Liebesdrama in der DDR

Der deutsche Film “Barbara” – jetzt auch in Argentinien in den Kinos

Von Marcus Christoph


Wer sich für DDR-Geschichte interessiert, der sollte “Barbara” von Regisseur Christian Petzold nicht verpassen. Im Mittelpunkt des Films, der im Jahr 1980 spielt, steht die Ärztin Barbara Wolff (Nina Hoss). Sie hat einen Ausreiseantrag gestellt und ist deswegen von Ost-Berlin in eine Klinik an der Ostseeküste versetzt worden. Doch auch dort will die Staatsmacht die Schritte der unzufriedenen Ärztin genau beobachten. So ist auch Barbaras neuer Chef André Reiser (Ronald Zehrfeld) von der Stasi darauf angesetzt, sie auszuspionieren. Es herrscht eine Atmosphäre aus Misstrauen zwischen den beiden, die jedoch im Laufe des Films allmählich in Zuneigung und Verliebtheit umschlägt.

Barbara gerät zusehends in einen inneren Konflikt. Denn sie hat auch einen Liebhaber in der Bundesrepublik, mit dem sie ihre Flucht in den Westen plant. Andererseits vertieft sich die Beziehung zu André. Eines Nachts steht ein Boot an der Ostsee bereit, das sie nach Dänemark bringen soll. Wie wird sich Barbara entscheiden?

“Barbara” ist ein absolut sehenswertes Drama, das die Lebensrealität in der ehemaligen DDR ungeschönt zeigt. Das alltägliche Misstrauen, die perfide Bespitzelung, die Ausgrenzung Andersdenkender, die allgegenwärtige Melancholie. Ein überzeugend dargestelltes Stück Zeitgeschichte.

Der Film erhielt bei der Berlinale 2012 den Silbernen Bären für die beste Regie. Er erreichte beim Deutschen Filmpreis den Silber-Rang in der Kategorie Bester Spielfilm. Zudem war “Barbara” der offizielle deutsche Kandidat für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film.

“Barbara” ist seit dem 20. Juni in den hiesigen Kinos zu sehen.

Liebesdrama in der DDR

Der deutsche Film “Barbara” kommt heute in Argentinien in die Kinos

Von Marcus Christoph


Wer sich für DDR-Geschichte interessiert, der sollte “Barbara” von Regisseur Christian Petzold nicht verpassen. Im Mittelpunkt des Films, der im Jahr 1980 spielt, steht die Ärztin Barbara Wolff (Nina Hoss). Sie hat einen Ausreiseantrag gestellt und ist deswegen von Ost-Berlin in eine Klinik an der Ostseeküste versetzt worden. Doch auch dort will die Staatsmacht die Schritte der unzufriedenen Ärztin genau beobachten. So ist auch Barbaras neuer Chef André Reiser (Ronald Zehrfeld) von der Stasi darauf angesetzt, sie auszuspionieren. Es herrscht eine Atmosphäre aus Misstrauen zwischen den beiden, die jedoch im Laufe des Films allmählich in Zuneigung und Verliebtheit umschlägt.

Barbara gerät zusehends in einen inneren Konflikt. Denn sie hat auch einen Liebhaber in der Bundesrepublik, mit dem sie ihre Flucht in den Westen plant. Andererseits vertieft sich die Beziehung zu André. Eines Nachts steht ein Boot an der Ostsee bereit, das sie nach Dänemark bringen soll. Wie wird sich Barbara entscheiden?

“Barbara” ist ein absolut sehenswertes Drama, das die Lebensrealität in der ehemaligen DDR ungeschönt zeigt. Das alltägliche Misstrauen, die perfide Bespitzelung, die Ausgrenzung Andersdenkender, die allgegenwärtige Melancholie. Ein überzeugend dargestelltes Stück Zeitgeschichte.

Der Film erhielt bei der Berlinale 2012 den Silbernen Bären für die beste Regie. Er erreichte beim Deutschen Filmpreis den Silber-Rang in der Kategorie Bester Spielfilm. Zudem war “Barbara” der offizielle deutsche Kandidat für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film.

“Barbara” ist ab dem heutigen Donnerstag in den hiesigen Kinos zu sehen.

