ordnen oder eher durcheinanderzubringen. Auch wenn ihre Erzählung zu Beginn etwas verwirren mag, lässt sich die Stimme meiner Oma nur so in ihrer ganzen Vitalität übermitteln, die sie auf gewisse Weise vor dem sicheren Tod rettete.”

Der Autor erzählt aber nicht nur von der Vergangenheit, sondern auch von der Gegenwart: “Ich erzähle also von der Gegenwart einer Person, von der vermeintlich nur die Vergangenheit interessant ist. Dabei bewegt mich in erster Linie die literarische Intuition, dass meine Oma eine bemerkenswerte Figur ist, und außerdem der journalistische Instinkt, dass die seltsame Beziehung, die sie noch immer zum Land ihrer Henker unterhält, viel über diese schreckliche Vergangenheit sagt, die sie lieber vergessen würde und die ich hier rekonstruieren möchte.”

Ariel Magnus, geboren 1975 in Buenos Aires. Studium in Deutschland, schrieb für verschiedene Medien in Lateinamerika, die taz in Berlin und Spiegel Online und lebt heute als Autor und literarischer Übersetzer in Buenos Aires. Er hat bislang elf Bücher veröffentlicht. 2007 wurde er für seinen Roman “Ein Chinese auf dem Fahrrad” mit dem internationalen Literaturpreis Premio La otra Orilla ausgezeichnet. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2010 erschien es auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch. “Zwei lange Unterhosen der Marke Hering” erschien 2012 ebenfalls bei KiWi.

Foto:
Ariel Magnus.
(Foto: Maximiliano Luna)

Ausstellungs-Experiment mit Cyanotypie

“Exósfera” – Fotografie im Raum von Marcos Mangani wird am Samstag im Espacio Kamm eröffnet

Von K.M.

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Marcos Mangani beschäftigt sich mit den Ursprüngen der Fotografie, unter anderem mit der 1842 erfundenden Cyanotypie, einem Blaupausen-Verfahren. Auf Einladung des Espacio Kamm verlegte er sein Atelier diesen Juli in den Kunstraum in Palermo, um an einem aufwendigen Experiment zu arbeiten: einer fotografischen Direkt-Belichtung des gesamten Ausstellungsraumes.

Dafür werden die Wände mit einer photosensiblen eisenhaltigen Emulsion behandelt. Das natürliche UV-Licht des Raumes belichtet die präparierten Wände, auf denen das in der Emulsion enthaltende Eisen blaue Kristalle bildet.

Welche Veränderungen ruft die Belichtung hervor? Wieso kommt vorher Nicht-Gesehenes zum Vorschein? Wo sind die Grenzen der von Mangani verwendeten Cyanotypie zur Malerei? Welche Funktion hat die sichtbare Handschrift des Künstlers, die die Emulsionsbahnen konsequent von oben nach unten wie in einer Versuchsanordnung behandelt?

Diesen Fragen geht der 23-jährige argentinische Künstler in seiner Arbeit nach und verwandelt den Ausstellungsraum in eine temporäre alchimistische Forschungswerkstatt.

Die Eröffnung von “Exósfera” findet am Samstag, dem 2. August, von 18-23 Uhr statt. Die Ausstellung ist bis zum 29. August zu sehen. Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag von 16-20 Uhr und nach Voranmeldung (Tel.: 011 15-6151-1704). Espacio Kamm, Mario Bravo 1136, Palermo, Buenos Aires.

Foto:
“Exósfera” – Belichtung durch Cyanotypie von Marcos Mangani.

Im Bann der Fotografie

Das landesweite “Festival de la Luz” beginnt am 1. August

Von Susanne Franz

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Die künstlerische Fotografie steht vom 1. August bis zum 30. September im Zentrum des Interesses, denn in diesem Zeitraum findet der Mega-Event “Festival de la Luz” (Festival des Lichts) statt – mit 178 Ausstellungen von 500 Künstlern aus 31 Ländern in 45 Städten Argentiniens. Alle zwei Jahre sorgt das Fotografie-Festival, das mit vollem Namen “Encuentros Abiertos – Festival de la Luz” heißt, für Aufmerksamkeit – 2012 strömten 1.500.000 Besucher zu den unterschiedlichen Veranstaltungen, die im Rahmen des Festivals organisiert wurden.

2014 feiert das “Festival de la Luz” seinen 25. Geburtstag und steht unter dem Motto „Horizontes“ (Horizonte). In Buenos Aires und dem Landesinneren wird es als Begleitprogramm eine Reihe interessanter Vorträge und Rundtischgespräche sowie Workshops von und mit internationalen und argentinischen Experten geben. Außerdem sind Interventionen und Aktionen im öffentlichen Raum geplant und es stehen “Soirées Fotográficas” genannte Projektionen der Arbeiten internationaler Fotografie-Stars (z.B. Lucas Zanier aus der Schweiz), Buchvorstellungen, Foto-Wettbewerbe und das bereits etablierte Portfolio-Forum auf dem Programm.

Pastrycook, 1928Auch nicht direkt an dem Festival beteiligte Galerien sind im Fotografie-Rausch – zahlreiche „angeschlossene Räume“ (Espacios adherentes) zeigen interessante Foto-Ausstellungen, z.B. der Foto Club Buenos Aires (ab 7.8.), der Espacio Colegiales (ab 25.8.) und der Espacio Tucumán (ab 1.8.) mit Gemeinschaftsausstellungen oder die Galerie Vasari mit dem argentinischen Starfotografen Alejandro Kuropatwa.

Das Centro Cultural Recoleta widmet ab dem 12. August fast die Gesamtheit seiner Räume dem “Festival de la Luz”. Besonderer Leckerbissen in Saal 4: Mit der Serie “Abwesenheit des Subjekts” schuf der US-amerikanische Fotograf Michael Somoroff eine bewegende Hommage an das monumentale Werk “Menschen des 20. Jahrhunderts” des legendären deutschen Fotografen August Sander. Mit Hilfe digitaler Techniken entfernt Somoroff gerade das aus dem Bild, was immer für ein wesentliches Element des Porträts gehalten wurde: das Subjekt. Sander (1876-1964) gilt als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Wichtige Ausstellungen finden auch in der “Casa de la Cultura” in Buenos Aires, dem Teatro Argentino von La Plata, dem Museum Genaro Pérez von Córdoba, der “Nave Cultural” in Mendoza, dem Museum Juan Yaparí in Misiones, dem MAC in Salta, dem Museo Nacional de Bellas Artes in Neuquén und in den verschiedenen Niederlassungen der Alianza Francesa im ganzen Land statt.

Auf folgende internationale Künstler sollte man im Rahmen des Festivals achten: Roger Ballen (Südafrika), Luis González Palma (Guatemala), Patrick Gries (Frankreich), Timur Kuznecov (Russland), Jan Smith (Mexiko), Mads Ljungdhal (Dänemark) sowie Jamey Stilling und Brad Temkin (USA).

Sämtliche Informationen zu “Encuentros Abiertos – Festival de la Luz” findet man auf der Webseite des Foto-Festivals.

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Fotos von oben nach unten:
Vorfreude: Im September wird in der Galerie “Arte y Parte” in Buenos Aires Alejandro Cantors Ausstellung “Bruma” gezeigt.

August Sander, “Bäcker”, 1928.
© Die Photographische Sammlung/SK-Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln.

Das Werk “Concealment” von Ian Moreyra (Argentinien) wurde im Itaú-Wettbewerb “25/25” für unter 25-Jährige iu Lateinamerika in der Kategorie der unter 18-Jährigen ausgewählt (ab 12.8. im Centro Cultural Recoleta).