Die Zukunft ist hier

Jugendkulturfestival “Ciudad Emergente” im Centro Cultural Recoleta vom 19. bis 23. Juni

Von Susanne Franz


Besonders für junge Leute lohnt es sich, am kommenden langen Wochenende in Buenos Aires zu bleiben, denn im Centro Cultural Recoleta (Junín 1930) wird vier rauschende Tage und Abende lang das Jugendkulturfestival “Ciudad Emergente” gefeiert. Auf den Gängen und in den Patios und Sälen des Kulturzentrums ist an diesen Tagen erfahrungsgemäß kaum ein Durchkommen, frei nach dem englischen Sprichwort “The more the merrier” (je mehr Leute, desto lustiger wird es) – genau wie es die Argentinier lieben. Dass zudem noch alles gratis ist, erhöht die Attraktivität des zum sechsten Mal vom Kultursekretariat der Stadt Buenos Aires organisierten Festivals noch mehr.

Angekündigt sind neben Ausstellungen von Fotografie, Graffiti und Comiczeichnungen u.a. Konzerte, DJ/VJs, Mode/Design, die Hairstylisten der “Pelookería”, ein Jugendzeitschriften-Bereich, Filmvorführungen, Poetry, Tanz, Stand-Up-Comedy, Theatervorstellungen und Hip Hop-Battles. “Ciudad Emergente” wird Mittwochabend, den 19. Juni, eröffnet und zieht sich bis Sonntag, den 23. Juni.

Über 70 lokale und internationale Künstler und Musiker haben ihr Kommen angekündigt, darunter Nacho Vegas (Spanien), Amparo Sánchez (Ex-Amparanoia, Spanien), Bob Gruen (USA), Fuerza Bruta, Poncho, Utopians, Eruca Sativa, Viva Elástico, Rayos Láser, Ministerio de Energía und Surfistas del Sistema. Aus der Provinz Buenos Aires werden die Gewinnerbands des Wettbewerbs “Rock BA.” erwartet, die mit Gast-Musikern auftreten werden. Auch für kleine Fans gibt es eine Überraschung: die Kinder-Metal-Band Heavysaurios wird nicht nur den kleinen Gästen tüchtig einheizen.

Im Rahmen von “Ciudad Emergente” sind auch die Vorstellungen der Erlebnistheatergruppe Fuerza Bruta (im “Villa Villa”-Saal) gratis. Die Karten können sich Interessierte am Dienstag, dem 18. Juni, ab 12 Uhr im Centro Cultural Recoleta abholen. Es werden 2000 Eintrittskarten vergeben, zwei pro Person. Als Gegenleistung wird eine Spende erbeten – ein warmes Kleidungsstück, Schuhe oder eine Decke für Hilfsbedürftige, die der gemeinnützige Verein “BA Solidaria” im Rahmen seiner “Campaña de Invierno” sammelt.

Infos und Programm auf der Webseite des Festivals, bei Facebook oder unter Tel.: 0-800-333-7848.

Foto:
Vier Tage feiern: Junge “Under”-Kultur im Centro Cultural Recoleta.

Einzigartige Momente

Gemälde von Rosemarie Allers bei Estación-Arte

Von Susanne Franz

Seit dem 13. Juni zeigt die deutschstämmige Malerin Rosemarie Allers einen Monat lang in der Galerie Estación-Arte (Perú 937, Buenos Aires) Werke aus ihrer Serie “Picnic en el precipicio” (Picknick am Abgrund). “Meine Werke laden eigentlich nicht zu einer bequemen Betrachtung ein – und ich mache es mir auch nicht leicht, wenn ich male”, sagt die Künstlerin. Sie will Momente einfangen, in denen alltägliche, “harmlose” Tätigkeiten oder Situationen – wie ein Picknick – mit einer bedrohlichen, andersartigen Realität zusammenprallen. “Ich versuche in meinen Werken auszudrücken, auf welch einzigartige Weise das Schöne und das Grausame in unserer Welt nebeneinander existieren – direkt vor unserer Nase”, so die Künstlerin.

Wie immer spielt in ihren Werken auch die Erotik eine bedeutende Rolle, die Allers nicht idealisiert, sondern als “Kampf der Geschlechter” darstellt. In Allers’ dramatisch-expressionistischen Gemälden ist aber noch viel mehr zu finden. Das sieht sie auch selbst so: “Meine Hand, die den Pinsel führt, weiß mehr als ich – und so kommt es, dass ich da, am Rande des Abgrunds, etwas finde, nach dem ich gar nicht gesucht hatte”.