Ein Haus voller Geschichte(n)

In der Casa Fernández Blanco wird die einzigartige Puppensammlung der Schwestern Mabel und María Castellano Fotheringham als Dauerausstellung präsentiert

Von Philip Norten

Am 14. Juli 2012 eröffnete das Museo de Arte Hispanoamericano Isaac Fernández Blanco seinen neuen Zweitsitz in der historischen Casa Fernández Blanco (Hipólito Irigoyen 1420), deren Besuch sich gleich doppelt lohnt. Das eklektizistische Gebäude im Stil der Neorenaissance war ursprünglich das Wohnhaus des Kunstsammlers Isaac Fernández Blanco und der erste Sitz des Museums, das noch heute seinen Namen trägt. 1880 errichtet, wurde das Gebäude in unterschiedlichen Etappen immer wieder erweitert, um den Bedürfnissen des Hausherren gerecht zu werden. So u.a. 1901 von Alejandro Christophersen, dem dänischstämmigen Architekten, der beispielsweise für den Palacio San Martín verantwortlich zeichnet. Hervorzuheben sind an dem Gebäude vor allem die reiche Innenausstattung wie z.B. die Holzarbeiten und Glasmalereien, die zum Teil eigens aus Europa importiert wurden.

Die heute etwas abseits erscheinende Lage der Casa Fernández Blanco täuscht dabei den heutigen Besucher: Das Haus ist nur wenige Meter von der Avenida de Mayo entfernt, dem damals neuen Zentrum der Stadt, wo sich die neuesten und besten Restaurants, Theater und Hotels befanden. Schon früh öffnete Fernández Blanco sein Heim zu bestimmten Zeiten der Öffentlichkeit, um seine große Sammlung von Musikinstrumenten und hispanoamerikanischer Kunst zu zeigen. 1922 verkaufte er seine Sammlung für einen symbolischen Betrag an die Stadt Buenos Aires mit der Bedingung, dass das künftige Museum seinen Namen tragen solle. 1943 zog das Museum um und befindet sich heute im Palacio Noel, während die Casa Fernández Blanco lange leerstand und erst in den letzten Jahren von der Stadt gekauft werden konnte, die darauf beschloss, das Haus zu einem Zweitsitz des Museums auszubauen. Nach umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen präsentieren sich nun die ersten Räume des Erdgeschosses – wie z.B. das repräsentative Treppenhaus und der Speisesaal – wieder in ihrer ursprünglichen Pracht.

Neben der Architektur zieht eine ganz besondere Sammlung die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich: Unter dem Titel “Había una vez…” wird in den ersten wiedereröffneten Räumen des Museums die einzigartige Puppensammlung der beiden Schwestern Mabel und María Castellano Fotheringham präsentiert. Die traditionelle Einleitungsform für Märchen “Es war einmal…” macht dabei deutlich, dass uns die unglaubliche Vielzahl an historischen Puppen – die in eigens hergestellten Vitrinen sehr liebevoll ausgestellt werden – in eine Welt der Kindheit, Märchen und Träume entführen soll. Die große Vielfalt an Typen und Modellen sowie die liebevolle Gestaltung und handwerkliche Meisterschaft bei deren Herstellung macht dabei auch auf einen gesellschaftlichen Wandel aufmerksam und veränderte Vorstellungen von Spiel, Mode, Geschlechterrollen und Erziehung.

  • Casa Fernández Blanco
  • Hipólito Yrigoyen 1420, Buenos Aires
  • Di-Fr 12-18, Sa und So 11-17 Uhr. feiertags geschlossen
  • Eintritt 2 Pesos, Mi und Do gratis
  • Webseite

Fotos:
Der Speisesaal der Casa Fernández Blanco.

Die historischen Puppen sind in eigens hergestellten Vitrinen ausgestellt.

“La Hija de Dios”

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Dalma Maradona refleja acerca de su vida con su famoso padre

Por Marcus Christoph

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¿Cómo es ser la hija de Diego Maradona? Con mucho humor e ironía, la actriz Dalma Maradona intenta describir su vida marcada, desde su nacimiento en el año 1987, por la fama de su padre. „Hija de Dios“ – así se llama la nueva presentación de la obra que se puede ver hasta el 27 de julio en el Cultural San Martín (Sarmiento 1551).