Ausstellungen zu Ehren Anne Franks

Fotos, Briefe und Dokumente erinnern an die Verfasserin des berühmten Tagebuchs

Von Susanne Franz

Im März 1945 wurde das jüdische Mädchen Anne Frank im Alter von 15 Jahren im KZ Bergen-Belsen von den Nationalsozialisten ermordet. Am 12. Juni diesen Jahres hätte sie 84 Jahre alt werden können. Das Kulturministerium der Stadt Buenos Aires organisierte zu diesem Anlass zwei Ausstellungen im Untergeschoss der Casa de la Cultura (Av. de Mayo 575), die bei freiem Eintritt vom 13.6. bis zum 30.7. besucht werden können. Das Anne Frank-Haus in Amsterdam und die “Casa Ana Frank” in Buenos Aires waren an der Verwirklichung des Projekts beteiligt. Zu sehen sind Reproduktionen historischer Fotos, Briefe und Dokumente. Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 14 bis 19 Uhr. An den Feiertagen 20.6., 21.6. und 9.7. bleiben die Ausstellungen geschlossen.

Rundgang “Vanguardias alemanas en Buenos Aires, Palermo”

Führung des Kunsthistorikers und “Kunst in Argentinien”-Mitarbeiters Philip Norten

Unter dem Titel “Vanguardias alemanas en Buenos Aires, Palermo” bietet der Kunsthistoriker Philip Norten am 15. Juni einen Rundgang auf den Spuren der deutschen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Architektur von Buenos Aires. Die Führung konzentriert sich auf den Stadtteil Palermo, wo besonders interessante Beispiele dieser rationalistischen Baukunst zu finden sind. Die Veranstaltung wurde von der Deutschabteilung des “Colegio de Traductores Públicos de la Ciudad de Buenos Aires” organisiert und richtet sich vor allem an Übersetzer aller Sprachen. Bis zum 12. Juni kann man sich bei der E-Mail-Adresse infocomisiones@traductores.org.ar anmelden.

Treffpunkt ist um 15 Uhr die Plaza República de Chile, Ecke Tagle und Av. del Libertador. Der Rundgang (zu Fuß) endet ca. zwei Stunden später am Edificio Palermo (Av. del Libertador Ecke Oro). Kosten: 40 Pesos. Bei starkem Regen wird die Führung abgesagt. Weitere Infos hier.

Neue Wege, neue Antworten

Neue Online-Kulturzeitschrift “Parte Dos”

Von Susanne Franz

Pünktlich zum “Día del periodista” – dem Tag des Journalisten – am gestrigen Freitag, dem 7. Juni 2013, haben Eduardo Villar und Mercedes Pérez Bergliaffa eine neue Kulturzeitschrift herausgebracht. Die Online-Publikation, die wöchentlich erscheinen soll, heißt “Parte Dos” – Teil Zwei.

Warum “es immer einen zweiten Teil gibt”, verraten die beiden in folgendem Statement:

“… weil nie alles schon gesagt ist.

… weil nicht alles schon erfunden wurde.

… weil man alles infrage stellen kann.

… weil das Leben allein nicht ausreicht und erst die Kunst neuen Sinn und neue Wahrheiten erschafft.

… weil wir uns neue Fragen stellen und neue Arten finden müssen, darauf zu antworten.

… weil es neue Wege gibt – und wenn nicht, man sie bauen muss.

… weil die Kunst eine andere Form des Nachdenkens ermöglicht und zu neuen Erkenntnissen führt.

… weil es nie nur eine Erklärung gibt.”

Bei Facebook haben schon fast 200 Nutzer ihr Wohlgefallen geäußert. Wir freuen uns auf viele weitere Teile!

Talente finden und strahlen lassen

“Paper Scissors Rock” in Palermo – eine Ausstellung der anderen Art

Von Jana Münkel


Wenn man auf eine Vernissage geht, erwartet man eigentlich beanzugte Menschen, helles Kunstlicht und eine förmliche Atmosphäre. Es werden Reden gehalten und der Champagner darf auch nicht fehlen. Überraschend anders aber ist die Eröffnung der Ausstellung “Paper Scissors Rock”. Die Adresse wird erst nach der Anmeldung bekanntgegeben, eingelassen werden die Besucher nach dem Klingeln durch ein unscheinbares Tor in Palermo. Beim Eintreten wartet eine ganz besondere Mischung aus Ausstellungs- und Loungeatmosphäre.

Nach einem kurzen Treppensteigen, vorbei am rot-schwarzen, antiken Aufzug, wartet das geschmackvoll eingerichtete “Clubhouse” auf mehreren offenen Ebenen. Die Kunstwerke an den Wänden wirken, als gehörten sie zu diesem Ort, sie fügen sich großartig ein. Sitzgelegenheiten, gedämpftes Licht und elektronische, unaufdringliche Musik schaffen eine Stimmung, die zum Verweilen einlädt. Draußen im Garten glitzert ein Pool, und wenn es nicht ein kühler Spätsommerabend wäre, würde sich eine kleine Erfrischung sogar anbieten. Vernissagebesuch mit Schwimmgelegenheit, warum nicht?

Ausgedacht hat sich dieses Konzept eine außergewöhnliche Kuratorin. Mareike Müller steht mit einem Rosé inmitten der überwiegend jungen Gäste, unterhält sich hier auf Deutsch, dort auf Spanisch und switcht dann wiederum in Sekundenschnelle zum Englischen. Die junge Frau mit dem Pagenschnitt ist in Berlin geboren und aufgewachsen und interessiert sich schon seit sie denken kann für moderne und zeitgenössische Kunst. Nachdem sie nach einiger Zeit in der Design- und Werbeindustrie das Angebot bekam, als Ausstellungsorganisatorin in Schweden zu arbeiten, ergriff sie die Gelegenheit beim Schopf und machte ihre Leidenschaft zum Beruf.

Doch hier war ihre Reise noch nicht zu Ende: Sie wollte endlich etwas Eigenes auf die Beine stellen, brach kurzerhand alle Zelte in Europa ab und zog nach Buenos Aires, um sich selbstständig zu machen. Dabei vertraut sie auf ihr gutes Näschen für vielversprechende zeitgenössische Kunst. Ganz schön mutig. Ob sie Bedenken hatte? “Klar, man zweifelt immer. Aber wenn man Dinge nicht ausprobiert, können sie auch nicht klappen. Think big!”, erzählt sie und man merkt, dass sie das nicht einfach nur dahersagt, weil es gut klingt, sondern wirklich so meint.

Ihr Projekt hat sie “The eclectic tomorrow” genannt, was soviel wie “die eklektische Zukunft” bedeutet. “Da draußen wartet außergewöhnliches Talent – Die Mission besteht darin, es zu finden, es zu unterstützen und strahlen zu lassen”, so beschreibt Mareike Müller die Philosophie ihrer Idee auf der Website, die an sich bereits zeigt, dass da ein kreativer Profi am Werk ist. Und dass sie genau dafür ein tolles Händchen hat, beweist ihre erste alleine organisierte Ausstellung “Paper Scissors Rock”, die mit einer bunten Mischung aus Fotografien, figürlichen und abstrakten Kunstwerken sowie Streetart von europäischen und lateinamerikanischen Künstlern daherkommt. Das klingt zunächst chaotisch, so wirkt es aber nicht im Geringsten. Genau dieses eklektische “Aufeinanderprallen” ist ja das Ziel, erzählt die junge Unternehmerin, die nebenher auch einen Kunstblog führt – und das Clubhouse mit seinem gedämpften Licht ist der perfekte Ort dafür. Sie entdeckte ihn durch Zufall bei einem Besuch und fragte spontan, ob sie ihre Ausstellung hier machen könne. Die Managerin, eine Belgierin, war begeistert.

Mareike strahlt, wenn sie ihr Werk von der Terrasse aus bewundert und ist ganz aufgekratzt: “Es sind so viele Leute gekommen!” Dabei ist es ihr außerordentlich wichtig, eben keine förmliche, grell erleuchtete Ausstellung zu präsentieren, sondern etwas Neues, Alternatives zu wagen. “Art is fun” kann man auf ihrer Website lesen und Mareike Müller bestätigt das: “Ich möchte, dass die Leute Spaß haben!” Als DJs legen Freunde von ihr auf, auch unter den “Eclectics”, ihren Künstlern, sind gute Bekannte.