Dalma describe episodios divertidos y particulares. Por ejemplo, relata una anécdota durante su adolescencia en un concierto del grupo estadounidense Backstreet Boys, cuyos miembros eran para la adolescente casi dioses. Tanto mayor fue la sorpresa de Dalma cuando el cantante Howie Dorough y los otros músicos pidieron permiso para fotografiarse con Diego Maradona. Para Dalma era casi increíble que para sus admirados ídolos tuviera tanto valor mostrarse al lado de su papá.

Esto es sólo un ejemplo de las muchas notables ocasiones que se plantean cuando uno tiene un padre que es admirado en todo el mundo como casi ningún otro futbolista. Un culto que es tan grande que hasta tiene en Argentina una iglesia propia en honor de Maradona: la iglesia maradoniana. Dalma cuenta una situación cuando alguien la nombró como „esperma de Dios“ y pidió permiso de tocarla.

También en el contexto de su formación como actriz Dalma tiene algunas anécdotas para contar. En un concurso duro logró conseguir un lugar en el renombrado Instituto Universitario de Arte. Cuando contó a su padre por teléfono de las grandes exigencias del lugar, el solamente preguntó desenfadadamente cuánto costaría comprar el Instituto.

La obra de teatro consiste principalmente en un monólogo de Dalma, al cual se suman comentarios ocasionales de su compañero Mariano Bicain. Se muestran varias imagenes de la vida de la familia Maradona y algunos videos privados. Por ejemplo cuando Diego quiere enseñar a su nieto Benjamín, el hijo de Giannina, la hermana menor de Dalma, patear la pelota de zurda como el abuelo. Se ve una grabación del niño de cinco años, cuya pierna derecha está atada a una mesa, mientras el está pateando la pelota con la pierna izquierda.

Aunque – como explicó Dalma en forma humorística – no siempre fue fácil crecer como „la hija de Dios“, su balance general termina siendo positivo. Así la obra finaliza con una confesión de amor a su („super“) padre.

Para concluir „Hija de Dios“ es un muy entretenido espectáculo, que puede verse los viernes y sábados a las 21 horas y los domingos a las 20 horas. La entrada cuesta 80 pesos los viernes y los sábados, los domingos sólo 60 pesos.

Foto:
Dalma Maradona en “Hija de Dios”.

“Die Tochter Gottes”

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Dalma Maradona reflektiert ihr Leben mit ihrem berühmten Vater

Von Marcus Christoph

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Wie ist es, Tochter von Diego Maradona zu sein? Mit viel Witz und Ironie unternimmt die Schauspielerin Dalma Maradona den Versuch, ihr Leben zu beschreiben, das seit ihrer Geburt im Jahre 1987 von der Berühmtheit ihres Vaters geprägt ist. “Hija de Dios”, zu Deutsch “Tochter Gottes” heißt die Neuauflage des etwa 80-minütigen Stückes, das noch bis zum 27. Juli im Cultural San Martín (Sarmiento 1551) zu sehen ist.

Dalma beschreibt dabei amüsante und skurrile Episoden. So berichtet sie aus ihrer Teenagerzeit von einem Konzert der US-amerikanischen Boygroup Backstreet Boys. Deren Mitglieder waren für das heranwachsende Mädchen geradezu Halbgötter. Umso größer war dann Dalmas Überraschung, als die Jungs um Sänger Howie Dorough darum baten, ob sie mit Diego Maradona zusammen fotografiert werden dürften. Für Dalma damals kaum zu glauben, dass die von ihr angehimmelten Idole so viel Wert darauf legten, an der Seite ihres Vaters stehen zu dürfen.