Warum es sie gerade nach Buenos Aires verschlagen hat? Hier habe man noch die Möglichkeit, wirklich neue Talente zu entdecken. Die Kunstszene hier sei noch “erforschbar”, das gefalle ihr. Auch die kulturübergreifende Arbeit ist ihr wichtig, sie sieht sich als eine Art Botschafterin zwischen Europa und Lateinamerika. Ihr nächstes Projekt ist schon in Arbeit, ein befreundeter Künstler aus Europa wird dazu nach Buenos Aires kommen. Es ist beeindruckend, wie Mareike Müller einfach macht, wovon andere träumen – und ganz nebenbei auch noch das Image von Vernissagen angenehm entstaubt.

Die Ausstellung “Paper Scissors Rock” kann noch bis Mitte August besichtigt werden. Anmeldung und Terminvereinbarung per Mail: contact@eclectictomorrow.com oder info@clubhouseba.com.

Fotos von oben nach unten:
Künstlerische Lounge-Atmosphäre.
(Foto: Vanessa Diaz)

Mareike Müller, junge Kuratorin mit Ausstrahlung.
(Foto: privat)

“Der Gorilla” der Jodorowskys

Gastspiel aus Frankreich im Teatro Sarmiento

Von Susanne Franz

Vom 6. bis 30. Juni wird im Teatro Sarmiento (Sarmiento 2715, Buenos Aires) in spanischer Sprache die französische Produktion “El gorila” von Alejandro und Brontis Jodorowsky gezeigt. Das von Vater Alejandro inszenierte und von Sohn Brontis gespielte Werk basiert auf Franz Kafkas “Ein Bericht für eine Akademie” über die Menschwerdung des Affen Rotpeter. Der chilenisch-französische Kultregisseur Alejandro Jodorowsky geht in dem 2009 in Brüssel uraufgeführten Stück noch über Kafkas satirische Kritik am Assimilierungsprozess des Affen hinaus. Für den in Mexiko geborenen Brontis Jodorowsky ist es die dritte gemeinsame Theaterarbeit mit seinem Vater. Vorstellungen sind mittwochs bis samstags um 21 Uhr, sonntags um 20 Uhr. Der Eintritt kostet 60, mittwochs 40 Pesos.

Im Leopoldo Lugones-Saal des San Martín-Theaters läuft vom 12. bis 14. Juni begleitend der Filmzyklus “Jodorowsky x 3”. Auf dem Programm steht u.a. der Kultfilm “El topo” von 1970, in dem Brontis Jodorowsky als Sechsjähriger sein Debüt als Schauspieler gab.

Informationen hier.

Italienischer Sommer in Buenos Aires

“Verano Italiano” – Kulturgenüsse der Apennin-Halbinsel

Von Susanne Franz

Seit dem 1. Juni und bis zum 5. Juli veranstaltet das Kultursekretariat der Stadt Buenos Aires gemeinsam mit der Italienischen Botschaft ein Kulturprogramm sondergleichen. Im Rahmen des “Verano Italiano” werden über 40 Opern, Theaterstücke, Konzerte, Kunst- und Design-Ausstellungen, Kinovorführungen und Gastronomie-Events angeboten – die meisten bei freiem Eintritt. Die Kultur der wichtigsten ausländischen Gemeinschaft Argentiniens wird dabei von hochkarätigen Gästen dargeboten, darunter Uto Ughi, Odino Faccia, Eugenio Bennato, Franco Battiato, Piero Mottola, Francesca Tulli und Bruno Ceccobelli.

Veranstaltungsorte sind u.a. die Usina del Arte (Av. Pedro de Mendoza 501), das Teatro Coliseo (M.T. de Alvear 1125), der Leopoldo Lugones-Saal des San Martín-Theaters (Av. Corrientes 1530), das Museo de Arte Moderno de Buenos Aires (Av. San Juan 350), die Galerie AMA Artemercadoarte (Venezuela 458), das Istituto Italiano di Cultura, M.T. de Alvear 1119 und öffentliche Plätze. Infos hier.

Kreisende Körper

Das “Ballet Contemporáneo” des Teatro San Martín überzeugt auf der ganzen Linie

Von Jana Münkel


Drei sehr unterschiedliche, aber allesamt sehenswerte Stücke junger Choreographen des “Ballet Contemporáneo” hatten am 18. Mai im Teatro San Martín Premiere. Juan Onofri Barbato hat in diesem Jahr den “Premio Creativo Argentino” gewonnen. Der 1983 in Río Negro geborene aufstrebende Choreograph präsentiert sein 25-minütiges Stück “Los trompos” und stellt eindringliche Fragen zu seiner Choreographie: “Was bedeutet es für einen Körper, eine einzige motorische Geste jahrelang zu üben? Was geschieht mit dem Bewegungsapparat, wenn er bis an die Grenze der Funktionstüchtigkeit gebracht wird? Ist es möglich, gegensätzliche physische Abläufe zu vereinigen?”

Es geht tatsächlich vor allem um die Präsenz und die Wahrnehmung des Körpers und seiner Grenzen im Raum. Die Musik von Nicolás Varchausky wirkt industriell, fast mechanisch, und erlaubt, die Aufmerksamkeit auf die Körper an sich zu lenken. Während des gesamten Stückes ist ein “trompo”, also ein Kreisel, anwesend – mal in der synchronen Drehbewegung der Gruppe, mal in jener einzelner Tänzer. Dies erzeugt eine ungekannte Dynamik, die bis zur Erschöpfung der Tänzer ausgereizt wird.

Als Zuschauer wird man mit der Unmöglichkeit konfrontiert, alles zugleich wahrzunehmen. Man muss eine Auswahl treffen, kann immer nur einzelne Bewegungen erhaschen. Als sich gegen Ende eine Solotänzerin aus der Gruppe löst, scheint sie sich zu jedem einzelnen Ton der Musik zu bewegen. Eine packende und gelungene Choreographie.

Das Werk “Ínfima constante” der in Argentinien und Brasilien ausgebildeten Anabella Tuliano setzt mehr auf das Spiel mit Stimmungen und Erzählelementen. Beeindruckend ist der erste, sehr artistische Teil. Leichtrosa gekleidete Tänzerinnen sitzen auf den ausgestreckten Füßen der auf dem Rücken liegenden Tänzer. Vor einer Kulisse aus unzähligen Lichtern schweben sie elfengleich hin und her wie nachts im Winde wehende Blumen. Ein Meisterwerk der Körperbeherrschung. Die folgenden Teile der Choreographie werden leider dominiert von sehr opulenter Musik, die die Aufmerksamkeit erobert und so wenig Raum für das Wahrnehmen der Tänzerinnen und Tänzer lässt.

Das Bühnenbild von Analía González’ “Después del sol” erinnert mit den ungleichmäßig verteilten Stühlen entfernt an das berühmte “Café Müller” von Pina Bausch. Auch die überaus synchronen und sich wiederholenden, stampfenden Gruppenchoreographien können durchaus mit der Kompagnie aus Wuppertal verglichen werden. Sitzen, Fallen, Liegen, Hocken, das sind die Hauptelemente des Stücks. Wichtig sind zugleich Zweierkonstellationen, die zu der Klaviermusik von Ludovico Einaudi und Khaled Mouzanar Gänsehautpotenzial haben. Die Verbundenheit zweier Menschen, die nicht ohne einander können, aber auch nicht miteinander, wird sehr eindrucksvoll in unterschiedlichen Variationen und von verschiedenen Paaren dargestellt. Dabei kippt der Tanz nie ins Klischeehafte ab. Fallenlassen und Wiederaufstehen, Annäherung und Trennung und ein grundsätzliches Ausgeliefertsein an den anderen werden angedeutet und bekommen langen und emotionalen Applaus. Erwähnenswert sind auch die von Julieta Harca und Aliana Kuriss Dick entworfenen Kostüme. Die bunten Kleider der Tänzerinnen sind auffällig, jedoch nicht aufdringlich und passen so wunderbar zu dieser Choreographie.

Dieses neue Programm des “Ballet Contemporáneo” sollten sich Tanzkenner und Tanzneulinge keinesfalls entgehen lassen.

Vorstellungen sind donnerstags um 14.30 Uhr, freitags und samstags um 20.30 Uhr und sonntags um 19 Uhr im Teatro San Martín, Av. Corrientes 1530, Buenos Aires. Am 6. Juni gibt es keine Vorstellung; die letzte Aufführung ist am 9. Juni. Infos hier.

Fotos von oben nach unten:

Blütengleiche Artistik – ein Kraftakt.

Bunte Zweisamkeit in González’ Choreographie.
(Fotos: Alicia Rojo)