Dies ist nur ein Beispiel für die zahlreichen bemerkenswerten Begebenheiten, die sich ergeben, wenn man einen Vater hat, der weltweit verehrt wird wie kaum ein anderer Fußballer. Ein Kult, der sogar soweit geht, dass es in Argentinien eine Kirche zu Ehren Maradonas, die “Iglesia Maradoniana”, gibt. Dalma berichtet von einer Gelegenheit, als jemand sie als “Spermium Gottes” bezeichnete und sie bat, sie berühren zu dürfen.

Auch im Zusammenhang mit ihrem eigenen Werdegang als Schauspielerin weiß Dalma einige Anekdoten zum Besten zu geben. In einem harten Ausleseverfahren schaffte sie es, einen Platz im renommierten Instituto Universitario de Arte zu ergattern. Als sie ihrem Vater per Telefon von den hohen Anforderungen der Ausbildungsstätte berichtete, fragte der nur nonchalant, wie viel es denn kosten würde, das Institut zu kaufen.

Das Theaterstück besteht vor allem aus Monologen Dalmas, die durch gelegentliche Einwürfe ihres Partners Mariano Bicain ergänzt werden. Gezeigt werden zahlreiche Bilder aus dem Leben der Familie Maradona sowie einige Videoeinspielungen. Beispielsweise, wie Diego seinem Enkel Benjamín, dem Sohn von Dalmas jüngerer Schwester Giannina, beibringen will, wie der Opa mit Links zu schießen. Zu sehen ist eine Aufnahme des Fünfjährigen, dessen rechtes Bein an einem Tisch festgebunden ist, während er mit dem linken Fuß nach dem Ball tritt.

Auch wenn es – wie von Dalma auf humorvolle Weise dargelegt – nicht immer leicht gewesen sein mag, als “Tochter Gottes” aufzuwachsen, fällt ihr Gesamtfazit doch positiv aus. So endet das Stück mit einem Liebesbekenntnis zu ihrem (Über-)Vater.

Unter dem Strich ist “Hija de Dios” ein kurzweiliges Feuerwerk an Anekdoten, das freitags und samstags um 21 Uhr sowie sonntags um 20 Uhr beginnt. Der Eintritt beträgt an den beiden erstgenannten Tagen 80 Pesos. Sonntags kostet das Ticket nur 60 Pesos.

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Dalma Maradona in “Hija de Dios”.

Renn, Víctor, renn!

Neu im Kino: “7 cajas”, Thriller aus Paraguay

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Víctor (C. Franco), ein 17-jähriger Lastenträger, der auf Asuncións riesigem Großmarkt “Mercado 4” arbeitet, träumt einmal wieder in den Tag hinein. Wie immer stellt er sich vor, reich und berühmt zu sein – und verliert dadurch einen Kunden. Deshalb nimmt er einen ungewöhnlichen Job an: Er soll 7 Kisten, deren Inhalt er nicht kennt, über den Markt transportieren und dafür 100 Dollar kassieren – das ist für Víctor unvorstellbar viel Geld.

Auf dem Weg über den Markt beginnen sich seltsame Dinge zu ereignen. Víctor verliert das Handy, das er zusammen mit dem halben 100-Dollar-Schein von den Auftraggebern bekommen hat. Eine Kiste geht verloren. Die Polizei durchsucht den Markt, und andere Träger bieten Víctor an, die Fracht zu beschützen. Víctor und Liz (L. González), die ihn begleitet, merken zu spät, dass sie in ein Verbrechen verwickelt sind…

Der Thriller der paraguayischen Filmemacher Juan Carlos Maneglia und Tana Schémbori hat 2011 und 2012 auf verschiedenen Festivals weltweit viel Lob und beachtenswerte Preise eingeheimst.

“7 cajas“”- Paraguay 2012. 105 Min. Thriller ab 16. Spanisch. Regie: Juan Carlos Maneglia, Tana Schémbori. Mit Celso Franco, Lali González, Nelly Dávalos.

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Was ist bloß in diesen Kisten? Die Situation für Víctor wird immer brenzliger.